Samstag, Juli 28, 2007
Mitten unter Moribunden
Herr Haimilovic saß auf seinem Bett und starrte ins Leere. Das tat er immer, wenn ich die Tür zu seinem Zimmer öffnete. Was sollte der Mittvierziger auch anderes tun mit seinen beiden Beinstümpfen, die ihn daran hinderten, aufzustehen und einfach wegzulaufen. Wegzulaufen vor der Tristesse dieses Einzelzimmers, vor der Melancholie seiner Existenz.
(weiter)Was ist eigentlich das Tolle an Harry Potter?
Nach dem ganzen Hype der vorletzten Woche, dachte ich, vielleicht finde ich das ja heraus, wenn ich doch mal den ersten Band lese, den ich seit einem Jahr auf englisch hier im Regal stehen habe, weil ich den damals umsonst mitnehmen konnte (nein, das heißt nicht klauen). Also, ich weiß nicht, bisher ist das ein ganz normales Kinderbuch mit einer nicht besonders originellen, wenn auch ganz charmanten Handlung. Sprachlich ist da ja nun wirklich nichts besondres dran, wie auch die SZ in ihrer Rezension feststellte. Wirklich neu ist das alles auch nicht, eher eine Mischung aus Hanni und Nanni und Star Wars (ich sag nur: "die dunkle Seite"Irgendwie deprimierend
... wenn man sich nach zwei Jahren kurz vor Ende seines Studiums noch geanau so fremd an dem Seminar fühlt wie vor einem Jahr. Irgendwie ist das so ein Ritual, dass es jedes Jahr ein Sommerfest gibt, auf dem der Abschlussjahrgang verabschiedet wird und ehemalige Absolventen noch mal eingeladen werden. Dann sitzt man auf Bierbänken im Innenhof des Seminars rum und irgendwann werden alte Abschlussfilme gezeigt. Wenn dein Prof, der dich ein Jahr lang gequält hat, deinen Kurs demonstrativ meidet und seine ehemalige Assistentin dich noch nicht mal grüßt, fragst du dich schon, was du da eigentlich verloren hast. Der andere Prof versucht wenigstens, sich mal zu seinen Studenten zu gesellen, auch wenn er meinte, wir wären ein "avantgardistischer" Jahrgang gewesen. Was immer das heißen mag. Wahrscheinlich, dass wir den Lehrkörpern nicht nach der Pfeife getanzt sind, sondern auch noch einen eigenen Kopf hatten. Mir wird an so einem Abend nur mal wieder bewusst, dass es echt nichts gibt, was ich an diesem Seminar vermissen werde.Donnerstag, Juli 26, 2007
Zitat des Tages das ist
- „Die Art, wie Yoda im Studio lebendig wurde, war sehr beeindruckend. Wenn George ,Action' rief, war Yoda plötzlich da und spielte eine Szene. Wenn George dann ,Cut' rief, schlüpfte Frank Oz mit seiner Hand hinaus und Yoda sank in sich zusammen, als wäre er deprimiert oder als sei ihm schlecht. Und man dachte: ,Scheiße, jemand muss Yoda helfen'!“
- Samuel L. Jackson
Ein schönes Zitat aus der Jedipedia. Unfassbar, was es alles gibt. Wenn ihr schon immer mal Yodas kompletten 900 Jahre umfassenden Lebenslauf lesen wolltet, seid ihr dort genau richtig.
Sonntag, Juli 22, 2007
Still crazy after all these years: Kevin Smiths "Clerks 2"
Lang erwartet und dann doch enttäuschend: Kevin Smith ist noch einmal zu den "Helden" seines Debütfilms zurück gekehrt. "Clerks" war damals wirklich eine Ausnahmeerscheinung, ein Schwarz-weiß-Film über zwei Ladenangestellte, die den ganzen Tag abstruse Gespräche führen und zwischendurch mit skurrilen Kunden konfrontiert werden, eine Handlung, die nirgendwo hinführt außer zur nächsten verrückten Situation. Fünfzehn Jahre später ist von der Innovation nichts mehr übriggeblieben. Die beiden Buddys arbeiten nicht mehr im Tante-Emma-Laden (der ist nämlich abgebrannt), sondern in einem Burgerrestaurant, aber sonst hat sich eigentlich nichts geändert. Die beiden reißen immer noch flotte Sprüche und scheuen sich davor, Verantwortung zu übernehmen. Wirklich neu ist das alles nicht. Das Schlimmste ist aber, dass mir Randal die meiste Zeit einfach nur tierisch auf die Nerven ging. Werd doch endlich mal erwachsen, möchte man ihm gerne zurufen. Auch die Slapstickeinlagen von Jay und Silent Bob sind diesmal völlig überflüssig. Zwar gibt es durchaus einige gelungene Gags, aber vieles ist so ein Pennälerhumor, der weder dem Alter der Protagonisten noch dem der älter gewordenen Zuschauer angemessen ist. Am Ende gibt es dann noch ein Plädoyer für die Freundschaft und dafür, sich selbst treu zu bleiben. Alles nicht falsch, aber auch nicht besonders originell. Um das irgendwie für tiefsinnig zu halten, wie es manche Kommentatoren in der imdb taten, muss man wahrscheinlich schon Ami sein.
Kevin Smith hat durchaus einige sehr gute Filme gedreht (der erste "Clerks" gehört dazu), aber sein großes Problem ist, dass er sich nicht weiterentwickelt. Er variiert seine immer gleichen Charaktere aus New Jersey, die auch mit Mitte dreißig noch pubertäre Witze reißen und nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Dazu müssen jedesmal Jay und Silent Bob als running gags dabei sein, obwohl diese nie etwas essentielles zu sagen haben (außer Bob in "Chasing Amy" ) und dann muss natürlich auch noch Ben Affleck einen Cameoauftritt haben. Die Tiefe, die dem anderen großen Slacker-Regisseur unter den amerikanischen Indies, Richard Linklater, immer wieder gelingt, hat Smith eigentlich nur einmal erreicht (in "Chasing Amy" ). Vielleicht sollte er einfach mal die alten Muster hinter sich lassen und einen ganz anderen Film drehen. Sozusagen jenseits von Jersey.
Mittwoch, Juli 18, 2007
Faszinierende Kommunikationsplattform: "First Life"
Die taz hat den neuesten interaktiven Trend aufgetan: das "First Life".Dienstag, Juli 17, 2007
Das Leben, das Universum und der ganze Rest: Stanislaw Lems "Fiasko"
Ich lese ja sehr selten SF-Romane, aber Lem hat mich mit seinem "Solaris" schon sehr beeindruckt. "Fiasko" fängt leider sehr langweilig an, das ganze erste Kapitel, wo er es schafft, über fünfzig Seiten keinen einzigen Dialog unterzubringen, sondern nur nicht endenwollende Beschreibungen bizarrer Landschaften auf dem Titan, hat auch keinen wirklichen Bezug zur eigentlichen Handlung des Romans. Ab dem zweiten Kapitel wird das Buch aber richtig spannend, obwohl Lem seinen Lesern wieder einiges abverlangt. Eigentlich müsste man Physik, Astronomie und noch ein paar andere Naturwissenschaften studiert haben, um die ausführlichen Erklärungen astronomischer Phänomene und Erwägungen über Relativitätstheorie, Evolution, schwarze Löcher, Zeitsprünge etc. wirklich nachvollziehen zu können. Aber im Grunde ist das auch nicht wirklich nötig, denn Lem schafft es auch so, einen mit hochphilosophischen Fragestellungen und einer spannenden Handlung zu fesseln.
Eine Gruppe Astronauten wird zu einem fernen Sternensystem geschickt, um den ersten Kontakt zu einem Planeten aufzunehmen, von dem vermutet wird, er könnte intelligentes Leben beherbergen. An Bord ist auch ein wiederbelebter Pilot, der hundert Jahre zuvor bei einem Unfall auf dem Titan ums Leben gekommen und kyrotechnisch konserviert wurde. Als die Botschafter den Planeten erreichen, reagieren die Bewohner nicht auf die Kontaktversuche, stattdessen wird das Raumschiff von automatisierten Verteidigungssystemen angegriffen. Anscheinend befindet sich der Planet seit Hunderten von Jahren im Kriegszustand, der sich irgendwann automatisiert hat. Der Kommandant des Raumschiffs will unbedingt einen Kontakt mit der fremden Lebensform erzwingen und führt dazu eine Demonstration der Stärke der menschlichen Technik aus. Ungewollt kommt es zu einer Eskalation mit verhängnisvollen Folgen.
Unterbrochen wird die Handlung immer wieder von langen Reflexionen über Evolutionstheorien, die Frage, wieso es noch nie zu einem Kontakt zwischen Menschen und einer außerirdischen Zivilisation gekommen ist, obwohl es wahrscheinlich ist, dass Tausende solcher Zivilisationen existieren, über die Rolle der Religion in einem Universum mit Tausenden intelligenter Lebensformen oder die Frage, was den leistungsstärksten Computer vom menschlichen Bewusstsein unterscheidet. Dabei zeichnet Lem ein sehr pessimistisches Bild vom Wesen des Menschen. Trotz seiner hochentwickelten Technik, obwohl er die Kraft schwarzer Löcher für Zeitsprünge nutzen kann, ist der Mensch nämlich immer noch unfähig, die richtigen Entscheidungen zu treffen und seine Aggressivität im Zaum zu halten.
Im Gegensatz zu üblichen SF-Schemata wird bei Lem alles hinterfragt und versucht, wissenschaftlich zu erklären. Ein Raumschiff fliegt bei ihm nicht einfach mit Lichtgeschwindigkeit durchs All, sondern es wird genau dargelegt, wie das physikalisch zu bewerkstelligen ist, welche Folgen das für den Zeitverlauf und die Physis der Menschen an Bord hat. Wer sich schon mal gefragt hat, warum die Raumschiffe bei Star Trek mit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit fliegen und die Zeit trotzdem mit der auf der Erde übereinstimmt, findet hier ein glaubwürdigeres Szenario. Manchmal etwas anstrengend, aber es ist die Mühe wert.
Montag, Juli 16, 2007
Redakteure? Brauch ich nicht!
Montgomerys Geschäftsführer bei der Netzeitung will anscheinend komplett auf Redakteure verzichten. Interessantes Bild von Online-Journalisten hat der Mann: "News-Aggregatoren" und "Google-Optimiser" seien diese. Klar, selbst recherchieren, so was braucht man doch nicht mehr. Hauptsache der Cash-Flow stimmt und es gibt schöne Pop-Up-Werbung auf der Seite.Von Keuschheitsgürteln und Schuluniformen
Schade, das hätte so eine schöne Meldung gegeben: 16-jährige Britin darf keinen Keuschheitsgürtel in der Schule tragen. Skurril fand ich dieses angebliche Gerichtsurteil, das heute über eine Nachrichtenagentur lief, schon. Vor allem: Trägt man einen solchen Gürtel nicht unter der Schuluniform, so dass das eh kein Lehrer mitkriegen dürfte? Auf dem dazugehörigen Foto zeigte die Schülerin dann komischerweise nur einen Ring. Und im englischen Begleittext zu dem Foto war dann auch von einem "Purity ring" die Rede, und das übersetzt man wohl richtigerweise mit Keuschheitsring oder Enthaltsamkeitsring. Gemeint ist ein Ring, der symbolisieren soll, dass man Sex vor der Ehe ablehnt. Also ein klassischer Übersetzungsfehler. Anscheinend ist aber keiner drauf reingefallen, ich hab jedenfalls keine Meldung mit falscher Übersetzung gefunden. Schade!Die FAZ über Fauser
Gestern gab's in der F.A.S. gleich zwei Artikel über Jörg Fauser (einen allerdings im Rhein-Main-Teil), die leider nicht im Internet frei zugänglich sind. Aber ich hab noch diese ältere Rezension zu Rohstoff gefunden. Anlass für die journalistische Aufmerksamkeit ist, dass Fauser heute Geburtstag und morgen seinen 20. Todestag hat. Er ist nämlich in der Nacht nach seinem Geburtstag gestorben, im Vollrausch auf dem Heimweg. Wie gesagt, der LKW.Sonntag, Juli 15, 2007
Das ist Einsatz
Gestern lief im Dradio Kultur ein Feature über Jörg Fauser, einen der bekanntesten deutschen Vertreter der Beatliteratur, der sich zeitweise auch mit journalistischen Arbeiten über Wasser gehalten hat. Der hat noch ein Schriftstellerleben der alten Art geführt: Zivildienst auf einer Krebsstation abgebrochen, währenddessen opiumsüchtig geworden ("man kam ja auf der Station so einfach dran"Begegnungen der dritten Art
Gestern Abend hab ich mich im SL mal als Journalist geoutet und fand auch jemanden, der mir meine Fragen beantwortete. Zu seiner Motivation, warum er im SL dabei ist, meinte er, er könne dort sein zweites Ich ausleben. Auf meine Nachfrage, was denn sein zweites Ich vom ersten unterscheide, antwortete er: "Mein zweites Ich ist ein Tiger. Ich fühle mich als Tiger gefangen in der menschlichen Hülle und das ist im Real Life schwerer als im SL." Noch Fragen?Samstag, Juli 14, 2007
Warum...
... zeigt Goggle Ads nach dem letzten Eintrag was über Elektrodenschweißgeräte an? Ich schrieb LSD, nicht ESGAls mein Zahnarzt mir LSD in den Wein tat
... ohne dass ich das mitgekriegt hätte, sagte er mit einem irren Lächeln: "Ich weiß, wie es ist, tot zu sein." Als wir die Party verließen und der Aufzug kam, dachten wir, oh mann, was ist das für eine Explosion über der Lifttür. Aber es war nur die rot blinkende Anzeige des Stockwerks. Wir stiegen in den Wagen und dachten nach einigen Minuten Fahrt: Mensch, ist das schnell, wir fahren bestimmt 200 km/h, Wahnsinn. Dabei zeigte der Tacho nur 20. In meinem Kopf explodierten Kaskaden von regenbogenfarbigem Licht und ich sah mich plötzlich an einem Strand vor violett schimmerndem Meer und hielt eine riesige Kokosnuss in der Hand. Ein rüsselgesichtiges Wesen mit großen Ohren kam zu mir und säuselte mir etwas ins Ohr, das ich nicht verstand. Mein Gehirn war wie ein Schwamm, der sich so vollsog, dass er drohte, mir aus beiden Ohren herauszuquellen. Aber zum Glück hatte ich Ohrenstöpsel dabei.
(Mit Dank an John, Paul, George und Ringo.)
Freitag, Juli 13, 2007
Freigestellte Redakteure bloggen
... und zwar die der taz NRW. Wobei das bisher ein wenig merkwürdig und wenig informativ ist, was die da so schreiben. Interessanter wäre ja mal eine echte Diskussion über Perspektiven, wie es denn mit einem alternativen, konzernunabhängigen Journalismus in NRW weitergehen könnte. Im offiziellen taz NRW-Blog hatte schon mal ein Kommentator den Vergleich mit der Junge Welt-Abspaltung Jungleworld gezogen. Und die gibt's ja immerhin immer noch. Wie wäre es denn mit einer alternativen Wochenzeitung für NRW? Zeit müssten die arbeitslosen Ex-taz-Redakteure ja jetzt genug haben, Erfahrungen auch. Fehlt halt mal wieder das Geld, aber ein Leserpotential müsste doch da sein. Mit den 850 Neuabonnenten, die die gescheiterte taz NRW-Rettungsaktion gebracht hat (und die ja jetzt zum großen Teil von der regionalteillosen taz enttäuscht sein dürften) könnte man doch schon mal anfangen.Der Serienmittwoch
Gestern quatschte Holger Klein mit den YouFM-Hörern über ihre Lieblingsserien. Und da wurden auch zwei Serien genannt, die gerade bei Pro 7 laufen: Weeds und Nip/Tuck. Und wenn Prospero schon über den misslungenen Fantasyserienmontag bei Pro 7 lästert, will ich hier doch mal eine Lanze für den sehr gelungenen Serienmittwoch beim gleichen Sender brechen. Um 21 Uhr 15 läuft gerade die 13. Staffel von ER und auch wenn die Serie ihre besten Zeiten schon lange hinter sich hat, hält sie doch ein gewisses Niveau und schafft es von Zeit zu Zeit immer noch, wirklich gute Folgen hervorzubringen , z.B. letzte Woche, als sich die dramatischen Ereignisse mal wieder überschlugen (und Forest Whitaker zum Finale seines Gastauftritts ausholen durfte). Ab 23 Uhr 10 wird's dann aber richtig genial, denn dann laufen mit Weeds und Nip/Tuck die beiden wohl besten derzeitigen US-Serien hintereinander.
Weeds ist einfach wahnsinnig komisch und eine bitterböse Satire auf den American Way of Life im allgemeinen und die Hölle der amerikanischen Suburbs im besonderen. Mit sehr schönen Seitenhieben gegen die Bush-Regierung. Darüber hinaus ist die Serie aber nicht nur lustig, sondern manchmal auch schön dramatisch wie z.B. in dem Handlungsstrang über die Beziehung zwischen dem ältesten Sohn und dessen tauber Freundin (oder muss ich jetzt gehörlos schreiben?). Nip/Tuck wurde ja vor über einem Jahr schon mal mitten in der 2. Staffel abgesetzt, aber Pro 7 hat doch noch den Mut gefunden, die Serie fortzusetzen. Diese Serie gehört zum sarkastischsten, was das US-Fernsehen so hervorgebracht hat. Und mit den realistischen Bildern von blutigen Schönheits-OPs sicher auch zum brutalsten. Inhaltlich ist Nip/Tuck mit seinem Zynismus und seinem düsteren Menschen-/Gesellschaftsbild manchmal hart an der Grenze des Erträglichen, aber letztlich kommt die Moral dann doch nie zu kurz. Die beiden Hauptfiguren sind eigentlcih gleichermaßen unsympathisch, aber gerade durch ihre vielen Schwächen wieder menschlich. Von der Qualität her reicht die Serie fast an Six Feet Under heran, na ja, fast hab ich gesagt, denn das war halt doch eine absolute Ausnahmeserie. Aber von den Sachen, die zurzeit so laufen, sind diese beiden mit Abstand die besten.
Mittwoch, Juli 11, 2007
Wieder einer, der das Bloggen nicht verstanden hat
... ist einer meiner Journalismus-Profs. Wenn Journalisten in Blogs über die Entstehung ihrer Artikel schreiben, wäre das irrelevant, Blogs seien von zweifelhafter Authentizität und 70 % von ihnen seien sowieso von der Industrie gekauft. Alles nur ein Medium, wo alle möglichen Leute "sich ablaichen" können, aber für die Öffentlichkeit total bedeutungslos. Dass die meisten Blogger gar keine Journalisten sein wollen, sondern einfach nur ein Forum für ihre Meinungen suchen, scheint er nicht begreifen zu wollen. Er sucht lieber weiter nach der Nachricht, die er natürlich nur in seiner guten alten Zeitung findet. Web 2.0, das ist doch eh nur so ein Hype. Im Gegensatz zu Second Life wahrscheinlich, deshalb vergibt er dieses ungemein gehaltvolle Phänomen ja auch als Masterarbeitsthema.Die beiden Wolfgangs senden wieder
Gemeint sind natürlich die Wolfgangs vom legendären WDR-Computerclub, deren Podcast erfolgreicher ist als ihre TV-Sendung jemals war. Auf meinen besonderen Wunsch hin durfte ich heute einen Artikel über die beiden bearbeiten.Freitag, Juli 06, 2007
Die Rückkehr des zweiköpfigen Eichhörnchens
Habe heute rausgefunden, dass es tatsächlich zwei Fan-Fortsetzungen des 80er Jahre-Kultadventures Zak McKracken gibt. Eins davon ist bewusst im Retro-Pixelstil gehalten, das andere wohl mit zeitgemäßerer Grafik. Natürlich habe ich mir beide gleich runtergeladen und ersteres auch gleich durchgespielt (ohne Lösung hätt ich das sicher nicht geschafft). Die Handlung knüpft direkt an das Original an und da liegt auch mein Hauptkritikpunkt. Das Spiel bringt eigentlich keine eigenen Ideen, es ist eine reine Hommage an das Original. Viele Figuren und Schauplätze aus dem Original tauchen wieder auf, aber es wird nichts wirklich neues hinzugefügt. Zwar gibt es einige gelungene Gags (vor allem die Star Wars-Anspielungen sind sehr witzig), aber längst nicht so viele skurrile Ideen wie im Originalspiel. Darüber hinaus ist das Spiel weit weniger komplex, man kann auch nicht in die anderen Personen schlüpfen oder sich in ein Tier verwandeln wie damals. Na ja, trotzdem war's schön, nach knapp 20 Jahren dieses Fast-64er-Spielgefühl wieder zu erleben. Ich weiß allerdings nicht, ob mir diese begrenzten Aktionsmöglichkeiten (die meisten Gegenstände lassen sich nicht anfassen) mir erst heute auf die Nerven gingen oder damals auch schon. Andererseits faszinierend, dass man mit 9 Verben durch's Leben kommtDonnerstag, Juli 05, 2007
Mit brüchiger Stimme: Johnny Cashs "A Hundred Highways"
Bisher konnte ich mich nie dazu durchringen, eine Johnny Cash-CD zu kaufen, da mich eigentlich nur die neueren, von Rick Rubin produzierten Sachen interessierten, die mir aber immer zu teuer waren, während auf den zahlreichen Billig-Compilations, die es so gibt, immer nur die alten Sachen drauf sind. Nachdem ich gestern sein letztes Album "American V: A Hundred Highways" für knapp 10 Euro gesehen haben, konnte ich aber nicht widerstehen. Und was soll ich sagen: sehr schönes, teilweise bewegendes Album, vor allem natürlich auch vor dem Hintergrund, dass man weiß, dass er bei der Aufnahme schon sehr krank war. Die Lieder scheinen entsprechend persönlich ausgewählt zu sein. Da besingt er den "Evening Train", mit dem seine tote Frau ihn verlassen hat, singt, dass er endlich "Free from the Chain Gang Now" ist und in "Like the 309", den er selbst geschrieben hat, davon, dass Dr. Death ihn erwartet. Der absolute Knaller ist aber seine Version von Gordon Lightfoots "If you could read my mind". Abgesehen von dem sehr poetischen Text ist die Vortragsweise Cashs einfach tief bewegend. Teilweise singt er mit brüchiger Stimme, klingt fast, als würde er weinen, was aber, wie Rubin in den Liner Notes schreibt, wohl eher daran liegt, dass er während der Aufnahmen wirklich desöfteren mit dem Atmen kämpfen musste. Diese Aufnahme steht für mich auf jeden Fall in einer Reihe mit anderen sensationellen Coverversionen Cashs wie "One" oder "Redemption Song", die er sich ganz und gar angeeignet und dadurch etwas ganz eigenes daraus geschaffen hat. Ganz großes Kino.Mittwoch, Juli 04, 2007
Die taz NRW macht dicht
... wie gestern bekannt gegeben wurde. Und das ausgerechnet jetzt, wo ich doch den Vertrieb veranlasst habe, den Zeitungshändler in meinem Düsseldorfer Heimatstadtteil dazu zu bringen, die taz wieder zu verkaufen.Kuttner-Kolumne
Wusst ich auch noch nicht: Der grenzgeniale Jürgen Kuttner hat eine Videokolumne bei der Netzeitung. Und da geht's u.a. schon wieder um Adorno, wo ich doch gerade heute das fiktive Interview mit ihm in der neuen Intro gelesen habe. Und in beiden Stücken kommt natürlich auch das Zitat vom richtigen Leben im falschen vor, das mir in abgeänderter Form als Überschrift für meine SL-Reportage vorschwebt.Dienstag, Juli 03, 2007
Mein erster Cybersex
Meine ersten Eindrücke übers Second Life: Ich versteh es nicht. Eigentlich ist es nur ein Chat mit schlecht animierter Grafik, aber unnötig kompliziert. Warum ich animierte Abbilder meiner Chatpartner sehen muss, während ich mit ihnen spreche, versteh ich nicht. Warum ich mich erst mit meinem Avatar irgendwo hinbegeben muss, um mit jemandem zu chatten, noch weniger. Vor allem aber sind die Gespräche auf einem derart niedrigen Niveau, dass man das Ganze nur als Zeitverschwendung ansehen kann. Da tanzen irgendwelche Avatare in irgendeinem Club und zwischendurch sagen sie so sinnige Sachen wie "shake your body, baby" oder "geile Mucke". Warum gehen die Leute nicht lieber in einen echten Club, wo der Sound auf jeden Fall besser ist und die Leute, die man anglotzt, wenigstens echt? Zwischendurch kann man dann noch durch leere Einkaufscenter laufen und sich Geschäfte angucken, die auch oft leerstehen. Wenn nicht, kann man z.B. den Lebenslauf eines FDP-Europaabgeordneten an der Wand nachlesen.
Vollends absurd wurde es dann, als ich in eine Villa kam, wo ein "Sex Bed Type 2" auf Besucher wartete. Zwei Avatare, einer männlich, einer weiblich, setzten sich dort nieder. Dialog: "Und wie geht's jetzt weiter? Ich bin neu hier." - "Ich auch." Hm, im Real Life werden solche Gespräche wohl eher selten geführt. Nachdem die Beteiligten irgendwann rausgefunden hatten, wo man denn nun draufklicken muss, um "Sex zu haben", konnte man also animierten Pixeln dabei zusehen, wie sie sich rhythmisch auf- und abbewegten. Desweiteren konnte man noch für 200 Linden-$ eine Art Masturbationsmaschine benutzen, deren Äußeres an einen gynäkologischen Stuhl erinnerte. Auf meine Frage, ob sich die anderen Spieler nicht auch ein bisschen albern vorkämen, bekam ich keine Antwort. Jetzt frag ich mich nur noch, ob ich meine Cybersex-Erfahrung ernsthaft in meiner Reportage einbauen kann oder ob ich meinen Prof damit zu sehr schockiere.
Sonntag, Juli 01, 2007
Das Netz und andere Widrigkeiten
Nachdem ich zwei Wochen vergeblich auf das von Arcor versprochene Modem gewartet habe, hab ich gestern kapituliert und bin mit dem Bus eine halbe Stunde bis zum Media Markt gefahren, der hier am Arsch der Welt liegt, um mir ein neues Modem zu kaufen. Nach einem nur knapp einstündigen Verkaufsgespräch, bei dem ich die meiste Zeit überhaupt nicht verstanden habe, was für ein Problem der Verkäufer mir aufzeigen wollte, das ich eigentlich gar nicht hatte, bin ich mit meinem neu erworbenen Modem inkl. Router nach Hause gefahren. Dann hat es nur noch viereinhalb Stunden gedauert, bis wir ins Internet kamen, da man mit dem alten Kennwort aus irgendeinem unerfindlichen Grund keine Verbindung zu Arcor aufbauen konnte.
Insgesamt habe ich durch diesen Sch***blitzschlag jetzt 400 Euro für Ersatzgeräte ausgegeben, dabei handelt es sich mit Ausnahme des Motherboards/Prozessors, die angeblich jetzt besser sein sollen als vorher, nur um gebrauchten Schrott. Zwar habe ich jetzt einen überdimensionalen gebrauchten Fernseher, dafür ist der DVB-T-Empfang miserabel, weil anscheinend auch die Antenne auf dem Dach was abbekommen hat. Meistens sind mehrere Sender unterschiedlich stark gestört, von kurzen Aussetzern bis ganz futsch. Nach Murphys Gesetz handelt es sich dabei meist um genau die Sender, die man gerade sehen will. Außerdem gibt's grundsätzlich 'ne Störung, wenn eine Straßenbahn vorbei fährt, was ungefähr alle fünf Minuten passiert. Herrlich, DVB-T ist meiner Meinung nach eh eine Technik, die einen geradewegs ins Mittelalter zurück versetzt, so was von unausgereift. Kann doch echt nicht sein, dass man sich übers Internet in Sekundenschnelle mit einem Server in Asien verbinden kann, aber den 15 Kilometer entfernten hr-Sender nicht rein kriegt, wenn das Wetter schlecht ist. Und dann wollen die uns in zwei Jahren mit DVB-T2 schon wieder den nächsten Standard aufdrängen, unglaublich.
Hier meine Alte-Ammen-Tipps an euch:
1. Zieht bei jedem Gewitter euer Antennenkabel und sämtliche Stecker aus den Wänden.
2. Schließt eine Hausratsversicherung ab, wenn ihr noch keine habt.
Beides hielt ich bisher immer für überflüssige Maßnahemn überbesorgter Menschen. Wie kann man sich doch irren.

