Donnerstag, November 30, 2006
Weise Worte
Damit dieser schöne Satz nicht untergeht:
"Das Formatradio ist nicht die Zukunft für diejenigen, die das Radio retten wollen."
So der SR-Intendant und künftige ARD-Vorsitzende Fritz Raff letzte Woche auf der Abschlussfeier des Jahrgangs über uns. Ich frag mich nur: Wissen das auch die Intendanten der größeren Rundfunkanstalten?
Dienstag, November 28, 2006
Magazine, die ich nicht verstehe
Dazu zählt definitiv die neon, wie ich gestern mal wieder gemerkt habe. Diese Liste der 100 wichtigsten jungen Deutschen ist ja ganz unterhaltsam, wenn man sie sich betrunken mit einem Freund in der Kneipe anguckt, aber ihr tieferer Sinn ist mir nicht klar geworden. Warum waren Politiker in der Liste vorne und Schauspieler ganz hinten? Oder sollte das gar keine Rangliste sein? Wenn doch, wäre jedenfalls unverzeihlich, dass Julia Jentsch nur auf 97 steht, zwei Plätze vor einer unbekannten Pornodarstellerin. Gemeinsam haben wir es dann auch noch geschafft, das merkwürdige Fotorätsel zu lösen, wo man deutsche Schriftsteller erraten sollte. Warum Frisch und Bachmann allerdings als deutsche Schriftsteller durchgehen sollen, versteh ich auch nicht. Vielleicht hätten die "großdeutsche Schriftsteller" schreiben sollen.
Ich warte jetzt weiter auf die Tempo-Jubiläumsausgabe, die wohl um eine Woche verschoben wurde. Das erklärt meine vergeblichen Versuche, das Heft am WE in diversen Bahnhofsbuchhandlungen zu bekommen. Hoffentlich versteh ich die dann wenigstens noch.
Montag, November 20, 2006
Dein PC, das unbekannte Wesen
Am WE bin ich daran gescheitert, das Bild meines PCs auf den Fernseher umzuleiten. Da ich schon mal das Kabel meines Ex-Mitbewohners angeschlossen hatte, um eine DVD über den Fernseher zu gucken und das auch geklappt hatte, war ich davon ausgegangen, dass die Einstellungen in Windows bereits so sind, dass der Rechner das TV-Gerät als 2. Monitor erkennt. Ich bin aber nur so weit gekommen, dass beim Hochfahren das PC-Bild (allerdings auch nur in sw) auf dem TV erscheint, sobald dann Windows oben ist, zeigt das TV aber nur noch das Windows-Hintergrundbild ohne die Desktop-Symbole, und das wars. Nachdem ich alles in den Einstellungen angeklickt habe, was man anklicken konnte und auch die Tipps aus einem Internetforum nichts halfen, hab ich aufgegeben. Warum bloß müssen PCs so kompliziert sein? Falls hier noch jemand einen Tipp hat, bitte her damit, sonst benutze ich das Kabel, um Bill Gates damit zu erhängen.Hart ist das Studentenleben
Diesen Eindruck habt ihr bestimmt, wenn ihr euch das Foto in der Gallery anschaut. Der MRZ-Fotograf war so nett, es uns zu schicken. Kaum gestellt das GanzeSamstag, November 18, 2006
5 Minuten Ruhm
Unglaublich, wo man sich so selbst im Netz finden kann, ohne damit gerechnet zu haben. Gerade bin ich hier auf Fotos gestoßen, die auch noch gegen mich verwendet werden könnten
. Die Einträge von Jeff Smith bestätigen übrigens den Eindruck, den ich auch bei dem Interview von ihm hatte, sehr sympathischer Mensch (und für einen Ami sehr gut zu verstehen
).
Gestern war wohl auch ein Foto von einigen meiner Kommilitonen und mir, wie wir vor einem Café saßen, in der Mainzer Rhein-Zeitung, aber die liest ja zum Glück wahrschienlich keiner von euch. Das bestätigt mal wieder, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis jeder mal in der jeweiligen Lokalzeitung auftaucht.
Freitag, November 17, 2006
Chopping the carotts
O.k., Karotten hat bei unserem Drehtermin in der Mensa zwar keiner geschnitten, dafür aber Gurken und Tomaten. Der Titel ist ein Zitat aus einem Buch über die 5 Shot-Technik, und die sollten wir bei dem Dreh einüben. War natürlich schwieriger als erwartet, denn dummerweise reagieren die Leute, die man bei der Arbeit filmen will, natürlich nie so, wie man denkt. Nebenbei habe ich Einblicke in die Welt der Großküchen bekommen, die mich nicht unbedingt ermutigen, öfter da essen zu gehen. Also, von der Hygiene war schon alles in Ordnung, aber irgendwie stellt man sich unter Kochen ja doch was anderes vor als diese Massenverköstigung für 6000 Personen.Wiedersehen mit alten Freunden
Dank amazon und Olsens Tipp bin ich seit Dienstag im Besitz der 3. Staffel von Northern Exposure aka Ausgerechnet Alaska. Seit 1998 hab ich nichts mehr von dieser Serie gesehen und entsprechend gefreut habe ich mich auf ein Wiedersehen. Leider finde ich die Originalfassung sehr schwer zu verstehen und Untertitel gibts leider keine, nicht mal englische, was mir ja gereicht hätte. So entgeht mir doch ziemlich viel, was schade ist, weil es sich um eine reine Dialogserie handelt, also ohne große Action oder visuelle Handlungen. Trotzdem ist es toll, all die Charaktere wiederzusehen: den neurotischen Joel, die resolute Maggie, den philosophischen Chris am Morgen, Holling in seiner Bar... Am liebenswertesten finde ich eigentlich die 75-jährige Besitzerin des Tante Emma-Ladens, Ruth-Anne, eine Figur, die sich von der Nebenfigur zu einem Stammcharakter entwickelt hat. Die Frau strahlt soviel Lebenserfahrung und Herzenswärme aus, das man sich sofort wünscht, so eine Oma zu haben. Die Folge, in der Ed sich anlässlich ihres Geburtstages über ihr hohes Alter klar wird, sie voller Mitleid wie eine kurz vorm Tod Stehende behandelt und die beiden zum Schluss auf dem Stück Land tanzen, das Ed ihr für ihr zukünftiges Grab geschenkt hat, fand ich dann auch bisher am bewegendsten.
Was die Serie neben aller Skurrilität so liebenswert macht, ist eigentlich die Idylle, die sie beschreibt. Cicely ist eine perfekte Gemeinschaft, alle respektieren und mögen einander, egal wie unterschiedlich die Einwohner sind. Alter, ethnische Zugehörigkeit, Herkunft, Bildung, Lebensphilosophie spielen hier keine Rolle, jeder kann so sein wie er ist. Der 63-jährige Holling geht mit dem 28-jährigen Chris auf die Jagd, die 75-jährige Ruth-Anne isst zu Abend mit dem knapp 20-jährigen Ed, jeder interessiert sich für den anderen und alle treffen sich in der Dorfkneipe. Natürlich komplett unrealistisch, aber wünscht sich nicht jeder, Teil einer solchen Gemeinschaft zu sein? Übrigens stellt der gegen seinen Willen hier lebende Neuankömmling Joel Fleischman hier keine Ausnahme dar. Er ist eigentlich voll in das Dorfleben integriert, mit einigen Einwohnern schon freundschaftlich verbunden und interessiert sich immer für die Sorgen seiner Mitbürger. Insofern ist die Grundidee der Serie, der ewig nörgelnde Fremde, der so schnell wie möglich wieder zurück nach New York will, nicht besonders konsequent umgesetzt. Man fragt sich immer, warum um alles in der Welt will er eigentlich zurück? Er ist doch da ganz offensichtlich gut aufgehoben.
Dass die Figuren nicht zu Klischees werden, dafür sorgen herrliche Szenen wie die, wo Ruth-Anne mit dem Kinofreak Ed anfängt, über Louis Malle zu diskutieren und schließlich meint, sie bevorzuge Spike Lee. Und eine Morningshow wie die von Chris am Morgen vermisse ich auch noch im deutschen Radio. Dass diese Serie sich in Deutschland nie durchsetzten konnte und nicht mal auf DVD über die ersten 8 Folgen hinaus gekommen ist, sagt eigentlich alles über den desaströsen Geschmack der deutschen Zuschauer.
Sonntag, November 12, 2006
Blogspiel vs. Trackback
Leider sind sowohl Prospero als auch ich beim Blogspiel nicht über einskommairgendwas Prozent hinausgekommen. Gestern lief die 2. Sendung und ich hatte den Eindruck, dass die eingereichten Beiträge generell besser geworden sind. Abends habe ich auch mal Trackback gehört, die ebenfalls neue Blog-Sendung bei Radio Fritz. Die dauert zwar 2 Stunden im Vergleich zu einer halben Stunde Blogspiel, trotzdem hatte ich den Eindruck eher weniger Inhalte bekommen zu haben, weil da halt sehr viel Musik gespielt wird. Dafür ist die Moderation wesentlich lockerer und die Musik auch ziemlich interessant. Blogspiel ist journalistischer, auch experimenteller, dafür auch etwas steif. Das ist eben typisch Kulturradio, Trackback typisch Jugendradio. Bei den Potsdamern fand ich das Gespräch mit Ingo Schmoll interessant und die Live-Berichte von diesen Blog-Awards, obwohl man da mehr hätte raus holen können.Samstag, November 11, 2006
Denk ich an Wuppertal...
Im Wochendmagazin der Süddeutschen gibt es heute einen sehr schönen Text über einen Wuppertal-Rundgang auf den Spuren von Else Lasker-Schüler (leider nur für Abonnenten online zugänglich). Mein Lieblingssatz: "Um die Stadt Wuppertal zu ertragen oder gar zu lieben, muss man sie sich schöndenken, schönreden - also die Arbeit des Lyrikers tun." Der Autor, der selbst einen Teil seiner Kindheit in der Stadt verbrachte, mischt geschickt Biografisches aus Lasker-Schülers Leben mit eigenen Kindheitserinnerungen und Beschreibungen der Stadt. Schön auch: "Ein Albtraum für Fußgänger und erst recht für Fahrradfahrer. Wer sich ein paar Minuten vom Fluss wegbewegt, egal ob nach rechts oder links, der steht schon am Anfang einer steilen Straße oder am Fuße einer noch steileren Treppe. Fast neuntausend Stufen hat die seltsame Stadt, aber man sollte darüber nicht fluchen, sondern besser, keuchend auf dem Weg bergan, zum Beispiel an die Bibel denken, an die Himmelsleiter." Und Wim Wenders habe die Stadt in "Alice in den Städetn" so gefilmt, dass sie "beinahe wie ein ärmeres Viertel von Manhattan aussieht."
Natürlich darf auch nicht unerwähnt bleiben. dass die Wupper früher jeden Tag eine andere Farbe hatte, je nachdem, was die Färbereien gerade in den Fluss geleitet hatten. Damit fängt ja auch Friedrich Engels schon seine "Briefe aus dem Wuppertal" an. Mein Lieblingszitat daraus ist, dass Barmen keine Stadt sei, sondern ein Konglomerat von allerlei Häusern.
Wobei ich inzwischen zugeben muss, dass zumindest Elberfeld doch einen gewissen morbiden Charme besitzt. Vielleicht hat mich die Zeit hier in der Provinz aber auch nur weich gemacht.Verglichen mit Mainz ist Wuppertal jedenfalls eine Metropole.
Mittwoch, November 08, 2006
Lieblingsserien
Meine Top 12 All Time Favourites:
Deep Space Nine - selten hab ich mich so an ein Figurenensemble gewöhnt, faszinierende Charaktere bis zu den kleineren Nebenrollen, düstere Geschichten um Politik, Krieg und Moral, aber auch Humor und Freundschaft. Besser kann SF nicht sein.
Emergency Room - realistisch, spannend, witzig, bewegend. Die ersten drei Staffeln waren perfekt, danach baute die Serie zwar ab, aber selbst heute gibt es immer noch von Zeit zu Zeit ungemein berührende Folgen.
Ally McBeal - innovativ, ausgeflippt, moralisch, liebenswert. Lehrte, dass man auch mit einer Vollmacke beruflich erfolgreich sein kann.
Six Feet Under - eine Serie, die unheimlich viel über das Leben, Familie und zwischenmenschliche Beziehungen zu sagen hat. Gewagt, authentisch, skurril, ernsthaft.
Ausgerechnet Alaska - ein Großstadtneurotiker am Ende der Welt, witzige Geschichten um liebenswürdige Käuze. Eine der am meisten unterschätzten Serien aller Zeiten. (Wann kommen die Staffeln 2ff. auf DVD? Vermutlich leider nie.)
Das Model und der Schnüffler - Bruce Willis und Cybill Shepard waren das (Anti-) Traumpaar schlechthin.
Bill Cosby Show - da war Cosbys Komik noch genial. Machte sich nie über die Probleme seiner Protagonisten lustig. Einfach liebenswert.
Friends - ja, ich habe mich in diesen Figuren wiedererkannt (gut, hauptsächlich in Chandler
).
Third Watch - fast genauso gut wie die ersten ER-Staffeln. Dramatisch, nachdenklich, mit Helden, die zwischen gut und schlecht pendeln wie Menschen im richtigen Leben.
L.A. Law - die erste Serie, die sich traute, moralische Fragen zu diskutieren und gleichzeitig skurrile Typen zu präsentieren, insofern ein Meilenstein.
Next Generation - brachte die Ernsthaftigkeit in die TV-SF. Und die Philosophie.
Miami Vice - wie bahnbrechend stilbildend diese Serie eigentlich war, ist mir wieder bewusst geworden, als der Film rauskam.
So, da fehlt natürlich noch einiges, z.B. Twin Peaks, Der Nachtfalke (mein erstes Radiovorbild
), Remington Steele... Aber ich hab mich für Serien entschieden, die auch heute noch funktionieren, bei den letzteren bin ich mir da nicht so sicher...
Quer durch alle Medien
Morgens Einführung in den Videoschnitt, danach Referat mit PowerPoint (zwischendurch noch eine unverständliche Vorlesung) und abends noch schnell ein Übungs-Radiointerview mit einer Kommillitonin geführt - ja, schon toll, so ein multimedialer Unitag. Vielleicht hätte ich danach doch noch zum Mainzer Mediendisput beim SWR fahren sollen, da gibt's doch bestimmt kostenlos was zu trinkenDienstag, November 07, 2006
Warum es kaum noch gute Radioshows gibt
... erklärt Klaus Walter heute in der taz. Sehnsüchtig erinnere ich mich an die Zeiten zurück, als es im WDR noch Sendungen wie die von Alan Bangs gab. Im Bereich der elektronischen Musik mag es sowas ja noch geben (z.B. Klaus Fiehe bei Eins Live). Aber bei Rock/Pop/Indie? Bei BFBS gibt es noch wenige Sendungen mit guter Musik, wo auch Bezüge zwischen den Liedern hergestellt werden und hier in hr 3 zum Glück noch die Sendung von Klaus Walter selbst: Der Ball ist rund, sonntags um 23 Uhr. War übrigens hervorragend vorgestern.Montag, November 06, 2006
Ich spiele auch mit
Den Waschsalon-Text könnt ihr euch jetzt auch als Audio beim Blogspiel anhören. Und da ich es im Gegensatz zu Prospero nötig habe: Votet für mich!Sonntag, November 05, 2006
Mein wunderbarer Waschsalon
Das erste Anzeichen dafür, dass man selbst auch bald zum abgehängten Prekariat gehört, ist, wenn man sich im Waschsalon wiederfindet. Wer immer auch behauptet hat, das sei ein Ort der Begegnung, wo Singles die Gelegenheit haben, mit sympathischen Vertretern des anderen Geschlechts ins Gespräch zu kommen, scheint noch nie in einem Waschsalon gewesen zu sein. Oder jedenfalls nicht hier in der Mainzer Neustadt. Ein typischer Besuch dort am Samstag Mittag sieht nämlich so aus: Zunächst mal sind alle Maschinen schon im Einsatz. Man steht also so lange sinnlos mit seiner Tasche im Raum rum, bis sich jemand anschickt, seine fertige Wäsche aus einer der Maschinen auszuräumen. Dann muss man sehr schnell sein, denn es gibt auch noch andere Wartende, die sich wie die Aasgeier auf die frei werdende Maschine stürzen. Die Reihenfolge der Ankunft im Waschsalon spielt dabei überhaupt keine Rolle, vielmehr gilt das Gesetz des Dschungels. Hat man nicht aufgepasst oder war schlicht zu langsam, wartet man also weiter, bis die nächste Maschine fertig ist. Das nächste Problem: das passende Geld. Der Automat nimmt natürlich keine größeren Scheine als einen Zehner an. Und wenn man Pech hat, heißt es: Bitte nur passendes Geld einwerfen. Dann muss man erst mal zum nächsten Drogeriemarkt, um seinen Schein in Münzen wechseln zu lassen. In der Zwischenzeit hat natürlich schon wieder jemand anders seine Wäsche in die frei werdende Maschine gestopft. Also: weiter warten. Ist man selbst nach Ablauf des Waschprogramms nicht innerhalb einer Minute an seiner Maschine, um die Wäsche raus zu nehmen, bekommt man natürlich böse Blicke der Kunden, die schon vor der Maschine lauern.
Die Leute, die sich in diesem Salon aufhalten, haben oft keinerlei Ahnung, wie eine Waschmaschine überhaupt funktioniert. Neulich war da so ein Ossi, von dem man unmöglich hätte sagen können, ob der 20 oder 35 ist und der ratlos vor dem Automaten stand und sich schließlich mit dem Satz entschuldigte: "Öch bin höite zöm örsten Möhl hier." Bevorzugtes Transportmittel für die Wäsche sind nicht etwa Reisetaschen oder Koffer, sondern blaue Müllsäcke. Dann braucht man die Wäsche auch gar nicht erst in den Schrank zu packen, sondern kann gleich den ganzen Sack unter der Brücke abstellen. Oder in die Altkleidersammlung geben. Bisheriger Höhepunkt meiner samstäglichen Aufenthalte war eine alte Frau, die erst mal mit einem Tuch auf der Ablagefläche über den Maschinen rumwischte, dann eine Plastiktüte darauf ausbreitete und schließlich anfing, jede ihrer Unterhosen einzeln aus der Maschine zu nehmen und unglaublich langsam auf der Plastiktüte zusammenzufalten. Ein Besuch im Waschsalon gewährt einem Einblicke in die Intimsphäre seiner Mitmenschen, die man wirklich nie gewollt hat.

