Dienstag, Januar 30, 2007

Lauter leere Füllbilder

Mein Gott, ist Fernsehjournalismus oberflächlich. Gestern hab ich aus professionellem Interesse mal 'ne Viertelstunde Report Mainz geguckt. Dieser Bericht über Osteuropäer, die von Scheinarbeitgebern in deutsche Schlachthöfe geschickt werden, bestand ja nur aus Archivmaterial, Statements von Leuten, die im Dunkeln sitzen und mit verfremdeter oder nachgestellter Stimme sprechen, abgefilmten Urteilen und Formularen und zur Krönung immer wieder die gleiche Einstellung von irgendwelchen Arbeitern, die an einem Fließband Fleisch bearbeiten. Letztere Einstellung kam wirklich jedesmal, wenn der Off-Sprecher noch was erzählen musste, zu dem die Autoren anscheinend keine Bilder hatten. Eigentlich eine Zumutung.

Beim Schneiden und Texten unseres Triathlon-Films haben wir eher ein anderes Problem. Wir haben zwar alle schönen Bilder aneinander geschnitten, die wir gedreht haben, aber zwischen den einzelnen Statements der Vereinsmitgleider bleiben jeweils nur 5 - 10 Sekunden für den Off-Text. Und was will man da großartig erzählen? So gehen mal wieder alle Hintergrundinfos über die Vereinsgeschichte und die Faszination dieses Sports verloren. Und das waren ja eigentlich die Gründe, warum ich dieses Thema vorgeschlagen habe. Das Problem beim Fernsehjournalismus sind echt die Bilder. Entweder sie verdrängen den Text oder man kann etwas nicht zeigen, weil man keine entsprechenden Bilder hat und dann wird's abgefilmtes Radio, wie in dem Report-Bericht. Jetzt weiß ich auch wieder, warum ich außer Nachrichtensendungen keine journalisten Sendungen im Fernsehen gucke. Wahrscheinlich stecken in einem Seite Drei-Artikel in der Süddeutschen zehn Mal mehr Informationen als in einer 45minütigen Reportage im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

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Sonntag, Januar 28, 2007

Weck, Worscht und Woi

Das ist so die rheinhessische Variante von Wein, Weib und Gesang, nur ohne Weib ;-). Freitag verbrachte ich mit einem Freund aus Wuppertal einen sehr skurrilen Abend in einem traditionellen Weinlokal in der Mainzer Altstadt. Ich bin ja schon vorher zweimal von Einheimischen in so ein Etablissement geschleppt worden, aber die Gespräche, die sich diesmal so ereigneten, waren echt die Krönung. Am Nebentisch saßen drei ungefähr 70jährige Stammtischbrüder, die vom Besuch beim Urologen bis zur Bundespolitik so ziemlich jedes typische Stammtischthema streiften. Eher untypisch war die Diskussion über die unerschöpflichen Möglichkeiten des Internets ("Guckscht unner www.sowieso un da kannste alles finne." - "Do kannscht doch auch so Filme mit die nackische Fraue gucke." - "Jo, kannscht auch, aber des mach isch nich mähr.";). Fazit des einen Typen, der gerade überlegt, sich einen Laptop anzuschaffen, war: "Do kannscht alles mit mache, nur drucke kannscht net."

Von den älteren Damen an unserem Tisch erfuhren wir noch, dass dieser Tisch Rückspiegel genannt wird, weil Spiegel der Name des Lokals ist und wenn's richtig voll wird, der Inhaber die Gäste an dem Tisch auffordert, doch noch mehr zusammen zu rücken. Angeblich haben die da mal mit 14 Leuten an dem Tisch gesessen, halte das aber für eine Übertreibung.

Die Speisekarte einer Mainzer Weinstube stellt den Auswärtigen übrigens vor echte Herausforderungen. Mir sagte eigentlich keines der nicht gerade zahlreichen Gerichte so wirklich was. Gut, vom Spundekäs hatte ich so eine ungefähre Vorstellung, weil ich den schon mal gesehen hatte, aber Handkäs mit und ohne Musik? Der Herr neben mir machte sich über eine "Nackische" her (nein, das ist nichts unanständiges, sondern eine ungebratene Mettwurst), aber nicht mit "Paarweck", sondern mit Brot, weil Paarweck zu sehr krümmelt. Bei Paarweck handelt es sich um ein doppeltes Weißbrötchen. Im Zuge der ethymolgischen Entwicklung hat sich wohl aus "ein Paar Weck(brötchen)" ein Wort gebildet. Ich hab dann noch mit der Kellnerin ein absurdes Gespräch über Brühwürste geführt, weil ich nicht wusste, dass eine Fleischwurst hier einfach eine dicke Brühwurst ist. Himmel, da bin ich in der Wiener Gastronomie ja besser zurecht gekommen. Aber lustig war's.

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Der Satz des Tages

"Arbeit ist auf Dauer auch keine Perspektive."

Sagte mein Schichtdienst-gestresster Mitbewohner gestern Abend.

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Donnerstag, Januar 25, 2007

Das Haus, wo die Huren wohnen

Mit so einer Headline sollte man doch mal seine Klicks in die Höhe treiben können ;-). Im Ernst: Vorgestern war mal wieder ein Praxisprojekt an der Uni angesagt. Es ging darum, bis 18 Uhr ein aktuelles lokales TV-Nachrichtenmagazin zusammen zu stellen und in Teams dafür tagesaktuelle Themen als Filmberichte umzusetzen. Eines der Themen war ein Mordversuch eines Freiers an einer Prostituierten in deren Wohnung. Die war skurrilerweise in einem der Hochhäuser in Mainz-Marienborn, in denen ich mir auch mal ein WG-Zimmer angeguckt habe. Das war damals im 13. Stock, sagenhafte 31 qm groß (nur das Zimmer, nicht die ganze WG), aber Marienborn ist fast so abgelegen wie Laubenheim (s. hier) und ein absolutes Bauerndorf - nur, dass da eben so drei oder vier Hochhäuser nebeneinander im Nichts stehen. Und da wohnen wohl viele Huren, die dort auch ihrem Beruf nachgehen, wie meine Kommillitonen heraus gefunden haben.

Unser Thema war nicht ganz so boulevardesk, aber nicht minder spannend. Es ging um einen Mietstreit zwischen dem Hilton Hotel und der städtischen Baugesellschaft, der 60 Arbeitsplätze gefährdet. Hätte Spaß machen können, wenn nicht die Stimmung in unserem Team inzwischen so wäre, dass wir uns nur noch gegenseitig annerven. Als man mir dann nach dem Schneiden sagte, ich solle doch jetzt mal eben den Text dazu schreiben und ich dann alle 5 Minuten gefragt wurde, wann ich denn endlich fertig sei, hats mir mal wieder gereicht. Scheinbar kommt es bei uns nur darauf an, schöne Bilder zu haben. Ob noch irgendeine journalistische Botschaft vermittelt wird, ist dann mehr oder weniger egal. Die Informationen bleiben auf der Strecke. Da brauch ich dann gar nicht mehr recherchieren oder texten, sondern kann auch gleich Aufnahmen vom Rhein und vom Dom aneinander schneiden, damit das Auge was zum Erfreuen hat.

Eigentlich hätten wir die ganze Übung heute noch mal wiederholt, aber glücklicherweise stellte sich am Dienstag heraus, dass unsere Kameras bei 0 Grad nicht mehr richtig arbeiten (kosten ja auch nur 5000 Euro). Das brachte den Prof dazu, die Übung abzusagen. Ich hätte mir das auch kein zweites Mal angetan. Wie gesagt: Grundsätzlich kann so was durchaus sinnvoll sein und Spaß machen, es wäre ja auch ein Erfolgserlebnis, in begrenzter Zeit einen kompletten aktuellen Filmbericht fertig zu kriegen (unser Film an sich gefällt mir auch ganz gut), aber wenn im Team keine gescheite Diskussionskultur besteht und sich letztlich immer einer durchsetzt, bringt's nur Stress.

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Mittwoch, Januar 24, 2007

Worüber Studentinnen sich so unterhalten

Heute hörte ich drei ziemlich junge Studentinnen sich auf dem Campus über einen Arzt unterhalten, der meinte, er wäre ja kein toller Chirurg, und das fänden sie süß. Aha, dachte ich, Medizinstudentinnen. Dann meinte die eine: "Aber man kann doch dann nicht gleich sagen: 'Ich werde dir nie wehtun und ich werde dich immer lieben.'" An dieser Stelle kam mir der Dialog ziemlich bekannt vor. In Wirklichkeit unterhielten sie sich nämlich über die gestrige Folge von Grey's Anatomy (ja, ich habe eine Schwäche für amerikanische Krankenhausserien ;-). Es folgte dann noch eine ernsthafte Diskussion darüber, ob die Hauptfiguren Grey und O'Melly zusammen passen oder nicht und warum Grey nicht einfach mit Shepard zusammen ist, obwohl der sie doch wahrscheinlich immer noch liebt, so wie er sich neulich an ihren letzten Kuss erinnert hat. Ach, so wenig Sorgen möchte ich auch mal wieder haben, dass ich über so was ernsthaft diskutiere...

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Montag, Januar 22, 2007

Abgehängt

Albtraum Filmen Fortsetzung: Gestern Morgen wollten wir bei einem 30 km-Trainingslauf des Triathlonvereins drehen. Problem 1: Der startete und endete ausgerechnet in Mainz-Laubenheim, dem abgelegensten, provinziellsten Stadtteil, die diese an provinziellen Stadtteilen nicht arme Stadt zu bieten hat. Da fährt zweimal die Stunde ein Bus hin und der fährt vom Hbf eine halbe Stunde. Da wir auch nicht genau wussten, wo der Treffpunkt der Athleten nun genau war (die fahren da alle mit dem Auto hin und wussten nicht, wie die Straße heißt), hatten wir dann noch eine zu frühe Busverbindung ermittelt, so dass ich erst mal eine halbe Stunde mit dem Equipment im Laubenheimer Park rumsaß und wartete. Nachdem wir ungefähr zehn Minuten vor und vom Start gedreht hatten, meinte mein Kollege: "Ich häng mitr jetzt die Kamera um und fahr denen auf dem Fahrrad hinterher, überhol die, und mach dann ein paar Aufnahmen, wie die so laufen." Abgesprochen war das natürlich vorher nicht. Ich wollte eigentlich nach den Aufnahmen vom Start wieder zurück fahren, weil ich mittags noch nach Frankfurt zum Arbeiten musste. Der dritte Kollege sollte dann irgendwann mittags kommen, um beim Dreh zu helfen, wenn die Athleten wieder am Ziel eintreffen.

Jetzt stand ich da also am Sonntagmorgen im Regen und Wind mit meinem Equipment (Stativ und klobiger Koffer plus zwei Rucksäcke) auf der Laubenheimer Dorfstraße, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass da um die Zeit kein einziges Café, Restaurant oder ähnliches geöffnet hat. Wann der Kommillitone nun eigentlich zurück kommen wollte, wusste ich nicht. Ich setzte mich also auf den Koffer, ließ mich von Einheimischen anstarren, die sich wahrscheinlich dachten: "Wos is des denn für eener, den kenn isch jo gar net." und fluchte innerlich in mich hinein. Eine halbe Stunde später ruft der Kollege an und sagt, er hätte die Läufer gar nicht wieder gefunden, er käme jetzt zurück. Es dauerte dann noch länger, bis er wieder da war. Inzwischen wurde ich zum zweiten Mal an diesem Morgen von einer Frau erschreckt, die ihre Rollläden hochzog - da das das einzige Geräusch auf dieser Straße war. Warum ich beide Male ausgerechnet vor dem gleichen Haus stand, weiß ich auch nicht.

Hinterher stellte sich dann heraus, dass der Kollege von Anfang an falsch abgebogen war, weil er nicht mitbekommen hatte, dass die Athleten einfach geradeaus laufen wollten. Wo er aber dann noch eine halbe Stunde hingeradelt ist, statt einfach nach 5 Minuten umzukehren, ich weiß es nicht. Alles in allem ein sehr erfolgreicher Vormittag, ungefähr drei Stunden Warten und zehn Minuten Drehen und gescheite Bilder haben wir trotzdem nicht. Die einzigen zwei Erkenntnisse hatte ich leider vorher schon: Nie zum Fernsehen gehen und nie nach Laubenheim ziehen.

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Samstag, Januar 20, 2007

Alf-Aphorismus des Tages

"Melmac war ein Paradies. Aber das Leben nach dem Nuklearkrieg war kein Zuckerschlecken."
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Filmen ist die Hölle

... zumindest, wenn man es fürs Journalismusstudium tun muss. Gut, vielleicht war die Idee, ausgerechnet einen Triathlonverein zu porträtieren, auch nicht die beste, da eine Sportart, die aus drei Einzeldisziplinen besteht, natürlich schon per se mehr Drehtermine erfordert. Leider ist es nicht bei den drei Terminen geblieben, sondern wir sind inzwischen schon bei fünf, wobei es zwischenzeitlich auch mal sieben oder acht hätten werden können, wenn nicht das Wetter und andere Unwägbarkeiten dazwischen gekommen wären. Der Mist beim Fernsehjournalismus ist: Ohne Bilder geht nichts. Wo man für einen Printartikel einfach mal jemanden am Telefon befragen kann, muss man fürs Fernsehen immer gleich mit drei Leuten, Kamera und Stativ auftauchen, aufbauen, ausleuchten und irgendwelche Szenen inszenieren. Spätestens als wir bei einem der Gründungsmitglieder zuhause im Hobbykeller standen und versuchten, das Licht so hinzukriegen, dass die Bilder nicht völlig absoffen (mit Hilfe von Stehlampen, Handtüchern etc.) fragte ich mich, was wir da eigentlich tun. Hinzu kommt, dass sich die Mitglieder unseres Teams inzwischen so auf die Nerven gehen, dass wir uns nur noch gegenseitig anzicken. Ans Schneiden von dem ganzen Material möcht ich lieber gar nicht erst denken.
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Montag, Januar 15, 2007

Uns bleibt immer noch Paris

Gestern mal wieder bei Casablanca hängengeblieben, obwohl ich das gar nicht vorhatte. Was für ein Film! So gut hatte ich den gar nciht mehr in Erinnerung, obwohl ich den schon mehrmals gesehen und immer toll gefunden habe. Diese unglaubliche Ausstrahlung von Ingrid Bergmann, die Coolness von Bogart, diese subtilen, leicht schlüpfigen Anspielungen in den Dialogen (z.B. über den Major, der die Not der Bulgarin ausnutzen will und ihr nur Visa verschaffen will, wenn sie mit ihm schläft). Das Pathos, wenn Viktor Lazlo die Marseilaisse anstimmt, als die Nazis in Rick's Café die Wacht vom Rhein singen - und alle Franzosen singen mit, um die Deutschen zu übertönen. Diese Wendungen in der Handlung, die Zwiespältigkeit der Charaktere, dass man eigentlich bis zum Schluss nie weiß, ist der Major jetzt ein Guter oder ein Böser, denkt Bogey wirklich nur an seinen eigenen Vorteil und tut alles, damit Ilsa bei ihm bleibt, oder sind ihm seine Ideale nicht doch wichtiger. Überhaupt diese Mischung aus Liebesgeschichte und politischen Umständen, so genial hat das kaum ein anderer Film zusammen gebracht. Die Atmosphäre in Rick's Café, wo sich Flüchtlinge, Falschspieler, Kleinkriminelle treffen wie in einem Mikrokosmos des untergehenden Abendlandes. Und dann natürlich die Schlussszene, die alleine vier Sätze enthält, die nicht nur Filmgeschichte geschrieben haben, sondern schon in die Alltagssprache eingegangen sind. "Uns bleibt immer Paris. Wir hatten es nicht, bis du nach Casablanca gekommen bist. Gestern Abend haben wir es wieder gewonnen." Kaum zu glauben, dass dieser Film 50 Jahre alt ist, dass wahrscheinlich keiner der Darsteller mehr lebt, und dass er einen doch tiefer berühren kann als 95 Prozent des Zeugs, das heute so gedreht wird. Eines der wenigen zeitlosen Meisterwerke der Filmgeschichte, so was kommt nicht wieder. Spiel es noch einmal, Sam.
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Freitag, Januar 12, 2007

Der große Frust

Unfassbar, wie sehr man nach drei Tagen Uni schon wieder die Schnauze voll haben kann. Ich kann die Leute nicht mehr sehen, ich hab keinen Bock, jede Woche drei zusatztermine neben den normalen Veranstaltungen einplanen zu müssen und davon immer kurz vorher zu erfahren, ich will nicht mehr in unverständlichen und praxisfernen Vorlesungen rumsitzen (das hab ich schon 13 Semester lang in meinem Erststudium gemacht) und letztlich ist es eh egal, ob man sich anstrengt oder nicht, weil an diesem Institut eh alles nur ein großes Gemauschel ist. Heute sagen ernsthaft drei Leute, sie könnten am Freitag vor Rosenmontag nicht am Radiokurs teilnehmen, weil sie da in Düsseldorf sind, um "das Brauchtum zu pflegen". Dafür wurde dann die Übungssendung, die wir an dem Tag fahren sollten, auf einen Samstagvormittag verlegt. Von allen anderen wird natürlich erwartet, dass sie an dem Freitag trotzdem zusätzlich kommen. Da kann man sich nur noch an den Kopf packen. Als ich gestern gehört habe, wie letztlich die Benotung der Masterarbeit abgehen wird bzw. zu welchem Zeitpunkt diese bekannt gegeben werden soll, dachte ich, so was müsste man eigentlich mal an die Presse geben. Die einzige gute Nachricht der vergangenen Tage war, dass wir 1 1/2 Monate eher mit dem Studium fertig werden als ursprünglich geplant, weil die nächste Vorlesungszeit für uns verkürzt wird, damit wir die Prüfungen noch innerhalb des Semesters abschließen können. Wenns nach mir ginge, könnts auch morgen schon vorbei sein.
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Dienstag, Januar 09, 2007

Im Randbezirk

Dass der Stadtteil, in dem ich aufgewachsen bin, tiefste Provinz ist, war mir schon seit langem bewusst. Seit Neuestem ist es aber nicht mal mehr möglich, da zwischen mehreren überregionalen Tageszeitungen zu wählen. Bisher gab es immer noch einen Kiosk, der die taz hatte. Am Samstag vor Heiligabend gabs da leider keine, auch keine Süddeutsche. Da dacht ich noch, gut, die werden wohl schon ausverkauft sein. Dass es dann auch bei den beiden anderen einigermaßen "gut sortierten" Zeitungshändlern keine Süddeutsche mehr gab, Schwamm drüber. So lief ich also in den Nachbarstadtteil, in der Hoffnung, bei einer der beiden nebeneinander liegenden Lottostellen noch eine Zeitung zu ergattern. Eine der beiden ist der einzige Laden im Umkreis, der überhaupt noch die FR führt, was ich schon zu Ostern mal feststellen musste. Aber taz, Süddeutsche: nix. Am nächsten Tag dachte ich mir, ist ja viel freie Zeit an Weihnachten, kauf ich mir mal die FAS. Dass das schwierig werden könnte, hatte ich mir schon fast gedacht, denn die drei Händler, die werktags überhaut überregionale Zeitungen außer BILD führen, haben ja sonntags geschlossen. Und so lief ich von Büdchen zu Büdchen - da gibs zwar genug von, die sonntags auf haben, aber leider überall nur BamS und vielleicht noch Welt am Sonntag. Als ich gerade aufgeben wollte, sah ich eine Tankstelle, und die hatte die Sonntagszeitung dann tatsächlich.

Da der eine Kiosk die taz auch in der folgenden Woche nie ausliegen hatte, fragte ich ihn dann mal, ob er die denn noch habe. Antwort: "Die kriegen wir nicht mehr, die Partei wählt doch hier keiner mehr." Häh, welche Partei, dachte ich mir erst mal, Anarchisten, Kommunisten, oder wer? Nein, er meinte nur die Grünen, die angeblich in dem Stadtteil keine Wähler mehr hätten, weswegen niemand mehr die taz gekauft habe. Nee, ist klar. Fazit: Außer FAZ und SZ gibts in diesem Stadtteil jetzt keine normale überregionale Zeitung mehr zu kaufen. Die Rheinische Post und der Express haben gewonnen. Allerdings spricht es auch nicht wirklich für den Erfolg der taz, wenn es selbst in Städten, wo sie einen eigenen Regionalteil hat (die taz NRW sitzt sogar seit letztem Jahr in Düsseldorf), ganze Stadtteile gibt, wo sie nicht mehr zu kaufen ist, weil scheinbar keine Nachfrage besteht.

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Montag, Januar 08, 2007

Kinotagebuch

Nachdem ich 2006 wesentlich seltener im Kino war als in den zehn Jahren davor, habe ich das durch vier Kinobesuche im Dezember noch einigermaßen ausgleichen können. Und auch im Januar war ich schon in einem meiner Lieblingsprogrammkinos. Hier ein kleines Update über die Filme, die ich neulich so gesehen habe.

Casino Royale

Hätte ich mir aus eigenem Antrieb nicht angeguckt, bin aber überredet worden, mitzugehen. Eigentlich mag ich Bond-Filme ganz gern, aber was Neues kann man ja schon lange nicht mehr erwarten und Daniel Craig interessierte mich in der Rolle wirklich überhaupt nicht. Der Film war dann auch nicht wirklich schlecht, aber leider auch nicht richtig gut. Natürlich gibts einige schöne Verfolgungsjagden, wie man das so erwartet, aber ein Gefühl für Timing hat dieser Film mit Überlänge leider überhaupt nicht. Er fängt schon mit einer viel zu langen Actionszene an. Zwischendurch wird dann einfach mal ein halbe Stunde Poker gespielt, was natürlich enorm spannend ist, wenn man die Spielregeln nicht kennt. Und nach über zwei Stunden, wenn der Gegner besiegt ist und alles so aussieht, als käm jetzt der Abspann, gibt es noch eine überraschende Wendung und es geht wieder mit Action los. Gut gefallen hat mir der Versuch, der doch recht oberflächlichen Bond-Figur etwas meht Tiefe zu verleihen und zu erklären, woher seine Oberflächlichkeit eigentlich kommt. Alles in allem: Na ja.

Winterreise

Ein schöner kleiner Film mit Josef Bierbichler, der einen manisch-depressiven Kleinunternehmer am Abgrund spielt. Seine Firma ist pleite und als dann auch noch seine Frau Geld für eine Augenoperation braucht, lässt er sich auf ein windiges Geschäft ein. Als er merkt, dass er übers Ohr gehauen wurde, reist er nach Afrika, um sein Geld zurück zu bekommen. Aber eigentlich ist es eine Reise ohne Wiederkehr. Untermalt und begleitet wird das Ganze immer wieder durch Lieder aus Schuberts Winterreise-Zyklus. Wunderbar, wenn Bierbichler nachts auf der Landstraße anhält, um mitzusingen von der Straße, die er nicht wieder zurück gehen wird.

Babel

Alejandro Gonzalez Inarittu ist ein Genie. Nach Amores perros und 21 Gramm schon der dritte bewegende Film in Folge. Teilweise ziemlich heftig, aber wirklich mitreissend, diese Geschichten von gestrandeten amerikanischen Touristen in der afghanischen Wüste, mexikanischen Haushälterinnen zwischen den Welten USA und Mexico und einem taubstummen Mädchen in Tokio.

The wind that shakes the barley

Ken Loachs Filme seh ich meistens sehr gerne, der letzte linke Filmemacher Englands. Sein Film über den irischen Unabhängigkeitskrieg erinnert an sein Drama "Land and Freedom" über den Spanischen Bürgerkrieg, ist aber leider nicht halb so spannend. Es gibt zwar schon ein paar bewegende Stenen, alles in allem ist der Film aber sehr vorhersehbar und etwas klischeehaft. Da fand ich seine beiden letzten Filme wesentlich besser: "The Navigators" war eigentlich so ein Film, den man auf Gewerkschaftsseminaren zeigt, aber ein überzeugendes Plädoyer gegen Privatisierung am Beispiel einiger Gleisarbeiter der Britischen Bahn und "Just a kiss" war eine schöne Liebesgeschichte über Konflikte zwischen den Kulturen. Vielleicht war das Thema diesmal einfach zu global im Anspruch, um wirklich packen zu können.

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Spaß mit der Bahn

Auf Wunsch von Jana hier ein Beitrag über das Grauen beim Bahn fahren: Der IC, den ich eigentlich für meine Rückfahrt von Düsseldorf gebucht hatte, hatte sagenhafte 80 Minuten Verspätung. Zwar durfte man stattdessen einen ICE über Frankfurt nehmen, der war aber unfassbar voll mit gepäckbeladenen Ferienrückreisern. Beim Versuch einzusteigen wär ich fast von einer Frau, der wohl ziemlich spät eingefallen war, dass sie auch noch austeigen wollte, aus dem Zug geworfen worden. Ich stand gerade mit einem Koffer und einer Reisetasche auf den Stufen des Waggons, als sie versuchte, an mir vorbei zu kommen. Das Gleichgewicht zu halten, war dadurch nicht so einfach. Zwar wurde ich von Leuten hinter mir halbwegs gestützt, so dass ich nicht rückwärts aus dem Zug fiel, meine Laune war aber endgültig hin. War glaub ich das erste Mal, dass ich im Zug irgendwelche Leute angebrüllt habe. Leider wurde es auch nicht wirklich besser, weil der Zug in Köln nicht nur noch voller wurde, sondern auch das Reservierungssystem ausgefallen war, so dass niemand wusste, wo er sich hinsetzen sollte. Keiner kam durch, weil überall Leute mit Koffern im Gang standen oder erst mal ihre Taschen auf irgendwelche Sitze legten. Herrlich. "We wish you a pleasant journey." Nee klar, haben wir bestimmt gehabt.
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