Dienstag, März 25, 2008

Die letzte Reise: Doris Dörries "Kirschblüten - Hanami"

Manchmal kommen die guten Filme doch von einer Seite, von der man es gar nicht gedacht hätte. Doris Dörrie hat ja in den letzten Jahren nicht mehr viel auf die Reihe gekriegt. Obwohl sie mir eigentlich ganz sympathisch ist, seit ich vor Jahren mal ein Buch von ihr gelesen hab. In ihrem neuen Film „Kirschblüten – Hanami“ hat sie die Hauptrolle mit Elmar Wepper besetzt, den man bisher auch nicht unbedingt für einen großartigen Schauspieler gehalten hätte. Hier gibt er den grantigen Ehemann, der zufrieden ist, wenn er zu Hause auf dem Dorf mit seiner Frau auf der Couch sitzen kann und von Abwechslung und Reisen nichts wissen will. Ganz im Gegensatz zu seiner Frau, gespielt von Hannelore Elsner, die seit Jahren von einer Reise nach Japan träumt, wo auch der gemeinsame Sohn lebt. Als sie erfährt, dass ihr Mann Rudi todkrank ist, überredet sie ihn, wenigstens die anderen Kinder in Berlin zu besuchen. Doch Eltern und Kinder sind sich fremd geworden, die Alten sind Sohn und Tochter peinlich und lästig, man findet keine gemeinsamen Worte mehr. Völlig überraschend stirbt nun die Mutter. Witwer Rudi fällt in tiefe Trauer und Apathie. Um nachzuholen, was er mit seiner Frau verpasst hat, fährt er nach Tokio zum anderen Sohn, ohne zu ahnen, dass auch seine Tage gezählt sind.

 

Vielleicht war in ihr drin noch eine andere Frau, die niemand gesehen hat“, sagt die Freundin der Tochter einmal über deren Mutter, „und ich hab’s halt gesehen.“ Das könnte nicht nur das Motto dieses Films sein, denn auch im so spießigen Rudi steckt noch ein anderer Mensch, ein Romantiker, einer, der an die Liebe für’s Leben glaubt. Aber das Motto gilt auch für den Schauspieler, der diesen Rudi verkörpert. Auch in ihm hat Dörrie etwas gesehen, was wahrscheinlich vorher noch kein Regisseur in ihm gesehen hat, einen Charakterdarsteller. Er spielt den verlorenen Witwer ganz leise, ganz unprätentiös. Wie er da hilflos durch den Moloch Tokio irrt, mit seinem altmodischen deutschen Hut auf dem Kopf. Und doch bereit ist, sich noch einmal auf einen Menschen einzulassen, eine junge obdachlose Straßentänzerin. Die ihn begleitet auf seinem letzten Weg, zum Mount Fuji, den seine tote Frau immer so gerne sehen wollte.

 

Doris Dörrie hat eine klassische Tragikomödie gedreht, in der sich skurrile Momente immer wieder mit anrührenden Szenen abwechseln. Dabei steht ihr ein durchgehend sehr gutes Emsemble zur Verfügung, von Hannelore Elsner bis zu Nadja Uhl, die der kleinen Nebenrolle als Schwiegertochter soviel Charakter einhaucht. Als Einzige scheint sie das ältere Paar zu verstehen, weil ihr Blick auf sie im Gegensatz zu dem der Kinder unbelastet ist. Aber natürlich ist es Wepper, der den Film trägt und ihn manchmal haarscharf am Kitsch vorbeirettet. Es wäre zu früh gewesen, Doris Dörrie schon abzuschreiben.

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Dauer-Déjà Vu

 

Nicht nur, dass ich sowieso seit drei Wochen ein Dauer-Déjà Vu habe, weil ich schräg gegenüber das Haus gezogen bin, in dem ich bis vor zweieinhalb Jahren gewohnt habe. Jetzt schreibe ich auch nur für die Lokalredaktion für die Stadtteile, in denen ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin. Leider sind das genau die, wo am wenigsten los ist. Mein erster Artikel führte mich dann gleich in das heruntergekommene Einkaufszentrum meines Heimatstadtteils, wo demnächst auch noch die Strauss-Filiale zu macht. Und ich sollte tatsächlich den grantigen Zeitschriftenhändler befragen, bei dem ich immer meine Zeitung gekauft hab, wenn ich in den letzten Jahren bei meiner Mutter untergekommen war. Als Zitatgeber ist er allerdings ausgesprochen geeignet, weil er mit markigen Worten die negativen Entwicklungen im Stadtteil beim Namen nennt. Mal gucken, wie lange es dauert, bis ich den ersten Termin an meiner alten Schule habe.

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Montag, März 10, 2008

Zu viel des Guten: Todd Haynes' "I'm not there"

Sechs Schauspieler stellen in Todd Haynes’ „I’m not there“ Bob Dylan dar – oder jedenfalls einzelne Aspekte seiner Persönlichkeit. Skurrilerweise hat die einzige Schauspielerin, Cate Blanchet, äußerlich die größte Ähnlichkeit mit dem Sänger. Sie spielt den jungen musikalischen Rebellen, der mit seinem ersten elektrifizierten Auftritt auf einem Folkfestival seine alten Fans brüskiert und gegen sich aufbringt. Andere Episoden sind nur locker an Dylans Biografie orientiert, wie die, in der Heath Ledger einen Schauspieler darstellt, der mit einer Französin eine Familie gründet und die Ehe mit seiner Ruhelosigkeit zum Scheitern bringt. Oder die, in der ein 11-jähriger schwarzer Junge namens Woody in Güterzügen durchs Land reist, als fahrender Sänger. Vollends abstrakt wird es dann, wenn Richard Gere einen gealteten Billy the Kid spielt, der das Duell mit Pat Garrett überlebt hat und jetzt zurückgezogen in einer kleinen Stadt im Westen lebt. Denn irgendwie ist dieser Billy auch Dylan. Und das Westerndorf soll für eine mehrspurige Autobahn plattgemacht werden. Raum und Zeit sind also bei Haynes genau so fließend wie die Charaktere. Der Name Bob Dylan taucht in dem Film nie auf. Stattdessen erfahren wir beispielsweise in pseudodokumentarischen Aufnahmen von der Karriere des Folksängers Jack Rollins, die eine erstaunliche Ähnlichkeit mit derjenigen Dylans aufweist.
Haynes wollte kein herkömmliches Biopic drehen, das Leben Dylans nicht in einen chronologischen Ablauf zwingen, sondern sich dessen vielschichtiger Persönlichkeit assoziativ nähern. Dieser Ansatz ist durchaus zu verstehen, leider bleibt aber die Nachvollziehbarkeit des Gezeigten dabei zu oft auf der Strecke. Der Film springt hin und her zwischen Schwarz-Weiß- und Farbaufnahmen, zwischen Semi-Doku und surrealistischer Erzählung. Und zu oft fragt man sich, was das denn nun gerade mit Dylan zu tun hat. Besonders die Richard Gere-Episode spielt nur noch beliebig mit amerikanischen Mythen, von Dylan kaum eine Spur. Wer sich nicht detailliert in Dylans Biografie auskennt, hat Schwierigkeiten, alle Anspielungen zu verstehen. Das ist der große Knackpunkt dieses Films: Man erfährt durch ihn nicht mehr über den Sänger, sondern kann ihn eigentlich nur verstehen, wenn man eh schon alles über diesen weiß. So zieht sich der Film dahin, auf jeden Einfall folgt immer noch ein anderer, bis man als Zuschauer entnervt aufgibt, all diese Ideen noch nachvollziehen zu wollen.
Am besten wird „I’m not there“ immer dann, wenn er Dylan selbst zu Wort kommen lässt, wenn er dessen Musik sprechen lässt. Das macht er zum Glück ausgiebig. Und dann ist es die unglaubliche Kraft von Dylans Songs, die einen mitreißt. Von den frühen akustischen Liedern wie „The Lonesome Death of Hattie Caroll“ bis zu den verschachtelten Songs von „Blonde on Blonde“ wie „Sad-Eyed Lady of the Lowlands“ – wohl kein anderer Sänger hat über so viele Jahre ein so reichhaltiges Repertoire angehäuft. Die hier eingesetzten Lieder zeigen, dass wer Dylan verstehen will, eigentlich nur Dylan hören muss. Wer sich noch einmal seine Meisterwerke wie „Blonde on Blonde“ oder „Blood on the Tracks“ anhört, hat dabei mehr gewonnen als derjenige, der sich zwei Stunden lang diesen Film ansieht.
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Freitag, März 07, 2008

Auf der Suche nach den Gardinenröllchen

Die letzten Tage habe ich hauptsächlich damit verbracht, Kurzwarenabteilungen von kaufhäusern nach veralteten Gardinenröllchen und Badezimmervorhängen zu durchsuchen. Ersteres war erfolgreich, letzteres nicht, da Badezimmervorhänge skurrilerweise immer 245 cm lang sind, ich aber welche brauche, die nur bis zur Unterseite des Fensters gehen, weil darunter direkt die Badewanne ist. Gardinen gehören zu den Dingen, von denen ich überhaupt keinen Plan habe, ich bin immer froh, wenn ich in einer Wohnung wohne, die deren Gebrauch nicht zwingend erfordert. Habe mich jetzt doch für Scheibengardinen im Wohnzimmer entschieden, zweifle aber, ob das besser aussieht als vorher. Arcor lässt erwartungsgemäß auch auf sich warten. Erste Internet-Entzugserscheinungen machen sich langsam bemerkbar.
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