Dienstag, Oktober 30, 2007
Report Mainz über Herrn Gerster
Gestern war das Thema "Zweifelhafte Briefzustellergewerkschaft" auch Thema bei Report Mainz. Mann, hätte ich die Geschichte gerne recherchiert! Sehr treffend auch die Schlussbemerkung des Moderators, die ungefähr dem entspricht, was ich hier neulich geschrieben habe: "Gerster war immerhin mal Arbeitsminister unter Kurt Beck, Chef der Bundesagentur für Arbeit und ist immer noch SPD-Mitglied. Wie lange eigentlich noch?"Wer jetzt kein Haus hat...
Endlich passt auch die Jahreszeit zu meiner Stimmung. Dank der Zeitumstellung wird es jetzt schon dunkel kurz nachdem ich mich aus dem Bett gequält habe (Achtung, Ironie!) und die nur in Deutschland heimische Spezies der Laubsaugbläser ist auch wieder unterwegs. Diese possierlichen Wesen machen sich eine Freude daraus, mittags genau unter meinem Fenster mit ihren drolligen Apparaturen zugange zu sein, während ich höchst wichtige Telefonate führen möchte. So wird das ja nie was mit der Titelstory für den Playboy.
Ansonsten habe ich mich heute mal wieder über die Freuden der deutschen Bürokratie gefreut. Den GEZ-Befreiungsantrag kann man erst stellen, wenn man Alg II beantragt hat, aber er gilt dann erst für den folgenden Monat. Was für ein mieser Trick, noch mal einen Monat länger abzukassieren! (Beispiel: Ich werde am 1. Oktober arbeitslos. Vorher kann ich mich normalerweise gar nicht arbeitslos melden. Wenn ich also am 1.10. Alg II beantrage, kann ich mich frühestens ab 1.11. von der GEZ befreien lassen. Was für eine Logik!) Gutscheine aus Willkommensheften kann man bei der Mainzer Verkehrsgesellschaft nur einlösen, wenn man das ganze Gutscheinheft vorlegt, nicht etwa nur den entsprechenden Gutschein (wobei davon natürlich nix auf dem Gutschein draufsteht und ich den Rest des Heftes deswegen längst weggeworfen hab). Ja, so funktioniert dieses Land, nur nicht einen Cent zuviel herausgeben. Sind doch eh alles Sozialschmarotzer!
Ich kann übrigens Olsen nicht zustimmen, dass es in mittleren Großstädten weniger Irre gibt als in Metropolen. Zumindest hier in Mainz laufen erschreckend viele Gestörte rum. Manche stehen einfach am Büdchen und babbeln in einem unverständlichen Dialekt irgendwas vor sich hin. Wobei ich manchmal den Verdacht habe, die machen überhaupt keine sinnhaften Äußerungen, sondern wollen nur durch Geräuscherzeugung auf sich aufmerksam machen.
Samstag, Oktober 27, 2007
Wie Klein-Rainer sich den Terrorismus vorgestellt hat: "Die dritte Generation"
Nachdem ich mich die letzten Tage zumindest gedanklich mit Faßbinder beschäftigt habe (s.u.), dachte ich mir gestern, gib ihm noch mal eine Chance, fahr nach Wiesbaden, wo das Walhalla-Kino gerade ein "Faßbinder-Festival" mit Filmen, Theater, Diskussionsrunden, Weib (der Witwe von Eddie Constantine, kommt heute Abend) und Gesang (Jazzband, kommt auch heute Abend) veranstaltet. Zumal die Inhaltsangabe von "Die dritte Generation" ganz interessant klang und die Amis in der imdb mal wieder begeistert waren (die mögen aber auch jeden Scheiß, der sich von ihrem Mainstreamkino abhebt). Das Festival stellte sich als riesiger Publikumserfolg heraus: Bei der vorherigen Diskussion und beim Film waren jeweils sechs Leute anwesend. Das Walhalla macht einen interessanten Eindruck, ein richtig schön verratztes Programmkino mit zwei Sälen, wovon das Studio-Theater, in dem der Film lief, eher wie eine Kneipe eingerichtet ist, also mit Bistrotischen und -stühlen, Bar und einigen ungemütlichen Ikea-Stühlen. Im Foyer stand neben billigem Ikea-Mobiliar noch eine unglaublich versiffte rote Ledercouch, dazu hingen Bilder von Kinski an der Wand. Doch, hat was.
Aber dann dieser Film, der alle (Vor-)Urteile bestätigt hat, die ich bisher über Faßbinder hatte. Hätte ich nicht vorher gelesen, dass es da um eine Gruppe Terroristen in den 70ern geht, die von einem Computerhersteller manipuliert wird, damit der Verkaufsargumente für seine Datenüberwachungsgeräte hat, hätte ich das wahrscheinlich gar nicht gemerkt. Denn so etwas wie eine Erzählstruktur oder überhaupt eine nachvollziehbare Ordnung ist in diesem Film leider nicht zu erkennen. Stattdessen wild aneinander geschnittene Szenen: Eddie Constantine ist der Chef der Computerfirma, Hanna Schygulla seine Assistentin. Die ist mit Udo Kier verheiratet, einem der Terroristen. Die beiden wohnen im stattlichen Haus seiner Eltern. Der Vater, Hark Bohm, ist Kriminalkommissar, die Mutter verrückt geworden. Der Großvater sagt: "In jedem Leben sollte es einen Krieg geben, sonst wissen die Leute nicht mehr, wie aufregend die Zeit zwischen den Kriegen sein kann." Hark Bohm schläft in einem Stundenhotel mit seiner Schwiegertochter, draußen blinkt eine rote Leuchtreklame einer Bar. Schygulla steht mit Hut und Trenchcoat am Fenster, ihr Gesicht wird rot beleuchtet. Ein Terrorist schaut aus einem Fenster auf die West-Berliner Innenstadt und sagt: "Ich habe neulich einen russischen Science Fiction-Film gesehen, da sah die Stadt ganauso aus." Bohm antwortet: "Das war 'Solaris', einer der besten Filme überhaupt." Die Freundin eines Terroristen ist auf Heroin. Eines Tages taucht ihr Ex-Lover in der Wohnung auf, gespielt von Günther Kaufmann, dem schwarzen Schauspieler, dessen Rollenname passenderweise Franz ist. Franz legt sich gleich zur nackten Ex ins Bett und zieht sich aus. Eine terroristische Deutschlehrerin soll einen fremden Genossen bei sich verstecken. Der sagt: "Ich möchte nicht auf der Couch schlafen und nicht alleine im Bett. Ich möchte mit dir schlafen." Sie sagt: "Ich möchte selbst entscheiden, mit wem ich schlafe und mit wem nicht." Er wirft sie aufs Bett, reißt ihr die Kleidung vom Leib, sagt: "Es wird dir schon noch gefallen." Sie wehrt sich, schreit um Hilfe. In der nächsten Szene spielen die beiden mit anderen Genossen Monopoly, sind jetzt ein Paar geworden. Gegen Faßbinder ist Leone ein Feminist. Die Lehrerin lässt sich jetzt von ihrem neuen Lover, dem Machoarschloch, demütigen, kocht für ihn, bringt ihm sein Bier, tut alles, was er befiehlt. Ging es so zu bei der RAF? Oft reden alle durcheinander, während der Fernseher und ein Kassettenrekorder gleichzeitig laufen und noch jemand Gitarre spielt. Unerträgliche Tonspur. Faßbinder erklärt nichts, keine Motivationen, keine Ursachen, lange Zeit sieht man auch gar nicht, was die Terroristengruppe eigentlich macht. Zu Beginn jedes Kapitels werden Sprüche eingeblendet, die Faßbinder auf Berliner Herrenklos gefunden hat: "Die Votze ist kein Radio, sie spielt auch keine Lieder..." - Herrenklo am Savignyplatz, dritte Kabine von links, 4.1.1979. Die Bullen durchsuchen die geräumte konspirative Wohnung, der einzige zurück gebliebene Bewohner (der nicht zur Gruppe gehörte) dreht durch: "Verhaften Sie doch alles, verhaften Sie die Mütze, die Bücher! Verhaften Sie die Zimmerpflanze!" In allen Wohnungen stehen Zimmerpalmen, Fernseher, Kassettenrekorder. Immer läuft ein Radio im Hintergrund oder die Tagesschau. Die Terroristen lesen sozialistische Klassiker, zitieren französische Gedichte. Aber was wollen Sie? Wofür kämpfen Sie? Das erfährt man bei Faßbinder nicht. Der Film taugt nur noch als Zeitdokument, nicht über die politische Stimmung des Jahres 1979, sondern über die Ästhetik. Wie haben Wohnungen damals ausgesehen? Wie haben die Menschen sich gekleidet? Was stand auf West-Berliner öffentlichen Toiletten? Wie sahen Schreibmaschinen aus, Kassetengeräte und Computer? Faßbinder hat kein Gespür für Timing, kein Interesse an seinen Figuren, kann (und will wahrscheinlich) keine Geschichte erzählen, er gefällt sich nur darin, seine Lieblingsschauspieler (die meistens gar nicht schauspielern können) in immer neuen Arrangements zu inszenieren. Heute würde so ein Regisseur von keiner Filmförderung mehr einen Euro gezahlt bekommen. Und das ist auch gut so. Am Ende entführen die Terroristen den Chef der Computerfirma, Eddie Constantine. Am Karnevalsdienstag, in geschmacklosen Kostümen. Constantine muss in ihre Videokamera sagen: "Ich bin P.J. Schultz, ich bin Gefangener des Volkes und im Namen des Volkes." Der Terrorist ist mit der Einstellung nicht zufrieden. Dann ist der Film zuende.
Donnerstag, Oktober 25, 2007
Plasberg im Ersten
Dieser Kritik über die erste "Hart aber fair"-Sendung im Ersten kann ich weitgehend zustimmen. Im Vergleich zu "Anne Will" sicher die bessere Polit-Talkshow. Konfrontation statt unverbindlichem Geplänkel, die betroffene (Ex-)Arbeitslose nicht als bemitleidenswertes Opfer auf dem Sofa, sondern als kämpferische Bürgerin in der Runde, auf gleicher Augenhöhe mit Politikern und Unternehmern. Plasberg souverän und witzig.
Witzig fand ich auch, dass BILD just am Tag nach Plasbergs erster ARD-Sendung mit der Headline aufmacht, seine Ehe sei nun auch am Ende. Was für ein mieser Schlafzimmer-Journalismus. (Unfreiwillig) komisch war die Schlagzeile deshalb, weil erst gestern an gleicher Stelle die gescheiterte Ehe des B-Promis Oliver G. vermeldet wurde. Oder war's vorgestern? Ich kann das alles nicht mehr unterscheiden. Jeden Tag komme ich am Zeitungsladen vorbei und jeden Tag ist wieder eine Promiehe gescheitert. Und jeden Tag hat Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung nichts Wichtigeres zu vermelden. Klimawandel, Sozialabbau, Kriege, Millitätdiktaturen, Arbeitskämpfe? War da was? Interessiert doch keinen, wenn man stattdessen auch einen voyeuristischen Einblick in die (angeblich gescheiterten) Beziehungskisten irgendwelcher Fernsehmoderatoren bekommen kann. Auch Plasberg musste heute morgen beim Aufschlagen seines Pressespiegels wohl schmerzhaft realisieren, dass er spätestens seit gestern in eine Liga aufgestiegen ist, die sein Privatleben für schmierige Boulevardzeitungen interessant erscheinen lässt. Was jetzt allerdings seine Eheprobleme (falls es die überhaupt gibt) über seine Qualitäten als Moderator aussagen sollen, begreife ich nicht.
Prospero Konkurrenz machen
Ich muss gestehen, dass sich von den Sachen, die momantan ausgestrahlt werden, Grey's Anatomy langsam zu einer meiner Lieblingsserien entwickelt - zusammen mit Battlestar Galactica, aber da hält uns RTL II ja leider immer noch mit den Wiederholungen der ersten Staffel hin. (Und Weeds sowie Nip/Tuck pausieren ja grad in Deutschland, wobei ich bei letzterer Serie auch zweifle, ob ProSieben die jemals fortsetzt. Ja, ich weiß, gibt's alles auf DVD, wenn ich 'nen Job hätte, würd ich die 39 Euro vielleicht auch investieren, aber so...)
Am Anfang fand ich GA eher noch mittelmäßig, dann konnt ich's eine Weile nicht sehen, weil ich an dem Tag immer erst spät abends aus Frankfurt zurückkam und danach wurde die Serie eigentlich immer besser. Inzwischen hat sie ein sehr hohes Niveau erreicht, hat alles, was eine gute Unterhaltungsserie ausmacht: Spannung/Dramatik durch schwierige OPs und andere Katastrophen im Krankenhaus, Humor durch skurrile Situationen und zwischenmenschliches Geplänkel, Romantik durch dahinmäandernde Beziehungsgeschichten zwischen Ärzten und sonstigem Personal und nicht zuletzt etwas Tiefe durch Aufwerfen moralischer Fragen wie das auch ER immer so schön verstand. Die Dialoge sind teilweise wirklich brilliant, die Ärzte haben alle ihre menschlichen Schwächen und Macken, das Ganze ist natürlich sehr gut und professionell inszeniert, in einem hohen Erzähltempo. Mit der Zeit wachsen einem auch die Figuren ans Herz, mit Ausnahme der Titelheldin, die ich immer noch furchtbar finde. Wenigstens ist ihre alzheimerkranke Mutter endlich tot, der Handlungsstrang ging ja wirklich gar nicht
. Leider ist aber Meredith neulich bei ihrem Unfall (?) im Meer nicht ertrunken, sondern nach über zwei Folgen dahin mäandernden Wiederbelebungsversuchen wieder aufgewacht. Dafür mag ich Christina und vor allem George und Izzy. Letztere hat sch wirklich weiter entwickelt. Am Anfang war sie ja noch das typische Model, sehr schön, etwas zu schön, und deshalb etwas oberflächlich-arrogant. Durch diverse Schicksalsschläge ist sie inzwischen ein richtig interessanter Charakter geworden, auch wenn diese Stroyline mit dem One-Night-Stand mit ihrem besten Freund George jetzt etwas aufgesetzt wirkt. Das ist wieder das alte Problem länger laufender Serien, dass irgendwann jeder mal was mit jedem gehabt hat, so wie bei ER (oder in der Lindenstraße
) - glaubwürdig ist was Anderes.
Was mich auch stört, sind diese Off-Kommentare eines Hauptcharakters (meistens Grey) am Anfang und Ende jeder Folge. Das sind immer so platte Weisheiten wie "Manchmal gibt es im Leben Momente, wo...". Ich brauch niemanden, der mir am Schluss die Moral der Folge nochmal zusammenfasst, das versteh ich dann schon selbst. Außerdem erweckt das immer den Eindruck, Schicksalsschläge und Fehlentscheidungen ließen sich schön rational einordnen. Aber so einfach ist das Leben ja leider nicht. Dennoch: Alles in allem ein würdiger ER-Nachfolger (woher kommt bloß diese Schwäche für US-Krankenhausserien?
).
Heroes find ich bis jetzt so làlà, ganz nett, aber auch nicht mehr. Da fehlt mir ein bisschen die Tiefe, das schaut man sich so an, fühlt sich ganz gut unterhalten, hat die Folge aber gleich nach dem Ende wieder vergessen. Um mich nachhaltig für eine Serie zu begeistern, braucht sie über den Unterhaltungsaspekt hinaus eine gewisse Tiefe, sei sie erzählerisch oder thematisch/inhaltlich, die dafür sorgt, dass man auch später noch über die Geschichten nachdenken kann. Und die dann bestenfalls einen Sog erzeugt, dass man keine Folge mehr verpassen will. Und sie sollte halt etwas haben, was sie von Dutzenden anderer Serien abhebt (einen Unique Selling Point nennt man das wohl in der Wirtschaft). Brothers & Sisters hat den zum Beispiel nicht. Die ist zwar ganz nett gemacht, unterscheidet sich aber eigentlich durch Nichts von anderen Familienserien. Hab ich deshalb wieder aufgegeben zu gucken.
Mittwoch, Oktober 24, 2007
Jean Seberg und ich
Ach, Jean Seberg hatte am gleichen Tag Geburtstag wie ich? Ist das jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Zwar ist die Frau früh gestorben, dafür ist sie durch ihre Rolle in "Außer Atem" immerhin zur Ikone geworden - und wohl auch zur Legende. Nächstes Jahr würde sie 70 - ich merk mir das mal für ein Porträt vor (im Journalismus geht ja leider nichts ohne Anlässe). Falls jemand von euch zufällig einen interessanten und bekannten Schauspieler oder Regisseur kennt, der demnächst einen runden Geburtstag feiert, lasst es mich wissen. Ich hatte nur Katherine Hepburn gefunden, die angeblich nächsten Monat 100 geworden wäre. Über die zu schreiben, fühlte ich mich gar nicht berufen. Hab wohl nur zwei Filme von ihr gesehen und das liegt auch schon mindestens 10 Jahre zurück. Dann habe ich gemerkt, dass die Geburtstagsangabe falsch war, in Wahrheit ist sie schon letzten Mai vor 100 Jahren geboren worden. Zum Glück. Wirklich schade ist, dass ich den 40. von Sophie Marceau verpasst habe. Na ja, die wär wahrscheinlich eh zu unbekannt gewesen.Verkehrte Welt
Die FR hat herausgefunden, dass die Demo der Briefzusteller für einen niedrigeren Mindestlohn nicht etwa von der "Gewerkschaft" angemeldet wurde, sondern von der PIN Group. Aber Herr Gerster wird das wahrscheinlich weiterhin für ganz normal halten. Eine Arbeitnehmerdemonstration, die vom Arbeitgeber angemeldet wird. So weit hat uns der Neoliberalismus schon gebracht.Montag, Oktober 22, 2007
Freundschaft, Verrat und eine große Liebe: Sergio Leones "Es war einmal in Amerika"

Was für ein gottverdammtes Meisterwerk! Hab den Film grad zum fünften Mal gesehen (erstmals auf DVD) und bin mal wieder erschlagen. 220 Minuten und keine zu viel, einer der ganz wenigen Filme mit extremer Überlänge, die keine Längen haben (bei Leones anderem Meisterwerk "Once upon a time in the west" ist das ähnlich, der ist allerdings auch kürzer und lebt weniger von der Handlung als von den grandiosen Bildern und Morricones Musik dazu). Hier stimmt einfach alles: die Bilder, die Musik, die Schauspieler (de Niro, Woods, sämtliche Darsteller der jugendlichen Gangmitglieder und nicht zu vergessen die junge Jennifer Connelly in ihrer ersten Rolle). Was mich aber vor allem jedesmal wieder fesselt, ist die unheimlich dichte Story. Ich entdecke jedes Mal was Neues, die Handlung ist so verschachtelt und schlägt so überraschende Volten, dass man wahrscheinlich nie so ganz durchsteigen wird. Kaum ein anderer Film hat so viele große Szenen, die sich unauslöschlich ins Gedächtnis einbrennen und die doch nie langweilig werden: Connelly mit ihrem Mädchengesicht, wie sie im Lagerraum Ballet übt, von Noodles beobachtet, wie sie mit ihm spielt, wohl wissend, dass er sie heimlich anstarrt; die Sahnetörtchenszene im Treppenhaus, das Bergen der Alkoholkisten aus dem Fluss, als Noodles denkt, Max wäre ertrunken, aber der spielt nur mit ihm; gleich darauf, wie die fünf Jungs ihren Pakt schwören und in der nächsten Szene wird Dominic, der Jüngste, von ihrem ausgebooteten Ex-Chef erschossen und stirbt in Noodles' Armen; viel später das Essen, für das Noodles ein ganzes Strandhotel gebucht hat, nur um mit seiner großen Liebe Deborah alleine zu sein, wie die Romantik dann umschlägt in Gewalt, weil Noodles nie etwas anderes kennen gelernt hat, nicht weiß, wie man reagiert, wenn man einmal nicht das bekommt, was man will. Danach sieht er Deborah 35 Jahre nicht wieder. Am Ende verrät er Max aus Freundschaft, um ihn vor einem Kamikaze-Tod zu retten. Aber Max spielt nur ein Spiel mit ihm.
Ganz zum Schluss, nach 35 Jahren, trifft Noodles den totgeglaubten Freund wieder. Der sagt: "Ich habe dein Leben geführt, dir alles genommen: dein Geld, dein Mädchen. Und du hast 35 Jahre um mich getrauert." (was er nicht sagt: und 35 Jahre Schuldgefühle gehabt - umsonst). Wie Noodles sich weigert, ihn mit Max anzureden. Er will sich seine Erinnerung an ihn bewahren, deshalb nennt er ihn weiterhin Staatssekretär Bailey. Und sagt zu ihm: "Ich kenne auch eine Geschichte. Sie ist viel kürzer als Ihre. Ich hatte einen Freund, einen guten. Ich habe ihn verraten und er starb. Hatte einfach Pech. So wie ich Pech hatte." Vorher hat er Deborah wieder getroffen, die sich zwar ihren Traum erfüllt hat, ein Star zu werden, aber einsam geblieben ist. "Geh durch diese Tür", rät sie ihm, "geh immer weiter und dreh dich nicht um, wenn du dir deine Erinnerung bewahren willst." Er antwortet: "Glaubst du, dass ich sonst zur Salzsäure erstarren werde?" Andere großartige Dialoge: Max: "Du wirst den Gestank der Straße nicht los." - Noodles: "Ich mag den Gestank der Straße, er lässt mich mich lebendig fühlen." Als er nach 35 Jahren seinen Jugendfreund, den Wirt Moe, wieder sieht, fragt dieser: "Was hast du all die Jahre gemacht?" - "Ich bin früh schlafen gegangen." Als der Film 1984 in die Kinos kam, wurde er von der Kritik verrissen (wohl hauptsächlich wegen der Schnittfassung, an der die Produzenten rumgedoktort hatten). Später wurde er als Bester Film des Jahrzehnts ausgezeichnet. Völlig zurecht. Ein absoluter All-Time-Favourite.
Nachtrag: Über das bedenkliche Frauenbild in diesem Film hat Else Buschheuer neulich sehr klug geschrieben (witzigerweise habe ich die gleiche Diskussion auch mal mit einer Freundin geführt, auf die sehr bedenkliche Vergewaltigungsszene bezogen, also die bei dem Diamantenraub, nicht die an Deborah).
Menschenrechte für den Menschenaffen oder Rückkehr zum Planet der Affen
Im ZDF-Nachtstudio kann man immer wieder etwas lernen. Z.B., dass es ernsthaft Menschen gibt, die obige Forderung aufstellen. "Die Ausweitung der Menschenrechte auf immer größere Gruppen ist ja Teil der kulturellen Entwicklung. Früher hatten Frauen keine Seele, durften nicht wählen usw. Heute würde ihnen das niemand mehr absprechen. Dasselbe mit Kindern, Angehörigen anderer Ethnien. Und als Nächstes steht jetzt halt die Ausweitung auf unsere nächsten Verwandten an, die Primaten." Ach so, klingt logisch, und wie sieht das dann konkret aus? Bekommt der Schimpanse das Wahlrecht, und wenn ja hoffentlich nur das aktive? Oder für welche Partei würde er wohl kandidieren? FDP? Dürfen Affen bald standesamtlich heiraten? Auch homosexuelle Partner? Wird etwa sogar die Inter-Arten-Ehe erlaubt, also ich meine, kann man dann als Mensch auch einen Affen heiraten? Und wie läuft das mit der Unterhaltspflicht bei Scheidung, wenn der Affe z.B. gar keinen Job hat? Gilt das Gleichstellungsgesetz auch für Primaten? Muss ich demnächst bei Bewerbungen nicht nur mit ausgebildeten Volontären konkurrieren, sondern auch noch mit Affen ohne Abitur (Solange diese die neue Rechtschreibung fehlerfrei beherrschen)? Sieht es auf unseren Straßen bald aus wie im vierten Teil von "Planet der Affen"? Wo die Viecher in Klamotten zur minderwertigen Arbeit schlurfen, um z.B. beim Friseur die Haare aufzufegen? Dürfen Affen Gewerkschaften gründen? Oder bei der GdL Mitglied werden? Würde das überhaupt jemandem auffallen? Und nach den Affen, wer kommt dann als Nächstes dran mit den Menschenrechten? Die Delfine, die Hunde, die Kängurus (he, gleich zwei rechtschreibreformierte Tiernamen in einer Frage!)? Die Gesellschaft ist ein Dschungel, ich weiß, aber sieht sie bald auch wörtlich so aus?
"Warum tragen Sie eigentlich Kleidung?", fragte Volker Panzer den Anthropologen und Primatenforscher, der es immer unfair fand zu behaupten, Affen und Menschen würden sich grundlegend unterscheiden. "Weil mir kalt ist." 60 bis 70 Prozent der kleinen Kinder verstehen durch Beobachtung, dass man ein Werkzeug benutzen muss, um eine weit entfernte Nuss zu erreichen, aber nur 30 Prozent der Primaten. Die Frage, die ich mir da stelle, ist nicht, sind die Kinder deshalb durchschnittlich intelligenter als die Affen, sondern was unterscheidet diese 30 Prozent der Primaten von den übrigen 70? Sind die 30 Prozent näher am Menschsein? Werden sie bald aufstehen und mit ihrem Knochen ihre Feinde erschlagen? Und in 2 Millionen Jahren zum Jupiter fliegen? Und wer filmt das dann? Nachtstudio schauen ist echt anstrengend.
Sonntag, Oktober 21, 2007
Woody's Best: Meine Allen-Top-Five
Um dem jetzt noch mal was Postives entgegenzusetzen (das Wetter ist schon deprimierend genug): Meine fünf liebsten Woody Allen-Filme.
1. Manhattan - "In meiner Vorstellung sah ich New York immer schwarz-weiß und mit der Musik von Gershwin untermalt." Seit "Manhattan" geht es mir genauso. Woody verliebt sich in eine ausgeflippte Bergman-Hasserin, deren Ansichten er eigentlcih verabscheut und schickt für sie seine unkomplizierte 17-jährige Geliebte weg. Als er merkt, dass seine Entscheidung falsch war, ist es zu spät und er hat gar niemanden mehr. Wunderbare Darstellerinnen (Keaton, Muriel Hemingway, Streep), One-Liner für die Ewigkeit und Manhattan als Traum in schwarz und weiß.
2. Hannah und ihre Schwestern - Im Grunde das Gleiche in Farbe, aber als Episodenfilm, Woody gerät als Stadtneurotiker in eine Sinnkrise, als ihm bewusst wird, dass auch er eines Tages sterben muss und probiert alle Religionen durch. Michael Caine himmelt die jüngere Schwester seiner Frau an und Max von Sydow darf seine misanthropische Rolle aus zahlreichen Bergman-Filmen endlich mal bei Allen variieren. Unterschied zu "Manhattan": Am Schluss sind alle glücklicher als am Anfang.
3. Der Stadtneurotiker - Woody schaut zurück auf sein Leben, das unter der Achterbahn in Coney Island begann und mit der letztlich gescheiterten Beziehung zu Diane Keaton alias Annie Hall vorerst endete. Viele filmische Gags und Spielereien, Woody gibt zum ersten Mal die danach ewig variierte Stadtneurotikerrolle.
4. Bullets over Broadway - Kunst oder Leben?, fragt sich John Cusack als junger aufstrebender Theaterautor. Der Profikiller beantwortet diese Frage eindeutig: Kunst ist wichtiger. Cusack wählt dennoch das Leben. So klug war Allen danach leider nie wieder.
5. Stardust Memories - Woody spielt einen Regisseur, der nicht mehr lustig sein will, sondern lieber bergmaneske Dramen drehen will. Kommt einem bekannt vor. Von der Kritik verrissen, die nach "Manhattan" nur noch den Stadtneurotiker Allen sehen wollte. Dabei hat er es hier ausnahmsweise mal geschafft, ein lustiges Drama zu drehen statt eine dröge Bergman-Kopie.
Und 5a. (ja, ich weiß, ist eigentlich eine Top 5) Schatten und Nebel - unterschätztes expressionistisches Meisterwerk. Nie war Allen so sehr Kafka. Woody stolpert als spießbürgerlicher Buchhalter durch die Schatten der Nacht, während ein Serienkiller sein Unwesen treibt ("Wieso erstochen, ich dachte, er wäre ein Würger?"
, wird auf Grund dummer Zufälle selbst verdächtigt, freundet sich mit einer Zirkusartistin an und erfüllt sich zum Schluss seinen Lebenstraum, Zauberer zu werden. John Cusack sucht sein Glück im Puff, philosofiert dort über die Frauen und findet es schließlich auch - in Gestalt der Zirkusartistin. "Ich bin viel zu nervös, um Angst zu haben."
Die Anti-Top-Ten: Die schlechtesten Filme aller Zeiten
Aus gegebenem Anlass (s.u.):
1. Martha (Rainer Werner Faßbinder) - Wie sich Klein-Rainer den Sadismus vorstellt.
2. Hundstage (Ulrich Seidel) - Menschenverachtung hoch drei, ohne jedes Mitgefühl
3. Die Klavierspielerin (Michael Hanecke) - Noch ein depressiver Österreicher, der sich selbst für einen großen Regisseur hält. Isabelle Huppert kotzt beim Sex und bringt sich zum Schluss selbst um - was für ein Märtyrium (vor allem für den Zuschauer).
4. Kids (Larry Clark) - Jugendliche vertreiben sich die Zeit mit Vergewaltigen und Klebstoffschnüffeln, die Welt ist schlecht, alles geht den Bach runter, aber darüber muss ich keinen Film sehen.
5. The Matrix (Die Wachowski-Brüder) - Übermensch steht von den Toten auf und befreit sich in Riefenstahl-Ästhetik von seinen Fesseln, um als Messias in Lederklamotten die Wände hoch zu laufen. Der überschätzteste SF-Film aller Zeiten.
6. Angst essen Seelen auf (noch mal der Rainer) - Gesellschaftskritik mit dem Holzhammer und dann auch noch inkonsequent, denn der Neger ist ja doch wieder das notgeile Arschloch, das seine deutsche Ehefrau mit einer Jüngeren betrügt. Hier stimmt eigentlich nichts (hölzernes Drehbuch, schlechte Schauspieler, dumpfe Moral).
7. Face/Off (John Woo) - Der einzige Film, aus dem ich im Kino jemals rausgegangen bin. Was für ein aufgeblasener Scheiß.
8. Klimt (keine Ahnung, irgendein Spanier oder Portugiese) - Europudding at its worst. John Malkovich malkovicht zwei Stunden schwindsüchtig über die Leinwand, die Ferres stellt ihren Busen aus und Nicolas Kinski versucht, seinen Vater im Overacting zu übertreffen.
9. My private Idaho (Gus Van Saint) - Noch mal Keanu Reeves, noch ein Film, aus dem ich, diesmal allerdings nur fast, rausgegangen wäre. Stilisierter pädophiler Sex (wörtlich gemeint, da das wirklich Standbilder sind) und der Zauber des Lebens als Junkie in der Gosse.
10. Pi (Darren Aronowsky) - Mystischer Humbug, zusammengerührt aus sämtlichen Verschwörungstheorien der letzten Jahrhunderte. Der Elektrobohrer als einziger Ausweg (auch mal eine postive Handlungsaufforderung).
Filme, die es fast in die Top Ten geschafft hätten: Oi Warning (Skinheads sind gar nicht böse, sie treten nur manchmal Leute tot.), Aguirre, der Zorn Gottes (wie ein deutscher Regisseur sich in den 70ern die spanischen Konquistadoren vorgestellt hat, Kinski Vater overacted allerdings so sehr, dass der Film fast schon wieder sehenswert ist).
Die Armen sterben immer zuerst: Michael Moores "Sicko"

Nach seinem letzten Film "Fahrenheit 9/11" musste der vorher meist gefeierte Michael Moore harsche Kritik einstecken: Mit den Fakten nehme er es nicht so genau, sein Angriff auf George W. Bush sei deshalb eher ein Propagandafilm als eine Dokumentation. Unabhängig von den Fakten stimmte das, aber Moore hatte auch nie etwas Anderes behauptet. Dass "Fahrenheit" kein objektiver Dokumentarfilm war, sondern ein sehr persönliches Statement mit dem Ziel, Bushs Wiederwahl zu verhindern, war offensichtlich. Danach kamen dann Vorwürfe linker Kritiker, Moore hätte auch in früheren Filmen schon manipuliert, nachgestellte bzw. inszenierte Szenen als rein dokumentarisch dargestellt, z.B. die Gewehrübergabe in der Bankfiliale in "Bowling for Columbine".
Jetzt ist Moore wieder in den Kinos, mit seinem Frontalangriff auf das amerikanische Gesundheitssystem. Und natürlich ist in dem Film wieder alles drin, was ihm seine zahlreichen Kritiker vorwerfen: vereinfachte Darstellung von komplexen Sachverhalten, auf die Tränendrüse Drücken, indem er Betroffene filmt, während sie zu Weinen anfangen, Montieren von Bildern und Tönen, die eigentlich nicht zusammen passen (alte Spielfilmausschnitte, sowjetische Propagandafilme usw.), nur des komischen Effekts willen. Die meisten dieser Kritikpunkte sind berechtigt. Tatsächlich fragt man sich mehr als einmal, ob Moore seinem Anliegen nicht schadet, wenn er z.B. im Anschluss an die ironische Frage, ob Kanada etwa ein sozialistisches Land ist, singende sowjetische Erntearbeiter zeigt. Was die meisten Kritiker über all dieser berechtigten Kritik an der Machart seiner Filme aber vergessen: Sein Anliegen ist völlig berechtigt, seine Grundthesen absolut richtig.
Als deutscher Zuschauer seines Films über das US-Gesundheitssystem, das nur an Profitmaximierung und überhaupt nicht an der Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit der Versicherten interessiert ist, fragt man sich unweigerlich: "Ja, und was hat das mit mir zu tun? Ich lebe doch in einem Sozialstaat, bin gesetzlich krankenversichert und muss keine Angst haben, mich ärztlich behandeln zu lassen, weil ich mir die Rechnung nicht leisten kann." - Ja, noch nicht. Denn immer wieder gibt es in "Sicko" Stellen, an denen einem klar wird, das wir in Deutschland schon genau auf dem gleichen Weg sind. Im UK gibt es keine Zuzahlungen der Patienten bei Arzt-oder Krankenhausbesuchen - war hier auch mal so, jetzt gibt's die Praxisgebühr (die Hartz IV-Empfänger lange zögern lässt, bevor sie zum Arzt gehen) -, in Frankreich ist eine Collegeausbildung völlig kostenfrei - war hier auch mal so, bis Koch, Rüttgers und Konsorten meinten, Studiengebühren einführen zu müssen -. Mit anderen Worten: Statt, dass sich die USA das europäische Solidarprinzip zum Vorbild nehmen, ist es seit Jahren genau umgekehrt. Private Absicherung heißt das Zauberwort. Jeder ist nicht nur seines Glückes Schmied, sondern auch für sein eigenes Risiko verantwortlich, predigen Politiker von gelb bis grün. So weit, dass Menschen sterben, weil ihre Versicherung die Krebsbehandlung ablehnt, ist es hier noch nicht. Aber die Richtung ist vorgegeben. "Wenn Thatcher oder Blair die kostenlose Gesundheitsversorgung angetastet hätten, hätte es eine Revolution gegeben", sagt ein Labour-Veteran zu Moore. Wirklich? In Deutschland würde man vermutlich ein bisschen jammern und sich dann halt in sein Schicksal fügen. "Wer Angst hat und hoffnungslos ist, der geht nicht wählen", sagt der Ex-Abgeordnete noch. Die Angst und Hoffnungslosigkeit der unteren Schichten sind die Voraussetzung dafür, dass sich die Mächtigen an der Macht halten können, ob sie nun Bush oder Schäuble heißen.
Wenn Moore am Schluss seines Films mit den verzweifelten US-Bürgern, deren Krankenversicherungen ihre Behandlungsübernahme abgelehnt haben, mit einem Boot nach Kuba aufbricht, ist das nicht nur ein journalistischer Coup, sondern auch eine treffende Pointe. Ausgerechnet beim sozialistischen Erzfeind bekommen sie die notwendige medizinische Behandlung, die ihnen ihr so reiches eigenes Land verwehrt hat. Auch hier nimmt Moore der Sequenz wieder viel von ihrer Kraft, wenn er zu lange draufhält auf die vor Dankbarkeit und Scham weinenden Patientinnen. Die Sequenz, in der die kranken 9/11-Rettungshelfer ihre kubanischen Feuerwehrkollegen treffen und von diesen als Helden gefeiert werden, ist vermutlich reinste kubanische Propaganda und hat abgesehen davon nichts mit dem Thema des Films zu tun.
Michael Moore ist kein großer Regisseur, seine Filme sind handwerlich nicht besonders gut gemacht, vieles passt filmisch nicht zusammen, für eine gute Pointe verschenkt er gerne mal ein ernsthaftes Argument. Aber was man ihm nicht abstreiten kann: Er legt den Finger in die Wunden der amerikanischen Gesellschaft, die zumindest im Fall von "Sicko" auch die Wunden unserer Gesellschaft sind. Sein Thema ist universell, brisant und höchst virulent. Dass er sich traut, es anzupacken, kann ihm gar nicht hoch genug angerechnet werden. Wenn mehr Deutsche diesen Film sehen würden und vielleicht auch der ein oder andere Politiker, würde der Sozialabbau vielleicht nicht mehr so lautlos voranschreiten können.
Samstag, Oktober 20, 2007
Sehr treffend
Ein schöner alter Stern-Artikel über Herrn Gerster, als er noch Chef der BA war. (Mit Dank an Herrn Wehr, oder muss ich jetzt auch nur Wehr schreibenFreitag, Oktober 19, 2007
Größenwahn
Dass das ein merkwürdiger Tag ist, merkst du spätestens, wenn du in der Küche sitzt und anfängst, den Anfang eines Artikels im SZ-Magazin zu redigieren. Zum Vergleich: Ich habe die Namen im ersten Absatz ersetzt durch: "Angela Merkel, Steffi Graf, Anne Will, Birgit Prinz, Andrea Ypsilanti, Andrea Nahles" bzw. "Gerhard Schröder, Vater Graf, Frank Plasberg, Bastian Schweinsteiger, Jürgen Walter, Münti". Mit den Namen müsste der deutsche Durchschnittsleser mehr anfangen können, oder? Weitere Vorschläge sind natürlich willkommen (also mir, ob dem SZ-Magazin, weiß ich nicht).Faßbinder, das Beziehungsgenie
Auch wenn ich die meisten seiner Filme nicht mag (viele habe ich auch gar nicht gesehen, ich glaub, "Lola" fand ich ganz nett), ist Faßbinder als Mensch natürlich eine bewunderns- bis verachtenswert schillernde Figur. Heute sehr über die Zusammenfassung eines Dokumentarfilms über ihn gelacht, die Frau Buschheuer verfasst hat. Darin erzählen seine diversen Frauen über die Qualen ihrer Beziehungen zu ihm. Mein Lieblingssatz: "In der Hochzeitsnacht betrog er sie mit Günther Kaufmann, Ingrid Caven fand die Tür von außen verschlossen vor." (sinngemäß zitiert) Aber das Faszinierende bis Unverständliche: All diese Frauen (und Männer) haben sich von ihm ausnutzen und seelisch missbrauchen lassen, meistens alle zur gleichen Zeit. Was wirkte an ihm bloß so unwiderstehlich? In "Deutschland im Herbst", wo er in einer dokumentarischen Episode seine alte Mutter und seinen Lover terrorisiert, während er halbnackt durch seine Wohnung irrt, wirkt er einfach nur wie ein abstoßendes Monster (das er nach der Schilderung seiner Loverinnen und Ehefrau ja auch war). Macht das sexy? Isch versteh die Fraue nisch. (P.S.: Kaufmann ist auch einer dieser grottenschlechten Faßbinder-Schauspieler. Aber immerhin hat der einen ausreichend verrückten Lebenslauf, auch nach dem Tod von Meister RW noch. Ich dachte übrigens, der hätte auch den schwarzen Ehemann von der Mira in "Angst essen Seelen auf" gespielt, war er aber gar nicht.)Unperson des Tages: Florian Gerster
Heute hat es sich echt gelohnt, mal "Maybrit Illner" zu gucken. Als Talkmasterin ist die zwar nur unwesentlich weniger unfähig als Christiansen, aber dafür war die Diskussion zum Thema Gewerkschaftszersplitterung hochinteressant, besonders als es weg von GDL und Bahnstreik und hin zum Bereich Mindestlöhne für Briefzusteller ging. Was da gerade bei den privaten Postkonkurrenten abgeht, ist ja wirklich unglaublich. Die lehnen den von Verdi und Post ausgehandelten Mindestlohn mit der Begründung ab, damit würden viele von ihnen aus dem Markt gedrängt. Kurz nach einem Arbeitgeberverband, dessen Vorsitzender Ex-BA-Chef Gerster ist, gründet sich eine angebliche Alternativgewerkschaft, deren Führungspersonal seltsamerweise nicht aus Arbeitnehmern, sondern aus führenden Vertretern der Zustelldienste besteht. Diese organisiert dann eine Demo GEGEN den Mindestlohn bzw. für einen niedrigeren als den von Verdi ausgehandelten. Die demonstrierenden Mitarbeiter der Pin Group u.a. Firmen werden von ihren Arbeitgebern dafür bezahlt, dass sie an dieser Demo teilnehmen. Und Gerster setzt sich dann allen Ernstes ins TV und behauptet, das wäre eine legitime Arbeitnehmervertretung und nicht von den Arbeitgebern gesteuert. Zum Glück hat der IG Bau-Vorsitzende ihm ordentlich Kontra gegeben, nachdem ein aufrechter Pin-Betriebsrat (und Verdi-Mitglied) klar gesagt hat, wie es in seinem Unternehmen wirklich aussieht. Gerster steht eigentlich immer auf der falschen Seite, ist immer zur Stelle, wenn es gilt, in irgendeiner Funktion dem Sozialabbau Vorschub zu leisten. Erst ist er als BA-Chef ein glühender Anhänger der Hartz IV-"Reform" (inzwischen ist das ja nur noch als Schimpfwort zu gebrauchen), während er sich selbst neue Luxusdienstwagen besorgt. Und nur wenige Jahre, nachdem BILD u.a. Medien ihn endlich zum Rücktritt gezwungen haben, taucht er als "Arbeitgeberpräsident" (welch lächerliche Bezeichnung für einen Verband, der im Wesentlichen nur aus zwei Unternehmen besteht) einer Branche, die für Hungerlöhne berüchtigt ist, wieder auf. Und dann verteidigt er dessen Politik noch mit dem Argument, die privaten Postkonkurrenten würden ja helfen, die Arbeitslosigkeit abzubauen. Der hat wirklich nichts dazu gelernt. Aber auch da ist Wiesehügel eingesprungen und hat erst mal klar gestellt, dass das ja überwiegend nur Minijobs sind, von denen kein Mensch leben kann. (Und wie lächerlich diese Löhne sind, weiß ich aus eigener leidvoller Erfahrung.) Gerster war doch mal Arbeitsminister in RLP, also ja wohl SPD-Mitglied. Unfassbar, dass der noch kein Parteiausschlussverfahren bekommen hat, wo er ja seit Jahren konsequent sämtliche Grundprinzipien der Sozialdemokratie bekämpft.Donnerstag, Oktober 18, 2007
Schräge Filme, schöne Filme
Seit knapp zwei Wochen bin ich ja Fan der Schriftstellerin und Moderatorin Else Buschheuer (allerdings nur als Schriftstellerin, denn im TV hab ich sie noch nie bewusst gesehen, ich krieg auch den MDR nicht, wo sie wohl eine Kinosendung moderiert, früher war sie wohl mal Wetterfee bei ProSieben, aber daran kann ich mich nicht erinnern). Neben einem vorzüglichen Humor und einem entwaffnenden Zynismus verfügt die Frau auch über einen recht ausgefallenen Filmgeschmack. Man sehe sich nur mal ihre Top Ten-Liste an! Obwohl ich bisher den meisten ihrer Filmkritiken über Filme, die ich kannte, zustimmen konnte ("Es war einmal in Amerika" ist tatsächlich ein völlig unterschätztes Meisterwerk, auch wenn das Frauenbild in diesem Film natürlich sehr bedenklich ist, und wer "Große Freiheit Nr. 7" liebt, kann ja nicht verkehrt sein), kann ich ihre Faßbinder-Leidenschaft nicht nachvollziehen. Und dann noch "Martha" in der Bestenliste! Das ist einer der schlechtesten Filme, die ich je gesehen habe, und zwar, als der nach 20 Jahren zum ersten Mal in die Kinos kam. Wenn man ihn gesehen hat, weiß man auch, warum der erst nach 20 Jahren gezeigt wurde. Grottenschlechte Schauspieler (Karlheinz Böhm) tragen hölzerne Dialoge vor, das Drehbuch ist sowas von konstruiert, dass man manchmal denkt, das wäre satirisch gemeint und die Bildgestaltung wirkt, als habe ein Amateurfilmer seine neue Super 8-Kamera ausprobiert.
Auf meine Liste der schlechtesten Filme aller Zeiten kommt glaub ich auch der österreichische Film "Hundstage". An den musste ich die letzten Tage öfter denken, weil der Regisseur, Ulrich Seidel, einen neuen Film gemacht hat, der heute in die Kinos kommt: "Import/Export". Die Kritiken sind mehr oder weniger enthusiastisch, aber ich weiß nicht, ob ich den sehen will. Noch einmal 132 Minuten Selbstkasteiung, ich glaub, das halte ich nicht mehr durch. Bei "Hundstage" war ich wenigstens noch jünger (und ausgeglichener), außerdem wusste ich da vorher nicht, was mich erwartet. Ich war in Groningen mit einem österreichischen Kumpel in den Film gegangen (Österreichisch mit holländischen Untertiteln, ohne die ich auch nur die Hälfte verstanden hätte). Nach einer halben Stunde sieht mein Kumpel mich an und fragt: "Um was geht's da eigentlich in dem Film?" Tja, keine Ahnung. Irgendwie hat der Regisseur da das ganze Elend der menschlichen Existenz, das Grauen des Alltags, in einen Film gepackt, gnadenlos unsympathische, meist hässliche Menschen bei mehr oder weniger merkwürdigen Handlungen gefilmt. Für die Menschen, alles Laiendarsteller, konnte man nicht einmal Mitleid empfinden. Am liebsten hätte man sie alle umgebracht. Das soll im neuen Film wohl anders sein. Angeblich hat Seidel hier erstmals Mitgefühl mit seinen Figuren gezeigt. Naja.

Von schrägen Filmen jetzt zu einem einfach nur schönen Film. Ja, ich hab mal wieder "La Boum" geguckt. Ich würde zwar nicht behaupten, dass der bei jedem Ansehen besser wird, das schwankt auch immer mit der jeweiligen Stimmung, in der ich gerade bin (ähnlich wie Teil II, den ich beim Wiederanschauen nach bestimmt 15 Jahren schlechter fand als Teil I, zwei Jahre später dann ganz toll). Trotzdem einer der wenigen Filme aus meiner Kindheit, die ich immer noch liebe. Der hat so eine Leichtigkeit, so eine Herzenswärme, einen liebevollen Blick auf seine Figuren, die alle etwas verschroben sind, aber gerade dadurch so wunderbar normal: Der trottelige Vater, ein fremdgehender Zahnarzt, der doch eigentlich nur seine Frau liebt, die Mutter, eine selbstbewusste Cartoonzeichnerin, die sich von ihrem Mann emanzipiert. Die resolute Urgroßmutter, die seit vierzig Jahren eine Affäre mit einem verheirateten Mann hat und der Hauptfigur, ihrer Urenkelin Vic, in Dingen des Lebens und der Liebe mit Rat und Tat zur Seite steht. Und dann natürlich Vic, gespielt von Sophie Marceau, mit ihrem Jungmädchencharme. Erstaunlich ist, dass dieser Film fast nie peinlich ist, obwohl es genug Gefahrenmomente für Kalauer und Slapstick gibt. Aber der Film nimmt seine Figuren, deren Sorgen und Nöte immer ernst, gibt die Teenager mit ihren pubertären Träumereien und Problemchen nie der Lächerlichkeit preis, wie das heute in Teenagerkomödien fast immer so gerne gemacht wird. Man lacht immer mit Vic, aber nie über sie. Abgesehen davon sind die Frauen sowieso die stärkeren Figuren, die Jungs und Männer sind eigentlich immer die Trottel, wenn auch meistens liebenswerte. Insofern ist der Film auch fast ein feministisches Statement, und zwar von einem männlichen Regisseur. Das Einzige, was man ihm ankreiden könnte, ist, dass die bezaubernde Vic sich immer in die blödesten Kerle verguckt. Erst dieses Milchbubi Matthieu mit seinem Oberlippenflaum und im zweiten Teil dann in den spätpubertären Pierre Cosso. So ein Männergeschmack geht ja wohl mal gar nicht
. (Und Matthieu lässt sie dann auf der Fete am Ende auch noch wegen eines Typen stehen, der noch schlimmer aussieht!) Von diesem kleinen Minuspunkt einmal abgesehen, hat der Film alles, was man für eine wohlig-nostalgische Zeitreise in die frühen Achtziger braucht: schöne Gags, sympathische Figuren, etwas Romantik, etwas Lebensphilosphie, Sophie Marceau und die Musik von Richard Sanderson
. "Dreams are my reality..."
Wenn der Winter kommt
Ich klau hier mal die Idee der bloggenden Wissenschaftsredakteure der FAS, Blogeinträge nach Element of Crime-Songs zu benennen. Tatsächlich geht mir dieser Song seit Tagen nicht aus dem Kopf, ebenso wie ein ca. 15 Jahre altes Lied von Reinhard Mey ("Das Ende der Saison" ): "In der Vormittagssonne noch ein Spätsommeridyll...". Nicht nur, dass die Blätter fallen und man wieder heizen muss, wenn das Eiscafé in ein Lebkuchengeschäft umgewandelt wurde, weiß man, dass definitiv bald der Winter kommt.Samstag, Oktober 13, 2007
Paralleluniversen
Langsam verstehe ich die Leute, die immer klagen, dass sie beruflich bedingt jedes Jahr auf die Buchmesse müssen. Ich war heute zum zweiten Mal da - letztes Jahr war das erste Mal - und ich denke, falls ich nicht nächstes Jahr einen beruflichen Grund habe hinzugehen, auch das letzte Mal. Man braucht schon eine Viertelstunde, um überhaupt vom S-Bahnhof zur Halle zu kommen, dann stolpert man über crazy Mangafans, deren Outfit allen Pädophilen zur Freude gereichen würde, tritt diversen orientierungslos mitten im Gang stehenden Leuten in die Hacken und irgendwann hat man dann den Bereich gefunden, den man gesucht hat. Dann fragt man sich, was eigentlich so interessant am Durchblättern von Büchern ist. Wirklich reinlesen kann man ja bei dieser Atmosphäre nicht ernsthaft. Kaufen kann man auch nix, selbst wenn man das Bedürfnis verspüren würde, eines dieser Produkte zu erwerben. Dann kriegt man noch einige Male die riesigen Plastiktaschen in den Bauch gerammt, in denen die Besucher ihre abgestaubten Prospekte und Zeitungen verstauen. Am Ende fährt man mit einem Kilo Altpapier nach Hause. Und einem Probeabo von epd-Film, dass einem eine Hostess aufgequatscht hat, an der man die ganze Zeit vorbei geredet hat. Als ich den Stand verlassen hatte, fiel mir auf, dass ich auf dem Aboformular "Bar bezahlt" angekreuzt hab, allerdings gar nicht bezahlt habe. Entweder hat die Frau das selbst nicht mehr gemerkt oder am Montag ruft mich der Vertrieb an und will doch noch meine Kontonummer wissen.
Auf der Buchmesse treffen mehrere Paralleluniversen aufeinander. Die Großverlage haben gleich 50 Quadratmeter angemietet und an deren Ständen schlürfen die MitarbeiterInnen den ganzen Tag Schampus und essen komisch aussehende Hors d'Oeuvres. Die Klein- und Kleinstverlage haben Stände, die 2 Quadratmeter groß sind. Dort sitzen Mitarbeiter rum, die nur selten von einem Besucher belästigt werden. Die Besucher wiederum schlurfen ausgehungert durch die Hallen und stürzen sich dankbar auf jeden ausgelegten Keks, der sie vor dem sofortigen Tod bewahrt. Ebenso froh sind sie über jedes bedruckte Blatt Papier, das sie kostenlos in ihre riesigen Plastiktaschen stecken dürfen.
Einem Ex-Kommilitonen, der am FAZ-Stand arbeitete, und den ich an einem anderen Stand traf, als er gerade Pause hatte, habe ich ein Dejà Vu zu verdanken. Letztes Jahr lief ich eine halbe Stunde verwirrt durch Halle 4, weil ich mir nicht aufgeschrieben hatte, dass der FAZ-Stand in Halle 3 war, an dem Andreas Platthaus den "Strizz"-Zeichner Volker Reiche interviewen sollte. Heute nun erzählte mir der Kollege, dass just eine halbe Stunde später Andreas Platthaus am FAZ-Stand Volker Reiche interviewen sollte. Es stellte sich heraus, dass sich dieses Ereignis wohl schon so lange jährlich wiederholt, wie Volker Reiche für die FAZ den "Strizz" zeichnen darf, also gefühlte zehn Jahre. Leider hatte Volker Reiche absolut nichts Interessantes zu erzählen, sein Vortrag war eine einzige Selbstbebauchpinselung. Zwischendurch stellte er immer wieder Quizfragen, die nur beantworten konnte, wer seit gefühlten zehn Jahren FAZ-Abonnent ist und immer fleißig den "Strizz" liest (und sich dann auch noch merken kann, wie das Gemälde hieß, dass Volker Reiche anlässlich des Kunsträtsels von "Strizz" parodiert hat). Erstaunlicherweise waren einige solcher Hardcore-Fans anwesend. Zwischendurch beleidigte Platthaus mal kurz den Zeichner ("War es der dumme Strizz oder der dumme Zeichner, der am Tag des Spiels der Frauennationalmannschaft einen Strip über Männerfußball entstehen ließ? Aha, es war also der dumme Zeichner."
Bei Carl Barks hätte er sich so einen Spruch aber nicht erlaubt! Ansonsten stellte Platthaus, der die Gesichtszüge eines 25-Jährigen, aber den Habitus eines 55-Jährigen hat, belanglose Fragen, die Reiche noch mehr Gelegenheit zur Selbstbeweihräucherung gaben. Richtig surreal wurde es aber erst, als dieses Gespräch zuende war. Danach sprach nämlich ein merkwürdiger Mensch seine wirren Gedanken über das Wie und das Was und das Wie des Was aus und unterstützte diese mit einer Powerpoint-Präsentation. Das Publikum störte das nicht weiter, jedenfalls blieben die FAZ-Abonnenten einfach sitzen. Vielleicht werden die auch erst abends wieder von ihren Betreuern abgeholt.
Um jetzt noch mal was Positives zu schreiben: Es war schön zu sehen, wie ein Mensch wie Andreas C. Knigge, der sich seit dreißig Jahren beruflich mit Comics beschäftigt, immer noch so leidenschaftlich bei diesem Thema ist (Knigge interviewte im Comic-Zentrum den Schweizer "Titeuf"-Zeichner Zep). Zum Glück hatte man in diesem Jahr auch auf einen Übersetzer verzichtet. Beim Sondermann-Publikumspreis hat in der Kategorie "Bester Comic International" mein Favorit "Calvin & Hobbes" gewonnen. Und Rattelschneck haben den Preis für Absurde Kunst bekommen. Ich liebe Rattelschneck! Deren Karikatur im SZ-Wochenende gehört wöchentlich zu meinen absoluten Highlights. Jetzt weiß ich auch, dass das nicht ein, sondern zwei Leute sind (was ich glaub ich schon mal gewusst, aber gleich wieder vergessen habe) und dass der Name eine merkwürdige Abwandlung von Rattlesnake ist, also Klapperschlange.
Gelungene Buchtitel: "Dilletanten unterwegs - wenn Journalisten um die Welt reisen"
"Die SPD - eine verbrecherische Organisation" und (am gleichen Stand) "Sind SPD, DKP, PDS und Grüne verbrecherische Organisationen?" (Gegenfrage: Haben Helmut Kohls schwarze Kassen diesen Verlag finanziert?)
Freitag, Oktober 12, 2007
Polylux und Bauerfeind
Ich habe noch nie im Leben Ehrensenf gesehen. Katrin Bauerfeind habe ich deshalb das erste Mal wahrgenommen, als sie die Berlinale-Sendungen für 3sat moderierte, wo ich sie recht gut fand. Dann war sie im März bei Harald Schmidt, der ihr eine große Zukunft voraussagte. Seit einigen Wochen ist sie nun die Schwangerschaftvertretung bei Polylux. Nachdem ich gestern ein schönes Porträt über sie in Insight gelesen habe, dachte ich mir, jetzt schaue ich doch mal bei Polylux rein, wie sie ihre Sache denn da so macht. Zuerst war ich etwas schockiert. Ihre Anmoderation wirkte irgendwie sehr aufgesetzt, sehr unnatürlich. Sollte das jetzt ironisch sein? Im Laufe der Sendung wurde es zwar etwas besser, aber Bauerfeind wirkte trotzdem irgendwie arrogant, so von oben herab. Oder ist das Absicht, weil sie denkt, es passe zum Stil der Sendung? Ihre Moderationstexte schienen mir auch nicht wirklich für das Medium Fernsehen geeignet: "Susanne Sowieso über ein Phänomen, dass...". Also, solche Formulierungen machen sich in Vorspännen oder Teasern in Zeitschriften oder Online-Medien total gut, aber vorgetragen sind sie doch etwas zu steif. Leider kann die Frau in diesem Format ihr Potential auch überhaupt nicht ausschöpfen, die Aufgabe der Moderatorin beschränkt sich in einem solchen Magazin halt darauf, in 30 Sekunden zum nächsten Film überzuleiten - keine Interviews, kein freies Sprechen, kaum Gelegenheit, ihren Charme auszuspielen. Immerhin wirkt sie sympathischer als Tita von Hardenberg, von der Harald Schmidt zurecht mal gesagt hat, sie übe noch auf dem Sender.
Mit der Sendung selbst habe ich nach wie vor das Problem, dass ich nicht so recht weiß, was das alles eigentlich soll. Ist das nun ein Satire-, ein Lifestyle- oder ein Politik- und Gesellschaftsmagazin für junge Leute oder irgendwie etwas von allem oder doch ganz was Anderes? Die einzelnen Beiträge fand ich diesmal gar nicht so schlecht, aber sie ergeben irgendwie nichts Ganzes und nach dem Ausschalten hat man sie auch gleich wieder vergessen. Also eher so belanglose Unterhaltung zu später Stunde. Oder will Polylux uns einfach sagen: "So is det halt in der Hauptstadt, alles schön bunt, ständich wat Neuet, aber morjen is schon wieder wat janz Anderes uffe Tajesordnung."?
Gewerkschaften machen es einem echt nicht einfach
Da spielt man schon ernsthaft mit dem Gedanken, (wieder) in eine Gewerkschaft einzutreten, und dann muss man sich ätzend lange durch völlig unübersichtliche Internetseiten klicken, bis man mal so halbwegs die Information gefunden hat, wie hoch nun eigentlich die Mitgliedsbeiträge sind. Die findet man nämlich beim DJV nur auf der HP des Landesverbandes und bei verdi auch nur, wenn man genau weiß, wo sie versteckt sein könnte. Ich hätte eigentlich gedacht, dass die Beiträge bei beiden konkurrierenden Gewerkschaften ungefähr gleich hoch seien. Pustekuchen! Der DJV ist insbesondere für Studenten und Arbeitslose unverschämt teuer: 17,50 Euro. Auf Antrag kann man sich zwar wohl als Erwerbsloser beitragsfrei einstufen lassen, aber nur im Bezirk Rheinhessen. Wenn man dann woanders hinzieht, muss man eh wieder schauen, was der jeweilige Landesverband dann für Tarife und Regelungen hat. Bei verdi zahlt man nur 2,50 Euro, wenn ich's richtig verstanden habe, also jedenfalls als Alg II-Empfänger oder als Studi. Auch als Freier dürfte das bei verdi billiger sein, auf jeden Fall aber fairer (1 Prozent vom Einkommen, wie auch bei Angestellten, im Gegensatz zu Pauschalbeiträgen im DJV). Nachteil wäre dann, dass man die tollen Stellenangebote in der DJV-Zeitschrift "journalist" nicht mitbekommt, wo allerdings auch so gut wie nie was Passendes für Berufsanfänger dabei ist. Der "journalist" selbst ist zwar ganz informativ, aber von den Journalistenmagazinen, die ich kenne, das Schlechteste. Warum die für ein Abo (wenn man nicht sowieso im DJV ist) sagenhafte 132 Euro haben wollen, während das Medium-Magazin und Insight nur jeweils knapp über 40 Euro im Jahr kosten, soll mir mal einer erklären. Zumal diese beiden Magazine von den Themen her meist interessanter sind. Also, am Sinnvollsten wär's für mich wahrscheinlich, in verdi einzutreten und das gesparte Geld zu verwenden, das Medium-Magazin zu abonnieren.
War gestern auch mal in der örtlichen verdi-Geschäftsstelle, aber in dem Raum mit Türaufschrift "Service-Center" war kein Mensch anwesend, nur leere Schreibtische und allerlei Informationsmaterial und diverse Mitgliederzeitungen (ich erinnere mich mit Grauen an das ehemalige ÖTV-Magazin zurück, eine der wenigen Publikationen, die noch uninteressanter sind als Krankenkassenmagazine). Dafür hätte ich mir unbemerkt eine verdi-Schirmmütze oder eine Flagge samt Stiel mitnehmen können, die wohl direkt hinter der Eingangstür auf den nächsten Arbeitskampf bei der Telekom warteten (die praktischerweise im gleichen Haus sitzt). Es lebe die Gewerkschaftbewegung! Wenn ihr potentiellen Neumitgliedern aber solche Steine in den Weg legt, braucht ihr euch über Mitgliederschwund nicht zu wundern.
Dienstag, Oktober 09, 2007
Als Männer noch Männer waren: Howard Hawks' "Red River"

Ich bin wirklich kein Westernfan und noch weniger John Wayne-Fan. Aber "Red River" hat echt was. Hab den jetzt noch mal ganz gesehen, nachdem ich vor nicht allzu langer Zeit mal beim Zappen bei dem Film hängen geblieben bin. John Wayne spielt einen harten Kerl, der sein Mädchen verlässt, um sich eine Existenz als Rinderzüchter aufzubauen. Dummerweise wird die Frau gleich darauf von Indianern erschossen. Dafür "adoptiert" Wayne einen Jungen, dessen Eltern ebenfalls bei dem Angriff drauf gegangen sind. Unerbittlich gegen sich selbst baut Wayne in 14 Jahren eine riesige Rinderzucht auf. Aber die Herde muss von Texas nach Missouri gebracht werden, um ordentlich Geld einzubringen. Zum Glück ist auch der Ziehsohn rechtzeitig für den Treck wieder aufgetaucht, der inzwischen ein Revolverheld wie sein Daddy geworden ist. Unterwegs entwickelt sich der Boss leider immer mehr zum cholerischen Arsch und erschießt mehr oder weniger wahllos Mitarbeiter, die nicht mehr nach seiner Pfeife tanzen wollen. Schließlich wendet sich auch sein eigener "Sohn" gegen ihn und aus der Vater-Sohn-Beziehung wird eine erbitterte Feindschaft. Die aber eigentlich nur verdeckt, dass die harten Kerle unfähig sind, sich ihre familiäre Liebe einzugestehen. Zum Glück treffen sie eine Frau, die das sogleich erkennt...
Tut mir Leid, ich kann einfach nicht über Western schreiben, ohne in einen ironischen Tonfall zu verfallen. Dabei ist das trotzdem ein klasse Film, ich versteh schon, warum Hawks von den Westernfreunden so verehrt wird. Im Grunde ist da alles drin, was großes Kino braucht: Spannende Schießereien und andere Momente (z.B. als die Herde einen Ausbruchversuch wagt), Humor, abgefahrene Dialoge, ein sehr ausgefeiltes Drehbuch mit schönen Richtungswechseln (der Gute wird auch mal zum Bösen und dann doch wieder zum Guten).
Merkwürdigkeiten: Nach der Exposition taucht knapp eineinhalb Stunden keine Frau mehr auf. Als dann doch noch eine auftritt, spielt diese aber gleich eine recht bedeutende Rolle für den ganzen Film. Die Indianer sind die bösen Wilden, aber einer ist allseits akzeptiertes Mitglied des Trecks (von einem anderen Stamm?).
Geniale Dialoge: Wayne (nachdem er einen Meuterer erschossen hat): "Begrabt ihn. Morgen werde ich aus der Bibel vorlesen." - Cowboy: "Warum müssen sie immer aus der Bibel vorlesen, nachdem sie einen abgeknallt haben? Müssen sie Gott unbedingt noch mit hinein ziehen?" Später sagt ein Anderer: "Werden Sie wieder aus der Bibel vorlesen, nachdem Sie mich abgeknallt haben?"
Als ein anfangs zögerliches Treckmitglied von der Rinderherde zu Tode getrampelt wird, sagt Wayne: "Seine Frau soll seinen gesamten Lohn bekommen - als wenn er den Treck bis zuende mitgemacht hätte. Und kauft ihr irgendwas nettes." - "Vielleicht rote Schuhe? Die wollte er ihr doch besorgen."
Jetzt muss ich irgendwann doch noch mal "Rio Bravo" ganz gucken.
Montag, Oktober 08, 2007
Der Kroeg
Hendrik ist tot. Mit diesem Satz kommt die Erinnerung. An ein Auslandssemester in Groningen, Niederlande. An südamerikanische Querflötisten und ein Bier, das den stärksten Mann umhaut. Und an eine ganz normale Eckkneipe, die doch so viel mehr war. Ein Nachruf auf einen Barkeeper - und auf eine aufregende Zeit. (weiter)Sonntag, Oktober 07, 2007
wenn ich nicht mein körper bin, warum hab ich dann einen?
Ein wunderbares Zitat aus einem wunderbaren Interview, dass die Schriftstellerin und Journalistin Else Buschheuer 2002 mit Ethan Hawke geführt hat. So ein Zufall, dass ich heute zufällig entdecke, dass die Frau bei Westropolis über Kino schreibt und auch eine tolle Homepage hat, wo neben dem oben genannten Interview auch andere Texte zu entdecken sind. Denn gerade gestern habe ich noch ihren Artikel über Sterbebegleitung in der SZ-Wochenendbeilage gelesen und war sehr beeindruckt. Ähnlich wie vor einigen Monaten, als an gleicher Stelle ihr Erfahrungsbericht über ihren Umzug von New York nach Leipzig stand. (Guckt mal auf die HP, der steht da auch.) Sehr schönen persönlichen, ironischen Schreibstil hat die Frau, werde ich mal weiter verfolgen, was die so veröffentlicht.Samstag, Oktober 06, 2007
So much to say and so little space
Der epd ist wirklich ein sehr angenehmer Auftraggeber, der einzige Haken ist, dass die Hintergrundstücke immer so kurz sein sollen. 4500 Zeichen sind für ein komplexes Thema nicht gerade viel. Mehr als ein oder zwei Beispiele kann man da eigentlich kaum unterbringen. Von Experten ganz zu schweigen. (Gut, manchmal sind die Beispiele ja gleichzeitig die Experten wie im Fall von Annik Rubens.) Der WG-Artikel ist schon wieder zu lang, obwohl ich bis jetzt nicht mal einen Experten befragt habe. Nein, ich verkaufe denen nicht die Fassung von meiner HP, das wäre denen wohl doch zu borderline-mäßig - obwohl ich die Geschichten aus der Fassung natürlich alle selbst erlebt habe, abgesehen von den geänderten Namen ist das also alles authentisch. Aber halt zu "ich, ich, ich"-mäßig. Abgesehen davon weiß man ja nie, ob ehemalige Mitbewohner nicht vielleicht doch zufällig gerade die Zeitung lesen, wo der Artikel dann abgedruckt wird.Freitag, Oktober 05, 2007
Es geschehen noch Wunder
Als ich heute am Zeitungsstand vorbeiradelte, dachte ich erst, es wäre etwas sensationelles in Asien passiert, die Junta in Birma zurückgetreten oder die Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea beschlossen worden z.B. Denn die FAZ hatte ein Foto auf der Titelseite und das war ja wohl das letzte Mal der Fall, als ein Deutscher Papst geworden war. Aber nein, links über dem Inhaltsverzeichnis stand es ja: Die selbsternannte "Zeitung für Deutschland" hat tatsächlich ein neues Layout. Mit Farbfoto auf der Eins! Ohne Frakturschrift (mal vom Titelschriftzug abgesehen)! Unfassbar, die Moderne hat nun also zuletzt doch noch im Hellerhofweg Einzug gehalten. Die Leser sind natürlich mal wieder gar nicht amused, wie die Userkommentare im Internetz zeigen. Manches ist so vorhersehbar, da könnte man sein Vermögen drauf verwetten. "Das deutsche Bildungsbürgertum hat seine Tageszeitung verloren, und zwar endgültig", schreibt ein Leser. Ja genau, wenn das deutsche Bildungsbürgertum sonst keine Sorgen hat, scheint es ihm ja im Gegensatz zu weiten Teilen der Bevölkerung noch recht gut zu gehen. Von Abokündigungen und Anbiederung an den Zeitgeist ist natürlich auch mal wieder die Rede, erinnert mich alles stark an die Reaktionen nach der Umstellung auf die neue Rechtschreibung zu Beginn des Jahres. (Eigentlich dachte ich, alle enttäuschten Stammleser hätten schon damals ihr Abo gekündigt, warum sind dann noch so viele übrig, die das jetzt erst androhen?) Jede Zeitung hat halt die Leser, die sie verdient. Trotzdem zeigt die FAZ mit diesem lange überfälligen Schritt, dass sie doch für Überraschungen gut sein kann. Und das ausgerechnet eine Woche nach meinem letzten Arbeitstag in den geheiligten Hallen. Ohne Bleiwüste und Fraktur hätte ja wenigstens das Lesen der Leitkommentare und -glossen mehr Spaß gemacht (vom "Eckenbrüller" ganz zu schweigen).Filme, wie sie nicht mehr gedreht werden: "Der Preis"
Dieser mir bis dato völlig unbekante Agententhriller von 1963 lief gestern im hr-Fernsehen. Wunderbar charmant-anzügliche Dialoge zwischen Paul Newman als Literaturnobelpreisträger mit Schreibblockade und Elke Sommer als Mitarbeiterin des schwedischen Außenministeriums, wie in den besten Screwball-Comedys. Paul Newman ist sowieso großartig, meiner Meinung nach einer der ganz großen Schauspieler der Filmgeschichte. Der Mann war eigentlich immer sehr gut und in seinen besten Filmen war er phänomenal (Katze auf dem heißen Blechdach, Der lange heiße Sommer, Der Unbeugsame, aber auch noch als alter Mann in Spätwerken wie Nobody's Fool, der bei jedem Sehen besser wird). Hier variiert er ein wenig seine Rolle aus Hitchcocks Zerrissenem Vorhang, wobei der Userkommentator in der imdb zurecht bemerkt, dass "Der Preis" der bessere Film ist. Schön auch, den verrückten Professor aus Frank Arnolds "Tarantula" mal wieder zu sehen (als ständig besorgten Organisator der Nobelpreisverleihung). Ach, sieh mal an, der Mann hat auch in mehreren Hitchcock-Filmen mitgespielt, u.a. in North by Northwest - passt ja (und in Spellbound, da war er dann wohl der Leiter der psychiatrischen Klinik, hatte ihn da gar nicht wieder erkannt). Alles in allem ein sehr unterhaltsamer und charmanter Film, der leider etwas zu lang geraten ist. Also, nach 100 Minuten hätte eigentlich Schluss sein können, danach wurde es ein bisschen langatmig. Ein Film, wie sie leider nicht mehr gedreht werden.Donnerstag, Oktober 04, 2007
Über den Fluss: Fatih Akins "Auf der anderen Seite"
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Meine Kritik zum neuen Fatih Akin-Film findet ihr jetzt hier. (Klickzahlen auf meiner HP erhöhen ich muss
).
Nachtrag: epd-Film feiert den Film ganz schön ab. Dazu gibt's ein interessantes Interview mit Akin.
In der Bürokratiehölle
Heute ging der halbe Tag damit drauf, meinen Alg II-Antrag auszufüllen und diversen Bescheinigungen hinterherzulaufen (nicht, dass ich jetzt alle hätte). Ich freu mich schon auf die Antragsabgabe, wenn ich meiner Bearbeiterin wahrscheinlich erklären muss, was eine Wohngemeinschaft ist und warum mein Mitbewohner mit mir weder eine Bedarfs- noch eine Haushaltsgemeinschaft bildet, denn vorgesehen sind WGs ja im Antragsformular und in der Mietbescheinigung irgendwie nicht. (Dafür gibt's da aber den schönen Begriff "Einstehens- und Verantwortungsgemeinschaft". Früher nannte man das glaub ich "feste Beziehung". Ab welchem Grad der Intensität allerdings in einer solchen die Partner zur gegenseitigen finanziellen Unterstützung verpflichtet sind, würde mich auch mal interessieren (rein theoretisch natürlich, denn ich bin ja Single).) Und was ich nun als Selbsteinschätzung über voraussichtlich erzielte Gewinne aus freiberuflicher journalistischer Tätigkeit angeben soll, weiß ich auch nicht. Wenn ich dann noch mit meiner Frage zu eventueller Pflichtversicherung in der Künstlersozialkasse komme, ist wahrscheinlich ganz vorbei. Die konnte mir nämlich heute die Frau bei der Krankenkasse schon nicht wirklich beantworten.
Wieso gehören die Stromkosten eigentlich nicht zu den notwendigen Kosten für eine Unterkunft? ("Nee, Strom ist nicht notwendig, Hauptsache, sie haben's im Winter schön warm. Bewerbungen können Sie ja auch mit der Hand schreiben - vor Einbruch der Dunkelheit -, und zum Essen müssen Sie halt jeden Tag zum Italiener gehen oder fragen Sie doch mal Ihre Nachbarn, ob Sie sich bei denen ein Süppchen warmmachen dürfen."
Also, dass man von den 347 Euro auch noch seine Stromrechnung bezahlen soll, ist ja wohl ein schlechter Scherz! Aber wahrscheinlich sagen die eh: "Mensch, bei uns in der Aktenhaltung ist doch noch ein Job frei, da sind Sie mit ihrer Ausbildung doch ideal für!"
Mittwoch, Oktober 03, 2007
Kneipen revisited
Nachdem das Schlonz abgerissen wurde, bleiben ja nicht mehr so viele Lieblingskneipen in Düsseldorf übrig. Auf der Ratinger, die eh die beste Ausgehstraße der Stadt ist, ist jetzt das Einhorn meine erste Wahl. Ich war am WE auch nach zweieinhalb Jahren das zweite Mal in der benachbarten Indianer Bar. Ziemlich schräger Laden, aber empfehlenswert. Was die dort gespielte Latin Music aber mit der Indianer-Deko zu tun hat, ist mir nicht so ganz klar. Das Tigges am Bilker Bahnhof gibt's auch noch, und seit ich im Januar das letzte Mal da war, hat sich auch nichts verändert (natürlich nicht), sieht immer noch aus, wie man sich eine Alt-68er-Kneipe vorstellt. Also charmant irgendwie.
In Wuppertal hat schockierenderweise das Thalia am Hbf zugemacht, wo ich in meiner Wuppertaler Zeit gerne mal einen Milchkaffee geschlürft habe, wenn ich mal cool sein wollte. Das Zweistein gibt's zwar noch, aber wo ist die gelbe Couch geblieben, die die früher hatten, als sie noch am Unterbarmer Bahnhof waren? Trotzdem ein netter Laden, auch wenn's leider um 11 nix mehr zu essen gibt außer Buttermilch-Nuss-Kuchen. Dafür wird man aber sehr persönlich bedient - nun ja, die schreiben halt die Vornamen auf den Bierdeckel. Bytheway, das Wirtschaftswunder, eine andere W'taler Institution, wird, wie ich meiner Lieblingszeitschrift Coolibri entnehmen durfte, 25. Und seit dem Besitzerwechsel vor einigen Jahren seien auch die Toiletten sauber und die Gläser gespült. Happy Birthday!

