Montag, Juni 30, 2008

Warten auf Godot (Alles im ARGEn Teil IV)

Es ist jetzt drei Monate her, dass ich bei der Düsseldorfer ARGE einen Antrag auf Alg II gestellt habe. Vor einem Monat habe ich eine Honorarabrechnung zum zweiten Mal eingereicht, die beim ersten Mal angeblich nicht angekommen war. Sobald diese vorlag, sollte mir innerhalb einiger Tage mein Geld bewilligt werden, so war das Versprechen der Fallkoordinatorin Anfang Mai. Nun ist ein weiterer Monat vergangen, ich habe zwei Mal beim Callcenter angerufen, eine E-Mail an die Fallkoordinatorin verschickt, welche unbeantwortet blieb. Heute habe ich mit dem Arbeitslosenzentrum telefoniert. Die Dame konnte es kaum fassen, als ich ihr erzählte, dass ich seit drei Monaten auf die Bewilligung warte. Ihre Erfahrungen mit der D'dorfer ARGE bestätigen allerdings, dass das ein unglaublicher Saftladen ist. Dass man da telefonisch nie einen kompetenten Ansprechpartner erreicht, sei so gewollt, meinte sie. Die Zeit, in denen man da angeblich jemanden von seinem "Team" ans Telefon bekommen soll, ist von 8 bis 9 Uhr. In dieser Zeit rufen da etwa 2000 "Kunden" an, so die Frau vom Arbeitslosenzentrum. Dass dann (fast) immer besetzt ist, liegt in der Natur der Sache. Pünktlich um 9 Uhr werden dann die Telefone täglich umgeleitet auf eine Ansage "Wegen des hohen Anrufaufkommens können wir Ihren Anruf nicht entgegennehmen.". Das Band läuft auch noch nachts.

Auf den Rat des Zentrums hin, bin ich dann heute mal wieder persönlich zur ARGE gegangen, habe 2 1/2 Stunden in der Wartezone rumgesessen, um zu erfahren, dass die Fallkoordinatorin - die eh nur an zwei Tagen pro Woche arbeitet - im Urlaub sei. Der Herr an der Anmeldung telefonierte mit deren Vorgesetzter, die mich angeblich heute zurückrufen soll. Jetzt warte ich seit über zwei Stunden zuhause auf diesen ominösen Anruf. Das ist vermutlich ähnlich erfolgversprechend wie das berühmte Warten in dem Stück von Beckett. Sollte die Frau mich nicht zurückrufen, soll ich morgen wieder zur ARGE kommen. Mal schauen, was dann passiert. Langsam entwickele ich ein erschreckendes Verständnis für Leute, die in Behörden Amok laufen. (Hallo, liebe Polizei, falls ihr hier mitlest!)

Der größte Hohn: Auf den Bildschirmen, die in der Wartezone hängen, stand heute regelmäßig "Arbeit lohnt sich nicht? Stimmt nicht!". Das scheint eine neue Form der Gehirnwäsche zu sein. Wenn man nur lange genug da wartet und auf diesen Spruch starrt, wird man als Arbeitsloser schon motiviert, sich endlich mal einen Job zu suchen (was man sonst natürlich nicht ist), so wahrscheinlich der clevere Plan der Werbeagentur, oder wer immer diesen Einfall verbrochen hat. Tja, bei George Orwell hat das ja auf ganz ähnliche Weise auch geklappt. Vielleicht hängen sie bald noch ein Bild des Großen Bruders Peter Hartz daneben, der einen milde lächelnd anschaut. Der Beweis, dass sich Arbeit als Alg II-Berechtigter eben gerade nicht lohnt, bin ich selbst. Würde ich nicht in geringem Umfang freiberuflich arbeiten, also gar keine Einnahmen erzielen, wäre mein Antrag vermutlich schon Mitte Mai bewilligt worden. Da ich aber arbeite, ohne in der Lage zu sein, meinen Lebensunterhalt davon bestreiten zu können, und die ARGE unfähig ist, einfach mein Einkommen anzurechnen und mir das verbleibende mir zustehende Geld zu bewilligen, habe ich also viel weniger Geld auf dem Konto, als ich hätte, wenn ich seit April keinen Finger mehr gekrümmt hätte.

Die E-Mailadresse der Beschwerdestelle lautet übrigens arge-duesseldorf.kundenreaktionsmanagement@arge-sgb2.de - das dürfte die längste E-Mail-Adresse der Welt sein! Die Dame vom Arbeitslosenzentrum meinte, das sei wieder so ein Trick, die "Kunden" abzuwimmeln. Ich danke, es soll einem unmöglich gemacht werden, diese Adresse fehlerfrei einzutippen, in der Hoffnung, man wird durch die Fehlermeldung abgeschreckt und versucht es kein zweites Mal, sich zu beschweren. 
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Sonntag, Juni 29, 2008

Überambitioniert: Richard Kellys "Southland Tales"

Gestern Abend habe ich mich noch gefargt, warum "Southland Tales", der zweite Film von "Donnie Darko"-Regisseur Richard Kelly eigentlich wieder nicht in die deutschen Kinos kam, obwohl "Darko" doch auf DVD einen ziemlichen Kultstatus gewonnen hat. Nachdem ich die erste halbe Stunde gesehen hatte, wusste ich warum.

Ich hab jetzt keine Lust, auf die Handlung einzugehen, zumal ich mir nicht sicher bin, ob man das überhaupt Handlung nennen kann. Es ist eigentlich nur eine Aneinanderreihung abstruser, wirrer Szenen, die in der Zusammenstellung keinerlei Sinn für mich ergeben. Klar, wahrscheinlich hat Kelly sich super viel dabei gedacht, wahrscheinlich könnte man, wenn man den Film fünf Mal guckt, auch ganze Doktorarbeiten darüber verfassen. Nur ist das ganze völlig ungenießbar. Was soll man von einem Film halten, der nach einer 15-minütigen Exposition ohne Dialoge, nur mit Erzählstimme (gegen die der Anfang von "Dune" ein Meisterstück der Einführung in eine komplexe Handlung ist), mit Kapitel IV anfängt? Vielleicht hätte ich irgendwas von der Handlung verstanden, wenn Kelly die ersten drei Kapitel auch verfilmt und nicht nur als Graphic Novel herausgebracht hätte, wie die imdb schreibt. Unter Apokalypse und Weltuntergang macht Kelly es natürlich nicht. Und Störungen im Raum-Zeit-Kontinuum sind auch wieder mit dabei. Dagegen wäre auch gar nichts zu sagen.

Nur leider hat der Film weder Spannung, noch Witz, noch Emotionen, noch irgendwas. Die Schauspieler sind grottig; was will man auch erwarten, wenn man einen Wrestler namens "The Rock" und einen Ex-Teeniestar namens Sarah Michelle Gellar in den Hauptrollen besetzt (letztere sieht übrigens so aus, als hätte sie sich seit dem Ende von "Buffy" einige Male unters Messer von Schönheitschirurgen gelegt)? Dann taucht auch noch Christopher Lambert auf, der sich wohl für gar nichts mehr zu schade ist. Verschlimmert wird das Ganze noch durch das religiöse Geseifere. Dass Kelly es mit der Bibel hat, hat man ja leider schon gemerkt, wenn man sich den Audiokommentar von "Donnie Darko" angehört hat. Aber zumindest waren die Anspielungen da noch so subtil, dass man es auch nur dann gemerkt hat. Hier wird hingegen so oft aus der Offenbarung zitiert, dass man die Bezüge eigentlich nur noch holzhammerhaft nennen kann. Der Film dauert über zwei Stunden, wobei nach 50 Minuten zum ersten Mal etwas halbwegs Spannendes passiert.

Sehr schade. Ich fand "Donnie Darko" einen der interessantesten Filme der letzten Jahre. Da stimmte fast alles, die Story, die Atmosphäre, die Schauspieler, die Musik, der Humor. Das viele Lob von Fans und Kritikern muss Kelly in den Kopf gestiegen sein. Anders kann ich mir diesen Totalausfall nicht erklären.  

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Freitag, Juni 27, 2008

Ein Meisterwerk von Cameron Crowe: "Elizabethtown"


Ein Film, von dem ich vorher noch nie etwas gehört hatte, und der mich absolut umgehauen hat.

Orlando Bloom spielt einen jungen erfolgreichen Produktdesigner, der an einem Tag alles verliert: Seine Freundin macht Schluss, von seinem Boss wird er gefeuert, weil ein von ihm in achtjähriger Arbeit entwickelter Turnschuh ein Milliardenflop ist, und gerade als er sich vergeblich versucht umzubringen, ruft ihn seine Schwester an, um ihm zu sagen, dass der Vater gestorben ist. Also gibt er seine Suizidpläne vorerst auf und setzt sich in den Flieger nach Elizabethtown, einer Kleinstadt in Kentucky, in der sein Vater aufgewachsen und wo er im Urlaub gestorben ist. Dort trifft er auf die skurrile Großfamilie seines Vaters, die diesem immer noch nicht so ganz verziehen hat, dass er vor Jahrzehnten nach Kalifornien gezogen war. Das muss sich Drew dann auch ständig anhören, obwohl seine Eltern schon nach zwei Jahren weiter nach Oregon gezogen sind.

Im Flugzeug lernt er aber auch die ziemlich ausgeflippte Stewardess Claire (Kirsten Dunst) kennen, die ihn kurz darauf prompt anruft. Es ergibt sich ein Telefonat, das die ganze Nacht dauert und mit dem etwas misslungenen gemeinsamen Ansehen eines Sonnenaufgangs endet. Obwohl die Beiden offensichtlich wie füreinander geschaffen sind, scheinen beide zunächst nicht an eine ernsthafte Beziehung zu denken. Erst während der Rückreise allein im Auto, mit der Asche seines Vaters, wird sich Drew seiner wahren Gefühle bewusst.

Cameron Crowe schafft es wirklich meisterhaft, zwischen skurriler Komik und herzerwärmender Romantik hin und her zu wechseln, ohne die tragischen Momente der Geschichte zu vergessen. Orlando Bloom ist wunderbar in seiner Darstellung der Selbstfindung eines (gescheiterten) Yuppies. Susan Sarandon gibt die zwischen Hysterie und Selbstverwirklichung schwankende Mutter und Witwe hinreißend. Kirsten Dunst ist zwar teilweise etwas nervig, andererseits kann man schon gut nachvollziehen, was Drew an ihr fasziniert. Crowe hat ein sehr gutes Gefühl für Timing und eine Vielzahl wunderbar verrückter Einfälle. Jede Nebenfigur ist liebevoll gezeichnet, vor allem die Südstaaten-Großfamilie in ihrer Mischung aus erdrückenden Erwartungen und echter Anteilnahme am Schicksal des "verlorenen" Neffen.

Wie immer bei Crowe spielt auch die Musik wieder eine herausragende Rolle. Er hat unglaublich viele Rocksongs eingebaut, die oft nicht nur die Stimmung der jeweiligen Szene unterstützen, sondern auch einen inhaltlichen Bezug zur Handlung haben. Das einzige, was man ihm vorwerfen könnte, ist, dass dies manchmal etwas zu erwartbar ist, wenn Drew z.B. das Hotel besucht, in dem Martin Luther King erschossen wurde, und dazu U2s "Pride" läuft, in dem es genau darum geht. Auch ist mir Crowes Musikgeschmack manchmal etwas zu konventionell. U2, Elton John und Tom Petty sind ja dann doch nicht gerade die Avantgarde der Rockmusik. Es gibt aber auch Blues u.ä. zu hören.

Meine Lieblingssequenz war die Trauerfeier. So eine möchte ich gerne auch mal haben. Erst versucht sich meine Witwe als Stand up-Comedian, dann steppt sie mein Lieblingslied, und während eine aus Verwandten bestehende Rockband völlig ausflippt, fliegt ein weißer Adler mit Rauchfahne an einem Seil von der Bühne und setzt den kompletten Saal in Brand. Eine der besten Sequenzen, die ich seit langem gesehen habe. Ein wunderbarer Film, der einem zeigt, worauf es im Leben wirklich ankommt. Absoluter Geheimtipp!
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Meine Traumjobs

In Anlehnung an Nick Hornby, "High Fidelity".

1. Herausgeber einer Comic-Zeitschrift für Erwachsene (so eine Mischung aus Schwermetall, einigen ausländischen Magazinen, die ich mal auf Reisen gekauft habe, und einem guten Sekundärmagazin, wie es sie in Deutschland seit einigen Jahren leider auch nicht mehr gibt)

2. Herausgeber eines Kultur- und Gesellschaftsmagazins, das sich nicht um irgendwelche vorgeblichen Aktualitäten oder einen ominösen Nachrichtenwert kümmert, sondern in der Leute über das schreiben, was sie selbst für relevant halten (so eine Mischung aus DUMMY und Tempo, aber mit eigenem Stil) oder einer Zeitschrift mit Regionalbezug, die sich Themen der Subkultur und der alternativen Politik widmet und über das schreibt, was man in den herkömmlichen Regionalzeitungen nicht findet (also eine Mischung aus der verblichenen taz NRW und alternativen Stadtillustrierten wie der Kölner Stadtrevue oder dem Düsseldorfer Überblick in den 80ern) 

3. Filmkritiker oder Reporter beim Rolling Stone, vorzugsweise beim amerikanischen und am liebsten natürlich in den Jahren 1967 - 1975 (hm, hatte Hornby nicht so was Ähnliches auf seiner Liste?)

4. Filmkritiker bei der Süddeutschen Zeitung (oder so was wie Holger Gertz, der alle paar Wochen mal mit einer grandiosen Reportage über irgendein abseitiges Thema auf der Seite Drei auftaucht)

5. der neue Alan Bangs werden ;-) (also in einer regelmäßigen Radiosendung ausschließlich die Musik spielen, die mir selbst gefällt und zwischendurch Geschichten erzählen) 

6. für die taz, Die Zeit oder eine gute Kino- oder Kulturzeitschrift über Filme, Comics, Literatur oder Musik schreiben und davon leben können  

So, und jetzt dürft ihr entscheiden, was davon wohl am realistischsten ist ;-)

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Arbeit ist scheiße

Sehr unterhaltsame und interessante Nightline-Sendung gestern Abend. Das Thema war Ferienjobs und die Anrufer zeigten mir, dass ich mit meinen negativen Erfahrungen nicht alleine bin. Also, Ferienjobs hab ich ja nie gemacht, aber auch die meisten Nebenjobs sind völlig daneben. Oder wie der eine, etwas sozial prekär klingende Anrufer meinte: "In der Großbäckerei, das war total asi!". Da gab's 'nen Stundenlohn von ca. 1 Euro 50 für jobbende Schüler. Ein anderer Schüler hat mal auf dem Bau Zementsäcke getragen. Dafür bekam er 35 Euro für den kompletten Zeitraum von mehreren Wochen. Der Chef meinte zu ihm, bei einem Ferienjob ginge es ja nicht darum, viel zu verdienen, sondern was fürs spätere Berufsleben zu lernen. Schön fand ich auch noch einen 13-jährigen Anrufer, der erzählte, sein einziger Job sei bisher gewesen, dass er einmal Zeitungen ausgetragen hätte. Das "einmal" war wörtlich zu verstehen. "Es hat da geregnet und dann hatte ich schon keinen Bock mehr und hab gleich wieder damit aufgehört." Sehr sympathisch auch, dass Moderator Holger Klein daraufhin meinte, genau so sei es ihm in dem Alter auch mal ergangen.

Irgendwie kam dann noch heraus, dass Holger kein Studium vorzuweisen hat, und dies auch mehr oder weniger für überflüssig hält, zumindest, wenn man in den Medien arbeiten will. Zitat: "Was kann ein Kunstgeschichtler in den Medien machen, was ich nicht genau so gut kann?" Jetzt würd mich allerdings mal interessieren, was er denn gemacht hat, bevor er zum Radio kam. Wikipedia schweigt sich da leider aus. Wobei ich Klein inzwischen wirklich für einen sehr guten Moderator für Hörertalksendungen halte. Anfangs hatte ich so meine Probleme mit seinem Stil, aber wenn man sich einmal dran gewöhnt hat, merkt man auch, dass seine manchmal etwas arrogante Art nicht so ganz ernst zu nehmen ist. Zumindest ist er kontrovers, hat zu allem eine klare Meinung (die oft genau das Gegenteil der Mehrheitsmeinung ist) und scheut sich nicht, diese offensiv zu vertreten. (Klingt jetzt genau wie die Beschreibung der idealen Eigenschaften eines Bloggers ;-).)

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Sonntag, Juni 22, 2008

Sinnkrise

Zurzeit stelle ich mir mal wieder die Frage, ob das, was ich mache, sinnvoll ist oder ich nicht meine Energie lieber in etwas stecken sollte, bei dem es die Chance gibt, in absehbarer Zeit einmal ein akzeptables Einkommen damit zu erzielen. Auf Dauer auf Zeilenhonorarbasis Terminjournalismus für die Lokalzeitung zu machen, kann es jedenfalls nicht sein. Vom Einkommen her würde ich bei McDonald's mehr verdienen und vom Anspruch her hätte ich das auch schon während meines Erststudiums machen können, ohne dass ich dafür noch Journalismus hätte studieren müssen. Je nachdem,  für welche Teilauflage man da schreibt, stehen die Honorare in keinem Verhältnis zum zeitlichen Aufwand, den ich auch dadurch habe, dass ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch die Stadt fahren muss, um zu irgendwelchen Terminen zu kommen. Und wenn ich dann teilweise die Belanglosigkeit der Themen sehe, frage ich mich echt, wer das eigentlich lesen soll. Oder anders gesagt, ich weiß wieder, warum ich keine Lokalzeitung lese.

Andererseits erhalte ich auf meine Bewerbungen keinerlei positive Reaktionen. Und das sind nicht mal unglaublich tolle oder begehrte Jobs, auf die ich mich da bewerbe, sondern meist ganz normale Stellen, teilweise auch Volontariate o.ä. Wenn ich dann höre, dass alle meine ehemaligen Kommillitonen sich wohl inzwischen ganz gut mit Journalismus über Wasser halten können, frage ich mich natürlich, was ich denn falsch mache. Eine Antwort darauf finde ich allerdings nicht und helfen kann dir so recht auch keiner. Von der ARGE erwarte ich sowieso nichts mehr, die schafft es ja nicht mal, mir nach knapp drei Monaten mein Alg zu bewilligen. Eine private Beratungsfirma, zu der ich vermittelt wurde, konnte mir auch keinen hilfreichen Ratschlag geben. Und tolle Kontakte in Redaktionen habe ich keine, jedenfalls keine, bei denen ein Job raus springen könnte. Wie ich ohne solche Kontakte an besser bezahlte Aufträge kommen soll, weiß ich ebenso wenig. 

Manchmal denke ich dann, man müsste einfach sein eigenes Ding durchziehen, eine Zeitschrift oder ein Online-Magazin aufbauen, seine eigenen Ideen umsetzen, statt immer nur den Zwängen anderer Redaktionen ausgeliefert zu sein. Dann lese ich mal wieder von irgendwelchen Leuten, die eine Frauenzeitschrift für in Deutschland lebende Musliminnen gründen oder ein Kino-Portal im Internet, zumindest letzteres ohne Startkapital. Aber für so etwas fehlt mit jeglicher finanzielle Rückhalt. Ich glaub nicht, dass man ohne Rücklagen und auf Hartz IV-Basis das Startkapital für eine Zeitschrift aufbringt. Vielleicht fehlen auch einfach die richtigen Mitstreiter. Ideen für ein Konzept hätte ich eigentlich genug. Zumindest würde man seine Energie dann mal in etwas stecken, wohinter man selbst steht, was man auch selbst gerne kaufen und lesen würde. Hey, wenn's sich tragen würde, super, und wenn nicht, hätte man's wenigstens versucht. 

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Freitag, Juni 20, 2008

Kettcar in Krefeld

Ich werde nie verstehen, warum Bands meinen, bei Konzerten mitten in der Woche erst um Viertel nach Zehn auf die Bühne kommen zu müssen. Wenn man dann aus einer anderen Stadt angereist gekommen ist und kein Auto hat, macht man sich schon, bevor die überhaupt angefangen haben zu spielen, Gedanken, wann man losgehen muss, um den letzten Zug noch zu bekommen. Und muss dann mitten in der Zugabe gehen. Zum Glück gab's noch die Möglichkeit, über Duisburg nach Düsseldorf zu fahren, sonst hätte ich schon nach 'ner Dreiviertelstunde wieder gehen können, denn der letzte Zug von Krefeld nach D'dorf fährt allen Ernstes um Halb 12. Ich hatte schon befürchtet, die Jungs wollen erst noch die zweite Halbzeit zuende gucken, bevor sie spielen.

Abgesehen davon und dass der Sound grottenschlecht abgemischt (und viel zu laut) war, war der Auftritt ganz gut. Ich muss aber sagen, dass ich 1. schon bessere Konzerte gehört habe und 2. Kettcar auf CD irgendwie überzeugender finde. Vielleicht liegt das auch daran, dass das ja nun nicht gerade fröhliche Gassenhauer sind, die die Band spielt. Es gab erstaunlich wenige Lieder von der neuen CD "Sylt" und dafür einiges von den ersten beiden Platten. Die Songs vom ersten Album schienen mir beim Publikum am besten anzukommen, jedenfalls hat es da kräftig mitgesungen. Ich kenne die erste Platte nicht. Leider fehlten einige schöne Balladen (ich glaub, "Balu" spielen die aus Prinzip nicht mehr, "Verraten" hätte ich auch gerne gehört). Aber ein paar Gänsehautmomente gab's schon. Vielleicht spielen sie ja dann nächstes Mal in Düsseldorf, wenn sie schon Krefeld für Ruhrgebiet halten. 

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Samstag, Juni 14, 2008

DUMMY hat Ärger

Nach der Ankündigung, das nächste DUMMY werde das Thema "Neger" haben, brachen die Proteste los. Die Redaktion diskutiert diese heikle Frage jetzt in ihrem Blog.
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Freitag, Juni 13, 2008

Noch eine, die es nicht verstanden hat

... ist die Chefredakteurin der Westfälischen Rundschau, Katrin Lenzer, die am Mittwoch im "1live-Talk" zu Gast war. Was sie da über die Strategie ihrer Zeitung und die Zukunft der Zeitung im Internet-Zeitalter erzählte, war so voll der üblichen Floskeln, dass ich es fast nicht fassen konnte. Das Wichtigste bei der Zeitung sei natürlich der lokale Bezug, man müsse nur regional kleinteilig genug berichten, dann würden sich schon alle Bürger vom Studenten bis zur Oma in den Artikeln wiederfinden. Was sie dann an Belanglosigkeiten als Beispiele für gelungene Themen nannte, war unglaublich. Ich weiß nicht, ob Studenten sich für Obdachlose, die in Küchenschränken von anderen Leuten leben, interessieren. Wo da die Relevanz liegen soll, verstehe ich jedenfalls nicht. Ich glaube auch nicht, dass Studenten, die ja oft gar nicht aus den Orten kommen, in denen sie während des Studiums wohnen, sich besonders für lokale Ereignisse interessieren. Für örtliche Vereine, Feste und Schulen interessiert man sich allerhöchstens, wenn man seit Jahrzehnten am gleichen Ort wohnt und da sozial verwurzelt ist, also z.B. Familie hat. Die meisten Studenten und andere gebildete jüngere Leute scheinen mir eher an Themen interessiert zu sein, die in München die gleichen sind wie in Hamburg, ob das nun Globalisierung und Klimaschutz sind oder irgendwelche Lifestylethemen oder Computerspiele.

Danach kam das Loblied auf die Zeitung, die doch unersetzlich sei. Schließlich sei sie das einzige Medium, in dem man nicht nur das fände, was man sucht, sondern auch auf Dinge stoße, die man gar nicht gesucht hätte. Hallo, das leistet inzwischen jedes Online-Portal auch und wie oft bin ich beim Surfen schon auf eine interessante Seite gestoßen, obwohl ich etwas ganz anderes gesucht hatte? 

Die einzige Chance des Mediums Zeitung ist mMn, selbst Themen zu setzen statt ihnen hinterherzulaufen, lange Hintergrundartikel statt oberflächlicher Nachrichten anzubieten. Mit dem üblichen lokalen Terminjournalismus wird man jedenfalls keine jungen Leser gewinnen. Deren soziale Zusammenhänge sind nämlich zu einem großen Teil längst Online-Plattformen und nicht mehr Stadtteile und ihre Peer-Groups sind deutschland-, wenn nicht weltweit verstreut, statt in der Nachbarschaft beheimatet. Aber für die Regionalzeitungen gilt immer noch: Interessant ist vor allem, was vor der eigenen Haustür passiert. Auch wenn man wegen des Jobs alle zwei Jahre umzieht. Das Bild vom Leser entspricht dabei der bewegungseingeschränkten Rentnerin, die eh kaum noch vor die Tür kommt und deshalb lesen will, was beim Fest der Freiwilligen Feuerwehr um die Ecke passiert ist.

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Mittwoch, Juni 11, 2008

Die Kotze des Rabbiners

Zwischen den ganzen Schützen- und Grundschulkinder-Artikeln darf ich zwischendurch für einen anderen Auftraggeber auch mal wieder etwas scheiben, was mich wirklich interessiert. Es geht um Comicromane. Dazu habe ich heute mit einem schweizer Verleger telefoniert. Und dabei kamen mal wieder die Sprachdifferenzen zum Tragen. Der Mann empfahl mir einen Comic, der inhaltlich zu meinem Thema passt. Ich verstand zuerst "Die Kotze des Rabbiners" und fragte mich schon, was das denn für ein merkwürdiger Comic sei. Gemeint war natürlich "Die Katze des Rabbiners". Ah, Akzente sind schon was lustiges.
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Dienstag, Juni 10, 2008

Sex & Drugs & Schwermetall

In den 70ern und frühen 80ern war der Underground auch in der Verlagsszene noch richtig lebendig. Der in einer Kommune lebende Raymond Martin gründete den alternativen Volksverlag, der neben zahlreichen Undergroundcomics auch Bücher über Sex, Drogen und Esoterik herausbrachte. Ab 1980 veröffentlichte Martin dort regelmäßig die Comicmagazine U-Comix (einzelne Hefte hatte es bereits seit 1969 gegeben) und Schwermetall, die deutsche Ausgabe des legendären französischen Metal Hurlant. Mit dieser Zeitschrift hatten die Zeichner Moebius und Druillet einige Jahre zuvor den französischen Comic revolutioniert. Die ersten Jahrgänge von Schwermetall enthalten hauptsächlich Übernahmen aus dem Muttermagazin, darunter viele grandiose Frühwerke von Moebius, Bilal, Caza und anderen Science Fiction-Zeichnern, aber auch frühe Kurzgeschichten von Yves Chaland und Serge Clerc, die später als Vertreter der "Neuen Klaren Linie" bekannt wurden.

Daneben schrieb Martin wirre Vorworte, die hauptsächlich beinhalteten, man solle doch auch seine tollen Bücher kaufen, und noch plattere Werbetexte für eben diese Bücher aus seinem Volksverlag. Sich diese Anzeigenseiten heute anzugucken, ist wirklich ein Riesenspaß. In fast jedem Text weist Martin darauf hin, dass dieser Comic viele nackte Frauen enthalte, hart an der Grenze zur Jugendgefährdung sei und außerdem der beste Comic, den er zurzeit im Programm habe. Neben den Comicbüchern preist er auch Werke von Timothy Leary an, der uns erklärt, wie wir zu uns selbst finden und zu fremden Planeten fliegen können (alles mit Hilfe bewusstseinserweiternder Drogen natürlich, Zitat Werbetext: "Jeder der Drogen nehmen will, sollte erst dieses Buch lesen." ), anderen Esoterikschrott wie "Zen ohne Zenmeister" und "erotische" Bände. Er schreckte auch nicht davor zurück, zwei Bücher mit Amateurfotos von nackten Frauen zu veröffentlichen, die er selbst fotografiert hat. Der Hit ist aber sein Werbetext für einen dieser Bände:

"In seinem zweiten Fotobuch hat der Verleger, Herausgeber und Hobby-Fotograf wieder einige der schönsten Fotos von Amateur-Modellen aus seinem Freundeskreis und seiner Familie veröffentlicht. Wie eben auch die Erotik im Leben des hedonistischen Lebenskünstlers eine große Rolle spielt, so nimmt dieser Bereich auch in dem Buch einen großen Raum ein..."

So ein Ego muss man erst mal haben, um so was schreiben zu können. Ich stell mir vor, wie er da seine Tanten und Kusinen fotografiert hat ;-). 1985 musste Martins Verlag Insolvenz anmelden. Schwermetall wurde von der Druckerei übernommen, Martin kurz darauf vor die Tür gesetzt. Unter neuer Chefredaktion erschien das Magazin bis 1999 weiter. Dann musste der neue Verlag es einstellen, weil es immer wieder Ärger mit übereifrigen Staatsanwälten gegeben hatte, die die immer wieder enthaltenen Sexcomics für jugendgefährdend hielten. Der Verlag ging nach diversen langwierigen Gerichtsverfahren dann auch pleite.

Wegen der Sexcomics und vor allem auch wegen der freizügigen Titelbilder war Schwermetall auch bei Comiclesern immer umstritten. Dabei wurde oft übersehen, dass diese Inhalte nur einen recht kleinen Teil ausmachten und es auch immer viele sehr gute Comics von vielen der ganz großen Zeichner und Autoren gab. Wobei die Mischung aus plattem Trash, fantastisch gezeichneten Geschichten mit mieser Story und wirklich auch inhaltlich überzeugenden Comics oft sehr krude war. Heute vermisse ich ein Comicmagazin für Erwachsene, das es qualitativ mit Schwermetall aufnehmen könnte. Die amerikanische Version Heavy Metal erscheint übrigens nach wie vor, hat inhaltlich aber stark nachgelassen.

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U-Boote und LSD

Passend zur EM, aber vollkommen fußballfrei beschäftigt sich die neue DUMMY-Ausgabe mit der Schweiz und den Schweizern. Das reicht von dem Erfinder, der mit seinem U-Boot so tief getaucht ist, wie kein Mensch vor oder nach ihm, bis zu Jean-Luc Godard. Diese beiden sind auch die schönsten Texte im Heft. Andere fand ich zwar von der Idee her gut, aber man hätte da mehr draus machen können, z.B. aus dem Besuch bei Borderline-Journalist Tom Kummer in L.A. oder der Hommage an LSD-Erfinder Albert Hofmann, für die der Fotograf auf LSD die Natur in Hofmanns Garten fotografiert hat. Respekt aber für Kummers Aussage, es gebe nun mal keine objektive Realität, ängstliche Journalistenschüler würden das nur nicht verstehen. Thema des nächsten Heftes ist übrigens "Neger", alleine dafür hätte DUMMY schon einen Preis verdient.
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Samstag, Juni 07, 2008

Beamte am Rand der seelischen Apokalypse: "KDD - Kriminaldauerdienst"

"Keller füttert im Büro seine Fische, die Beamten des Kriminaldauerdienstes füttern die seelische Apokalypse"

(Lars Albaum heute in der SZ als Vergleich zwischen der 70er Jahre-ZDF-Serie "Der Kommissar" und "KDD" )

Es ist sehr lange her, dass ich mich das letzte Mal für eine deutsche TV-Serie begeistert habe. Klar, Sachen wie "Berlin Berlin" oder "Türkisch für Anfänger" sind/waren ganz nett, aber doch kein Vergleich zu guten US-Serien. Ausgerechnet das ZDF hat mich dann letztes Jahr mit seiner Krimiserie "KDD" überrascht, und das auch noch ausgerechnet am Freitagabend, dem traditionellen Sendetermin für behäbige Schnarchkrimiserien à la "Der Alte" und "Derrick". Seit einigen Wochen läuft die zweite Staffel. Ein SZ-Artikel zum Staffelstart bemängelte, das ZDF habe nach der ersten Staffel, deren Quoten wohl nicht ganz den Erwartungen entsprachen, der Mut verlassen. Die zweite sei deshalb geradliniger, auch konventioneller ausgefallen, die Charaktere nicht mehr so vielschichtig, die Handlungsstränge nicht mehr so komplex. Ich fürchtete schon das Schlimmste. Bisher kann ich aber nicht nachvollziehen, was der SZ-Autor da gesehen hat. Die Serie ist nach wie vor auf internationalem Niveau, die einzelnen Folgen sind vollgepackt mit immer neuen Haupt- und Nebenhandlungen und die Charaktere zerrissen und problembeladen wie eh und je. Zum Glück.

Die Helden der Serie sind sechs Beamte des Berliner Kriminaldauerdienstes, einer Dienststelle, die immer als erstes gerufen wird, wenn irgendwo der Verdacht eines Verbrechens besteht. Der Gruppenleiter hat den Tod seiner Tochter noch immer nicht überwunden und gibt sich mit einem fragwürdigen Informanten ab, ein anderer Beamter wird als Alkoholiker rückfällig und wird mitschuldig an einem verpatzten Einsatz mit Todesfolge, eine andere Kollegin geht freiwillig in die Psychiatrie, nachdem sie entführt und misshandelt wurde. Die Hauptfiguren sind also alles andere als strahlende Helden, vielmehr Gestrauchelte, die aber dennoch nie aufgeben, sich immer wieder aufraffen und ihre Arbeit tun, weil irgendwer sie ja tun muss.

Die Arbeit wiederum besteht aus Einblicken in die tiefsten Abgründe der deutschen Großstadtgesellschaft, von vernachlässigten Altenheimbewohnern bis zu Männern, die sich den Selbstmord ihrer depressiven Schwester herbeisehnen. Schnelle Lösungen gibt es nicht. Wird ein kleiner Verbrecher gefasst, warten schon wieder hundert andere. Wie gute US-Serien ist "KDD" ganz in der Gegenwart verankert, die Serie könnte so wohl nur in Berlin spielen und in keiner anderen deutschen Stadt. Einen die ganze Serie überspannenden Story Arc gibt es auch, darin geht es um einen korrupten Vize-Polizeipräsidenten, der als Innensenator kandidiert und vor keinem Mittel zurückschreckt, um dieses Ziel zu erreichen.

"KDD" hat alles, was eine gute Serie ausmacht: komplexe Storys, glaubhafte Charaktere, gute Schauspieler, eine schnelle Erzählweise, gute Kamera und Musik und etwas Sozialkritik. Einer der Serienerfinder war neulich bei 1live zu Gast und erzählte, dass er sich Serien wie ER zum Vorbild genommen hätte. Das merkt man der Serie auch an. Hier haben einige Leute versucht, endlich einmal eine zeitgemäße, eine moderne Krimiserie zu machen, die sich nicht vor internationalen Produktionen zu verstecken braucht. Die deutschen Zuschauer wissen das natürlich mal wieder nicht zu schätzen, während die Kritiker jubelten. Eine dritte Staffel hat das ZDF wohl dennoch schon in Auftrag gegeben. Und vielleicht bekommen ja auch die Zuschauer irgendwann mal mit, dass "Derrick" nicht der Höhepunkt des Fernsehkrimis ist.  

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Freitag, Juni 06, 2008

Kurz vor EM-Beginn: Liedzeilen des Tages

Was unterscheidet d'Mönsche vom Schimpans / S'isch nid die glatti Hut, dr fählend Schwanz  / Nid dass mir schlächter d'Böim ufchöme, nei dass mir Hemmige hei

Ging mir heute durch den Kopf... Im Original von Mani Matter, ich kenne aber nur die 1991er Version von Stephan Eicher. Den ganzen Text plus Übersetzung findet ihr hier

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Dienstag, Juni 03, 2008

Nip/Tuck

Unglaublich, wie eine grandios gestartete Serie so verkommen kann. Die erste Staffel fand ich genial, die zweite auch noch weitgehend sehr gut, lediglich gegen Ende wurde es mir etwas zu viel des Guten. Die dritte Staffel war aber in meinen Augen eine einzige Katastrophe. Der ganze Story Arc um den Schlitzer war völlig überflüssig, die Beziehungen zwischen den Figuren wechselten schneller als manche Leute ihre Kleidung und ständig jagte eine unglaubwürdige Enthüllung die nächste. Also, diese Entdeckung, dass der eh schon die ganze Zeit als großer Unsympath gezeichnete neue Schönheitschirurg ohne Penis geboren wurde, das brauche ich gar nicht mehr zu kommentieren.

Am schlimmsten war aber die zunehmend negative Entwicklung von Seans Sohn Matt. Was der arme Junge schon durchgemacht hat, bevor er volljährig ist, ist einfach unfassbar. Erst verliebt er sich ohne es zu wissen in eine Transsexuelle, gerät daraufhin in eine sexuelle Identitätskrise, schlägt eine andere Transsexuelle zusammen, die ihn angemacht hat, wird daraufhin von ihren "Kolleginnen" so schlimm verprügelt, dass Daddy zum Messer greifen muss, um sein Gesicht wiederherzustellen, als Nächstes verliebt er sich in eine Rechtsradikale und wird schließlich von deren Nazi-Vater gezwungen, der zweiten Transe das Glied abzuschneiden. Zu Beginn der vierten Staffel geht es munter weiter, da landet er bei Scientology. Das spottet wirklich jeder Beschreibung. Bei der Lindenstraße wurden die aktuellen sozialen Probleme wenigstens noch anhand verschiedener Figuren aufgegriffen.

Die ersten Folgen der vierten Staffel lassen dennoch hoffen, dass es wieder aufwärts geht. Was mich an der Serie auch stört, ist, dass es eigentlich keine Identifikationsfigur gibt. Alle Hauptcharaktere sind mehr oder weniger unsympathisch: Sean mit seinem ewigen Weicheitum, der sexbessesene Egomane Christian, der sich einfach immer wieder als absolutes Arschloch benimmt, die Schnepfe Julia und natürlich Matt, der nicht nur Pech mit seinen Liebschaften zu haben scheint, sondern auch sonst ein ziemlicher Schwachmat ist. Trotzdem ist das sicher eine der inhaltlich interessantesten und technisch am besten gemachten US-Serien, die zurzeit so laufen. Aber an der Glaubwürdigkeit der Drehbücher sollten die Autoren dringend mal wieder mehr arbeiten. 

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Montag, Juni 02, 2008

Krefeld, ich komme

Heute habe ich mir eine Karte für das Kettcar-Konzert in Krefeld gekauft, da freu ich mich drauf. Wenn die live nur annähernd so gut sind wie auf CD, kann das eigentlich nur gut werden. Mindestens einen Leser dieses Blogs werde ich da ja wohl treffen. Falls noch jemand Lust hat mitzukommen, bitte melden. Lang leben die Erben der Hamburger Schule!
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Ambitioniertes Internetradio: Byte FM

Die meisten Internetradios arbeiten ja mit einem vom Computer gesteuerten Musikprogramm und haben keine Moderationen. Sie dienen also eher der Beschallung mit einer vom Hörer favorisierten Musikrichtung. Neulich bin ich auf ein Internetradio gestoßen, das eine echte Alternative zu den öffentlich-rechtlichen Radiosendern darstellt, wenn man gute moderierte Musiksendungen hören will: Byte FM ist ein ambitioniertes Projekt von Leuten, die beruflich schon lange im Musikbusiness bzw. als Musikjournalisten arbeiten. Es gibt den ganzen Tag moderierte Sendungen, quer durch alle Musikgenres, von Electrosendungen bis Independentshows.

Unter den Moderatoren sind einige sehr bekannte (öffentlich-rechtliche) Radio-DJs wie Klaus Fiehe von 1live und Klaus Walter. Letzterer moderiert seit knapp 25 Jahren die wöchentliche Musiksendung "Der Ball ist rund" im hr. Die habe ich zwei Jahre lang regelmäßig gehört, in letzter Zeit ist sie mir aber leider zu elektronisch geworden. Ich hab den Eindruck, Walter spielt kaum noch Indie-Musik, sondern fast nur noch Dubstep. Bei Byte FM macht er u.a. jeden Sonntag von 20 bis 23 Uhr die Show "Was ist Musik". Gestern gab es ein Special mit Fußball-Songs, das, obwohl ich mich kein Stück für Fußball interessiere, so interessant war, dass ich fast drei Stunden dran geblieben bin. Lag neben herrlichen Skurriltäten wie einem Duett von Pélé auch an dem unglaublichen Fachwissen, das Klaus Walter und sein Gastmoderator zwischendurch zum Besten gaben.

Walter ist noch ein Radio-DJ der alten Schule, einen, wie es sie heute eigentlich nicht mehr gibt. Er kennt die Popmusikgeschichte der letzten 50 Jahre nicht nur aus dem ff, sondern versucht immer wieder, Bezüge herzustellen zwischen Liedern und Genres, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Neben seinen Radioshows schreibt er auch für die taz, die FR und Intro, nicht nur über Popmusik, sondern auch über angrenzende Themen wie Popkultur und Politik.

Wie sich Byte FM finanziert, ist mir völlig rätselhaft, denn es gibt weder im Programm noch auf der Homepage Werbung (sieht man mal davon ab, dass der erforderliche Player von Panasonic gesponsert wird), dabei ist das Programm technisch nicht von "normalem" Radio zu unterscheiden. Wahrscheinlich lebt der Sender wirklich nur vom Enthusiasmus der Mitarbeiter, die sich hier wohl einen Traum verwirklichen. Einen Artikel über Byte FM gab es neulich in der ZEIT. Wer eine Alternative zur Dauerberieselung der Popwellen sucht, sollte im reichhaltigen Programmschema dieses Senders fündig werden. 

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