Montag, Oktober 30, 2006
Vor dem Mikro
Wenn ich bis jetzt immer gedacht hatte, sprechen im Radio ist schwer, weiß ich seit letzter Woche, sprechen vor der Kamera ist die Hölle. Aber es bleibt einem in diesem Studium ja nichts erspart. Demnächst laufen wir dann mit der Kamera durch die Mensa und über den Weihnachtsmarkt. Dabei hatte ich mich so gefreut, dieses Jahr keinen Artikel über die Eröffnung schreiben zu müssen und stattdessen mit einem Glühwein in der Hand und einem schadenfrohen Lächeln auf den Lippen dem neuen Unterkurs dabei zuzusehen, wie sie sich die furchtbare Rede des volltrunkenen Oberbürgermeisters anhören müssen. Dass moderieren auch Spaß machen kann, fällt mir grad wieder ein, während ich den Ex-Kollegen vom Campusradio bei ihrer Live-Sendung der Campuscharts zuhöre. Ja, Spaß machen solche Live- oder Quasi-Live-Sendungen trotz aller Nervosität schon. Jedenfalls damals bei Campus & DU, der legendären Sendung im Duisburger Bürgerfunk. Richtig live hab ich nur einmal bei Duplex mitmoderiert, bei Nachtfieber, der abgefahrenen Open-End-Show von unter Thomas' HochbettFreitag, Oktober 27, 2006
Strange world indeed
Das etablierte Radio entdeckt die Podcastszene. Deutschlandradio Kultur hat die Aktion Blogspiel gestartet und dazu gibts ab morgen auch eine wöchentliche Sendung. Die Idee ist ja ganz interessant, aber die eingereichten Beiträge sind mir in der Mehrzahl doch zu strange. Hauptsächlich wilde Klangcollagen, deren Sinn sich mir nicht erschließt oder so Sachen wie "Ich spiel euch jetzt mal meine neueste Komposition vor: umgedrehte Tonbänder mit Oboenbegleitung". Die Seite selbst ist auch etwas wirr, die Struktur des Forums bzw. der Community versteh ich überhaupt nicht. Außerdem verwechseln die (absichtlich) Podcast mit Blog, wahrscheinlich weil letzteres hipper klingt.Donnerstag, Oktober 26, 2006
Studium & Beruf
Irgendwie tuts doch gut, wieder an der Uni rumzuhängen statt im praktikum. Vor allem weiß ich die Freiheiten zu schätzen, die damit einhergehen, nicht jeden Tag 8 Stunden im Sender sein zu müssen. So geht man halt zu seiner Lehrveranstaltung und zwischendurch oder anschließend erst mal draußen einen Kaffee trinken. Oh, du schönes Studentenleben. Nachteil dabei ist, dass man sich doch ziemlich alt vorkommt, wenn man mit lauter Erstis und anderen Anfang-20-Jährigen im Seminar rumsitzt.
Inzwischen ist unter meinen Kommillitonen ein wenig die Panik ausgebrochen, weil allen klar geworden ist, dass es mit dem Berufseinstieg wohl doch nicht so leicht wird wie unser Prof uns das vorgegaukelt hat. Von einer Tätigkeit als Pauschalist bei einer Tageszeitung kann man nur schlecht leben, als Freier fast gar nicht und ohne Volontariat kommt man doch nicht so recht weiter, schon gar nicht beim Rundfunk. Der erste denkt schon drüber nach, in der PR-Branche zu arbeiten. Unser Prof hingegen sieht, dass es bei vielen Zeitungen mit den Stellen wieder aufwärts geht. Na, sein Wort in Gottes Ohren...
Ich hoffe mal, dass sich durchs nächste Praktikum was ergibt in Richtung freie Mitarbeit für irgendwelche Kulturzeitschriften oder Feuilletons. Ansonsten wär ich mit 'ner Pauschalistenstelle bei 'ner guten Zeitung auch schon zufrieden, wenn es da irgendne Perspektive gibt, mal 'ne Festanstellung zu bekommen. Worauf ich überhaupt keinen Bock hab, ist, nach dem Aufbaustudium noch ein Volontariat zu machen. Das wär dann die vierte Ausbildung, und langsam reicht's echt. Und Radio kommt auch nicht infrage, weil für Beiträge reicht's mit meiner Stimme nicht und auf diese Planungsdienste oder Assistentenstellen hab ich echt keinen Bock. Dafür brauch ich nicht Journalismus studieren, da kann ich auch irgendnen Bürojob machen.
Dienstag, Oktober 24, 2006
Der diskrete Charme der Bourgeoisie
Letzte Woche hatte ich bei einem Interview eine Begegnung mit einem Unternehmer, die alle meine Vorurteile bezüglich dieser Personengruppe bestätigt hat. Nach dem eigentlichen Interview kamen wir nämlich irgendwie auf das Thema Arbeitslosigkeit in Deutschland zu sprechen. Was der Mensch dann so an Meinungen und "Erfahrungen" absonderte, geht echt auf keine Kuhhaut. Natürlich wollen die Hartz IV-Empfänger ja alle nicht arbeiten, wieso auch, wo man doch davon besser leben kann als von einem Facharbeitergehalt. Jugendliche liegen grundsätzlich immer lange im Bett, hängen dann den ganzen Tag mit ihren Kumpels rum und spielen Videospiele. Ausbildungen brechen sie meistens schnell wieder ab, ebenso wie ein Studium, denn das ist ihnen ja alles viel zu anstrengend. Außerdem sind das eh alles Analphabeten. Schon toll, das Weltbild von so 'nem Typen, dessen Garten größer ist als mancher Häuserblock im sozialen Wohnungsbau, inklusive Springbrunnen vor dem Haus, und der noch nie im Leben mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren ist, weil er ja schließlich auch einen Fahrer zur Verfügung hat. Wenn ich in der fünften Generation Unternehmer bin, hab ich natürlich keinen Bezug zur Lebensrealität der unteren Gesellschaftsschichten - ich könnte auch schreiben, der normalen Menschen -, aber das ich mich dann noch abfällig über die, denen der Wohlstand leider nicht in die Wiege gelegt wurde, äußern muss, geht mir echt nicht in den Kopf. Aber gut, dass wenigstens mein Feindbild bestätigt wurde. Wie sagte mein VWL-Lehrer immer: "Man muss wissen, auf welcher Seite man steht."Mittwoch, Oktober 18, 2006
Zwei Dinge braucht der Reporter
Leider habe ich beide nicht. 1. einen eigenen MD-Rekorder mit gutem Mikro (s.u.) und 2. ein Auto, es sei denn, man macht Lokaljournalismus. In Darmstadt war es ja nie ein Problem, zu den Terminen hinzukommen. Aber nachdem ich für einen Beitrag heute von Frankfurt nach Wiesbaden musste und morgen noch nach Bensheim (irgendwo hinter Darmstadt) muss, wirds doch etwas umständlich. Über 1 1/2 Stunden Hinfahrt für eine halbe Stunde Interview sind irgendwie nicht so wirklich verhältnismäßig.
Nachdem meine letzten Beiträge nie zu der Zeit liefen, wo sie hätten laufen sollen, hier doch noch mal eine Gelegenheit, mich bei hr-info zu hören. Ich hab nämlich für die Buchsendung ein Hörbuch rezensiert. Und die Buchsendung sollte im Normalfall auch nicht verschoben werden. Sonntag um 14.30 Uhr (oder auch schon morgens um 7) könnt ihr erfahren, ob es sich lohnt, 4 Stunden einem Wiener Autor zuzuhören.
Old School - nein danke
Beim hr gibt es größtenteils unglaublich alte Aufnahmegeräte, Kassettenrekorder, deren Alter ich so auf 30 Jahre schätzen würde. Die Dinger sind a) super unhandlich, da sauschwer und nicht wirklich mit einer Hand festzuhalten (hab keine Ahnung, wie man damit z.B. Umfragen in der Fußgängerzone durchführen soll) und b) rauscht es beim Einspielen übers Mischpult dermaßen, dass ich letzte Woche befürchtet hatte, ich hätte die Aufnahme gnadenlos übersteuert. Das ist aber wohl normal, denn "Kassetten rauschen nun mal" (O-Ton Techniker). Ich komm mir mit dem Ding immer vor, als wär ich in die vordigitale Zeit zurück versetzt worden. Einen MD-Rekorder gibts auch, aber da muss man schnell sein, wenn man den haben will. Heute hatte ich extra meinen eigenen von der Uni mitgebracht, aber dann gabs kein Adapterkabel, um das hr-Mikro dran anzuschließen. Na prost, da ist Radio Duplex ja besser ausgestattet. Das beste ist aber, dass es tatsächlich Leute gibt, die einem erzählen, dass diese Kassettendinger besser sind als MD-Rekorder, weil sie angeblich Töne erfassen, die die MD nicht mitkriegt. Nee, is klar, warum denn moderne Technik verwenden, wenn früher alles so schön war. Und demnächst steigen wir wieder vom Schnitt-PC auf die Tonbandmaschinen um, denn die haben ja mal 200.000 DM gekostet und stehen schließlich immer noch in den Studios.Samstag, Oktober 14, 2006
Neues aus dem Blätterwald
Wofür ich die taz liebe, hab ich heute mal wieder gemerkt. Die haben tatsächlich das ganze Wochenends-taz.mag dem Thema Porno gewidmet mit ziemlich klugen Texten, einer Seite Rezensionen (!), einem Selbstversuch einer Redakteurin, sich als Pornodarstellerin zu bewerben usw. So was würd sich glaub ich keine andere Tageszeitung trauen, und die machen es auch noch verdammt gut. Nachdem ich jetzt allerdings schon zum zweiten Mal auf den Film "Art School Sluts" gestoßen bin (die "Splatting Image" hatte den auch mal besprochen, hatte das aber nicht gelesen), sollte ich mir den vieleicht doch mal ausleihen ![]()
Ansonsten habe ich heute die Wartezeit im Waschsalon (der bisherige Tiefpunkt meines sozialen Abstiegs ist, dass ich mich seit einigen Wochen da aufhalten muss) genutzt, um mir die neue Weltwoche zu kaufen. Das Exemplar, das ich letzte Woche auf der Buchmesse gekriegt hatte, hat mir ziemlich gut gefallen und auch das neue Heft hat wieder interessante Themen. Das ist eine echte Alternative zum Spiegel, der mich eigentlich schon seit knapp zehn Jahren nicht mehr interessiert. Die Schweizer Journalisten habens halt drauf. Muss mich nur dran gewöhnen, dass es in der Schweiz anscheinend kein ß mehr gibt, dafür aber komische Wörter wie Rentenbezügler. Ausgewählte Artikel aus dieser traditionsreichen Zeitung kann man übrigens auch online lesen. .
Blanker Neid
Aha, die Kollegen vom Deutschlandradio Kultur haben also gestern Harry Rowohlt on Air ans Telefon gekriegt. Gut, ich muss zugeben, so gut wär das Gespräch bei uns wahrscheinlich nicht geworden, weil die hr-info-Moderatoren nicht solche Kulturspezialisten sind und außerdem hätte das Interview ja nicht länger als vier Minuten dauern dürfen. (Mit Dank an Prospero.)Freitag, Oktober 13, 2006
Von Podcasts und Promis
Heute hätte ich fast ein Telefoninterview mit Harry Rowohlt vereinbart. Wenn der nicht so eine typische Schriftsteller-Existenz führen würde, wie ich das schon vorher vermutet hatte. Anzufragen, ob er morgen um kurz vor sieben was zum 80. Geburtstag von Pu, dem Bären, sagen will, war auch wirklich fast unverschämt. Er rief dann tatsächlich noch zurück, schläft aber morgen bis 12, weil er heute noch eine Lesung hat, sitzt dann im Zug und heute Nachmittag wollte er auch schlafen. Schade, das wär mal ein Interview gewesen, dass ich mir selbst gerne angehört hätte (aber nicht um 6 Uhr 50
).
Ansonsten hab ich diese Woche zwei Tage lang an meinem zweiten Beitrag rumgebastelt. Die nahmens echt ganz genau. Das ist eigentlich ein PR-Stück in eigener Sache. Am Montag startet hr-info nämlich ein Podcast-Angebot und ich erklär in dem Stück erst mal, was ein Podcast denn überhaupt ist. Soll morgen um kurz vor acht laufen - wenns nicht wieder verschoben wird - und wenn ichs richtig verstanden hab, wird die komplette Stunde zwei Stunden später wiederholt.
Sonntag, Oktober 08, 2006
Von Menschenmengen, Mangakids und Minderheitenblättern
Gestern war ich zum ersten Mal auf der Buchmesse in Frankfurt. Etwas enttäuscht war ich vom Comicbereich, der eigentlich der Hauptgrund war, warum ich hingefahren bin. Der war nämlich viel kleiner als ich erwartet hatte. Außerdem kam ich mir selten so alt vor, denn da liefen fast nur Kinder und irgendwelche 14-Jährigen rum, von denen die Hälfte auch noch merkwürdige Manga-Kostüme trug. Und das, obwohl das Cosplay, also der Mangafiguren-Kostümwettbewerb glaub ich erst heute ist. Na ja, erwachsene Comicfans waren jedenfalls nur wenige da. Bei Comicbörsen ist es normalerweise genau umgekehrt. Die Kids interessieren sich leider auch überhaupt nicht für die Comics, die ich so lese. In dem Bereich, wo die Verlage Comics zum Lesen bereit gestellt hatten, saßen viele Kids auf dem Boden, die entweder Mangas oder Superhelden lasen. Dazwischen saß ein grauhaariger Erwachsener, der in einem Blueberry, dem besten französischen Westerncomic, las. Dieses Bild sagt eigentlich alles über die Zukunft der Comics in Deutschland. Direkt daneben gab es zwei Ausstellungen, die mich interessiert haben. Leider waren diese um die Bühne rum platziert und vor den einzelnen Säulen mit den Zeichnungen Sitzgelegenheiten. Auf denen saßen die Kiddies, so dass man sich etwas blöd vorkam, wenn man sich die Blätter angucken wollte. Was außer mir aber eh keiner getan hat, denn den Mangakids ging das natürlich am A**** vorbei. Eine Ausstellung zeigte den französischen Zeichner Jean-Pierre Gibrat, dessen wunderschöner zweibändiger Comic "Der Aufschub" zu den besten Comic-Romanen gehört, die ich gelesen habe. Ähnlich wie in dem Nachfolger "Von Dieben und Denunzianten" erzählt er darin eine tragische Liebesgeschichte im von den Nazis besetzten Frankreich. Seine Zeichnungen sind so poetisch, stimmungsvoll und manchmal auch melancholisch, dass ich einfach nur seufzend davor stehen könnte. Die zweite Ausstellung behandelte die Serie "Bone" des Amerikaners Jeff Smith, die gerade bei Tokyopop in einer colorierten Neuauflage erscheint. Aus diesem Anlass war auch Smith in Frankfurt und stellte sich den Fragen einer Verlagsmitarbeiterin und der Fans. "Bone" ist eine geniale Mischung aus klassischem Funny à la Donald Duck und einem weitschweifigen Fantasy-Epos. Smith war auch sehr charmant, erstaunlich ist aber, wie schlecht so eine professionelle Veranstaltung wie die "Faszination Comic" präsentiert wird. Der Übersetzer war einfach dermaßen mies, der konnte super schlecht deutsch und hatte null Ahnung von Comics. Er übersetzte die Hälfte gar nicht oder falsch, wusste wahrscheinlich nicht, was ein Imprint ist und verwechselte auch noch DC mit Marvel und Carl Barks mit Karl Marx, wenn ich richtig gehört habe. Auch der Moderator der Preisverleihung des Sondermann, eines nach Bernd Pfarr benannten Comicpreises war absolut unwitzig und schlecht.
Danach wollte ich mir eigentlich noch Adreas Platthaus im Gespräch mit "Strizz"-Zeichner Volker Reiche am FAZ-Stand anhören. Da ich mir aber nicht aufgeschrieben hatte, wo der überhaupt war, irrte ich erst mal verloren übers Messegelände, bis ich eine der Hallen mit den Literaturverlagen fand. Da wars supervoll, aber doch ganz interessant. Teilweise waren auch Zeitungsverlage da, so dass man einigen kostenlosen Lesestoff abgreifen konnte. Meine Ausbeute u.a.: eine taz, eine Weltwoche, eine Galore von letztem Monat, die Literaturbeilage der FR, für die mir so ein hartnäckiger Typ ein Probeabo aufgequatscht hat, dass ich gar nicht wollte, ein "Dampf-Radio", die "einzige überregionale Hörfunkzeitschrift", die tatsächlich alle öffentlich-rechtlichen Radioprogramme komplett auflistet und ansonsten weder Fotos noch redaktionelle Beiträge enthält. Und am Trikont-Stand hab ich einen sehr billigen alten Sampler mit teilweise sehr schräger deutschsprachiger Popmusik gekauft. Warum an den Ständen so oft Sekt getrunken wurde, weiß ich allerdings nicht. Haben die alle so gute Geschäfte gemacht oder ist so ein Messetag für die Aussteller sonst nicht durchzustehen?
Freitag, Oktober 06, 2006
Der Höhepunkt...
...meiner Radiolaufbahn ist vermutlich, wenn morgen um ca. viertel vor acht ein Verbrauchertipp von mir bei hr-info läuft. Da ich inzwischen nicht mehr glaube, dass Radio das richtige Medium für mich ist. Wer also zu den Frühaufstehern gehört, kann ja mal reinhören, auch online.Mehr zu Bob
Auf www.bobdylan.com gibts die Texte zum neuen Album doch noch nicht, dafür aber einen Link zu SonyBMG, wo man sich sieben Dylan-Videos ansehen kann. Wirklich bewegend ist der Unplugged-Mitschnitt von "Knockin' on Heaven's Door". Ansonsten ist leider festzustellen, dass Dylan ziemlich schlechte Videos gemacht hat und in den 80ern auch einige höchst mittelmäßige bis schlechte Songs. Vor allem war selbst er nicht davor gefeit, dem Zeitgeschmack hinterherzulaufen und seine Lieder mit Keyboard-Arrangements zuzukleistern. Die Texte zu "Modern Times" gibts dafür auf dieser Fansite. Dazu auch immer Erklärungen, wo er welche Textzeile "entlehnt" hat. Dylan scheint wirklich ein genialer "Dieb" zu sein, das schmälert seine Songschreibekunst mMn aber nicht im Geringsten, denn was er aus all den Einflüssen macht, ist schließlich entscheidend. Auf die Seite gestoßen bin ich durch die taz. Die hat nämlich tatsächlich ein eigenes Blog über Dylan, wo sich auch eine etwas anstrengende Kritik zu seinem neuen Album findet. Er hat noch nie soviel Mühe auf seinen Gesang verwendet wie diesmal? Wie bitte? Er nölt doch rum wie eh und je. Melodien gibt es keine mehr? Häh, und wie nennt man das sonst, was er da singt?Dienstag, Oktober 03, 2006
Danke, Bob
Bob Dylan hat nach 5 Jahren mal wieder ein Album herausgebracht und es ist fast so gut wie das letzte, "Love and Theft". Innovationen sind natürlich von ihm nicht mehr zu erwarten, aber er schafft es, auf gleichbleibend hohem Niveau Platten abzuliefern, die völlig zeitlos sind. Vor allem die Balladen sind wieder wunderschön. Er frönt wieder seiner Leidenschaft für klassische Musikgenres wie Blues und R'n'B, überhaupt klingt die CD so, als wäre sie in den 50ern oder noch früher entstanden. Die Lieder tragen fast archaische Titel wie "Rollin' and Tumblin'" oder "Thunder on the Mountain". Von den Texten versteh ich vor lauter Rumgeknödel leider nicht viel und aus irgendeinem unerfindlichen Grund gibt es ausgerechnet bei Dylan ja auch nie die Texte im Booklet. Aber das Feeling kommt auf jeden Fall wieder rüber, ich schmachte gerne mit dem Meister mit.
Dylan, McCartney, Jagger (und natürlich auch Richards) sind ja im Grunde die erste Generation von Rockmusikern, die nicht früh gestorben oder irgendwann aus dem Geschäft ausgestiegen sind, sondern bis ins hohe Alter einfach weiter ihr Ding durchziehen (die einen schlechter, die anderen besser). Beim Hören von "Modern Times" wird mir schmerzhaft bewusst, dass es nicht mehr allzulange dauern wird bis unwiderruflich die Zeit kommt, wo es nicht alle 5 Jahre mal wieder ein neues Dylan-Album geben wird. Mögen bis dahin noch mindestens 10 Jahre vergehen.

