Sonntag, Juni 22, 2008
Sinnkrise
Zurzeit stelle ich mir mal wieder die Frage, ob das, was ich mache, sinnvoll ist oder ich nicht meine Energie lieber in etwas stecken sollte, bei dem es die Chance gibt, in absehbarer Zeit einmal ein akzeptables Einkommen damit zu erzielen. Auf Dauer auf Zeilenhonorarbasis Terminjournalismus für die Lokalzeitung zu machen, kann es jedenfalls nicht sein. Vom Einkommen her würde ich bei McDonald's mehr verdienen und vom Anspruch her hätte ich das auch schon während meines Erststudiums machen können, ohne dass ich dafür noch Journalismus hätte studieren müssen. Je nachdem, für welche Teilauflage man da schreibt, stehen die Honorare in keinem Verhältnis zum zeitlichen Aufwand, den ich auch dadurch habe, dass ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch die Stadt fahren muss, um zu irgendwelchen Terminen zu kommen. Und wenn ich dann teilweise die Belanglosigkeit der Themen sehe, frage ich mich echt, wer das eigentlich lesen soll. Oder anders gesagt, ich weiß wieder, warum ich keine Lokalzeitung lese.
Andererseits erhalte ich auf meine Bewerbungen keinerlei positive Reaktionen. Und das sind nicht mal unglaublich tolle oder begehrte Jobs, auf die ich mich da bewerbe, sondern meist ganz normale Stellen, teilweise auch Volontariate o.ä. Wenn ich dann höre, dass alle meine ehemaligen Kommillitonen sich wohl inzwischen ganz gut mit Journalismus über Wasser halten können, frage ich mich natürlich, was ich denn falsch mache. Eine Antwort darauf finde ich allerdings nicht und helfen kann dir so recht auch keiner. Von der ARGE erwarte ich sowieso nichts mehr, die schafft es ja nicht mal, mir nach knapp drei Monaten mein Alg zu bewilligen. Eine private Beratungsfirma, zu der ich vermittelt wurde, konnte mir auch keinen hilfreichen Ratschlag geben. Und tolle Kontakte in Redaktionen habe ich keine, jedenfalls keine, bei denen ein Job raus springen könnte. Wie ich ohne solche Kontakte an besser bezahlte Aufträge kommen soll, weiß ich ebenso wenig.
Manchmal denke ich dann, man müsste einfach sein eigenes Ding durchziehen, eine Zeitschrift oder ein Online-Magazin aufbauen, seine eigenen Ideen umsetzen, statt immer nur den Zwängen anderer Redaktionen ausgeliefert zu sein. Dann lese ich mal wieder von irgendwelchen Leuten, die eine Frauenzeitschrift für in Deutschland lebende Musliminnen gründen oder ein Kino-Portal im Internet, zumindest letzteres ohne Startkapital. Aber für so etwas fehlt mit jeglicher finanzielle Rückhalt. Ich glaub nicht, dass man ohne Rücklagen und auf Hartz IV-Basis das Startkapital für eine Zeitschrift aufbringt. Vielleicht fehlen auch einfach die richtigen Mitstreiter. Ideen für ein Konzept hätte ich eigentlich genug. Zumindest würde man seine Energie dann mal in etwas stecken, wohinter man selbst steht, was man auch selbst gerne kaufen und lesen würde. Hey, wenn's sich tragen würde, super, und wenn nicht, hätte man's wenigstens versucht.

