Donnerstag, September 28, 2006
Neues aus dem hr
Gestern hat Jürgen Kuttner in seiner Talksendung bei YouFM (hr-Jugendradio) bekannt gegeben, dass er erst mal auf unbestimmte Zeit Pause macht (klang für mich eher wie: "Dem Hörfunkchef war das mittlerweile zu abgefahren, was ich hier mache."
. Echt schade, die Show war echt nah an der Genialität, so was gibts im Radio (zumal im Jugendradio) eigentlich gar nicht mehr. Teilweise war das schon Klangkunst, was Kuttner da mit den Anrufern, abgefahrenen Liedern und dem Mischpult veranstaltet hat.
In der hr-Kantine erkennt man die Mitarbeiter von YouFM meistens daran, dass sie T-Shirts mit dem Logo ihrer Welle tragen. hr-info-Shirts gibts wohl auch, die trägt aber keiner (jedenfalls keiner, der da arbeitet). Dafür verteilte meine Chefin heute nach einer Aufräumaktion veraltete Werbegeschenke: eine Geldklammer des eingestellten Vorgängerprogramms (das war ein Wirtschaftsradio). Wozu braucht man sowas? Hat der Broker von Welt kein Portemonaie, sondern trägt seine 500 Euro-Scheine zusammengeklammert in der Hosentasche? Wenn ich Krawatten tragen würde, würd ich das Ding als Krawattennadel missbrauchen.
Sonntag, September 24, 2006
Schön, aber bräsig
Schön ist die Mainzer Innen- und Altstadt ja schon, das ist mir heute zum ersten Mal seit längerem aufgefallen. Ich war sogar erstmals seit ich hier wohne, also seit fast einem Jahr, in der Stimmung, mir die Chagall-Fenster einer Kirche in der Oberstadt anzugucken, die mir bisher ziemlich am Arsch vorbei gegangen sind (wie auch die anderen touristischen Attraktionen; auch den Dom hab ich bisher nur deshalb einmal von innen gesehen, weil wir für unseren Radiokurs an der Uni auf der Suche nach einem Ort für eine Reportage waren). Leider war aber gerade Gottesdienst, muss ich wohl doch darauf warten, dass mich irgendwann doch noch mal ein Auswärtiger besuchen kommt und ich mich dann auf Touri-Tour begeben kann.
Also, wie gesagt, schön ist das schon irgendwie alles, vor allem die Architektur. Wenn nur nicht alles so friedlich und langweilig wirken würde. Verglichen mit Frankfurt (oder anderen "richtigen" Großstädten) kommt mir das hier vor wie eine Blase oder ein Paralleluniversum, unbehelligt von der Außenwelt. Passend dazu hab ich heute in einem Kurt Beck-Porträt in der "Zeit" den schönen Satz gelesen: "So etwas wie ein urbanes Milieu oder Großstädte gibt es in Rheinland-Pfalz eigentlich gar nicht." Richtig, nur so Provinz(haupt)städte wie Mainz oder Koblenz. Irgendwie ist das hier alles ein Volk von Weinbauern, jedenfalls von der Mentalität her. Die verkörpert unser bräsiger Landesvater natürlich perfekt. Deshalb läuft auch jedes Beck-Porträt (hatte "Die Zeit" nicht gerade bei seinem Amtsantritt als SPD-Chef schon mal ein ganz ähnliches?)auf dieselben zwei Erkenntnisse hinaus: 1. Er wird zwar permanent unterschätzt, sein Machtwille ist viel größer als die äußere Gemütlichkeit vermuten lässt, aber 2. Ob er wirklich für die Bundes- und Außenpolitik geeignet ist, ist höchst fraglich, da er doch irgendwie nie über den eigenen Tellerrand hinaus geblickt hat. Aber Kohl hats ja auch noch weit gebracht.
Die Idolatrie des Todes
Die taz hat heute eine ziemlich gelungene Parodie des FAZ-Schreibstils in einer Satire auf den Herausgeber Frank Schirrmacher und seine kulturpessimistischen Bücher. Mein Lieblingssatz daraus: Zwar hat die Schröder-Regierung durch die Streichung des Sterbegeldes im Jahr 2004 ein mutiges Zeichen gesetzt gegen die Idolatrie des Todes.
Diese Woche habe ich beim Bearbeiten eines FAZ-Artikels einen Satz mit über 50 Wörtern gefunden. Unfassbar.

