Sonntag, April 29, 2007

Wahrheit oder Pflicht

Bei youtube taucht eine ungesendete Pilotfolge auf, in der Charlotte Roche mit Promis Wahrheit oder Pflicht spielt, und die FAS schreibt gleich einen Artikel drüber. Schon komisch, wie dieser Web 2.0-Hype auf die traditionellen Medien überschwappt. Früher hätte das doch außer ein paar Internet-Geeks und einigen 16-Jährigen keinen interessiert. Inzwischen vergeht ja kaum mehr ein Tag, ohne dass eine überregionale Zeitung einen Artikel über StudiVZ, Twitter, MySpace oder was weiß ich bringt. Dieses Video ist zwar teilweise ganz lustig, aber zum großen Teil auch einfach nur peinlich und jenseits aller Schamgrenzen. Zum MTV-Niveau würd's noch ganz gut passen, trotzdem bin ich froh, dass Charlotte dafür keinen Sender gefunden hat. Da ist sie wohl vor sich selbst gerettet worden.
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Freitag, April 27, 2007

Die wunderbare Welt der Autohäuser

Endlich wieder Features schreiben zu spannenden Themen wie "Flaute auf dem Automarkt": mittags bei 30 Grad im Schatten (aber da gabs keinen Schatten!) durch's Industriegebiet laufen, wo die ganzen Autohäuser sind, entnervt aufgeben, weil man die ohne Auto nicht erreichen kann (das ist da, wo man als Fußgänger über eine fünfspurige Straße sprinten müsste, um auf die andere Straßenseite zu kommen, die Älteren unter euch erinnern sich vielleicht), eine halbe Stunde später mit dem zu Hilfe geholten Fahrrad noch mal losgefahren, drei Mal verfahren, weil der Sch***stadtplan total unverständlich ist, abgewimmelt, weil angeblich keiner Zeit für ein Gespräch hatte, noch zu zwei anderen Autohäusern gehetzt, wo die Mitarbeiter entweder das Problem gar nicht sehen oder auch keine Zeit haben. Bis jetzt hab ich weder eine überzeugende These noch irgendwelche Szenen, die ich schildern könnte, immerhin habe ich aber ein Angebot für eine Neuwagenfinanzierung eines VW Fox bekommen. Mein erster Plan war nämlich, einfach mal undercover zu recherchieren, ob es denn stimmt, dass man zurzeit Wahnsinnsrabatte kriegt, wenn man ein Auto kaufen will. Stimmt scheinbar nicht, jedenfalls nicht bei den drei Händlern, bei denen ich war. Vielleicht aber doch. Näheres weiß man nicht. Oh, wie ich diese Wirtschaftsthemen liebe...
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Donnerstag, April 26, 2007

Das ZDF wird mutig

Ausgerechnet das ZDF, sonst bekannt als öffentlich-rechtliche Schnarchanstalt, traut sich in letzter Zeit an innovative Serien-/Mehrteilerformate. Und dann noch bei Krimis, wo doch der ZDF-Freitagskrimi ("Hol schon mal den Wagen, Harry...";) oder das immer wieder neu variierte SOKO-Konzept der Gipfel der Verschnarchtheit sind. Aber dann startete vor zwei Monaten freitags die Serie KDD-Kriminaldauerdienst mit harten Storys, guten Schauspielern und einer rasanten Schnitt- und Erzähltechnik. Eine Serie, die sich vor amerikanischen Krimiserien nicht zu verstecken braucht, die auch thematisch hoch brisant ist, denn es geht um Korruption und Drogenhandel, und die Polizisten stecken immer mittendrin, wenn sie nicht gerade mit ihren diversen privaten Problemen wie Alkoholismus oder Coming out beschäftigt sind. Endlich mal keine moralisch unangreifbaren Figuren wie der Langweiler Derrick, dessen größte Gefühlsäußerung in 20 Jahren war, dass er mal die Augenbraue hoch gezogen hat, sondern echte Menschen, die nicht einfach nur gut oder böse sind, sondern vielschichtig. Und diese Woche läuft dann noch ein Rosa Roth-Dreiteiler, der sich in der Erzählweise ganz klar an "24" orientiert. Sechs Tage werden in drei Folgen erzählt, mit verschiedenen Handlungssträngen und schnellen Schnitten und ebenfalls mit einem hochaktuellen Thema: Terrorismus. Nachdem ich den ersten Teil nicht sehen konnte, hatte ich gestern leider große Mühe, beim zweiten Teil zu verstehen, um was es da eigentlich ging. Aber trotzdem ist dem ZDF zu seinem Mut zu gratulieren, endlich mal aus den gewohnten Mustern, wie in Deutschland ein Fernsehkrimi auszusehen hat, auszubrechen.
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Mittwoch, April 25, 2007

Filmmeldungen

Wenn ihr mal wissen wollt, was ich in den vergangenen Wochen so getrieben habe: Einige Ergebnisse meiner Arbeit sind gerade online. Nichts Aufregendes, halt nur so kürzere Meldungen.
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Dienstag, April 24, 2007

Frankfurt hat was

...dachte ich neulich schon, als ich über die Mainbrücke ging, um zum Filmmuseum in Sachsenhausen zu kommen und die Skyline hinter mir betrachtete. Gestern musste ich einige Stunden in Frankfurt totschlagen. Das Wetter war herrlich, Touristen bevölkerten die Stadt. Am Mainufer sonnten sich die Leute. Es gibt da nette Restaurantschiffe, auf denen man seinen Kaffee trinken und auf den Fluss und die Skyline gucken kann. Auf der anderen Mainseite ist dann gleich der Marktplatz mit dem Römer (= Rathaus), schönen Fachwerkhäusern und dem Dom nebendran. Man sagt ja immer, Frankfurt sei so hässlich und kalt. Das ist eigentlich Quatsch, denn neben den Hochhäusern, die ich übrigens sehr beeindruckend finde, gibt es viele alte Häuser, oft direkt nebeneinander. Und der Marktplatz ist echt schön. Nähert man sich dem Hbf, kommt man dann durch so ein Viertel, das fest in Migrantenhand ist. Und am Rotlichtviertel vorbei. Aber das macht eben eine Großstadt aus, diese Mischung aus Geschäftigkeit, Heruntergekommenheit und Idylle. Kurzum, ich könnte mir ganz gut vorstellen, in Ffm zu leben.
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Vogelgrippe-Verdacht in Mainz

Letzte Woche kam ich nach Hause und die Tauben auf unserem Balkon waren weg. Außerdem hing unser Teppich über der Brüstung, was dagegen sprach, dass sie von alleine weggeflogen waren. Mein Mitbewohner erzählte mir dann, er habe die Nase endgültig voll gehabt und die Viecher vom Balkon geworfen. Seitdem lebten die Beiden auf unserem Innenhof zwischen vergammelnden Fahrrädern, die irgendwelche Mieter da vor Jahren mal haben stehen lassen. Heute erzählte mein Mitbewohner mir eine noch skurrilere Episode. Unsere Nachbarn meinten wohl, die Polizei sei gestern im Haus gewesen, weil irgendwer den Verdacht hatte, die Viecher hätten die Vogelgrippe. Weil sie nicht weggeflogen sind, als derjenige versucht hat, sie zu verjagen. Nee klar, junge Vögel, die nicht fliegen können, haben bestimmt immer H5N1, hallo Paranoia. Jetzt sind die Viecher jedenfalls weg, anscheinend von der Polizei abgeführt. Wobei, so hässlich wie die waren, hätte man echt auf Vogelgrippe tippen können.
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Donnerstag, April 19, 2007

Knut & Benedikt

Also, die deutsche Vanity Fair ist ja wohl mit Abstand die schrägste Zeitschrift, die es gibt. Wirkt eher wie eine Parodie auf eine Publikumszeitschrift. Allein diese Titelmotive: Till Schweiger mit Ziege im Arm, Knut, "Popstar" Benedetto... Letzte Woche hatten die dann ernsthaft eine achtseitige Fotostrecke mit Knut. Von halbnackten Ex-Finanzministern ganz zu schweigen. Wundert mich, dass die latexbehandschuhte Landrätin im Konkurrenzmagazin abgebildet war.
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Mein Inland Empire in 4,5 Sätzen

Du weißt, es liegt eine Herausforderung vor dir, wenn du David Lynchs neuen Film in 4 Sätzen beschreiben und bewerten sollst (ohne ihn gesehen zu haben, das kommt noch erschwerend hinzu), eine vielfach verschachtelte Film-im-Film-Geschichte auf mindestens drei Erzählebenen mit 4 Anfängen und ebenso vielen Enden, wenn ich der FAZ-Kritikerin von heute glauben will. Na ja, das Ergebnis läuft dann in ein paar Tagen über den epd-Ticker. Ansonsten habe ich gestern und heute exzessiv Korrektur gelesen. Hätte nicht gedacht, dass es bei einer echten Zeitschrift genauso zugeht wie letztes Jahr bei unserer Magazinübung an der Uni. Jede Seite wird noch mal von vier, fünf Leuten auf Fehler gelesen. Und dann mit Korrekturzeichen versehen. Dachte bisher immer, außer bei uns an der Uni verwendet die heute keiner mehr. Zumindest konnte ich auf die Weise verhindern, dass das Wort Assasinin im Heft auftaucht. Ich muss allerdings sagen, nachdem ich so fast das komplette Heft am Stück gelesen habe, reichts auch erst mal mit dem Kulturjournalismus. Da freut man sich doch wieder über einen sachlichen Zeitungsbericht ;-). Am letzten Tag hab ich's dann noch fast geschafft, mich unbeliebt zu machen, weil ich fest eingeplant hatte, morgen nicht mehr kommen zu müssen, und heute auf die Frage, ob ich nicht doch noch mal kommen will, anfing rumzudrucksen.

Übrigens, wer die Blumfeld-Anspielung in der Überschrift findet, darf sich ein Lied von Jochen Distelmeyer wünschen. Spielen müsst ihr es euch dann aber selbst ;-).

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Mittwoch, April 18, 2007

Bloggen in Ägypten

Hannes Koch berichtete gestern in der taz in einem interessanten Artikel über das gefährliche Leben der Blogger in Ägypten. Mein Lieblingssatz war dieses von Shakespeare erfundene Brutuszitat, dass die eine ägyptische Bloggerin über ihre Seite gestellt hat: "Ich liebte Cäsar nicht weniger, sondern ich liebte Rom mehr."

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A-Blogger-Bashing

Die FAZ kritisiert heute das Verhalten der A-Blogger, die sich bei der republica mal wieder nur selbst gefeiert hätten. Ich verfolge die Blogosphäre ja zu wenig, um das alles einschätzen zu können, unrecht scheint der Autor mir aber nicht zu haben. Tatsächlich stelle ich z.B. fest, dass bei Trackback ständig die Spreeblick-Macher andere A-Blogger einladen (meistens dieselben), die dann wieder über Veranstaltungen oder Aktionen sprechen, an denen Spreeblick auch beteiligt ist. Oder Johnny Häusler lässt sich gleich selbst von seinem Freund Holger Klein zu seiner neuen Firma Adical interviewen. Dass viele "große" Blogs nicht viel zu schreiben hätten, wenn sie sich nicht ständig über Profi-(Print-)Journalisten aufregen würden, kommt mir manchmal auch so vor.
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Sonntag, April 15, 2007

Sommer in Mainz

Immer, wenn ich denke, Mainz ist gar nicht so schlimm, werde ich sofort eines Besseren belehrt. Wie man es als Stadt schaffen kann, sich den schönsten Ort, den man hat, nämlich das Rheinufer, mit Kirmesständen und Fahrgeschäften zu verschandeln, so dass man sich als Radfahrer zwischen bummelnden Kirmesgängern durchkämpfen muss, ist mir ein Rätsel. Warum diese Scheißkerb, wie das hier wohl heißt, eine Woche nach Ostern immer noch da ist, ein noch größeres.

Der Volkspark in Weisenau ist eigentlich ganz schön, aber doch ziemlich weit weg, vor allem wenn man anscheinend den kürzesten Weg vom Rhein dahin nicht gefunden hat. Etwas nervig sind allerdings diese ganzen grillenden türkischen Großfamilien. Irgendwie wird man von allen Seiten mit Qualm eingenebelt. So was gibt's sonst eigentlich auch nur im Berliner Tiergarten.

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Samstag, April 14, 2007

Liebestorso

Der skurrilste Satz, der mir bei meinem Praktikum bisher untergekommen ist, war in einer Kritik eines Jörg Buttgereit-Films: "Er vollzieht den Beischlaf mit einem aufblasbaren Liebestorso." Schön fand ich auch, dass der Autor einer Besprechung alter deutscher "Erotik-Filme" auf DVD (u.a. Hoppe Hoppe Reiter - Engelchen mach weiter) ganz enttäuscht feststellt, dass diese Filme nichts Interessantes zu bieten hätten. Immerhin spielt in einem aber Helmut Markwort in einer Kurzrolle mit. Passt ja zu dem Spruch "F*****, f*****, f*****, und endlich mal nicht an die Leser denken." ;-)

Sowohl der epd als auch der katholische Filmdienst verreißen einhellig einen im Mai anlaufenden Skandalfilm des Belgiers Bruno Dumont, "Twenty-nine palms", als quälenden Kunsttrash. Da geht's um ein kommunikationsgestörtes Paar, das (nicht gespielten) Sex in der Wüste hat. Ansonsten gibts pseudo-allegorische Landschaftsbilder (die Leere der Wüste als Metapher für die innere Leere des Paars, blabla...) und zum Schluss unmotivierte Gewaltausbrüche, als der Typ vergewaltigt wird und danach mehr oder weniger grundlos seine Freundin umbringt. Der Film soll teils unfreiwillig komisch und teils einfach unerträglich sein, zumal man zwar alles Mögliche reininterpretieren kann, aber die Handlung an sich halt keinen Sinn macht. Und was schreibt der FAZ-Kritiker? Zunächst zwar ungefähr dasselbe, dann kommt er aber zu dem Fazit, dass der Film doch interessant wäre, denn es müsse ja nicht immer alles rational erklärbar sein und es sei ja gut, wenn man mal völlig verstört aus dem Kino kommen würde und gar nichts mehr verstehen würde. Nee, is klar. Wobei ich gestehen muss, dieser Film hört sich so trashig an, dass ich fast schon Lust bekommen habe, ihn mir anzusehen.

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Freitag, April 13, 2007

Gedanken übers (Musik-) Radio Machen

Ob sich Jörg wohl auch so viele Gedanken macht ;-)?
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Gespräche über Grey II

Es ist wieder passiert: Vorhin habe ich schon wieder ein Gespräch junger Studentinnen über "Grey's Anatomy" belauschen dürfen/müssen. Irgendwie scheint das für einen Mann wirklich die ideale Serie zu sein, um etwas über die Gefühlswelten junger Frauen zu erfahren. Leider nur über die von oberflächlich wirkenden Erstsemestlerinnen ;-). Wobei die heute zumindest in einem Punkt dieselbe Meinung hatten wie ich: dass nämlich die Hauptfigur Meredith total nervig ist und endlich mal erwachsen werden sollte. Ich finde die auch die uninteressanteste Figur der ganzen Serie. Irgendwie so 'ne magersüchtige verwöhnte Schnepfe - Ally McBeal für Arme. Wobei, das ist ja in vielen Comicserien auch so ist, dass die Titelfigur eigentlich total langweilig ist (z.B. Asterix, Lucky Luke, Tim, Micky Maus, mit Einschränkungen auch Spirou), während die Sidekicks oder die wiederkehrenden Gastcharaktere schillernde Persönlichkeiten sind (Obelix, Rantanplan, Haddock, Goofy, Fantasio usw.). Die Titelhelden fungieren da mehr so als Katalysator, als ruhender Pfeiler inmitten lauter exzentrischer Gestalten. Aber ein Dr. Ross oder Carter waren mir dann doch lieber als diese Grey.

P.S.: Mit diesem Eintrag dürfte ich, was die Skurrilität meiner kulturellen Vorlieben angeht, Prosperos Einträgen Konkurrenz gemacht haben ;-).

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Donnerstag, April 12, 2007

Der Triathlon-Experte

Nachdem sie ihn 4 Wochen geschoben haben, hat die FAZ gestern endlich meinen Artiikel über den Triathlon-Verein gedruckt. Manchmal zahlt sich Dreistigkeit eben doch aus. Wenn ich das jemandem aus der Realschule erzähle, dass ich was auf der Sportseite veröffentlicht hab, glaubt mir das wahrscheinlich auch keiner ;-).
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Montag, April 09, 2007

Draußen nur Kännchen

Habe heute mein schon lange gehegtes Vorhaben in die Tat umgesetzt, mal an den Mittelrhein zu fahren. Dabei habe ich festgestellt, dass ich wahrscheinlich doch noch zu jung für solche Ausflüge bin. Also, vom Zug finde ich diese Strecke zwischen Bingen und Boppard ja immer sehr beeindruckend, aber wenn man erst mal in einem dieser Orte aussteigt, merkt man leider, dass da halt nichts ist. St.Goar besteht eigentlich nur aus zwei Straßen: einer Fußgängerzone mit Restaurant an Café an Imbissbude und der Straße am Rhein. Nach 35 Minuten hat man eigentlich alles gesehen. Außerdem stören einfach die Menschen. War super voll da mit Familien und Rentnern, die sich wahrscheinlich alle die Loreley angucken wollen. Was an der so toll sein soll, hab ich übrigens noch nie verstanden. Boppard ist etwas größer und vom Stadtbild her auch schöner. Dafür ist die Aussicht schlechter, denn auf der anderen Rheinseite ist nix, jedenfalls kein anderer Ort. Dafür kann man da direkt am Rhein im Café sitzen, wo man den Cappucino noch mit Sahne aus der Sprühflasche serviert bekommt, und Kaffee gibt's draußen nur im Kännchen. Bin dann noch auf die verwegene Idee gekommen, diesen Berg hoch zu klettern, von dem aus man die angeblich größte Rheinschleife (Deutschlands? Der Welt?) sehen kann. Da fährt zwar auch eine Seilbahn hoch, aber ich bin absolut nicht schwindelfrei. Der Aufstieg hat zwar nur zehn Minuten gedauert, war aber doch eine ziemliche Kletterei. Fazit: Alles ganz nett, aber ich bin doch froh, dass ich von meinem in anfänglicher Mittelrhein-Euphorie, als ich damals das erste Mal nach Mainz gefahren bin, gefassten Vorhaben, mal über Nacht in einem dieser Käffer zu bleiben, schon länger wieder abgekommen bin.
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Der völlig überschätzte Herr der Ringe - Warum Bone das bessere Fantasyepos ist

Diesen Hype um Herr der Ringe hab ich nie verstanden. Das Buch kenne ich zwar nicht, aber schon diese super lange Hörspielfassung, die Anfang der 90er vom WDR produziert wurde, habe ich irgendwann wegen Langeweile nicht mehr gehört. Da ja alle Fans die Verfilmung von Peter Jackson für ziemlich werkgetreu halten, nehme ich aber die mal als Maßstab für meine Bewertung. Den ersten Teil fand ich damals im Kino ja noch ganz unterhaltsam, den zweiten habe ich beim ersten Sehversuch auf DVD schon nach der Hälfte ausgeschaltet, weil mir dieser Golom einfach nur auf die Nerven ging. Und dann diese sprechenden Bäume, also sorry, bin ich im Kindergarten? Hab den dann zwar noch mal im TV bis zuende geguckt, aber fand ihn bestenfalls mittelmäßig. Gestern versuchte ich dann, mir den letzten Teil bei RTL anzusehen. Habe etwas über eine Stunde durchgehalten. Also, wo war denn da bitte die Story? Abgesehen davon, dass der Film weder einen Anfang noch eine Rückblende auf die bisherige Handlung hat, passiert ja nichts, was im Teil vorher nicht auch schon zu sehen gewesen wäre: Irgendwelche Guten kämpfen gegen irgendwelche Orks und die Hobbits klettern mit dem nervenden Golom einen Berg hoch. Na toll. Abgesehen von der fehlenden Spannung geht mir auch dieses pathetische, völlig humorlose Geschwafel auf die Nerven: "Dies ist die Schlacht, die geschlagen werden muss" und so was. Was der Saga völlig fehlt, ist so was wie Ironie, ein Augenzwinkern, das zeigt, dass halt alles doch nicht so ernst ist, nur ein Fantasymärchen. Hab dann noch mal ins Ende reingeschaltet, was ebenso bierernst, pseudo-emotional und vorhersehbar war wie der Rest. Und dann wurde auch noch alles mit kitschiger Musik zugekleistert. Also, liebe HdR-Fans, wenn das das Nonplusultra der Fantasy sein soll, weiß ich auch nicht mehr.

Wie man hingegen eine wirklich gute epische Fantasystory erzählt, hat der Amerikaner Jeff Smith mit seiner Comicserie Bone gezeigt, die gerade vom Tokyopop-Verlag in einer sehr schönen und preisgünstigen neunteiligen Ausgabe neu herausgebracht wird. Und erstmals in einer colorierten Fasung, denn ursprünglich war Bone schwarz-weiß. Auch hier geht es um einen Krieg in einem mystischen Land. Die Menschen kämpfen nach einer langen Friedensperiode gegen ihre alten Feinde, die Rattenmonster, die von einem geheimnisvollen Führer befehligt werden. Mittendrin die drei Bones, Vettern, die zufällig in dieses Land geraten sind. Sie helfen der ehemaligen Königin des Landes, einer resoluten, wenn auch etwas schrulligen Oma, und deren Enkelin, der Thronerbin, die bisher nichts von ihrer Herkunft und ihrem Schicksal wusste.

Ungewöhnlich ist der Genremix dieser Serie. Die Bones sind nämlich typische Cartoonfiguren im Stile Disneys, sehr stilisiert gezeichnet. Vom Charakter her erinnert Fone Bone an Micky Maus, Phoney Bone an Onkel Dagobert und Smiley Bone an Goofy. Ihnen gegenüber stehen richtige Menschen. Die Handlung beginnt eher heiter-verspielt mit vielen herrlichen (Bild-)Gags, wird aber im Laufe der Serie immer düsterer, bis sie epische Ausmaße annimmt. Denn es geht um Verrat, Krieg, blutige Schlachten, mystische Elemente. Smith gelingt es nun auf geniale Weise, diese beiden Elemente -Funny-Comic und Fantasy-Epos -zusammenzubringen, ohne dass das aufgesetzt oder künstlich wirkt. Man fühlt mit den Charakteren und lacht gleichzeitig über sie. Dabei nimmt er die Handlung durchaus ernst, schreibt nicht etwa eine Parodie auf klassiche Fantasygeschichten. Aber trotzdem wird es nie bierernst, denn selbst in Momenten größter Gefahr oder mitten in der Schlacht gibt es immer wieder comic reliefs, irgendeine absurd-witzige Bemerkung oder Grimasse eines der Bones oder eine skurrile Situation. Dazu kommt die handwerkliche Perfektion Smiths beim Zeichenstil. Der ist meistens bewusst einfach gehalten, aber immer genau so detailliert, wie es die jeweilige Situation erfordert. Und mit drei Strichen und zwei Kreisen kann Smith in einem Gesichtsausdruck mehr erzählen als andere Zeichner auf einer ganzen Seite. Wer also mal ein wirklich gelungenes Fantasyepos lesen will, mit Rattenmonstern, Drachen, sprechenden Wanzen, Opposums, Prinzessinnen und drei sympathischen Cartoon-Vettern, der greife zu Bone. Danach kann man Mittelerde vergessen.

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Prospero macht sich Sorgen

...über die Knutisierung unserer Gesellschaft.
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Freitag, April 06, 2007

Ratten der Lüfte

Dummerweise hat sich vor einigen Wochen eine Taube entschlossen, ihr Nest ausgerechnet auf unserem Balkon zu bauen. Da stand nämlich noch ein alter Couchtisch, den ich mal als provisorischen Küchentisch vom Sperrmüll hier hoch geschleppt hatte. Da ich da nicht ständig drunter geguckt habe, bermerkte ich die Taube erst, als sie schon ihre Eier gelegt hatte und wollte die dann nicht mehr verjagen. So lange die da friedlich brütete, war ja auch alles in Ordnung. Dann schlüpften aber vor 2 Wochen die Jungen und seitdem scheißen die Viecher unseren schönen Balkon zu. Die Küken leben mehr oder weniger in ihrem eigenen Dreck bzw. scheißen sie immer auf einen Kreis um sich herum. Eklig. Eigentlich würde man ja jetzt gerne mal wieder auf dem Balkon sitzen, aber so lange die Viecher nicht endlich fliegen gelernt haben und man den Mist mal saubermachen kann, sieht das nicht besonders ästhetisch aus. Abgesehn davon sind die Vögel einfach super hässlich. Irgendwie so schwarz mit ganz wenig gelbem Gefieder. Jetzt verstehe ich echt, warum Tauben Ratten der Lüfte genannt werden.
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Donnerstag, April 05, 2007

Dialog der Woche

Was passiert, wenn sich ein Filmredakteur und ein ihm gut bekannter, schon älterer Mitarbeiter eines Filmmuseums auf dem Gang desselben treffen? Es ereignet sich z.B. folgendes Gespräch über die Aufführung des neuen Films einer 78-jährigen tschechischen Regisseurin einige Tage vorher auf einem benachbarten Filmfestival:

Museumsmitarbeiter: "Also, den neuen Film von der H. hab ich mir ja nicht entgehen lassen. Ich hatte ja damals in den Fünfzigern ihr Debüt gesehen, ganz toller Film."

Redakteur: "Ja, aber die H., das ist echt 'ne osteuropäische Zicke. Ich finde, mit 78 sollte man das Feld langsam mal Jüngeren überlassen, egal in welchem Beruf."

"Ja, aber dieser neue Film von ihr, der hat schon was. Also, beim Sehen fand ich den auch noch nicht so toll, eher so là là. Mir ging auch irgendwann diese verwackelte Handkamera auf die Nerven. Ich hab dann teilweise nur noch auf die Untertitel geguckt, und gar nicht mehr auf's Bild, die waren ja so schön groß in dem Kino. Aber irgendwie beschäftigt mich der Film doch immer noch. Also so im Nachhinein hat der irgendwas."

"Ich musste die H. ja anschließend noch vor dem Publikum interviewen. Die hat mich total auflaufen lassen, hat keine meiner Fragen richtig beantwortet. Und dann hat sie mir noch vorgeworfen, ich wäre humorlos, ein richtiger Bürokrat. Die war wohl sauer, weil das Kino nur halbvoll war."

"Aber der Film, der hat irgendwie schon was. Für eine 78-Jährige sieht die H. ja auch immer noch verdammt gut aus. Wobei, das ist ja auch kein Film einer 78-Jährigen. Hat die eigentlich hinterher immer noch diesen langen Schal getragen bei dem Gespräch?"

"Jaja. Aber die hat sich aufgeführt... Die hat einmal einen erfolgreichen Film gedreht, vor 50 Jahren. Seitdem hat man nichts mehr von ihr gehört, aber die denkt immer noch, die Welt würde nur auf einen neuen Film von ihr warten."

"Ich hab ja irgendwann noch mal so einen Kurzfilm von ihr gesehen, vor Jahren auf der Berlinale, der war aber auch nicht schlecht."

"Jaja, ich hab ja jetzt als Vorbereitung auch noch mal ein paar ältere Filme von ihr gesehen, die sind schon alle nicht schlecht, aber an den ersten reichen die halt bei weitem nicht mehr heran."

"Wobei, dieser neue Film, also, der hat schon irgendwie was."

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Sonntag, April 01, 2007

Familie, Tod und andere Katastrophen: Six Feet Under

Letzte Woche lief ja bei Vox die letzte Folge der wunderbaren Serie "Six Feet Under". Ein würdiger Abschluss für eine der besten, tiefsinnigsten, berührendsten Serien, die ich je gesehen habe. Mir standen während der letzten halben Stunde permanent die Tränen in den Augen, bei den sehr intensiven Szenen zwischen Ruth und Brenda, als Ruth ihrer Schwiegertochter anbietet, ihr trotz aller Differenzen in der Vergangenheit mit ihrer Tochter zu helfen, zwischen Ruth und Claire, als diese ihrer Mutter anbietet, ihr zuliebe nicht nach New York zu gehen, und dann natürlich bei den Abschiedsszenen: dem gemeinsamen Abendessen der Familie, bevor Claire abreist und der Verabschiedung am nächsten Morgen. Und dann diese geniale Schlusssequenz, wenn während Claires Autofahrt nach New York das Leben und der Tod aller Hauptfiguren in den nächsten 80 Jahren im Zeitraffer gezeigt werden. Besser kann man eine Serie eigentlich nicht zuende bringen.

Schön auch, dass die Serie trotz allem Schmerz, den vor allem Nates Tod kurz vor Schluss bei den übrigen Hauptfiguren ausgelöst hat, doch noch ein versöhnliches Ende hat. Irgendwie haben ja doch alle Familienmitglieder so etwas wie einen inneren Frieden gefunden, haben gelernt, zu akzeptieren, was ihnen in der Vergangenheit alles Schlimmes passiert ist und trotzdem in die Zukunft zu schauen. Das Leben geht halt trotz des Todes immer irgendwie weiter: David entschließt sich, die Firma alleine weiterzuführen und sie so als Familienunternehmen für seine Pflegekinder zu bewahren. In der Szene, wo er seinem einen Sohn die Leichenpräperation erklärt, deutet sich schon an, dass dieser in seine Fußstapfen treten wird. Ruth bleiben von ihrem toten Sohn Nate immerhin noch ihre beiden Enkelkinder. Claire startet ein neues Leben weit weg von zu Hause. Und Brenda lernt, ihr gemeinsames Kind mit Nate zu akzeptieren bzw. die Angst zu verlieren, es könnte vorzeitig sterben.

So endet die Serie so, wie sie angefangen hat: Die nach einem Todesfall verbliebenen Familienmitglieder müssen lernen, mit den dadurch entstandenen Veränderungen umzugehen. Veränderung und Tod, das waren die großen Themen der Serie, neben der Auseinandersetzung mit der Familie, die hier einerseits immer ein Hort von Problemen, von Ängsten, Vorwürfen und gescheiterter Kommunikation war, dem man versucht, so gut wie möglich zu entfliehen, um seinen eigenen Weg zu gehen, seinem eigenen individuellen Charakter gerecht zu werden. Andererseits aber eben doch ein Ort der Geborgenheit, der Liebe, ganz unabhängig davon, was man sonst noch für Probleme hat oder wie man von Leuten außerhalb der Familie gesehen wird. Und so ist es ja auch symptomatisch, dass ausgerechnet die rebellische Claire, die sich neben Nate immer am meisten aufgelehnt hat gegen die einengenden Strukturen ihres Elternhauses, zum Schluss bei ihrer Mutter bedankt für alles, was sie für sie getan hat.

Als ich gestern noch mal die erste Folge sah (Vox wiederholt samstags Nacht noch mal die komplette Serie, leider zu nachtschlafender Zeit), fiel mir auf, wie konsequent Alan Ball seine Storyline angelegt hat. Schon hier zeigt sich die beginnende Midlife Crisis Nates, wenn er feststellt, dass er 35 sei und nichts im Leben erreicht habe. Kurz vor seinem überraschenden Tod wird er sich, fünf Jahre später ähnliche Fragen stellen, dann aber die Weisheit erlangt haben, dass es nur dieses eine Leben gibt, das man deshalb leben soll, so gut man es eben vermag. Und nach seinem Tod erscheint er seiner kleinen Schwester Claire und rät ihr, alles hinter sich zu lassen, an einem anderen Ort ihren eigenen Weg zu suchen. Er habe sein ganzes Leben Angst gehabt, nicht der zu sein, der er sein wollte, und was habe es ihm gebracht?

Selten ist es einer Serie gelungen, sich auf so vielfältige, ernsthafte Weise mit den großen Fragen des Lebens auseinanderzusetzen und einen dabei so mitfühlen zu lassen wie mit den Fishers. Ich werde sie vermissen.

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