Donnerstag, September 27, 2007

Homepage online

Bloggen ist nicht genug - dachte ich mir vor Kurzem. Deshalb habe ich mir etwas HTML und CSS beigebracht und an einer Homepage rumgebastelt. Das Ergebnis könnt ihr jetzt bewundern. Ja, das Design ist sehr einfach, aber dafür, dass ich gerade vor eineinhalb Wochen mit Webdesign angefangen habe... ;-). Verbesserungsvorschläge nehme ich natürlich trotzdem gerne entgegen (ihr seid sozusagen meine Tester), aber erwartet bitte keine Wunder. Den Stammlesern unter euch werden einige der Texte schon bekannt vorkommen, ich hab halt keine große Reserve. Künftig werden dort aber mehr oder weniger regelmäßig neue Artikel erscheinen. Die Feedbackmöglichkeit muss ich sicher auch mal ausbauen, aber fürs Erste habt ihr ja hier die Möglichkeit zu kommentieren.
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Mittwoch, September 26, 2007

Hartz IV: Bezieher oder Bearbeiter - das ist hier die Frage

Mein Studium ist vorbei, heute habe ich mich (mal wieder) arbeitslos gemeldet. Das Dumme ist, dass die Bearbeiter dann anhand meines Lebenslaufes immer sehen, dass ich selbst vor Urzeiten mal eine Ausbildung bei der BA gemacht habe. Und so schlug mir die Frau, die mir heute den Antrag aushändigte, auch gleich vor, mich doch bei der ARGE zu bewerben, die suchten immer Leute. Als was wusste sie allerdings nicht. Meine Einwände, ich hätte ja jetzt gerade zwei Jahre lang auf Journalismus umgesattelt und wolle natürlich auch als Journalist arbeiten, interessierten sie erst einmal nicht. Na, zum Glück war das nicht meine "persönliche Ansprechpartnerin", wie die Fallmanager jetzt wohl heißen. Nee, klar, ich hab jetzt 10 Jahre studiert und zwei Universitätsabschlüsse erworben, um wieder bei dem Laden anzufangen, aus dem ich damals geflüchtet bin. Nach meinem Erststudium hab ich mich ja echt um neu zu schaffende Fallmanagerstellen bei diversen ARGEn beworben, damals wollte allerdings niemand dort meine Mitarbeit.

Ich weiß momentan echt nicht weiter. Macht es Sinn, so bald wie möglich nach Köln zu ziehen und es da als freier Journalist zu versuchen oder soll ich erst mal noch hier wohnen bleiben und hoffen, dass doch noch ein passendes Stellenangebot irgendwo in Deutschland auftaucht, wo ich auch eine Chance haben, den Job zu bekommen? Das Problem mit den Stellenangeboten, die es gibt ist, dass sie entweder

a) so gut sind, dass sich da Hunderte arbeitsloser Journalisten drauf bewerben

oder b) man bei so uninteressanten Spezialblättern wie "Die Tankstelle", Tabak-Zeitung oder Athrosemagazin über ähnlich spannende Themen schreiben soll

oder c) die Arbeitgeber am Arsch der Welt liegen (auf der Schwäbischen Alb z.B.). Am WE war ich kurz davor, mich auf Norderney zu bewerben, beim wahrscheinlich einzigen Verlag, den's da gibt. 6000 Einwohner und im Sommer ein paar Hunderttausend Touristen. Das hätte fast was von "Schiffsmeldungen" gehabt. Die Themen, über die die da schreiben, sind wohl auch ähnlich interessant (die Sturmflut von 1907). In der letzten Ausgabe dieses Jahres wünschten schon Einzelhändler frohe Weihnachten, weil vorher kein Heft mehr erscheint.

Und hier noch ein Fund, den ich heute bei der Stellensuche entdeckte.

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Mittwoch, September 19, 2007

Und hier die Lottozahlen

"4, 6, 19, 23, 31,... Die Teilnehmer mit diesen Nummern haben die Eignungsprüfung bestanden und können im nächsten Smester Ihr Studium aufnehmen. Glückwunsch!" So ähnlich steht es gerade auf der Homepage meines Instituts. Ich weiß noch, wie ich mich vor zwei Jahren gefühlt habe, als ich meine Teilnehmernummer da gelesen habe. So eine Mischung aus Freude, dass es endlich irgendwie weitergeht, dass sich eine neue Perspektive auftut und Schock, jetzt innerhalb von sechs Wochen ein Zimmer in Mainz finden zu müssen und Unsicherheit darüber, wie ich das Studium überhaupt finanzieren sollte. Aber die Freude hat eindeutig überwogen.

Sechs Wochen später war ich dann recht schnell ernüchtert. Mainz entpuppte sich als langweilige Provinzstadt, meine WG als verdreckte Bruchbude am Arsch der Welt und die elitäre Stimmung an dem Institut ging mir anfangs tierisch auf die Nerven. Leider hat sich im Laufe der Zeit nur das Zweite geändert (durch Umzug) und mit dem letzteren hat man sich halt irgendwie arrangiert oder sich dran gewöhnt. Inwieweit sich dieses Studium jetzt gelohnt hat, muss sich auch noch zeigen. Wie's momentan aussieht, werd ich nächsten Monat wieder zum Amt gehen müssen, um meinen Lebensunterhalt irgendwie bezahlen zu können. Wirklich viele passende Stellen seh ich im Moment nicht, und wenn bewerben sich da wahrscheinlich ähnlich viele drauf wie auf die Stellen, auf die ich mich damals als Sozialwissenschaftler beworben hab. Zumindest fühl ich mich jetzt qualifizierter als damals, wenn ich mich bewerbe, obwohl ich wieder keine mehrjährige Berufserfahrung vorzuweisen habe. Aber zumindest weiß ich, dass ich das kann, um was ich mich bewerbe und wahrscheinlich auch noch gerne machen würde. Da war ich mir bei den Soziologenstellen oft nicht sicher. Und ich weiß zumindest, dass man auch ohne Festanstellung Geld mit Journalismus verdienen kann, wobei ich allerdings keine Ahnung habe, ob ich da in absehbarer Zeit von leben kann. Zumindest habe ich mit Journalismus schon mal Geld verdient, mit Soziologie hingegen noch nie. Alles in allem also schon mal eine Verbesserung. Ob ich den glücklichen Gewinnern aus diesem Jahr allerdings von Herzen gratulieren kann, weiß ich nicht.

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Sybille Berg is back

... mit einer regelmäßigen Kolumne auf zeit.de. Bis zur Einstellung 1999 durfte sie ja schon mal Kolumnen im alten Zeit Magazin schreiben (die sie dann in ihren "Roman" Sex II eingeflochten hat). Ich find ihren Stil schon ganz witzig, lese ich immer wieder gerne. Es lohnt sich auch ein Blick auf ihre Website, die recht lustig gestaltet ist und weitere Einblicke in ihren lakonisch-sarkastisch Charakter gewährt.
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Montag, September 17, 2007

Schräger Schottenfilm: "Hallam Foe"

Ein 17-Jähriger kann den Tod seiner Mutter nicht verkraften, wirft der neuen Stiefmutter vor, an deren Tod schuld zu sein und beobachtet von seinem Baumhaus aus mit einem Fernglas seine Mitmenschen. Nachdem seine verhasste Stiefmutter ihn verführt hat, flieht er nach Edinburgh. Dort sieht er zufällig auf der Straße eine junge Frau, die seiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Es gelingt ihm, einen Job als Küchenhilfe zu bekommen, in dem die Frau als Personalmanagerin arbeitet...

Ein ziemlich schräger Film über einen jugendlichen Außenseiter, der lieber das Leben anderer Menschen aus sicherer Distanz beobachtet als ein eigenes zu leben. Die Story erinnert ein wenig an Hitchcocks "Vertigo", das Voyeurismus-Motiv auch an "Fenster zum Hof". Der Film lebt vor allem von seinen sehr guten Darstellern Jamie Bell und Sophia Miles, von den stimmungsvollen Bilder Edinburghs und der Musik, u.a. von Franz Ferdinand. Das große Manko ist die Glaubwürdigkeit der Handlung. Zwar ist die Liebesgeschichte zwischen Hallam und der wesentlich älteren Personlachefin, die im Hotel immer so reserviert wirkt, in deren Privatleben aber Chaos herrscht, schön anzusehen. Sie ist nur leider komplett unrealistisch. Diese Kate reagiert immer wieder so, wie vermutlich niemand in ihrer Situation reagieren würde. Der Schluss des Films lässt einen dann mit großen Fragezeichen in den Augen zurück. Es gibt eine große Katharsis-Szene, in der Hallam versucht, seine Stiefmutter in dem See zu ertränken, in dem auch seine richtige Mutter starb. Ein wirklich befriedigendes Ende ist das nicht. Dennoch ist der Film sehr unterhaltsam anzusehen, der Regisseur überrascht mit vielen originellen Einfällen, man weiß nie, welche Wendung die Handlung als nächstes einschlagen wird und Bilder und Musik sind schön aufeinander abgestimmt. Wenn der Autor sich bloß etwas mehr Mühe bei der Konstruktion seiner Story gegeben hätte.

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Elmis Brandrede

Radiolegende Elmar Hörig schlägt zurück, in einer bemerkenswerten Rede über die glorreiche Vergangenheit und die traurige Gegenwart des Mediums Radio.
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Sonntag, September 16, 2007

Fundamentalismus hinter Kirchenfenstern

Warum fordert eigentlich kein Politiker, das katholische Bistum Köln vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen? Hat Kardinal Meissner eigentlich mal ins Grundgesetz geguckt? Da gibt's so einen Artikel, wo es um eine gewisse Freiheit der Kunst geht. Der Herr scheint jedenfalls ein sehr merkwürdiges Kunst- und Demokratieverständnis zu haben. Soll der Staat jetzt nur noch Kunstwerke öffentlich bezuschussen, mit denen Gott gehuldigt wird? Da wären wir ja auf dem direkten Weg zum Gottesstaat. Ist das nicht genau das, wovor viele deutsche Politiker (allen voran jene von der Christenunion) immer so große Angst haben und was sie mit allen Mitteln verhindern wollen, auch und gerade mit jenen, die nicht unbedingt mit der freiheitlichen Grundordnung zu vereinbaren sind? Von der Wortwahl Meissners will ich jetzt mal gar nicht sprechen. Wer Begriffe der Nazis übernimmt, um für seine eigenen Ansichten zu werben, hat sich ja schon selbst diskreditiert. Will Meissner eigentlich auch Ingmar Bergman-Filme verbieten lassen, weil die immer dessen Atheismus immer so eindrücklich veranschaulicht haben? Meissner selbst hält wahrscheinlich Bibelverfilmungen für die einzige zulässige Form des Kinos.
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Die taz und der Nacktmull

Ich kauf die taz ja nur noch selten, aber hin und wieder liebe ich sie für ihre gelungenen Einfälle schon sehr. Gestern erschien sie als 40seitige Sonderausgabe zum Thema "Die Zukunft der Zeitung". Neben einigen sehr interessanten Essays und zwei originellen Experimenten (Lokalberichterstattung aus irgendnem Dorf bei Gießen und individuelle Berichterstattung für eine einzelne Leserin) gibt es auch ein doppelseitiges Foto von einem Nacktmull. Daneben die Überschrift: "Wie verkauft sich nackte Haut?". Und unter dem Foto gibt's einen kleinen Text à la "Mädchen von Seite 1": "Naomi (22) hält sich fit...". Ich hab jedenfalls sehr gelacht.
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Freitag, September 14, 2007

Von Terminatoren und der Unsterblichkeit der Androiden

Kaum habe ich der Telepolis mal einen Artikel angeboten, stoße ich ständig auf deren Chefredakteur. Gerade lief auf Bayern2 ein sehr interessantes Gespräch, dass dieser mit der Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen geführt hat. Es ging u.a. um die Geschlechtlichkeit von Androiden, Kommunikation mit Maschinen und die Frage, welchen Sinn fussballspielende Roboter eigentlich machen. Bronfen meinte dazu, dass Roboter, die als Killermaschinen fungieren, rein rational mehr Sinn machen würden, und die würden ja auch schon entwickelt. Sehr beängstigende Vorstellung, wenn man gerade vor kurzem Terminator 2 gesehen hat.

Was ich nicht teilen konnte, war ihre Meinung, dass das Streben nach Unsterblichkeit dem Leben seinen Sinn nimmt, weil die Existenz erst durch ihre Endlichkeit Bedeutung erlangt. Das lässt sich so einfach dahin sagen, aber wären die meisten, wenn sie todkrank sind, nicht froh, sie hätten die Möglichkeit, weiter zu leben? Und ist es nicht vielmehr so, dass die Gewissheit, sowieso irgendwann sterben zu müssen, alles menschliche Streben manchmal ganz schön sinnlos erscheinen lässt? Ich meine, warum eine möglichst gute Ausbildung, Karriere machen, auf der sozialen Leiter nach oben klettern wollen, wo es am Ende des Lebens doch eigentlich egal ist, wieviel man gelernt und welchen sozialen Status man erreicht hat? Die Replikanten in "Blade Runner" würden glaub ich auch lieber die Unsterblichkeit wählen.

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Donnerstag, September 13, 2007

Sind wir nicht alle ein bisschen Cylonen?

Ich mag Battlestar Galactica. Wobei ich auch die alte Serie aus den 70ern mochte. Na, jedenfalls die ersten beiden Kinofilme und einige Folgen, andere waren natürlich sehr trashig. Spätestens als dann dieses galktische Imperium auftauchte, dass so eine Naziideologie verfolgte und wo die Soldaten auch alle so Naziuniformen trugen, ging's dann steil mit der Qualität bergab. Von "Galactica 1980" ganz zu schweigen, wo in obskuren Zeitreiseepisoden ja auch noch die echten Nazis auftauchten. Obwohl bei der Originalserie der Humor und die Action im Vordergrund standen, ist die Ausgangsstory eigentlich ziemlich interessant und recht düster. Immerhin geht es da um den planetaren Holocaust und den Exodus der wenigen überlebenden Menschen. Und immerhin waren so legendäre Serienstars wie Dirk Benedict und Lorne Greene dabei.

Das Interessante an der Neuauflage ist, dass Ausgangssituation und Hauptcharaktere die gleichen sind, die Art des Erzählens aber eine ganz andere ist. Düster, der Story angemessener. Und das funktioniert erstaunlich gut. Sehr skeptisch war ich, als ich erfahren habe, welch große Änderungen man bei den Hauptfiguren vorgenommen hatte. Starbuck, der alte Obermacho als Frau? Inzwischen muss ich sagen, dass auch das sehr gut passt. Gerade an der Starbuck-Neuinterpretation ist faszinierend, dass die Figur trotz des Geschlechtswechsels ihre wichtigsten Charakteristika behalten hat. Bei anderen Figuren klappt das nicht so gut. Boomer hat eigentlich nichts mehr mit der Figur aus der alten Serie gemeinsam, nicht nur äußerlich, auch vom Charakter her. Colonel Tigh ist nur noch ein versoffener grober Klotz statt eines integeren Ersten Offiziers. Hier frage ich mich, warum man überhaupt die Namen beibehalten hat, wenn es sich doch eigentlich um völlig neue Figuren handelt. Edward James Olmos reicht mMn nicht ganz an den Commander Adama von Lorne Greene heran, aber schön, dass er es fast zwanzig Jahre nach Miami Vice überhaupt mal zu einer Serienhauptrolle gebracht hat. Die er wieder hauptsächlich mit einem Gesichtsausdruck bestreitet. Interessant ist auch, dass immer wieder Anspielungen auf die Originalserie versteckt sind. Teilweise werden ganze Grundideen einzelner Episoden übernommen: Der Aufstand auf dem Gefangenenschiff (inklusive den Knastis, die eine schwierige Mission auf einem Eisplaneten durchführen sollen), Starbuck, der auf einem einsamen Planeten mit einem Cylonen kooperieren muss... Die Begegnung mit dem zweiten Kampfstern aus "Mission Galactica" kommt glaub ich in der zweiten Staffel auch noch dran. Was ich ein bisschen vermisse, sind die "alten" Cylonen. Wobei ich mich immer gefragt habe, wie diese tumben Roboter eigentlich die hoch zivilisierte Menschheit so einfach besiegen konnten. War wahrscheinlich Balthar schuld. Oder die Leichtgläubigkeit der Politiker. Wenigstens letztere werden in der neuen Serie viel positiver dargestellt, jedenfalls in Gestalt der Präsidentin. Wobei die neue Serie natürlich viel tiefgründiger ist, viele moralische Konflikte bietet und philosophisch auch eher in Richtung Blade Runner geht (Können wir uns sicher sein, keine Replikanten...äh...Cylonen zu sein?). Und die Optik der Kampfszenen im Weltraum ist wirklich sehr gut. Da fühlt man sich fast, als würde man selbst eine Viper fliegen. Für mich ist BSG ganz klar die beste SF-Serie seit DS9. Schön wie sich eine Idee, die ursprünglich ja nur ein Star Wars-Imitat war, so weit entwickelt hat.

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Ganz meine Meinung

Auch der Telepolis-Chefredakteur kommt zu einem ernüchternden Ergebnis, was den derzeitigen Stand von Second Life angeht. Wobei es natürlich erlaubt ist, weiter von den potentiellen Möglichkeiten des Cyberspace zu träumen. Aber bis eine virtuelle Welt auch nur annähernd so interessant ist wie die echte, lese ich lieber noch mal William Gibsons grandiosen "Neuromancer".
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Mittwoch, September 12, 2007

Deutsches Anti-Kino: "Sehnsucht"

Die Programmpolitik des ZDF soll mal einer verstehen. Da läuft vorgestern um 0 Uhr 5 der hochgelobte "Sehnsucht" als Erstausstrahlung im ZDF und einen Tag später zur besten Sendezeit um 20 Uhr 15 noch mal bei 3sat. Macht irgendwie keinen Sinn. Genauso wenig wie dieser Film. Das ist also die viel gerühmte Berliner Schule. Na, da war mir die Hamburger Schule aber bedeutend lieber. Ein eigentlich glücklich verheirateter Mann beginnt während einer Schulungsreise mit seiner Freiwilligen Feuerwehr eher zufällig eine Affäre mit einer Kellnerin, kommt zu seiner Frau zurück, findet aber nicht in sein altes Leben, fährt noch mal zu der Geliebten, die fällt versehentlich vom Balkon, seine Frau verlässt ihn und der Mann will sich mit einer Schrotflinte erschießen. All das wird absolut teilnahmslos erzählt, ohne erkennbare Dramaturgie, weitestgehend auch ohne Emotionen. Alle Rollen werden von Laiendarstellern gespielt. Der Hauptdarsteller bestreitet den ganzen Film mit einem gelangweilten Gesichtsausdruck und spricht noch weniger als Schwarzenegger im ersten Terminator-Film. Die Einstellungen sind zusammenhanglos aneinander geschnitten, es gibt keine Übergänge durch Musik oder Tonblenden. Dafür hab ich ganz klar einen Jump-Cut erkannt, ob der allerdings beabsichtigt war, weiß ich nicht, wirkte einfach nur schlecht geschnitten, wie der Großteil des Films. Man sieht die Feuerwehr beim Feiern und Saufen, den Frauenchor beim Singen, die Familie beim Kaffeetrinken... Das soll wohl die Trostlosigkeit des Alltags verdeutlichen. Ich stell mir allerdings die Frage, warum sich so was irgendjemand angucken sollte. Mein Alltag ist schon trostlos genug, da muss ich mir nicht noch denjenigen von Kleinbürgern auf dem Land angucken, der noch trostloser ist als meiner. Ich ertrage schon Kirmeszelte und Familienfeiern im richtigen Leben nicht, wieso soll ich mir welche von anderen Leuten im Film ansehen? Der ganze Film wirkt so, als hätte die Regisseurin ihren Darstellern gesagt, bloß keine Gefühle zu zeigen, da sonst ja der Zuschauer manipuliert werden könnte. Und ich dachte immer, im Film wie in der Literatur ginge es gerade um Überhöhung, um das Wesen eines Gefühls, eines Konflikts, einer Lebenssituation etc. zu verdeutlichen. Wenn man das Leben einfach eins zu eins abfilmt, was soll das dann aussagen? Ah, das steckt ja schon im Titel: Der Mann verspürt also Sehnsucht, nach etwas Neuem vermutlich, einer neuen Erfahrung, einer anderen Welt jenseits von Feuerwehr und Familie. Deshalb ist er auch so unglaublich leidenschaftlich, dass man denkt, er schlafe gleich ein, egal, ob er grad eine Liebeserklärung macht oder sich umbringen will. Wenn das der neue große Trend im deutschen Kino ist, wundert mich nicht, dass im Ausland kein Mensch deutsche Filme guckt. Eine interessante Pro-Contra-Diskussion zum Thema Berliner Schule gibt's übrigens in der aktuellen epd-Film. Ich stelle mich seit vorgestern auf die Contra-Seite. Wobei ich "Yella" ganz gerne sehen will, hoffe, der ist nicht so anstrengend-nichtssagend.

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Montag, September 10, 2007

Wenn die Möpse wieder hüpfen

Was ich an epd-Film sehr mag, sind die abseitigen Themen, die regelmäßig in aller Ausführlichkeit behandelt werden. Im neuen Heft gibt es einen dreiseitigen Artikel über deutsche Softsexfilme der 60er und 70er, in dem der Autor Bezüge zum Jungen Deutschen Film, zum Experimentalfilm und zur Exploitation herstellt. Neulich gab's im Heft ja schon mal eine Kritik zu einer DVD-Box mit Klassikern wie "Hoppe Hoppe Reiter, Engelchen macht weiter", wo der Autor statt der vereinbarten 100 Zeilen mal locker das Doppelte geschrieben hat. Es scheint also unter den Autoren der Zeitschrift eine gewisse Faszination für dieses Genre zu geben ;-) . Wenn das der katholische Filmdienst mitkriegt...
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Sonntag, September 09, 2007

Was Sozialwissenschaftler nach dem Diplom machen

Zudem: Wo hat man es denn heutzutage schon noch, dass man mit Handschlag begrüßt, nach dem Namen gefragt wird und dann freundlich und kompetent beraten wird. Nicole Abassi leitet den Salon - und dabei verbindet sie ihre Erfahrungen als Diplom-Sozialwissenschaftlerin mit ihren Kenntnissen als Friseurmeisterin.

Tja, als Diplom-Sozialwissenschaftler bleibt einem auch nicht viel anderes übrig, wenn man Geld verdienen will. (Weiß ich aus eigener leidvoller Erfahrung.)

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Klassiker des Actionkinos: Die Terminator-Trilogie

Man wirft mir ja immer vor, ich möge generell keine Actionfilme. Als Gegenbeweis führe ich dann immer an, dass ich die Terminator-Filme mag. Gestern hab ich mal wieder Terminator 2 im TV gesehen und abgesehen davon, dass ich den immer noch sehr gut fand, sind mir diesmal einige Details die Hintergrundgeschichte betreffend aufgefallen, die mir bisher so nicht klar waren. Leider auch einige Ungereimtheiten, die Continuity zu den anderen beiden Teilen betreffend. Warum strahlt eigentlich nicht mal ein Sender alle drei Teile kurz hintereinander aus, so dass man mal eine Chance hätte, die Story im Zusammenhang zu verfolgen?

Was die Ungereimtheiten angeht: Teil 1 spielt offensichtlich im Jahr seines Entstehens, also 1984, das wird auch mehrmals in Teil 2 erwähnt. Teil 2 kann aber ebenso offensichtlich nicht 1991 spielen, denn John Connor ist in diesem Film ganz klar älter als 7. Ich vermute mal, die Handlung spielt 1996, denn Sarah Connor sagt einmal, die Apokalypse werde 1997 stattfinden und an einer anderen Stelle heißt es, in wenigen Monaten werde der Supercomputer gebaut, der die Macht an sich reißt und mit seinem selbständigen Atomwaffenangriff auf Russland den Atomkrieg auslöst. Der dritte Teil soll wohl wieder zur Entstehungszeit spielen, also 2003, John Connor ist dann aber 22 - haut irgendwie nicht hin. Viel gravierender ist die Frage, warum die Apokalypse denn nun 1997 nicht stattgefunden hat. Gut, da müsste ich den dritten Teil noch mal sehen, ob das da erklärt wird. Clever natürlich, dass der Wissenschaftler, der den Chip entwickelt (entwickeln wird/ entwickelt hätte ;-) ) erst durch den zerstörten Chip des Terminators aus Teil 1, den Cyberdyne in der Schrottpresse gefunden hat, auf die richtige Fährte gebracht wurde. Also ein weiteres Zeit-Paradoxon, ähnlich der Zeugung des Rebellen, die erst dadurch möglich wurde, dass dieser selbst in der Zukunft einen Soldaten zu seiner zukünftigen Mutter in die Vergangenheit geschickt hat.

Dieser düstere Subtext, der drohende Krieg der Maschinen gegen die Menschen, der in der Gegenwart verhindert werden soll, damit die schreckliche Zukunft gar nicht erst Wirklichkeit wird, ist das, was die Reihe so besonders macht. Deswegen war ich von Teil 3 auch so enttäuscht, denn anders als der Trailer versprach, sah man hier von der tatsächlichen Machtübernahme der Maschinen außer ein paar Atompilzen fast gar nichts. Auch dass man Sarah Connor einfach aus der Geschichte rausgestrichen hatte, hinterließ eine Lücke.

Was die Filme über die Backgroundstory hinaus so gut macht, ist die Mischung aus Härte und (Selbst-)Ironie. Wobei ich den Twist, Arnold Schwarzenegger von der brutalen Killermaschine zum beschützenden Menschenfreund zu machen, etwas zweifelhaft fand. Andererseits sind die "Erziehungsversuche" von John am Terminator in Teil 2 schon sehr witzig (etwa die Szene, wo der Terminator versucht, das menschliche Lächeln zu imitieren). Für den Terminator ist Arnie die Idealbesetzung, im Grunde ist das die Rolle seines Lebens. Wie schlecht es wird, wenn er wirklich versucht zu schauspielern, sieht man in "Total Recall". Insgesamt gehört die Terminator-Trilogie für mich zu den besten SF-Filmserien. Ob die ja wohl geplante Fortsetzung ohne Arnie, der als einziger Darsteller in allen drei Teilen die Serie zusammenhält, funktionieren kann, weiß ich nicht so recht. Andererseits würde ich doch gerne noch mehr vom Kampf der Menschen gegen die Maschinen in der postapokalyptischen Zukunft sehen. Statt "The show must go on" heißt es bei dieser Reihe eben immer "I`ll be back".

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Freitag, September 07, 2007

Warum Schmidt abgesetzt wurde

... erfährt man mit knapp zwei Wochen Verspätung bei der SZ. Und ich hatte mich schon gewundert, warum unangekündigt ein alter Tatort lief statt der Geburtstagshommage. Ist das jetzt eigentlich schon Zensur?
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Donnerstag, September 06, 2007

Aliens in der Wüste und Honeckers Enkel: Tom Kummers Borderline-Journalismus

Eigentlich wollte ich nur in alten Tempo-Heften nach einem Beispiel für einen Artikel suchen, der eine Ich-Erzählung mit Faktenaufzählung verknüpft. Da Tempo ja dafür bekannt war, dass die Autoren oft aus einer Ich-Perspektive schrieben, dachte ich, da müsste ich doch was finden. Gut, das mit der Ich-Perspektive stimmt zwar, aber leider waren das alles reine Reportagen ohne Einflechtung von Sachinformationen. Egal. Stattdessen fand ich u.a. eine Reportage von Tom Kummer über seine Suche nach Erich Honeckers Enkel in Chile. Ja, der Tom Kummer, der seit seinen aufgeflogenen Fake-Interviews für das SZ-Magazin als persona non grata des deutschen Journalismus gilt. Ich muss sagen, die Honecker-Geschichte mutete auch mehr literarisch als journalistisch an, aber sie war einfach verdammt gut geschrieben.

Auf der Suche nach weiteren Kummer-Texten im Netz stieß ich auf diese Geschichte aus der Schweizer Sonntagszeitung von 2003. Ziemlich abgefahren, ich hab keine Ahnung, um was es da eigentlich gehen soll. Ich stimme allerdings diesem Zitat eines Telepolis-Autoren über den so genannten Borderline-Journalismus (also die Verknüpfung von realen und fiktionalen Teilen in einem Artikel) zu:

Zwischen der Aufdeckung von Schwarzkonten eines Altbundeskanzlers, dem inszenierten Bericht über den angeblichen Verleih eines serbischen Ordens an einen "echt deutschen Schriftsteller", der Überschrift: "Ribbeck tritt zurück" und dem erfolgreichen Fabulieren eines Hollywoodberichterstatters liegt ein weites Feld.

Diese Unterscheidung zu beherrschen, souverän zwischen den verschiedenen Diskursgenren und Realitäten hin und her zu schreiten, wäre aber die Kunst, die Journalisten lernen oder um die sich bemühen sollten, anstatt permanent an ein diffuses Ethos zu appellieren, das sie beim Schreiben zu vollziehen haben, wenn sie auf Themensuche sind und ihre Ergebnisse in ihre Laptops hämmern.

Im Grunde hat Kummer ja nichts anderes gemacht als z.B. Hunter S. Thompson. Auch Egon Erwin Kisch hat seinen berühmten Artikel über einen Großbrand frei erfunden. Und nach dem sind heute noch renommierte Journalistenpreise benannt. Natürlich sollte für den Leser erkennbar sein, welche Artikel Anspruch auf Authetizität erheben und welche mit literarischen Verdichtungen arbeiten. Aber so viel Intelligenz sollte man seinen Lesern auch zutrauen, dass sie merken, dass z.B. dieser abgefahrene Wüsten-Aliens-Artikel anders entstanden ist als eine klassische Newsstory. Und das öfter mal Interviews mit Hollywoodstars gedruckt werden, ohne dass der Autor je mit ihnen gesprochen hat, ist ja nun auch nichts Neues.

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Mittwoch, September 05, 2007

TV-Tipp: "Kahlschlag"

Siehe da, der Siegerfilm des letztjährigen FILMZ-Festivals in Mainz, co-produziert vom SWR, hat wie damals vom Regisseur angekündigt/befürchtet, seinen Weg ins Spätprogramm des Dritten gefunden. Also: heute Abend, 22 Uhr 30, SWR Fernsehen einschalten, wenn ihr mal wieder einen richtig guten deutschen Film sehen wollt.
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Samstag, September 01, 2007

Erkenntnisse zum EoC-Konzert

Da hätte ich doch schwören können, Element of Crime hätten letzten Freitag in Wuppertal wieder nichts von dem großartigen Album "Die schönen Rosen" gehört. Gestern fiel mir aber beim Hören desselbigen auf, dass sie doch "Ohne dich" gespielt haben. Oder irre ich mich? Olsen, wo ist deine Songliste? Dafür habe ich jetzt rausgefunden, von wem die Coverversion im Original ist, die sie als Zugabe gespielt haben. "Akkordeon" von Alexandra, geschrieben von Serge Gainsbourg, gut, das eigentliche Original ist dann wohl auf Französisch, aber Alexandra hatte für eine deutsche Schlagersängerin schon einige sehr gute Lieder im Repertoire (ich liebe auch "Zigeunerjunge";). Wobei die Elements bei der Auswahl ihrer Zugaben-Covers eh sehr stilsicher sind, auf der letzten Tour war das dieser Udo Lindenberg-Song, den ich auch ziemlich gut fand.
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