Sonntag, April 20, 2008
Hat Anne Will gerade Imagepflege nötig?
Oder warum sonst hat sie innerhalb von einer Woche zwei zweistündige Radiointerviews gegeben? Nachdem sie am Montag bei Christine Westermann im MonTalk auf WDR2 zu Gast war, sprach sie heute zwei Stunden mit Bettina Rust auf Radio Eins beim RBB. Merkwürdige Häufung, und das so kurz nachdem die interne Kritik der ARD-Gremien an ihrer Sendung bekannt wurde. Was einem so alles auffallen kann, wenn man Programme mehrerer Landesrundfunkanstalten hört.
Illusorische Honorare
verdi empfiehlt auf seiner Homepage: "Freie Journalisten sollten nur mit Tages- bzw. Stundensätzen arbeiten". Als normaler Tagessatz werden dann 310 Euro empfohlen. "Für kleinere journalistische Arbeiten sollte ein halber Tagessatz verlangt werden." Zweitverwertungen, z.B. im Internet, in Datenbanken etc. soll man sich jedesmal mit einem Aufschlag vergüten lassen. "Erfahrungen zeigen, dass eine existenzsichernde Tätigkeit bei niedrigeren Honoraren nicht möglich ist." Ja, den letzten Satz kann ich auch unterschreiben. Aber wie soll man solche Forderungen durchsetzen? Ich glaub, die Realität sieht da doch ganz anders aus. Zeitungen rechnen nun mal im Normalfall per Zeile ab, da kann ich ja nicht sagen, ich arbeite aber nur mit Tagessätzen. Und wenn die generell nur 50 oder 25 Cent pro Zeile zahlen, kann ich zwar sagen, unter 1 Euro mach ich's aber nicht, aber wahrscheinlich sagen die dann, gut, dann eben nicht. Und wenn die mir dann noch eine Erklärung schicken, dass ich damit einverstanden bin, dass meine Artikel ohne zusätzliche Vergütung auch im Internet, auf CD-ROMs, in Datenbanken und sonst wo verwendet werden dürfen, soll ich mich dann weigern, das zu unterschreiben? Im Zweifelsfall sitzen die Zeitungen eh immer am längeren Hebel, denn (freie) Journalisten gibt es wie Sand am Meer und die sind nun mal darauf angewiesen, dass sie überhaupt Aufträge bekommen.
Wobei der Umgang mit Freien bei vielen Medien wirklich unter aller Sau ist. Auf die Hälfte seiner Angebote bekommt man überhaupt keine Reaktion, als wenn es wer weiß wie viel Zeit kosten würde, eine E-Mail-Antwort zu verschicken. Müssen ja keine 10 Sätze sein. Einfach "Können wir nicht gebrauchen, weil kein Geld/kein gutes Thema/hatten wir schon" würde ja schon reichen. Noch besser wird's, wenn die erst schreiben: "Ja, machen Sie mal, aber nicht mehr als 120 Zeilen", was ich als offiziellen Auftrag verstehe, und man dann einfach nach Lieferung des Artikels nie wieder was von denen hört, der Artikel weder gedruckt noch ein Honorar gezahlt wird. Und man auch auf Nachfragen keine gescheite Antwort bekommt. Aber auch da sitzt die Zeitung wieder am längeren Hebel. Wenn die nicht zahlen, was soll ich dann machen? Mit dem Anwalt drohen? Das ist bei dem Streitwert wohl lächerlich. Vielleicht mal bei der Gewerkschaft anrufen. Andererseits will man es sich ja auch nicht mit einer renommierten Zeitung verderben, könnte ja doch sein, dass man sich da irgendwann noch mal bewerben will. Wenn die Leser wüssten, wie die Mitarbeiter, die die Inhalte für ihre Qualitätszeitungen liefern, teilweise behandelt und bezahlt werden, würden die wahrscheinlich Solidaritätsfonds gründen.

