Sonntag, Juni 29, 2008

Überambitioniert: Richard Kellys "Southland Tales"

Gestern Abend habe ich mich noch gefargt, warum "Southland Tales", der zweite Film von "Donnie Darko"-Regisseur Richard Kelly eigentlich wieder nicht in die deutschen Kinos kam, obwohl "Darko" doch auf DVD einen ziemlichen Kultstatus gewonnen hat. Nachdem ich die erste halbe Stunde gesehen hatte, wusste ich warum.

Ich hab jetzt keine Lust, auf die Handlung einzugehen, zumal ich mir nicht sicher bin, ob man das überhaupt Handlung nennen kann. Es ist eigentlich nur eine Aneinanderreihung abstruser, wirrer Szenen, die in der Zusammenstellung keinerlei Sinn für mich ergeben. Klar, wahrscheinlich hat Kelly sich super viel dabei gedacht, wahrscheinlich könnte man, wenn man den Film fünf Mal guckt, auch ganze Doktorarbeiten darüber verfassen. Nur ist das ganze völlig ungenießbar. Was soll man von einem Film halten, der nach einer 15-minütigen Exposition ohne Dialoge, nur mit Erzählstimme (gegen die der Anfang von "Dune" ein Meisterstück der Einführung in eine komplexe Handlung ist), mit Kapitel IV anfängt? Vielleicht hätte ich irgendwas von der Handlung verstanden, wenn Kelly die ersten drei Kapitel auch verfilmt und nicht nur als Graphic Novel herausgebracht hätte, wie die imdb schreibt. Unter Apokalypse und Weltuntergang macht Kelly es natürlich nicht. Und Störungen im Raum-Zeit-Kontinuum sind auch wieder mit dabei. Dagegen wäre auch gar nichts zu sagen.

Nur leider hat der Film weder Spannung, noch Witz, noch Emotionen, noch irgendwas. Die Schauspieler sind grottig; was will man auch erwarten, wenn man einen Wrestler namens "The Rock" und einen Ex-Teeniestar namens Sarah Michelle Gellar in den Hauptrollen besetzt (letztere sieht übrigens so aus, als hätte sie sich seit dem Ende von "Buffy" einige Male unters Messer von Schönheitschirurgen gelegt)? Dann taucht auch noch Christopher Lambert auf, der sich wohl für gar nichts mehr zu schade ist. Verschlimmert wird das Ganze noch durch das religiöse Geseifere. Dass Kelly es mit der Bibel hat, hat man ja leider schon gemerkt, wenn man sich den Audiokommentar von "Donnie Darko" angehört hat. Aber zumindest waren die Anspielungen da noch so subtil, dass man es auch nur dann gemerkt hat. Hier wird hingegen so oft aus der Offenbarung zitiert, dass man die Bezüge eigentlich nur noch holzhammerhaft nennen kann. Der Film dauert über zwei Stunden, wobei nach 50 Minuten zum ersten Mal etwas halbwegs Spannendes passiert.

Sehr schade. Ich fand "Donnie Darko" einen der interessantesten Filme der letzten Jahre. Da stimmte fast alles, die Story, die Atmosphäre, die Schauspieler, die Musik, der Humor. Das viele Lob von Fans und Kritikern muss Kelly in den Kopf gestiegen sein. Anders kann ich mir diesen Totalausfall nicht erklären.  

geschrieben von herrhase ( Medien ) :: Kommentare (0) :: Permalink :: Trackbacks (0)