Samstag, März 31, 2007
Dass ich das noch erleben darf
Gestern habe ich zum ersten Mal seit fast 12 Jahren wieder eine Sendung von Alan Bangs im Radio gehört. Wusste gar nicht, dass der jetzt bei Bayern2 gelandet ist. Seine Sendungen Anfang/Mitte der 90er bei WDR1 fand ich echt fantastisch. Dann hat EinsLive ihn 1995 rausgekickt, weil seine Musikmischung anbegblich nicht mehr ins durchformatierte Programm passte. Danach war er nur noch bei Sendern, die ich nicht hören bzw. sehen konnte (VH1, Radio Eins). Und jetzt höre ich zufällig, dass er ab und zu die Nachtsession bei Bayern2 macht (weiß allerdings nicht wie oft, die vorletzte Sendung war wohl schon Ende Dezember). Und die Musik war wieder wunderschön.
Bei Bayern2 läuft ja auch die sehr renommierte Jugend-/Musiksendung Zündfunk (täglich um 19 Uhr), die ich auch vorletzte Woche entdeckt habe, nachdem ich schon öfters von ihr gelesen hatte. Die spielen ausschließlich Independentmusik und dazu gibt's Beiträge aus den Bereichen Politik, Kultur, Medien... Sehr interessant. Interessant auch, dass ausgerechnet der konservative BR noch solche anspruchsvollen Sendungen für junge Leute hat (der Zündfunk steht ja leider in der Diskussion zum Abschuss) und das dann auch noch auf der Kulturwelle, nicht etwa auf der Popwelle, aber die ist dafür wohl auch zu durchformatiert. In der trostlosen Radiolandschaft Rheinhessens ist die Entdeckung von Bayern2 ein echter Lichtblick, gut, dass Bayern hier so nah liegt.
Donnerstag, März 29, 2007
Der Zauber früher Bergman-Filme
Nachdem ich neulich in einer Schweizer Filmzeitschrift einen längeren Artikel über Ingmar Bergman gelesen habe, bekam ich Lust, mal wieder Filme von ihm zu sehen. Neulich habe ich mir hier in der ortsansässigen Kunstvideothek schon "Das Lächeln einer Sommernacht" ausgeliehen, eine recht witzige Liebeskomödie, mit der Bergman 1955 seinen internationalen Durchbruch in Cannes feierte. Gestern habe ich zufällig gesehen, dass im Frankfurter Filmmuseum "Die Zeit mit Monika" lief. Das war der erste Bergman-Film, den ich je gesehen habe, so mit 15 oder 16 im Fernsehen. Und da ich ja eh grad in Frankfurt arbeite, bin ich da also hin. Hier in Mainz werden solche Klassiker ja nirgends mehr gezeigt.
Irgendwie mag ich diese Leichtigkeit, die in Bergmans frühen Filmen steckt, sehr. Die poetischen Schwarz-Weiß-Bilder, das Spiel mit Licht und Schatten, die leicht entrückte Grundstimmung. Später sind seine Filme ja dann meistens eher depressiv gewesen, aber in der frühen Periode war davon noch wenig zu merken. Dieser Film erzählt eine ganz einfache Geschichte von einem jungen Paar, das zusammenkommt, dem Alltag entflieht, um einen Sommer außerhalb der Stadt auf den Schären-Inseln miteinander zu verbringen, sich schwört, für immer zusammen zu bleiben und nach der Rückkehr nach Stockholm an den Widrigkeiten des Alltags zerbricht.
Die weibliche Hauptrolle besetzte Bergman mit seiner Neuentdeckung Harriet Andersson, von der die Kritiker damals schrieben, sie habe kein großes schauspielerisches Talent, aber dafür eine animalische, sexuelle Ausstrahlung. Als Monika verkörpert sie hier den emotionalen, wilden Typ, während ihr Freund eher rational und vernünftig ist. So bleibt am Schluss auch der Junge mit dem gemeinsamen Baby zurück, weil Monika sich als junge Mutter eingeengt fühlte und noch nicht bereit ist, Verantwortung für andere zu übernehmen. Obwohl das Ende also eher traurig ist, hat der Film wie gesagt diese leichte Atmosphäre. Das Leben erscheint wie ein endloser Sommer, in dem es nichts wichtigeres gibt als zusammen zu schwimmen, zu scherzen, auf dem Boot zu schlafen und gemeinsam in den Sonnenuntergang zu gucken. Kaum zu galuben, dass der selbe Regisseur wenige Jahre später Filme wie "Das Schweigen" drehen sollte, in denen alles menschliche Streben vollkommen sinn- und hoffnungslos zu sein scheint.
Nach den Sommerfilmen ("Einen Sommer lang" mit einer sehr ähnlichen Geschichte wie in "Zeit mit Monika" gehörte auch noch dazu) drehte Bergman dann seine Meisterwerke "Wilde Erdbeeren" und "Das Siebte Siegel", bei denen trotz ernsterem Thema doch noch diese Leichtigkeit immer wieder durchschimmert. Das war dann ganz klar die Hochphase seines Schaffens, Mitte der 50er Jahre. Heute werden solche Filme eigentlich gar nicht mehr gedreht. Was ich schwer vermisse. Aber zum Glück gibt es noch Institutionen wie dieses Filmmuseum, die solche Perlen aufführen.
Die imdb stößt an ihre Grenzen
... wenn man nach asiatischen Filmen sucht, die überhaupt nie im Westen rausgekommen sind. Wenn man dann noch Fotos zu den beiden Schauspielern Tony Leung Chiu Wai und Tony Leung Kar Fai suchen soll, wobei ich bei letzterem noch nicht mal weiß, wie der eigentlich aussieht und die imdb weder ein Foto von ihm hat noch eine korrekte Altersangabe, dann hat man echt ein Problem. Jedenfalls behauptet sie, der Typ wäre 1958 geboren, sieht aber auf den Szenenfotos aus den Filmen, wo er mitgespielt hat, aus wie höchstens 40. Desweiteren fällt es mir schwer, diese ganzen chinesischen Schauspielerinnen auf Diafotos zu unterscheiden, die der epd tatsächlich noch benutzt.
Desweiteren habe ich in meinem Praktikum bis jetzt erfahren, dass es über 140 offizielle Dogmafilme gibt (von denen ich aber nur 7 zumindest vom Titel her kannte) und dass es Filme über den niederländischen Widerstand gegen die Nazibesatzung gibt, von denen ich auch noch nie was gehört habe. Fotos zu "Der Soldat von oranien" gibt es zumindest im epd-Archiv aber nicht, obwohl der mal vom einheimischen Publikum zum zweitbesten niederländischen Film des letzten Jahrhunderts gewählt worden ist. Nach "Türkische Früchte" übrigens, ebenfalls von Paul Verhoeven.
Mittwoch, März 21, 2007
Pause
Das Blog fährt mal wieder einige Tage ins schöne Rheinland. Wer Lust hat, mich mal wieder im Real Life zu treffen, möge sich melden. Ansonsten sehen wir uns nächste Woche hier im virtuellen Raum wieder, dann vielleicht schon mit ersten Eindrücken aus meinem nächsten Praktikum. Bleiben Sie dran!Sonntag, März 18, 2007
Vergessene Filme: Lars von Triers Epidemic
Ich habe mir mal vorgenommen, alle Filme von Lars von Trier zu sehen, auch die, die offiziell nie in Deutschland gelaufen sind. Neben seinem Debüt "Bilder der Befreiung" fehlte mir dazu bis jetzt immer "Epidemic", der zweite Teil seiner Europa-Trilogie. Vor kurzem ist der innerhalb einer DVD-Box, die die komplette Trilogie enthält, erstmals in Deutschland erschienen. Und dank einer wunderbaren Cineasten-Videothek, in der ich gestern zum ersten Mal war, habe ich ihn dann also gestern gesehen. Seitdem verstehe ich auch, warum der hier nie in den Kinos lief. Interessant ist er trotzdem.
Der Film besteht aus einer Rahmenhandlung und einem Film im Film. Zwei Drehbuchautoren schreiben innerhalb von fünf Tagen einen Film, in dem es um eine Epidemie irgendwo im Europa der Gegenwart oder nahen Zukunft geht. Darin versucht ein idealistischer junger Arzt, den an dieser unheilbaren Krankheit leidenden Menschen zu helfen, ohne zu merken, dass er selbst es ist, der den Virus verbreitet. Auch die Autoren merken nicht, dass in der Realität längst eine Epidemie vor dem Ausbruch steht. Am Ende bricht die Krankheit während eines Arbeitsessens mit einem Produzenten aus und zwei Frauen sterben qualvoll vor den Augen der ebenfalls schon infizierten Autoren.
Die Rahmenhandlung ist in einem Dogma-ähnlichen Dokustil gedreht. Statt Schauspieler sehen wir von Trier, seinen Kollegen und den Produzenten, die mehr oder weniger sich selbst spielen. Das Ganze ist wohl auch eher improvisiert. Zwischendurch gibt es dann Szenen aus dem imaginären Film, die sich durch eine Überstilisierung deutlich von der Rahmenhandlung abheben. Auch hier spielt von Trier den Arzt wieder selbst. Von den drei Filmen der Europa-Trilogie ist dies sicherlich der am schwersten zu konsumierende, der sprödeste. Allenfalls in den Film im Film-Szenen ist kurz etwas von der überbordenden Fantsie der beiden anderen Teile zu erspüren. Ansonsten wird die Geduld des Zuschauers auf eine harte Probe gestellt. "Epidemic" ist eher eine filmische Fingerübung als ein ausgereifter Spielfilm, dabei aber eine interessante Reflexion über die Arbeit eines Drehbuchautors. Und die Schlussszene ist so verstörend wie man es schon öfters bei von Trier gesehen hat.
Samstag, März 17, 2007
Sehnsuchtsstadt, Sehnsuchtsland
Die meisten haben ja so ein Traumland, in das sie immer wieder zum Urlaub machen zurückkehren und in dem sie vielleicht mal gerne ihren Lebensabend verbringen oder in das sie auch vorher schon auswandern würden. Meistens ist das dann so ein südliches Land, Italien, Südfrankreich, Spanien oder vielleicht noch Irland. Ich hab gestern Abend zum wiederholten Mal in den letzten Tagen gemerkt: Bei mir sind es doch die Niederlande. Irgendwie bekomm ich immer Fernweh nach diesem Land, wenn ich einen Film sehe, der in einer holländischen Fußgängerzone spielt oder eine Radiosendung über Amsterdam höre wie gestern Abend im DRadio.
Holland ist ganz klar mein Sehnsuchtsland, und das eigentlich schon seit ich 1997 zum ersten Mal in Amsterdam war. Und spätestens seit meinem Auslandssemester in Groningen liebe ich einfach dieses Land, die Kultur, die Architektur, selbst die Sprache (ja, das geht, ich hätte es früher auch nicht geglaubt
). Und wenn ich ehrlich bin, kommt sogar das Wetter meinem Temperament entgegen, denn ich bin nunmal kein Typ, der wochen- oder monatelang heißes Wetter braucht oder toll findet. Dann schon lieber darüber freuen, dass der dauernde Nieselregen mal für ein paar Stunden oder einen Tag von trockenem, sonnigem Wetter unterbrochen wird.
Was mir aber wirklich am meisten gefällt, ist diese prinzipielle Gelassenheit und Toleranz. Dass jeder machen kann, was er will, wenn er nicht gerade einen anderen damit verletzt. Dass es niemanden interessiert, was du mit oder vor deinem Haus machst, dass du auf dem Bürgersteig grillen oder dich sonnen kannst oder das Sofa rausstellen und ein Bier mit deinen Freunden trinken und die einzige Reaktion der Passanten oder Nachbarn ist, dass sie dich freundlich grüßen. Und dass nicht viel Wert auf Äußerlichkeiten gelegt wird, dass auch der Unternehmer und der Hochschulprofessor mit dem Rad zur Arbeit fahren, auch durch den strömenden Regen.
Was die Städte angeht, liebe ich Groningen schon sehr, natürlich auch wegen der schönen Zeit, die ich dort verbracht habe. Aber Amsterdam ist dann wahrscheinlich doch meine Sehnsuchtsstadt. Diese Mischung aus Provinz- und Weltstadt, aus Gedrängel und Lärm auf der einen und der wunderbaren Architektur, dem Vondelpark, den Grachten, dem IJ auf der anderen Seite. Eines Tages aus dem Fenster auf die zugefrorene Gracht gucken, in der die Hausboote liegen, wie Cees Nooteboom in "Allerseelen" schreibt, ja, das ist wohl immer noch mein Traum, wie ich mir den Ruhestand wünsche.
Donnerstag, März 15, 2007
Tetris rules!
Die SZ präsentiert ein wunderbares Video eines jungen Retro-Computerspiele-Fans aus den Niederlanden. Nebenbei auch eine Hommage an den hierzulande kläglich unterschätzten Brotbelag Melkchocoladehagelslag.
Ein Ausweg aus dem Ennui heißt also Ästhetizismus.
Nee, is klar, SZ, hätt ich nicht besser sagen können. ![]()
Mittwoch, März 14, 2007
Du bist Maischberger
Schon witzig, jetzt dauernd ehemalige Größen des Fernsehjournalismus als Vertreter von Sandra Maischberger zu sehen. Und dabei nostalgisch festzustellen, wie langsam manche Talkshowmoderatoren früher waren. Nach Erich Böhme, der seine Fragen so langsam formulierte, dass teilweise die Gäste die Frage selbst vollendeten, war gestern Friedrich Nowottny dran. Der hielt mitten in der Fragestellung erst mal drei Sekunden inne. Und zwischendurch stellte er fest, nachdem er von irgendwelchen Ministern der 60er Jahre gesprochen hatte: "Mein Gott, die kennt ja heute kein Mensch mehr!" Dafür hatten diese beiden Fragesteller noch sowas wie Integrität und vor allem wirklich Ahnung von ihrem Themengebiet. Wenn ich mir dagegen heutige Journalistendarstellerinnen wie Christiansen oder Illner ansehe, die immer so wirken, als hätte man ihnen gerade ihr Spielzeug im Sandkasten weggenommen... Oder Kerner, brrr. Meine Vorschläge für weitere Maischberger-Vertretungen: Blacky Fuchsberger und Friedrich Küppersbusch. Werner Höfer ist ja schon tot.Erotikpresse mit Flugschein
Vor einigen Tagen habe ich meine erste Bewerbung losgeschickt, eine Initiativbewerbung, bei der ich mir eine Chance von ungefähr 1 zu 200 ausrechne. Eigentlich ist ja noch ein bisschen Zeit bis es wirklich Zeit wird, mich ernsthaft nach einem Job umzusehen. Wenn ich allerdings so die Stellenangebote im Internet durchschaue, kann das ja wieder heiter werden. Diese Woche gab's da ein Angebot, wo man einen Flugschein haben sollte. Und neben der Verlagsgruppe, die beliebte Frauenzeitschriften wie "Die neue Frau" rausbringt, suchte auch der Pabel Moewig Verlag Volontäre für seine Zeitschriften der "indizierten Erotikpresse". Goil, endlich mal im Rotlichtmilieu und der Pornofilmindustrie recherchierenMontag, März 12, 2007
Kraftwerk: Das Wunder des einen richtigen Tons
Der Schriftsteller, Online-Pionier und Ex-"Tempo"-Kolumnist Peter Glaser schrieb in seinem 1995er Buch "24 Stunden im 21. Jahrhundert" etwas sehr Kluges über Kraftwerk:
"Kraftwerk zeigen, wie man aus dem unüberschaubar Vielen das Richtige wählt. Vor allem: daß keine Maschine dabei helfen kann, darüber zu entscheiden, welcher Klang der Schönste ist. Dieser Ton ist es, dieser Akkord. Dies ist die Entscheidung. Das ist der Mensch. Das ist das Wunderbare an der Musik von Kraftwerk."
Gestern nach langer Zeit wieder das Album "Trans Europa Express" gehört. Wunderbar. Egentlich ein Konzeptalbum mit dem Thema Europa. Das erste Stück heißt "Europa endlos", das letzte "Endlos endlos". Was ich an Kraftwerk liebe, ist die Klarheit. Klarheit in der Musik, in der Begrenzung auf ganz wenige Töne, auf die dauernde Wiederholung eines sehr kurzen Themas. Aber auch Klarheit im Text, der mMn bei dieser Gruppe immer unterschätzt wird. Die meisten Stücke haben ja nur ein paar Sätze Text, falls überhaupt. Aber die sind so präzise auf den Punkt gebracht, dass es auch nicht mehr zu sagen gibt. Z.B. im Titelstück dieser CD:
Rendezvous auf den Champs-Elysées - verlass Paris am Morgen mit dem TEE.
In Wien sitzen wir im Nachtcafé - Direktverbindung TEE
Wir fahren ein in Düsseldorf, treffen Iggy Pop und David Bowie.
Ja, was braucht man mehr, um diese Stimmung einer Reise in einem grenzüberschreitenden Zug zu verstehen? Gut, der letzte Satz reimt sich leider nicht. Oder die seltsame Sozialkritik in "Spiegelsaal":
Selbst die größten Stars erkennen sich selbst im Spiegelglas.
Manchmal sah er im Spiegel sein eigenes Gesicht, manchmal einen Fremden, den kannte er nicht.
Und der Sänger singt immer Schtars statt Stars, also mit betont deutscher Aussprache. Meine Lieblingsplatte von KW ist aber "Mensch-Maschine" mit unglaublichen Stücken wie "Metropolis" (Text besteht nur aus diesem einen Wort) und "Neonlicht":
Neonlicht, glitzerndes Neonlicht. Wenn die Nacht anbricht, versinkt diese Stadt in Licht.
Die Schönheit und den Schrecken der technologischen Entwicklung und der durchzivilisierten Welt, die haben Kraftwerk schon in den Siebzigern vorweggenommen.
Samstag, März 10, 2007
Wie die Zeit vergeht...
Am Donnerstag flatterte mir völlig unerwartet mein BAFöG-Rückzahlungsbescheid ins Haus. Oh Gott, ist das im August wirklich schon 5 Jahre her? Das Ding hat mich erstmal in eine mittelschwere Panik versetzt, da ich natürlich jetzt noch keine Ahnung habe, wie mein Einkommen im Oktober aussieht, wenn die erste Rate fällig wird. Außerdem ist das ganze schon verdammt deprimierend, eigentlich hatte ich mir das ja schon anders vorgestellt, als dass ich 5 Jahre nach Ende der Förderung immer noch kein Geld verdiene, keinen Job habe und dank Bildungskredits lediglich noch mehr Schulden angehäuft habe.
Karrieren bei der taz
Wenn man der taz-Homepage Glauben schenkt, gibt es bei dieser Zeitung erstaunliche Karrierewege. Einer hat es wohl mal vom Schnittlauchschneider in der Kantine zum Chefredakteur geschafft. Erstaunlich übrigens auch das Redaktionsstatut, da hat der Redaktionsausschuss ja wirklich sehr weitreichende Mitbestimmungsrechte. Das dürfte in Deutschland wohl auch einmalig sein. Aber das macht die taz eben auch so sympathisch.Hörtipp für Prospero
Blogspiel wird irgendwie auch immer langweiliger. Den interessanteren Beitrag zum Thema gab es dann fünf Minuten später im Medienmagazin des Schwestersenders DLF "Markt & Medien". Da wurde der Blogger DonAlphonso interviewt. Anschließend gab es noch einen Beitrag, der für alle Duisburger (Hobby-)Radiomacher interessant sein sollte, über die von der Landesregierung geplante Sendezeitverkürzung beim Bürgerfunk. Und da gabs doch tatsächlich ein Statement von Jürgen Mickley. Oh nein, jetzt verfolgt der mich auch noch bis in mein beschauliches Mainzer ExilMittwoch, März 07, 2007
Immer noch keine Frohnaturen - "Mittelpunkt der Welt" von EoC
Von Heinz Strunk stammt die Erkenntnis, dass wer einmal ein Melancholiker ist, sich auch, wenn er eigentlich allen Grund hätte, glücklich zu sein, nicht mehr in eine rheinische Frohnatur verwandelt. Das trifft wohl auch auf den zum Bestsellerautor avancierten Elements of Crime-Sänger Sven Regener zu. Das aktuelle Album seiner Band "Mittelpunkt der Welt" ist nämlich melancholisch wie eh und je. Nachdem der 2001er Vorgänger "Romantik" nicht so ganz an die vorherigen Platten der Gruppe anknüpfen konnte, haben die vier mit der neuen CD wieder zu ihrer alten Klasse zurückgefunden. Zehn Lieder und kein Ausfall dabei. Und die auch aus dem Radio bekannte erste Single "Delmenhorst" gehört noch zu den schwächeren Stücken.
Gleich nach diesem Lied, dass auch der Opener ist, gibt es mit "Wenn der Winter kommt" eine der typischen herzerwärmenden EoC-Balladen: "Ich folge dir auf das brüchige Eis deiner Jugend", schwärmt Regener im Text. Da sind sie wieder, die Sprachbilder, die zwischen genial und absurd schwanken, von der "Straßenbahn des Todes" bis zur Feststellung "Wo die Neurosen blühen, möcht ich gerne Landschaftgärtner sein." Noch ergreifender werden Regeners Texte nur, wenn es um das Gegenteil von Glück geht und er in die Rolle des Verlassenen schlüpft wie in "Im Himmel ist kein Platz mehr für uns zwei." Oder er wirft die Frage auf, über was man eigentlich noch reden soll, "wenn dein Mund mir keine Liebeslieder mehr singt" (in "Still wird das Echo sein" ).
An anderer Stelle dann wieder das gute Gefühl, wenn jemand länger da bleibt, als man gedacht hatte ("Die letzte U-Bahn geht später" ). Ein Motiv, dass an "Alten Resten eine Chance" erinnert. So wie Regener überhaupt immer wieder Themen aus alten Liedern variiert, ohne sich aber jemals zu wiederholen. So ist das Schlusslied, der Titelsong des Albums, eine weitere Liebeserklärung an eine ungewöhnliche Frau wie zuvor schon "Das alles kommt mit" oder "Mehr als sie erlaubt" von der CD "Weißes Papier". In die Reihe der eher skurril-witzigen Mitsinglieder à la "Bring den Vorschlaghammer mit" passt hingegen "Finger weg von meiner Paranoia", mit den Textzeilen "Sie war mir immer lieb und teuer / Nie ließ sie mich so im Stich wie du" eine Liebeserklärung an die eigenen Neurosen, ohne die man halt auch nicht der wäre, der man ist.
Regener ist auch als Textschreiber immer noch einer der größten Wortakrobaten des Landes. Das alles wäre aber nichts ohne die Musik, ohne die wimmernde Trompete (auch von Regener gespielt), ohne die subtile Gitarre von Jakob Ilja, ohne die kaum hörbaren Streicher, die immer dann dazu kommen, wenn es besonders emotional wird. Keine Band in Deutschland versteht es so, mit ihren Liedern Stimmungen zu erzeugen, Stimmungen, die man besser genießen kann, je später der Abend wird. Und am besten dann, wenn die Straßenlaternen sich auf dem nassen Asphalt spiegeln, während der letzte Spätheimkehrer vor dem Fenster vorbeitorkelt (der übrigens auch in "Die letzte U-Bahn" besungen wird).
Ergänzt wird die Gruppe vom neuen Bassisten David Young, der die Band schon seit langem produziert und mit dieser Platte vom inoffiziellen fünften zum offiziellen vierten Mitglied aufgestiegen ist. Der hat übrigens auch schon John Cale produziert. In dieser Besetzung haben die Elements den Zauber vergangener Meisterwerke wiedergefunden. Und da dachte man schon, sie hätten nach Regeners Romanerfolgen und diversen anderen Soloprojekten die Lust verloren. Aber wer hätte auch diese Lücke füllen sollen?
Ende der Pressefreiheit oder Sieg der Vernunft?
Caroline von Hannover hat vor dem BGH Recht bekommen. Die Presse dürfe über Prominente nur berichten, wenn es dazu einen Anlass von allgemeinem Interesse gebe, der über die Befriedigung der Neugier der Leser hinausgehe. Die FAZ sieht heute schon das Ende der Pressefreiheit heraufziehen, da Journalisten jetzt jedes Mal rechtfertigen müssten, wo das Informationsinteresse liege, und zwar vor dem (potentiellen) Richter, nicht nur vor dem Leser. Dabei sollte doch eigentlich klar sein, dass die Pressefreiheit kein Selbstzweck ist und auch kein Freibrief für alles, was Auflage bringt, sondern deshalb im GG steht, weil sie die demokratische Willensbildung ermöglichen und gesellschaftliche Diskussionen fördern soll.
Was irgendwelche (Pseudo-)Promis in ihrer Freizeit tun, ist hingegen ohne jeden Belang für die Öffentlichkeit. Es kann ja echt kein vom GG schützenswertes Gut sein, die Sensationslust des Volkes zu befriedigen. Vielleicht trägt dieses Urteil ja dazu bei, dass endlich mal der BILD oder diesen ganzen unsäglichen Fotomontage-Regenbogen-Illustrierten das Maul gestopft wird. Dass ausgerechnet die FAZ bemängelt, dass Fotos wie von dem pinkelnden Ernst August in Zukunft wohl nicht mehr möglich sind, ist schon verwunderlich.
Schon seltsam...
Während meines Erststudiums hatte ich in den Semesterferien eigentlich nie irgendetwas zu tun, kein Praktikum, kein Job, meistens noch nicht einmal eine Prüfungsvorbereitung, da die zumindest im Hauptstudium immer während der Vorlesungszeit waren. Jetzt werde ich schon, wenn ich mal die ersten 5 Wochen der Ferien kein Praktikum mache, nach zwei Wochen mehrmals von Kommillitonen gefragt, was ich denn jetzt eigentlich den ganzen Tag lang mache. Etwa fernsehen? Als gäbe es nichts, womit man sich sonst beschäftigen könnte außer studieren und arbeiten. Und neue Einträge für den Lebenslauf sammeln, auf dass man dem Etikett "Generation Praktikum" gerecht werde.
Montag, März 05, 2007
Arne Willander mag deutsche Rockmusik
Zu dem Eindruck kommt man zumindest, wenn man die Plattenkritiken im neuen Rolling Stone durchblättert. Das Comeback-Album der Flowerpornoes lobt er ebenso in den höchsten Tönen wie eine 5er-CD-Rückschau von Blumfeld (die es ja wohl jetzt wirklich nicht mehr gibt). Aha, selbst "Tausend Tränen tief" muss man heute mit anderen Augen sehen, soso. Ich glaube eher, dass in zehn Jahren keiner mehr nach Blumfeld krähen wird außer ein paar Alt-Fans, die dann immer noch ganz melancholisch von Zeit zu Zeit ihre alte "L'état et moi" auflegen werden - zu denen ich dann vermutlich auch gehören werde. Wobei Arne Willander, glaub ich, auch immer absolut jedes neue oder wieder veröffentlichte Album von Elvis Costello in den Himmel gelobt hat - insofern schon mal sympathisch, der Mann.Verschollene Helden
Da habe ich mich doch neulich noch mit einer Freundin gefragt, wo eigentlich Friedrich Küppersbusch geblieben ist und siehe da, die Süddeutsche hat sich vor Kurzem dasselbe gefragt. Ah ja, Küppersbusch und "Willemsens Woche", das waren noch Sternstunden des deutschen Fernsehens. Legendär, wie Küppersbusch am Ende der letzten "Privatfernsehen"-Sendung einfach nicht aufhörte, sondern sich aus Protest gegen seine Absetzung so lange mit dem zugeschalteten Willemsen unterhielt bis die ARD einfach abschaltete, mit dem eingeblendeten Hinweis "Die Sendezeit ist abgelaufen." Herrlich!Sonntag, März 04, 2007
Die Sinnlosigkeit des Heldentodes - Clint Eastwoods "Letters from Iwo Jima"
"Für den Kaiser und das Vaterland", ist einer der häufigsten Sätze, die die japanischen Soldaten in Clint Eastwoods "Letters from Iwo Jima" sagen. Da hat der Zuschauer schon längst erkannt, wie sinnlos es ist, einen ausweglosen Kampf zu kämpfen, eine Schlacht, die schon verloren ist, bevor sie überhaupt begonnen hat. Eine japanische Marineeinheit soll während des 2. Weltkriegs die Pazifikinsel Iwo Jima vor den Amerikanern verteidigen. Sie hat weder Unterstützung von Kriegsschiffen, da der Großteil der Flotte bereits versenkt ist, noch aus der Luft, da das Oberkommando die Flugzeuge lieber zur Verteidigung des japanischen Kernlandes einsetzt. So sind die Soldaten den in erschlagender Überzahl anrückenden Amerikanern hoffnungslos ausgeliefert. Mit der Zeit wird immer klarer: Es geht hier gar nicht darum, die Invasion zu verhindern, sondern nur etwas Zeit zu schinden und möglichst viele Feinde zu töten, bevor sie selbst dran glauben müssen. Denn dass hier keiner überleben wird, steht bald außer Frage. Mit dem Mut der Verzweifelten versuchen die Soldaten ihrer Erziehung gerecht zu werden: Danach ist der Einzelne nichts und das Vaterland alles. Und wenn gar kein Ausweg mehr bleibt, erlaubt der Kodex nur noch den ehrenvollen Tod, das heißt den Selbstmord. Nur ein einfacher Bäcker, der nicht sterben will, weil er seiner schwangeren Frau versprochen hat zurückzukehren, verweigert sich dem sinnlosen Tod durch die eigene Hand. Mit viel Glück schafft er es, bis zum Schluss zu überleben.
Eastwood zeigt den Fanatismus und die Auseinandersetzungen der Offiziere, denen die einfachen Soldaten wehrlos ausgeliefert sind. Aber es gibt auch andere Offiziere, die das Schwarz-Weiß-Denken durchbrechen: den Leutnant, der als Teilnehmer der Olympiade Freundschaft mit amerikanischen Schauspielern geschlossen hat und den General, der an einer amerikanischen Militärakademie ausgebildet wurde. Sie wissen aus eigener Erfahrung, dass die Feinde keine unmenschlichen Tiere sind, sondern sich genau so um ihre Familien sorgen wie sie selbst. Und sie versuchen, inmitten der Sinnlosigkeit dieser Schlacht so etwas wie Menschlichkeit und Vernunft zu bewahren. Aber auch der General ist letztlich zu sehr Opfer seiner Erziehung, als dass er nicht sein Schicksal für unvermeidlich erachten würde. Am Ende hat zumindest der junge Bäcker durch den Brief eines gefallenen US-Soldaten gelernt, dass der Feind auch nur ein Mensch ist: "Was seine Mutter ihm gewünscht hat, ist genau das gleiche, was meine Mutter mir auch immer gesagt hat."
Der Film ist teilweise ziemlich drastisch, mit blutigen Effekten wird nicht gespart. Emotional ist er unheimlich packend. Auch wenn die Verhaltensweisen der Japaner teilweise schwer nachvollziehbar sind, so gelingt es Eastwood doch, sein Anliegen rüberzubringen: dem westlichen Zuschauer zu zeigen, dass sich die japanischen Soldaten in ihren Ängsten und Hoffnungen nicht von den amerikanischen unterscheiden. Ebenso wie es auf beiden Seiten Menschen gibt, die sich barbarisch verhalten und solche, die fair auch gegenüber dem Feind sind. Die Amerikaner werden hier nicht etwa als die moralisch Höherstehenden dargestellt wie in quasi allen anderen US-Kriegsfilmen. Von amerikanischen Geldgebern einen Film produziert zu bekommen, in dem der Pazifikkrieg aus der Sicht der Japaner und in japanischer Sprache erzählt wird und in dem dann auch noch US-Soldaten einen wehrlosen japanischen Kriegsgefangenen erschiessen, ist schon eine Leistung. Außer Eastwood, der inzwischen unantastbar geworden zu sein scheint, hätte das wohl niemand erreicht.
Donnerstag, März 01, 2007
The good, the handsome and the genius
Seit Jahren wird Clint Eastwood als Regisseur und Schauspieler immer besser. Mystic River, Million Dollar Baby, jetzt die beiden Filme über den Pazifikkrieg, die ich leider noch nicht gesehen, über die ich aber nur gutes gehört habe. Absolut bewundernswert, wie dieser Mann es mit über 80 Jahren noch schafft, alle 2 Jahre solche Filme zu drehen, zu denen er dann auch noch die Musik selbst schreibt und was weiß ich noch alles. Zudem muss man es erst mal schaffen, für solche ungewöhnlichen Projekte wie Letters from Iwo Jima Finanziers zu überzeugen. Außerdem sieht er mit seinem muskulösen Körper fitter aus als viele 30-Jährige. Spätestens seit der Oscar-Verleihung ist Eastwood aber eines meiner absoluten Idole. Zu allem Überfluss scheint er nämlich auch noch Italienisch zu sprechen. Zumindest dolmetschte er Ennio Morricones Dankesrede, nachdem der den Ehrenoscar für sein Lebenswerk bekommen hatte (wenn das kein Trick war). Gut, bei der Ankündigung des Films, der ein Medley einiger Filmmusiken Morricones präsentierte, hat Eastwood sich ziemlich verhaspelt. Aber ich deute das mal nicht als erstes Anzeichen für Senilität.
Wo wir gerade bei den Oscars sind. Wie Morricone da die Tränen in den Augen standen, war schon ergreifend. Ein Titan der Filmmusik. Was wären Spiel mir das Lied vom Tod oder Es war einmal in Amerika ohne seine Melodien? Ersterer wahrscheinlich komplett langweilig und letzterer zumindest nur halb so gut. Der zweite ergreifende Moment des Abends (bzw. bei mir Nachmittags dank VHS) war der Regiepreis für Martin Scorsese. Der kleine Mann mit der dicken Hornbrille erinnerte mich in seiner sympathischen Hilflosigkeit irgendwie an Woody Allen. Außerdem hätte ich ihn gerne als Opa. Dass allerdings beide - Scorsese und Moricone - erst jetzt ihren Oscar bekommen haben und anscheinend weder für Das Lied vom Tod noch für Taxi Driver überhaupt nominiert waren, sagt mal wieder einiges über die eklatanten Fehlentscheidungen der Academy. Zumindest schafft sie es immer wieder, ergreifende Momente in ihren Preisverleihungen hinzubekommen. Wie diese Dreamgirls-Nebendarstellerin ihrer toten Großmutter für die Inspiration dankte, fand ich auch nicht schlecht.
Das Lamm ... auf der grünen Wiese
Unwissende machen sich immer wieder gerne darüber lustig, wenn man Benjamin von Stuckrad-Barre zustimmt, die frühen Genesis-Platten seien ganz großartig gewesen. Anläßlich der bevorstehenden Reunion-Tour der Rest-Genesis-Besetzung ohne Gabriel und Hackett gab's einen sehr treffenden Artikel in der FAZ zu dem Thema. And the lamb lies down...Die uncoolste Band der Welt - Element of Crime in Mainz
War heute Abend beim Konzert von Element of Crime. Eine meiner deutschsprachigen Lieblingsbands seit ziemlich langer Zeit (Ich glaub das erste Mal gesehen hab ich die 87 oder 88 bei Jürgen von der Lippes "So isses", da spielten die damals "Blaulicht und Zwielicht"
. Als ich ins Foyer der Halle kam, dachte ich erst mal, was sind das denn für komische Leute hier? Die Band hat echt ziemlich alte Fans - und ziemlich uncoole. Kaum jemand unter 30 da, dafür einige deutlich über 40, die meisten langweilig gekleidet und irgendwie gesetzt aussehend. Und mindestens vier jüngere Leute waren mit ihren Müttern da. Also, ein Rockkonzert wäre so ziemlich das letzte, wo ich mit meiner Mutter hingehen würde, aber gut. Als der Innenraum geöffnet wurden, stürzten sich die meisten erstmal auf die Sitzplätze in den ersten Reihen. Das hatte den Vorteil, dass vor der Bühne genug Platz war, um bequem stehen und die Band gut sehen zu können. So alt bin ich dann nämlich doch noch nicht, dass ich mich beim Konzert hinsetze.
Sympathisch ist, dass EoC-Sänger Sven Regener noch selbst rauskommt, um seine Vorgruppe anzusagen. Die Ansage ging ungefähr so: "Gut, dass wir nicht alleine gekommen sind, sondern Ed Csupkay mitgebracht haben. Ed Csupkay, wo kommt er her, wo geht er hin? Wir wissen es nicht." Auch sehr sympathisch. EoC selbst gingen von Anfang an gut ab, mit einem Klassiker von "Weißes Papier", einem ihrer besten Alben. Von dem spielten sie dann noch vier weitere Stücke. Auch noch älteres Material kam zum Vortrag, sehr schön war "Vier Stunden vor Elbe 1" vom ersten deutschsprachigen Album "Damals hinterm Mond". Und eines ihrer alten englischen Lieder spielten sie auch. Richtig bewegend wurde es immer, wenn Regener zu seiner Trompete griff - echte Gänsehautmusik. Komischerweise gab es gar nichts von "Die schönen Rosen", dafür ein gut gelauntes "Bring den Vorschlaghammer mit", das die Leute zum Tanzen brachte und bei dem man auch gut mitsingen kann. Das Material vom letzten Album hat mir auch gut gefallen, muss mir das doch demnächst mal besorgen.
Die Band besteht aus ziemlich guten Musikern, man merkt schon, dass die was drauf haben mit ihrer fast 25-jährigen Bühnenerfahrung. Ansonsten sind die Jungs selbst natürlich auch extrem uncool. Der Bassist sah aus, als wenn er sechzig wäre, mit langem grauen Haar und ebensolchem Vollbart. Er zupfte beseelt, aber regungslos sein Instrument. Regener schien mir bei seinen Zwischenansagen etwas sicherer geworden zu sein, seit ich ihn vor 5 Jahren das letzte Mal live sah. Damals wirkte er so linkisch, als stünde er erst seit ein paar Tagen und nicht seit 20 Jahren auf der Bühne. Die Überleitungen sind allerdings immer noch lakonisch und ziemlich komisch. Ich halte diesen Mann ja für einen der ganz großen deutschen Poeten der Gegenwart, egal ob er Romane schreibt oder Songtexte. Wie er es immer wieder schafft, mit einfachen Worten komplexe Gefühle und Stimmungen zu beschreiben, ohne dabei peinlich zu wirken, macht ihm so schnell keiner in dieser Sprache nach. Meine Highlights heute Abend waren "Weißes Papier" und "Elbe 1". Als letzte Zugabe spielten sie noch ein ziemlich gutes Stück von Udo Lindenberg, "Leider nur ein Vakuum". Ein rundum gelungenes Konzert. Danach habe ich erst mal meine alten EoC-Alben rausgekramt. Falls ihr morgen noch nichts vorhabt: Da spielt die Gruppe in Düsseldorf. Geht hin und senkt den Altersdurchschnitt!
Nachtrag: Da ich beim Stöbern auf der Element of Crime-Homepage doch einige Fehler in meinem Eintrag gefunden habe, habe ich die mal korrigiert bzw. unklare Songtitel ergänzt. Auch meine Erinnerung hat mich wohl im Stich gelassen: Da "Damals hinterm Mond", die LP, auf der "Blaulicht und Zwielicht" drauf ist, erst 1991 erschien, kann ich die Gruppe nicht 87 oder 88 mit dem Lied bei "So isses" gesehen haben. Da es die Show aber wohl 1991 gar nicht mehr gab, muss das dann eher bei "Schmidteinander" gewesen sein. Dabei hätt ich schwören können... Übrigens: Dass Regener witzig schreiben kann, weiß man, wenn man "Herr Lehmann" oder "Neue Vahr Süd" gelesen hat. Ein weiterer Beweis dafür ist sein Tour-Blog. Wobei die Leserkommentare teilweise auch sehr strange sind. Die Fans scheinen schon zu der Band zu passen.

