Freitag, Juni 27, 2008
Ein Meisterwerk von Cameron Crowe: "Elizabethtown"
Ein Film, von dem ich vorher noch nie etwas gehört hatte, und der mich absolut umgehauen hat.
Orlando Bloom spielt einen jungen erfolgreichen Produktdesigner, der an einem Tag alles verliert: Seine Freundin macht Schluss, von seinem Boss wird er gefeuert, weil ein von ihm in achtjähriger Arbeit entwickelter Turnschuh ein Milliardenflop ist, und gerade als er sich vergeblich versucht umzubringen, ruft ihn seine Schwester an, um ihm zu sagen, dass der Vater gestorben ist. Also gibt er seine Suizidpläne vorerst auf und setzt sich in den Flieger nach Elizabethtown, einer Kleinstadt in Kentucky, in der sein Vater aufgewachsen und wo er im Urlaub gestorben ist. Dort trifft er auf die skurrile Großfamilie seines Vaters, die diesem immer noch nicht so ganz verziehen hat, dass er vor Jahrzehnten nach Kalifornien gezogen war. Das muss sich Drew dann auch ständig anhören, obwohl seine Eltern schon nach zwei Jahren weiter nach Oregon gezogen sind.
Im Flugzeug lernt er aber auch die ziemlich ausgeflippte Stewardess Claire (Kirsten Dunst) kennen, die ihn kurz darauf prompt anruft. Es ergibt sich ein Telefonat, das die ganze Nacht dauert und mit dem etwas misslungenen gemeinsamen Ansehen eines Sonnenaufgangs endet. Obwohl die Beiden offensichtlich wie füreinander geschaffen sind, scheinen beide zunächst nicht an eine ernsthafte Beziehung zu denken. Erst während der Rückreise allein im Auto, mit der Asche seines Vaters, wird sich Drew seiner wahren Gefühle bewusst.
Cameron Crowe schafft es wirklich meisterhaft, zwischen skurriler Komik und herzerwärmender Romantik hin und her zu wechseln, ohne die tragischen Momente der Geschichte zu vergessen. Orlando Bloom ist wunderbar in seiner Darstellung der Selbstfindung eines (gescheiterten) Yuppies. Susan Sarandon gibt die zwischen Hysterie und Selbstverwirklichung schwankende Mutter und Witwe hinreißend. Kirsten Dunst ist zwar teilweise etwas nervig, andererseits kann man schon gut nachvollziehen, was Drew an ihr fasziniert. Crowe hat ein sehr gutes Gefühl für Timing und eine Vielzahl wunderbar verrückter Einfälle. Jede Nebenfigur ist liebevoll gezeichnet, vor allem die Südstaaten-Großfamilie in ihrer Mischung aus erdrückenden Erwartungen und echter Anteilnahme am Schicksal des "verlorenen" Neffen.
Wie immer bei Crowe spielt auch die Musik wieder eine herausragende Rolle. Er hat unglaublich viele Rocksongs eingebaut, die oft nicht nur die Stimmung der jeweiligen Szene unterstützen, sondern auch einen inhaltlichen Bezug zur Handlung haben. Das einzige, was man ihm vorwerfen könnte, ist, dass dies manchmal etwas zu erwartbar ist, wenn Drew z.B. das Hotel besucht, in dem Martin Luther King erschossen wurde, und dazu U2s "Pride" läuft, in dem es genau darum geht. Auch ist mir Crowes Musikgeschmack manchmal etwas zu konventionell. U2, Elton John und Tom Petty sind ja dann doch nicht gerade die Avantgarde der Rockmusik. Es gibt aber auch Blues u.ä. zu hören.
Meine Lieblingssequenz war die Trauerfeier. So eine möchte ich gerne auch mal haben. Erst versucht sich meine Witwe als Stand up-Comedian, dann steppt sie mein Lieblingslied, und während eine aus Verwandten bestehende Rockband völlig ausflippt, fliegt ein weißer Adler mit Rauchfahne an einem Seil von der Bühne und setzt den kompletten Saal in Brand. Eine der besten Sequenzen, die ich seit langem gesehen habe. Ein wunderbarer Film, der einem zeigt, worauf es im Leben wirklich ankommt. Absoluter Geheimtipp!Meine Traumjobs
In Anlehnung an Nick Hornby, "High Fidelity".
1. Herausgeber einer Comic-Zeitschrift für Erwachsene (so eine Mischung aus Schwermetall, einigen ausländischen Magazinen, die ich mal auf Reisen gekauft habe, und einem guten Sekundärmagazin, wie es sie in Deutschland seit einigen Jahren leider auch nicht mehr gibt)
2. Herausgeber eines Kultur- und Gesellschaftsmagazins, das sich nicht um irgendwelche vorgeblichen Aktualitäten oder einen ominösen Nachrichtenwert kümmert, sondern in der Leute über das schreiben, was sie selbst für relevant halten (so eine Mischung aus DUMMY und Tempo, aber mit eigenem Stil) oder einer Zeitschrift mit Regionalbezug, die sich Themen der Subkultur und der alternativen Politik widmet und über das schreibt, was man in den herkömmlichen Regionalzeitungen nicht findet (also eine Mischung aus der verblichenen taz NRW und alternativen Stadtillustrierten wie der Kölner Stadtrevue oder dem Düsseldorfer Überblick in den 80ern)
3. Filmkritiker oder Reporter beim Rolling Stone, vorzugsweise beim amerikanischen und am liebsten natürlich in den Jahren 1967 - 1975 (hm, hatte Hornby nicht so was Ähnliches auf seiner Liste?)
4. Filmkritiker bei der Süddeutschen Zeitung (oder so was wie Holger Gertz, der alle paar Wochen mal mit einer grandiosen Reportage über irgendein abseitiges Thema auf der Seite Drei auftaucht)
5. der neue Alan Bangs werden
(also in einer regelmäßigen Radiosendung ausschließlich die Musik spielen, die mir selbst gefällt und zwischendurch Geschichten erzählen)
6. für die taz, Die Zeit oder eine gute Kino- oder Kulturzeitschrift über Filme, Comics, Literatur oder Musik schreiben und davon leben können
So, und jetzt dürft ihr entscheiden, was davon wohl am realistischsten ist
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Arbeit ist scheiße
Sehr unterhaltsame und interessante Nightline-Sendung gestern Abend. Das Thema war Ferienjobs und die Anrufer zeigten mir, dass ich mit meinen negativen Erfahrungen nicht alleine bin. Also, Ferienjobs hab ich ja nie gemacht, aber auch die meisten Nebenjobs sind völlig daneben. Oder wie der eine, etwas sozial prekär klingende Anrufer meinte: "In der Großbäckerei, das war total asi!". Da gab's 'nen Stundenlohn von ca. 1 Euro 50 für jobbende Schüler. Ein anderer Schüler hat mal auf dem Bau Zementsäcke getragen. Dafür bekam er 35 Euro für den kompletten Zeitraum von mehreren Wochen. Der Chef meinte zu ihm, bei einem Ferienjob ginge es ja nicht darum, viel zu verdienen, sondern was fürs spätere Berufsleben zu lernen. Schön fand ich auch noch einen 13-jährigen Anrufer, der erzählte, sein einziger Job sei bisher gewesen, dass er einmal Zeitungen ausgetragen hätte. Das "einmal" war wörtlich zu verstehen. "Es hat da geregnet und dann hatte ich schon keinen Bock mehr und hab gleich wieder damit aufgehört." Sehr sympathisch auch, dass Moderator Holger Klein daraufhin meinte, genau so sei es ihm in dem Alter auch mal ergangen.
Irgendwie kam dann noch heraus, dass Holger kein Studium vorzuweisen hat, und dies auch mehr oder weniger für überflüssig hält, zumindest, wenn man in den Medien arbeiten will. Zitat: "Was kann ein Kunstgeschichtler in den Medien machen, was ich nicht genau so gut kann?" Jetzt würd mich allerdings mal interessieren, was er denn gemacht hat, bevor er zum Radio kam. Wikipedia schweigt sich da leider aus. Wobei ich Klein inzwischen wirklich für einen sehr guten Moderator für Hörertalksendungen halte. Anfangs hatte ich so meine Probleme mit seinem Stil, aber wenn man sich einmal dran gewöhnt hat, merkt man auch, dass seine manchmal etwas arrogante Art nicht so ganz ernst zu nehmen ist. Zumindest ist er kontrovers, hat zu allem eine klare Meinung (die oft genau das Gegenteil der Mehrheitsmeinung ist) und scheut sich nicht, diese offensiv zu vertreten. (Klingt jetzt genau wie die Beschreibung der idealen Eigenschaften eines Bloggers
.)

