Sonntag, August 31, 2008

Als die Comics laufen lernten: Popeye in den 30er Jahren

In Deutschland kennt man Popeye fast nur aus den Zeichentrickfilmen im Fernsehen, die eine sehr vereinfachte Version der Figur präsentieren und immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Die Comics konnten sich hier nie richtig durchsetzen, schon gar nicht die ursprünglichen Zeitungsstrips seines Erfinders E.C. Segar aus den späten 20er und 30er Jahren. Vor zwei Jahren brachte der Mareverlag ein schönes dickes Buch mit einigen dieser Fortsetzungsabenteuer heraus, die heute zu den großen Klassikern der frühen Zeitungscomics gehören. Es ist ja ein weit verbreitetes Missverständnis, dass Comics ursprünglich ein Medium für Kinder seien und sich erst durch die französische Avantgarde in den späten 60ern und die graphic novels in den späten 80ern für ein erwachsenes Publikum geöffnet hätten. In Wahrheit war es natürlich genau andersrum: Die ersten Comic Strips wurden in den amerikanischen Tageszeitungen abgedruckt und für deren Zielgruppe geschrieben und gezeichnet: die erwachsenen Zeitungsleser. Erst viel später wurde das Medium durch die Comic Books (Comichefte) bei Kindern populär.

Neben Floyd Gottfredsons Micky Maus-Comics war Popeye einer der bekanntesten der humoresken Strips. Dass diese ganz und gar nichts für Kinder waren, merkt man u.a. an sexuellen Anspielungen, die teilweise sehr deutlich sind. Ein Running Gag in den frühen Abenteuern ist, dass immer eine Anstandsdame mit an Bord muss, wenn Olivia Öl ihren Verlobten Popeye bei seinen Seereisen begleiten will. Einmal erwidert Popeye daraufhin: "Aber wenn ein Anstandswauwau mitfährt, können wir's ja gar nicht bei Mondlicht an Deck treiben." Popeyes 90-jähriger Vater lebte jahrzehntelang auf einer einsamen Insel und hatte dort gleich ein halbes Dutzend Meerjungfrauen gleichzeitig als Geliebte. Popeyes Kommentar: "Ist ja ekelhaft, du treibst es mit Fischen!" Auch was Wimpy, die mit Abstand lustigste Figur in den Popeye-Comics, alles anstellt, um an seine geliebten Hamburger zu kommen, ist teilweise nichts für kindliche Gemüter. Er macht nämlich vor keiner lebenden Kuh Halt, wenn er diese zu Hackfleisch verarbeiten will. Nach Wimpy hat sich ja dann in den USA eine Burger-Kette benannt, ebenso wie auch der Name Jeep angeblich auf eine Nebenfigur aus der Serie zurückgeht.

Was mir an dem Buch nicht so gut gefällt, ist die (Neu-)Übersetzung. Man hat dem Spinatmatrosen nämlich einen ziemlich kruden Dialekt in den Mund gelegt, der das Lesen nicht gerade vereinfacht. Da ausgerechnet die Hauptfigur so merkwürdig spricht, ist das schon ziemlich anstrengend. Abgesehen davon gefallen mir seine Sprüche in der alten Übersetzung des Ehapa-Verlages einfach besser. "Ich bins, was ich bins, und das ist alles, was ich bins" finde ich lustiger als "Ich pin wassich pin, was pinnich tenn" und "Hau mich um" eine coolere Floskel als "Lot mi an Land". Bei den Namen der Figuren hat der neue Übersetzer meistens die Originalnamen übernommen, was sehr ungewohnt ist, wenn man die Figuren unter ihren alten deutschen Namen kennt. Grundsätzlich sind Originalnamen natürlich immer besser, aber konsequent ist man hier auch nicht vorgegangen, sonst müsste Popeyes Freundin z.B. auch Olive Oyl heißen statt Olivia Öl. Unpassend finde ich vor allem neu übersetzte Namen wie "das Seeweib" statt "die Seehexe" und "Alice, die Wumme" statt "Alice, die Heule". Bei beiden Figuren find ich die alten deutschen Namen viel treffender. Ein skurriles Monster Heule zu nennen, ist doch viel lustiger als Wumme. Ansonsten ist dies aber ein sehr gelungenes Buch, das einen schönen Einblick in die Früh- und Hochzeit der amerikanischen humoresken Comic Strips bietet (und das bei Zweitausendeins inzwischen auch verbilligt zu erwerben ist). Schade nur, dass es davon nicht mehr auf Deutsch zu lesen gibt.
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Denk ich an Düsseldorf in der Nacht...

Was ist eigentlich mit Düsseldorf los? Früher lagen SPD und CDU hier immer Kopf an Kopf, bei Kommunalwahlen lag mal der Eine vorne, mal der Andere. In den 90ern regierten hier fast das ganze Jahrzehnt SPD-OberbürgermeisterInnen. Dann kam Joachim Erwin, der teilweise als neuer Heilsbringer gefeiert wurde, und heute hat sein Ziehsohn bei der OB-Wahl 60 Prozent bekommen, die SPD-Kandidatin 35. Dabei sieht der Typ aus wie der typische CDU-Jüngling, Marke schmieriger Schwiegersohn. Sein einziger Programmpunkt: Weiter so! Ich versteh's nicht, wie man auf so was reinfallen kann.

Dass sich kein Mensch mehr für Wahlen interessiert und die Wahlbeteilligung bei 40 Prozent liegt, braucht allerdings auch keinen zu verwundern, wenn im WDR-Fernsehen praktisch keine Berichterstattung stattfindet und das Thema in der Aktuellen Stunde an dritter Stelle nach dem wahnsinnig wichtigen Aufmacher "Super Wetter in NRW" kommt - von einer etwaigen, lokal ausgestrahlten Sondersendung ganz zu schweigen. Da muss man dann schon Antenne Düsseldorf hören oder Center TV gucken, der über DVB-T gar nicht ausgestrahlt wird, wenn man um kurz nach Sechs wissen will, wie's ausgegangen ist, beides Sender, die nicht gerade für Qualitätsjournalismus bekannt sind. Aber der WDR zeigt halt lieber die Anrheiner...     

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Samstag, August 30, 2008

"Er ist kein Held": Christopher Nolans "The Dark Knight"

Viel ist über den neuen Batman-Film vorab geschrieben worden, vor allem, wie brilliant Heath Ledger in seiner letzten Rolle als Joker sein soll, aber auch darüber, dass dies der düsterste und ernsthafteste der bisherigen Batman-Verfilmungen sein soll. MMn wird der Film leicht überschätzt. Klar hat er (zum Glück) nichts mehr mit den bonbonbunten Umsetzungen Joel Schuhmachers oder der albernen TV-Serie aus den 70ern gemeinsam, aber nun zu behaupten, das wäre die beste Comicverfilmung aller Zeiten, weil sie ja so nah an den Problemen unserer Zeit wäre (Terrorismus und wie der Staat darauf reagiert etc.), scheint mir doch ziemlich übertrieben. Zunächst einmal ist "The Dark Knight" einfach viel zu lang und in der ersten Hälfte auch ziemlich langweilig. Erst nach eineinhalb Stunden, wenn der Joker zum ersten Mal geschnappt wird, gewinnt der Film rasant an Fahrt. Dann gewinnen auch die Fragen, wie weit der Rechtsstaat gehen darf, um seine Bürger vor der Gefahr von terroristischen Anschlägen zu schützen, an Bedeutung. Richtig Stellung dazu bezieht der Film aber auch nicht. Zwar lehnt Lucius Fox, Batmans Gehilfe, dessen Überwachungssystem grundsätzlich ab, stimmt aber trotzdem zu, es ein einziges Mal zu gebrauchen, um den Joker zu finden. Und das Ganze hat ja dann auch Erfolg. Wäre man Schäuble, könnte man also argumentieren: Siehste, der Zweck heiligt eben doch die Mittel. Dass Batman nun so düster gezeichnet wird wie nie zuvor, und fast schon als Faschist, ist auch Quatsch. Letztlich bewegt er sich doch immer im gewohnten Rahmen. Frank Miller ist da, insbesondere in seinem bahnbrechenden Meisterwerk "The Dark Knight Returns" wesentlich weitergegangen, wo (der gealterte) Batman tatsächlich als genau so fanatisch und rücksichtslos erscheint wie seine Gegner.

Wobei Batman in Nolans neuem Film eh der uninteressanteste Charakter ist. Wesentlich spannender sind der Joker, Jim Gordon und vor allem Harvey Dent, der neue idealistische Staatsanwalt Gothams. Dass Nolan dem aufrechten Polizisten so viel Raum widmet, gehört zu den positiven Seiten seiner Verfilmung, ebenso wie die Entwicklung Dents das Interessanteste am ganzen Film ist. Denn Comicfreunde wissen natürlich, was mit dem kämpferischen Staatsanwalt passieren wird. Insbesondere bei diesen beiden Charakteren zeigt sich auch, wie sehr sich Nolan an der Batman-Version von Frank Miller orientiert hat, der sowohl den jungen späteren Commissioner als auch den tragisch endenden Staatsanwalt neu definiert hat. Auch sonst hat Nolan einiges bei Miller übernommen: die Mafia, die allumfassende Korruption, bis in Gothams Police Departement hinein, die Tatsache, dass Batman eher als Gegner, denn als Freund der Polizei gesehen wird, wobei letzteres wohl erst in der zu erwartenden Fortsetzung eine größere Rolle spielen wird, denn am Ende des Films trifft er eine Entscheidung, die ihn fortan zum Gejagten machen wird. (Wobei dieser Konflikt zwischen Batman und der Polizei natürlich auch keine Erfindung Millers war, sondern eher ein Rückgriff auf die ganz frühen Batman-Comics, bevor diese durch die TV-Serie verwässert wurden und Batman zu einer Art Hilfspolizist degenerierte.)

"The Dark Knight" ist, jedenfalls in der zweiten Hälfte, spannende Unterhaltung, aber an Tim Burtons wunderbare Batman-Filme reichen sie dennoch nicht heran. Bei Nolan ist Gotham eine ganz normale, realistisch aussehende Großstadt, deutlich als New York zu erkennen, in der sich ein maskierter Rächer herumtreibt: recht unrealistisch. Bei Burton war Gotham eine düstere Märchenstadt, voller Schatten und unheimlicher Gebäude, voll morbider Atmosphäre. Eine Stadt, die nicht allzu weit von der Wirklichkeit entfernt war, aber doch so weit, dass man sich vorstellen konnte, dass dort Gestalten wie Batman leben könnten. Damit wurde er der Atmosphäre der Comics wesentlich gerechter. Auch nahm Burton sich selbst nie zu ernst, behandelte das Thema trotz aller Düsternis auch immer mit einem Augenzwinkern. Nolan nimmt sich und seine Figuren hingegen viel zu ernst und seine Versuche, reale politische Probleme im Comicuniversum zu behandeln, wirken nicht wirklich überzeugend. Einen Oscar hätte immerhin das Make-Up verdient, das besonders bei Two-Face sehr beeindruckend ist.
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Sternstunden des deutschen Kinos

Bei manchen Filmen weiß man schon bevor sie überhaupt gedreht werden, dass sie Flops werden müssen. Zumindest könnte man das als halbwegs intelligenter Unbeteiligter wissen. Produzenten, Verleihfirmen und Geldgeber scheinen über eine solche Intelligenz nicht zu verfügen, sonst würden solche Filme ja gar nicht in die Kinos kommen. Bei einem meiner seltenen Besuche in einem Multiplex liefen heute mal wieder zwei Trailer zu solch unfassbar schlechten deutschen Komödien. Atze Schröder spielt den Kapitän in einer U-Boot-Komödie. Der mag ja im TV gute Quoten zu haben, aber wer gibt bitteschön acht oder neun Euro aus, um ihn auch noch im Kino zu sehen? Fast schon unfreiwillig komisch ist, dass Till Schweiger die Hauptrolle in einer Ritter-Komödie spielt. Manche, vor allem er selbst, hielten den ja mal für einen ernsthaften Schauspieler mit Chancen, ein Hollywoodstar zu werden. Dabei hatte er seinen schauspielerischen Höhepunkt schon mit seiner Nebenrolle in der Lindenstraße erreicht. Die weibliche Hauptrolle spielt Yvonne Catterfeld, noch so ein völlig überschätztes Sternchen, das ja von unserer ach so fachkundigen Presse teilweise schon als Romy Schneider-Nachfolgerin gehandelt wurde. Dem Fass den Boden aus schlägt aber die Liste der Nebendarsteller: Auf einen Film mit Thomas Gottschalk, Roberto Blanco, Didi Hallervorden UND Johannes Heesters hat die Welt echt gewartet!
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Freitag, August 29, 2008

Die Welt ist eine Goo...äh, Scheibe

Haben die beiden Autoren, die sich diesen Streit darüber lieferten, wer von ihnen das tolle Wortspiel "Die Welt ist eine Google" erfunden hat, schon mitbekommen, dass der "journalist" diesen Satz in seiner aktuellen Ausgabe als Überschrift für die Titelgeschichte verwendet? Das Covermotiv erinnert auch auffallend an das, was der Spiegel vor Kurzem zum Thema Google hatte, wobei das ja angeblich schon beim amerikanischen "Atlantic" geklaut sein sollte.
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Donnerstag, August 28, 2008

Die Partei, die Partei hat immer Recht

Mit einem scheint unser verstorbener CDU-OB tatsächlich Recht gehabt zu haben: Düsseldorf scheint wirklich der Nabel der Welt, na gut, sagen wir mal der BRD zu sein. Unverständlicherweise veriiren sich nämlich ziemlich viele Spitzenpolitiker aus Berlin in unsere beschauliche Landeshauptstadt, um ihre jeweiligen Parteifreunde im OB-Wahlkampf zu unterstützen. Sogar die Merkelin, äh, die Kanzlerin kommt heute oder morgen hierher. Ich bin aber lieber gestern zu einer Wahlkampfveranstaltung mit Oskar Lafontaine gegangen. Den hatte ich zwar schon zwei Mal im Wahlkampf gesehen - einmal vor ziemlich genau zehn Jahren in Wuppertal-Barmen, damals noch für die SPD, kurz bevor Schröder dann die Wahl gewann, da fand ich ihn ziemlich nichtssagend, und einmal vor zwei Jahren zusammen mit Gysi im Landtagswahlkampf in Mainz, da fand ich ihn etwas platt und Gysi wesentlich überzeugender. Gestern gefiel er mir hingegen sehr gut. Inhaltlich konnte ich seinen Argumenten zu 95 Prozent zustimmen. Aber er ist auch ein wirklich geschickter Redner, der diesmal einige gelungene Bonmots einbaute. Besonders bemerkenswert fand ich, dass er den Befürwortern des verkürzten Gymnasiums aka G8 vorwarf, den Schülern einen Teil ihrer Jugend zu rauben, und dass er meinte, Jugendliche bräuchten auch Freiräume und Freizeit, um sich später an eine schöne Jugend erinnern zu können, und die Jugend dürfe deshalb nicht nur der späteren wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Schüler unterworfen werden. So etwas hört man ja eigentlich von Politikern nie.

Vor der Veranstaltung hatte ich mich noch gefragt, ob bei Treffen der Linken eigentlich die Internationale gesungen wird. Stattdessen kam dann vor den Redebeiträgen ein 16-jähriger Junge auf die Bühne ("das jüngste Mitglied unseres Kreisverbandes";), der zur Gitarre zwei "Lieder der Arbeiterbewegung" vortrug. Zunächst das Partisanenlied "Ciao, bella, ciao" und danach Brechts "Einheitsfrontlied", bei dem er leider eine Textschwäche offenbarte, was im Saal neben mir zu einiger Belustigung führte. Aber war halt ein noch sehr junger Genosse ;-). Jedenfalls wurde insbesondere beim letzten Lied kräftig mitgesungen und -geklatscht, was ich einerseits ganz lustig, andererseits auch recht skurril fand. Na ja, wo man singt, da lass dich nieder, Rechte haben keine Lieder (höchstens das Deutschlandlied).

Gerade war ich dann noch bei einer Diskussion der Linksfraktion im Stadtrat zum Thema "Hartz IV überwinden - vor Ort beginnen". Die zog natürlich lange nicht so viele Zuhörer an wie Oskar Lafontaine. Die Linke ist hier ziemlich engagiert in der Arbeitslosenberatung, und eigentlich auch die einzige unabhängige Anlaufstelle für Leute, die mit der ARGE Probleme haben. Denn die anderen Beratungsstellen werden von Einrichtungen betrieben, die selbst an 1 Euro-Jobs u.ä. beteiligt sind (die städtische "Zukunftswerkstatt", die Caritas etc.), insofern also gar nicht unabhängig sein können, auch wenn sie dies behaupten. Was die Linke da macht, ist mMn auch genau die richtige Doppelstrategie, um sich mit Hartz IV auseinanderzusetzen: Einerseits den Betroffenen durch Beratung helfen, wie sie zu ihrem Recht kommen, und andererseits auf politischer Ebene für die Abschaffung der Hartz-Gesetze kämpfen. Das ist auch eine gute Strategie, um Wähler zu gewinnen. Die KPÖ in Graz hat ja beispielsweise auch dadurch gute Wahlergebnisse (vor allem bei Kommunalwahlen) erzielt, dass sie jahrelang eine engagierte und gute Sozialberatung angeboten hat. 

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Dienstag, August 26, 2008

Die besten Serien-Produzenten

... sind weder J.J. Abrams noch Joss Whedon oder wie diese ganzen überschätzten Fanlieblinge heißen, auch nicht Bryan Fuller, obwohl ich von dem ja zumindest schon mal eine Serie gut finde. Nein, meine absoluten Favoriten sind zwei Männer, die mal wieder fast niemand kennt: John Wells und Christopher Chulack. Die Beiden sind Executive Producer bei zwei meiner absoluten Lieblingsserien: ER und Third Watch, bei letzterer ist John Wells auch einer der beiden Creator. Die Namen stehen für mich für die besten realistischen (Action-)Drama-Shows des US-Fernsehens und damit eigentlich des Fernsehens überhaupt, denn die guten Serien kommen ja fast ausnahmslos aus den USA.

Während ER in Deutschland ja noch einigermaßen bekannt ist, wenn ich auch den Eindruck habe, Olsen und ich seien die einzigen übriggebliebenen Fans hierzulande, ist Third Watch bei uns so gut wie unbekannt. Vor einigen Jahren zeigte Vox zwar die ersten drei Staffeln am Stück zur Hauptsendezeit am Montagabend, aber sie ging trotzdem weitgehend unter. Momentan wird sie mitten in der Nacht wiederholt, die Staffeln 4 bis 6 hat man dann gar nicht mehr eingekauft. Auf DVD gibt's auch nur die erste Staffel. Eine Schande, denn das ist mit das Beste, was im Serienbereich in den letzten Jahren produziert wurde.

Die Serie dreht sich um eine Gruppe von Streifenpolizisten, Rettungssanitätern und Feuerwehrleuten, die im 55. Bezirk New Yorks Dienst tun, und zwar immer in der dritten Schicht von 15 bis 23 Uhr. Daher auch der Titel der Serie. Stilistisch ist sie ähnlich gestaltet wie ER, also viel Action, viele dramatische Entwicklungen, mehr oder weniger Soap-Elemente und ein paar humoristische Einsprengsel. Eine perfekte Mischung. Die Action spielt aber hier nicht in der ja doch beschränkten Kulisse einer Notaufnahme, sondern auf der Straße. Was mehr Raum für Abwechslung schafft. Außerdem ist das Potenzial für spannende Situationen praktisch verdreifacht, denn zu den medizinischen Fällen der Sanitäter kommen hier halt noch die Einsätze der Cops und der Feuerwehrleute hinzu. Eine ganz einfache, aber sehr wirkungsvolle Formel: Man nimmt drei Berufsgruppen, die schon für sich genommen für eine spannende Serei reichen würden, und packt sie in eine gemeinsame Serie. Leider konzentriert sich die Serie ab der 4. Staffel sehr auf die Polizisten und vernachlässigt die anderen Figuren sehr, so dass sie teilweise eher wie eine reine Copserie wirkt. Hier verschenkt man mMn das Potenzial des Konzepts, obwohl die Cops tatsächlich auch die interessantesten Charaktere sind.

Wie bei ER sind die Hauptfiguren keine perfekten Helden, sondern Normalos mit teilweise größeren Schwächen und charakterlichen Defiziten, aber halt sehr menschlich. Was sie von uns unterscheidet, ist lediglich, dass sie täglich im Einsatz sind, um Leben zu retten. Wie sie das tun, gehört mit zum spannendsten, was ich jemals auf dem Bildschirm gesehen habe. Auch ist dies die Serie mit den meisten gemeinen Cliffhangern, die ich kenne. Am Ende der Folge (nicht nur einer Staffel, wie das bei anderen Serien oft ist) passiert meistens etwas so dramatisches, dass man gar nicht anders kann, als sich auch die nächste Folge anzusehen. Der einzige Kritikpunkt wäre, dass manchmal etwas viel Pathos mitschwingt, so wie bei der Post-9/11-Verherrlichung der Einsatzkräfte, also so eine ethische Überhöhung dieser Berufsgruppen. Aber das scheint mit etwas sehr amerikanisches zu sein, was man als Deutscher nicht so nachvollziehen kann. Wie soll man in diesem Zusammenhang eigentlich "members of the services" übersetzen? (wird manchmal in Sätzen wie "We do that for members of the services" oder "a child of a member of the services is missing" verwendet) "Mitglied der Sicherheitskräfte" würde ja in Deutschland kein Mensch sagen.

Absoluter Geheimtipp!   

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Montag, August 25, 2008

Olympia-Fazit

Die größten Verlierer: ARD und ZDF

Was sich die Öffentlich-Rechtlichen mit ihrer Olympia-Berichterstattung geleistet haben, war wirklich unter jeder Sau: Pseudo-Journalist Kerner hab ich mir in 16 Tagen ganze 15 Minuten gegeben, und die waren schon zuviel. Statt kritischer Berichterstattung bekam man auch in der ARD Waldi & Harry, einen ehemaligen BR-Sportchef, der sich nach eigener Aussage nicht als Sportjournalist fühlt (als was sonst, fragt man sich da. Als Comedian? Als wandelnde Weißbier-Reklame?) und in der letzten Sendung auch zugab, dass er gar keine Lust habe, Goldmedaillengewinnern noch Fragen zu stellen, und einen Late Night-Talker, dem inzwischen alles egal zu sein scheint, und der Filme beisteuerte, die überwiegend auf dem Niveau von YouTube-Hobbyfilmchen lagen. Warum Gebühren dafür verbraten werden, dass betrunkene Hockey-Nationalspieler sich grölend eine halbe Stunde selbst feiern, muss mir mal einer verraten. Kerner durfte dann auch noch auf Kosten des Gebührenzahlers zur Fußballübertragung nach Nürnberg und wieder zurück nach Peking jetten, weil die größte Sendeanstalt Europas keinen zweiten Live-Moderator für Sportübertragungen zu haben scheint. Ein einziges Armutszeugnis.

Die größten Gewinner:

- Eurosport: Dieser Privatsender hat den öffentlich-rechtlichen Dinosauriern zwei Wochen lang vorgemacht, wie man spannende und professionelle Sportberichterstattung macht. Jeden Nachmittag Leichtathletik pur, abends die wichtigsten Wettkämpfe als Aufzeichnungen, kompetente Kommentatoren statt eitlen Dampfplauderern, die sich nur selbst in den Mittelpunkt stellen. Bei der Schlussfeier brachte der Kommentator des Sportsenders (!) mehr Kritik am chinesischen Regime unter als die ach so journalistische ARD in ihren 16 Tagen "Peking ist schön, Chinesen sind freundlich, deutsche Medaillengewinner sind geil"-Propaganda. 

- der Olympia-Teil der Süddeutschen: den las ich weniger wegen der Sportberichte als wegen der hoch interessanten Artikel zu den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Aspekten des Spektakels. Bester Schreiber (wie immer): Holger Gertz. Wer so einen großartigen Reporter im Team hat, hat eigentlich schon gewonnen. Der machte selbst aus kleinen Begegnungen am Rande noch ganz großes Kino.

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Samstag, August 23, 2008

Das Leben nach dem Tod kann auch lustig sein: "Dead like me"

Vor Jahren hatte mir Prospero mal den Pilotfilm geliehen, den ich damals nicht so toll fand. Dann dauerte es noch jahrelang, bis die Serie ihren Weg ins deutsche Free-TV fand. Mehr durch Zufall habe ich mit dreiwöchiger Verspätung mitbekommen, dass RTL II sie nun im Samstagnachmittagsprogramm versendet. Eigentlich schade, denn nachdem ich jetzt drei Folgen gesehen habe, gefällt sie mir doch ziemlich gut. Das ist eine sehr gelungene Mischung aus Comedy und nachdenklichen Momenten, und solche Serien mag ich ja grundsätzlich sehr gerne, wenn sie gut gemacht sind. Dazu kommt dann noch so ein Fantasy-Element, aber als Fantasy-Serie im eigentlichen Sinn kann man die Serie sicher nicht bezeichnen.

Hauptfiguren sind einige "Seelensammler", Menschen, die zwar ums Leben gekommen sind, aber nicht richtig tot, sondern jetzt in einer Art Zwischenwelt leben: Sie sind noch ganz normal auf der Erde, haben alle ihre menschlichen Gefühle und Bedürfnisse behalten, sind aber für die Lebenden nicht mehr als die zu sehen, die sie früher waren. Ihre Aufgabe ist es, bei Menschen, die sterben, kurz vorher deren Seelen einzusammeln, um sie in den Tod hinüber zu geleiten. Das bietet Anlass für allerlei makabere Gags, aber natürlich auch für bewegende Momente rund um das Thema Tod. Am sympathischsten finde ich aber, dass diese Seelensammler ganz normal (verrückt)e Menschen sind, mit ihren Macken und Sorgen, die sich täglich zum Frühstück in einem Café treffen, sich kabbeln und auch mal in einen Lebenden verlieben. Erfrischend ist auch die Hauptdarstellerin, die eine Teenagerin spielt, die während ihres ersten Arbeitstages in einem langweiligen Bürojob von einer Klobrille erschlagen wurde. Diese (die Schauspielerin, nicht die Klobrille) ist zwar hübsch, aber nicht so eine 08/15-Schönheit, wie man sie sonst immer in amerikanischen Teenie-Serien sieht, also das genaue Gegenteil z.B. von einer Sarah Michelle Gellar. Ihre Figur stolpert eher durch ihr neues Leben nach dem Tod, meistens mit missmutigem Gesichtsausdruck und eher schlechter Laune (die sie aber auch schon vor ihrem Tod meistens hatte). Eine sehr sympathische Anti-Heldin. Ein dickes Plus für den sehr witzigen Vorspann. (Muss mir bei Gelegenheit noch mal den Pilotfim angucken.)  

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Der neueste Trend für Nerds

... sollen wohl Harddrive-Partys sein. Wie hab ich mir das denn praktisch vorzustellen? Man kommt auf eine Party, packt erstmal seine Festplatte aus, steht dann Schlange, bis einer der PCs in der Bude frei wird, schließt seine Festplatte an und unterhält sich währenddessen mit den anderen Nerds, die da mit ihren Festplatten rumstehen? Und danach geht man wahrscheinlich möglichst schnell nach Hause, um sich die 200.000 Songs anzuhören, die man sich da kopiert hat. Klingt echt nach einer lustigen Party. Ich kenn ja eher Menschen, die mit einem Stapel Vinyl-Scheiben auf einer Party auftauchen und sich als erstes auf den Plattenspieler stürzen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ansonsten ist dem Fazit des Artikels aber natürlich zuzustimmen. Tonträger sind tot, das Urherberrecht in seiner bisherigen Form auch, und die Musikindustrie verschläft gerade ihre letzte Chance, überhaupt noch irgendwie an den Musikerlösen der Zukunft beteiligt zu werden. 

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Donnerstag, August 21, 2008

Auch die taz hat Byte.FM entdeckt

Siehe hier. Das ist wirklich ein tolles Projekt, dem ein langes Leben zu wünschen ist. Klaus Walter ist für mich sowieso der legitime Nachfolger von Alan Bangs und seine dreistündige Byte.FM-Sendung "Was ist Musik" (sonntags, 20 Uhr) ist meistens (noch) besser als seine legendäre hr3-Sendung "Der Ball ist rund". Meistens ist "WiM" monothematisch und die Themen reichen von Andy Warhol über Fußballsongs bis zu Soul. Dabei kann Walter sein Musikwissen ausführlich beweisen und sehr schön Zusammenhänge aufzeigen, die nicht immer auf der Hand liegen.

Aber auch sonst gibt es bei Byte.FM einige schöne Sendungen zu hören, z.B. eine mit dem wunderbaren Namen "Gonzos Garten". Montags um 20 Uhr hat neuerdings Sterne-Sänger Frank Spilker eine eigene Sendung, die ich leider noch nicht gehört habe. Klingt aber auch vielversprechend. 

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Mittwoch, August 20, 2008

Meine neue Lieblingsdisziplin

... bei Olympia ist der 3000 Meter-Hindernislauf. Vorher dachte ich noch, was für eine absurde Distanz, warum stellt man auf einer Langstrecke Hürden auf? Aber beide Endläufe waren einfach unheimlich spannend. Ansonsten seh ich immer noch am liebsten 5000- und 10.000 Meter-Läufe. Die man MMn ja in voller Länge sehen muss. Aber das verstehen die TV-Sender leider nicht und schalten zwischendurch immer zu Disziplinen wie Diskuswerfen oder Hochsprung. Wobei der Weltrekord beim Stabhochsprung der Frauen mich auch begeistert hat. Die Eurosport-Kommentatoren fragten sich schon, was das eigentlich noch solle, dass die Frau die 5 Meter 5 versucht, obwohl sie die Goldmedaille doch längst sicher hatte (alle anderen Teilnehmerinnen waren bereits bei 4,85 ausgeschieden). Und dann packte sie es doch noch, den Weltrekord zu knacken. Wegen solcher Momente mag ich Leichtatlethik.

Zitat der Woche (einer der Eurosport-Kommentatoren während sich die Atlethin auf ihren einsamen Sprung vorbereitete; alle anderen Wettkämpfe im Stadion waren bereits beendet): "Eines hat sie schon erreicht: Wir werden unseren Bus um halb 12 nicht mehr bekommen."

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Den Stadtmagazinen scheint es nicht gut zu gehen

Manchen jedenfalls. Was sollte sonst der Grund dafür sein, dass Magazine wie Prinz oder Marabo ihre Verkaufszahlen nicht mehr von der IVW veröffentlichen lassen? Richtig schlecht sehen für mich die zuletzt gemeldeten Zahlen der Ruhrgebiets-Illu Marabo aus. Einer verkauften Auflage von angeblich 20.000 Stück stehen gut 700 Abonnenten und rund 1300 Exemplaren im Einzelverkauf gegenüber. Der Rest zählt zu den so genannten "Sonstigen Verkäufen". Von wem und zu welchem Preis diese Exemplare gekauft wurden, weiß kein Mensch. Kann auch sein, dass der Verlag die mehr oder weniger verschenkt hat. Also letztlich verkaufte das Ding nur 2000 Hefte an Endkunden. Wahrscheinlich hat der Verlag selbst gemerkt, dass das für Anzeigenkunden nicht gut aussieht, und meldet deshalb keine Zahlen mehr an die IVW. Relativ gut scheint es noch der Kölner Stadt-Revue zu gehen. In Düsseldorf hat die einzige gute Stadtillustrierte, der Überblick, ja leider schon vor zehn Jahren zu gemacht. Dabei waren die in den 80ern mal richtig gut, mit literarischem Anspruch und so. Chefredakteur war damals Hubert Winkels, der mal kurz die Nachfolge von Roger Willemsen bei 0137 auf Premiere angetreten hat, und heute glaube ich Literatursendungen im Radio moderiert. Wahrscheinlich läuft das Konzept Stadtmagazin heute nur noch in Metropolen wie Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt. Selbst in Städten von der Größe Düsseldorfs scheint die Zielgruppe schon zu klein geworden zu sein.
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Ich bin keine eierlegende Wollmilchsau!

Genau das scheint aber zu sein, was potentielle Arbeitgeber heutzutage haben wollen. Nach dem Vorstellungsgespräch letzte Woche hatte ich ein echt gutes Gefühl. Zum ersten Mal seit Abschluss meines Erststudiums, was jetzt auch schon über vier Jahre her ist, dachte ich, das könnte was werden mit 'nem richtigen Job, wenn's auch nur ein Volontariat gewesen wäre. Leider war die Hoffnung vergeblich. Die Absage ist dann mal wieder so wischiwaschi, dass ich nicht weiß, woran's denn nun gelegen hat. Liest sich so, als hätten sie auch noch keinen Anderen gefunden. Sie suchen angeblich jemanden, der noch genauer ihren Anforderungen entspricht. Welche das sein sollen, weiß ich nicht. Denn weder waren in der Ausschriebung besondere Anforderungen formuliert noch wären mir während des Gesprächs irgendwelche Anforderungen aufgefallen, die ich nicht erfüllen würde. Ganz im Gegenteil: Das ist ein Fachverlag für Sozialversicherung, ich habe eine Lehre in der Sozialversicherung abgeschlossen, und habe mMn damit sogar eine wichtige Zusatzqualifikation für die Stelle, denn Kentnisse auf diesem Gebiet waren in der Ausschreibung gar nicht verlangt. Was für ein Kandidat soll bitte schön besser auf die Stelle passen? Klar, einer der 'ne Lehre bei einer Krankenkasse gemacht und Journalismus studiert hat, wäre noch besser geeignet. Aber wie viele Leute davon gibt es bitteschön? Außerdem: Das ist ein Volo, also im Grunde eine etwas besser bezahlte Ausbildung, kein normal bezahlter Arbeitsplatz! Wenn es schon dafür nicht mehr reicht, wenn man zwei Studiengänge abgeschlossen hat, darunter einen, in dem man ja genau das gelernt hat, was auch ein Volontariat eigentlich vermitteln soll, dann weiß ich auch nicht mehr. Wahrscheinlich ist, dass ich denen im Gespräch einfach zu kritisch erschien; vielleicht suchen die auch lieber einen 23-Jährigen (mit abgeschlossenem Studium und journalistischen Erfahrungen natürlich), der nicht so viel selbständig denkt.

Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass es eigentlich überhaupt keinen Sinn macht, noch weiter Bewerbungen zu schreiben. Der Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler ist einfach so am Boden, dass es ohne Berufserfahrung in einer Festanstellung so gut wie unmöglich ist, eine ausgeschriebene Stelle zu bekommen. Dazu bräuchte man schon Beziehungen. Und ich hab leider keine Tante, die irgendwo Chefredakteurin ist.

Meine Überlegungen gehen inzwischen mehr in die Richtung, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, statt noch 100 Bewerbungen zu schreiben und darauf zu hoffen, dass sich irgendwann einmal ein Arbeitgeber erbarmt, mich einzustellen. Und bevor ich für einen Appel und ein Ei als Freier für die Lokalpresse rumhüpfe, würde ich lieber das Risiko eingehen, mit einem Projekt, hinter dem ich inhaltlich stehen kann, Schiffbruch zu erleiden. (Das würde im Lebenslauf außerdem immer noch besser aussehen als noch ein Jahr auf Hartz IV.) Was mir leider fehlt (außer Geld), sind Mitstreiter, denn alleine kann man so ein Projekt, wie es mir vorschwebt, sicherlich nicht aufziehen. Da wäre ich schon den halben Monat damit beschäftigt, mich mit dem DTP-Programm rumzuschlagen, und am Ende würde es wahrscheinlich immer noch bescheiden aussehen.  

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Sonntag, August 17, 2008

Manahmanah

Schön, dass sich die Muppets-Produzenten ihrer großen Tradition bewusst sind. Hier tritt Sandra Bullock in die Fußstapfen eines exzentrischen Sängers, an dessen großen Auftritt sich alle, die mit den Muppets aufgewachsen sind, noch sehr gut erinnern dürften.

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Ist die Zeitung 2020 tot?

Nach all den selbstbeweihräuchernden Anti-Internet-Artikeln diverser Zeitungsjournalisten durfte jetzt endlich mal einer etwas zum Thema "Löst das Internet die Zeitung ab?" schreiben, der das Thema auch versteht: Heribert Prantl. In seinem gestern erschienenen Artikel habe ich jedenfalls nur einen Satz gefunden, dem ich nicht zustimmen würde. Ansonsten zieht er aus der aktuellen Entwicklung genau die richtigen Konsequenzen: Die Zeitung auf Papier hat nur eine Zukunft, wenn sie sich vom oberflächlichen Nachrichtenjournalismus verabschiedet und stattdessen auf Hintergründe, Analyse und gut geschriebene Geschichten setzt. Was ich immer sach.

Ob das allerdings wirklich das Überleben dieses Print-Mediums über die nächsten 30 Jahre hinaus retten wird, da bin ich mir nicht so sicher. Meine Vermutung ist, dass einige wenige überregionale Zeitungen wie die Süddeutsche oder die "Zeit" vielleicht überleben werden, den überwiegenden Teil der Regionalzeitungen wird es aber wahrscheinlich nur noch als Marken im Internet geben, als Nachrichtenportale eben. Was auch nicht weiter tragisch wäre, denn in ihrer jetzigen Form braucht diese Blätter schon jetzt keiner der heute unter 50-Jährigen mehr. Und die Generationen, die mit Zeitungen aufgewachsen sind und deshalb emotional an ihrer Lokalzeitung hängen, werden bis 2040 weggestorben sein.

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Samstag, August 16, 2008

Wie ich Eurosport schätzen lernte

Zum ersten Mal weiß ich zu schätzen, dass ich Eurosport empfangen kann, einen Sender, den ich mangels Sportbegeisterung sonst für so überflüssig halte wie einen Kropf. Da werde ich nämlich weder von solchen Pfeifen wie JBK belästigt, noch muss ich mir abends langweilige Interviews und halblustige Filmchen angucken, sondern kann zur Primetime tatsächlich das sehen, was man doch eigentlich sehen will, wenn man nicht schon den ganzen Vormittag und Mittag vorm Fernseher hängen will: Aufzeichnungen der wichtigsten Wettkämpfe nämlich. Und heute Nachmittag musste man auch auf Eurosport schalten, wenn man Leichtathletik sehen wollte (was ja mMn mit Abstand das Interessanteste bei Olympischen Spielen ist). Im ZDF wurde nämlich zur gleichen Zeit Frauen-Hockey übertragen. Was für ein fehlgeleiteter Patriotismus! FRAUEN-HOCKEY! Nur weil ein deutsches Team spielte. Gut, dass uns die Tommies mit einem von deutschem Patriotismus unbelasteten Programm versorgen.
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Was weiß der Mops vom Jazz?

Heute hat's in D'dorf mal nicht geregnet, und so musste das Open Air-Konzert "30 Jahre Jazz im Hofgarten" in der Umsonst und Draußen-Reihe nicht in einen Saal verlegt werden. Jazz-Konzerte sind mittlerweile fast die einzigen Veranstaltungen, bei deren Besuch ich mich nicht alt fühle. Das mag ich eigentlich u.a. auch an Jazz: Das Publikum ist altersmäßig sehr gemischt, man hat da keine kreischenden Teenies oder nur hippe Studenten. Gut, richtig gemischt ist es dann auch wieder nicht, weil der Anteil der Besucher über 50 schon dominiert. Jazz ist halt keine Jugendkultur (mehr).

Der Nachteil bei solchen Freiluftveranstaltungen ist - vor allem wenn sie tagsüber stattfinden -, dass man immer von der Musik abgelenkt wird, weil es teilweise viel interessanter ist, die Leute zu beobachten, die da so rumlaufen, -stehen und -sitzen. Auch stört es ein wenig, wenn viele Besucher sich lieber lautstark unterhalten, statt der Musik zu lauschen. Am meisten amüsiert habe ich mich heute über einen Mops, der auch einige andere Besucher verschiedenen Alters, vom Vorschulkind bis zu schon etwas älteren Herrschaften, gut unterhalten hat. Scheint eine sehr phlegmatische Hunderasse zu sein. Was ich mich gefragt habe, als ich sah, wie das Tier da so gelangweilt aussehend im Gras lag, während sich auf der Bühne ein Saxofonist die Seele aus dem Leib blies: Hat so ein Hund einen Sinn für Musik? Sagt ihm das irgendwas oder ist es für ihn nur eine Geräuschbelästigung wie der Verkehrslärm oder anderer Krach? Oder lässt ihn Musik einfach völlig kalt?  

Auch komisch: Wen man bei solchen Veranstaltungen so alles sieht, den man seit Jahren nicht gesehen hat. Das reichte von den ganzen Musikern, die ich teilweise schon vor 15 Jahren bei der Jazz-Rally gehört und gesehen habe (die D'dorfer Jazz-Szene scheint mir recht überschaubar zu sein), bis zu meinem alten Kunstlehrer, der zwischenzeitlich verrückt geworden war. Inzwischen scheint es ihm aber wieder gut zu gehen. Und dann war da glaub ich auch noch der Karibianer, der vor 15 Jahren mal einen richtig geilen Jazz-Club hier hatte, der dann leider zu gemacht hat. Von dem Typen, der da seinerzeit auch selbst Platten auflegte, hatte ich sogar mal ein Bild an meinem Schrank kleben, das ich damals aus der Zeitung ausgeschnitten hatte. Was der jetzt wohl beruflich macht? 

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Donnerstag, August 14, 2008

Olympia bei ARD und ZDF: Eine Farce

Der angeblich so kritische Sportjournalismus der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten hat sich sehr schnell als Farce entpuppt. Lockere Unterhaltung und das Abfeiern der "tollen Atmosphäre" bringen wahrscheinlich auch bessere Quoten. Wen interessiert da, dass chinesische BloggerInnen während der Spiele spurlos verschwinden oder irgendwelche Uiguren unterdrückt werden. Hauptsache, Deutschland liegt gut im Medaillenspiegel. So blödeln im Ersten Waldi & Harry rum, meistens auf dem Niveau von Klassenclowns in der Mittelstufe. Völlig unerträglich sind die abendlichen Sendungen mit Kerner und dieser neuen Co-Moderatorin, deren Namen ich mir nicht gemerkt habe, und die es auch nicht wert wäre, ihn nachzuschlagen. Während sie moderiert, nickt JBK die ganze Zeit wie eine Taube auf der Futtersuche und ansonsten flirten die Beiden so gekünstelt vor der Kamera rum, dass man sich wünscht, Götz Alsmann und Christine Westermann würden das Olympia-Studio moderieren. Denen nimmt man die gegenseitige Sympathie wenigstens ab.

Der Höhepunkt des kritischen Journalismus waren aber die letzten Minuten der Sendung vorgestern: TV-Tussi: "Wir würden gerne lustig weitermachen, und zum Schluss zeigen wir Ihnen ja immer noch mal die spektakulärsten Bilder des Tages." Kerner: "Na, spektakulär ist das auch, was wir jetzt zeigen." (setzt ernstes Pseudo-Journalisten-Gesicht auf) TV-Tussi spricht über eine MAZ von einem Panzer, der zur Sicherheit einer Sportstätte in Peking aufgefahren ist - Kerner: "Man weiß nicht, ob man sich dadurch sicherer fühlen soll oder ob einem diese Bilder eher Angst machen sollen. Aber auch das gehört zu Olympia, und wir wollten Ihnen diese Bilder nicht vorenthalten." (legt ernstes Pseudo-Journalisten-Gesicht wieder ab) TV-Tussi: "Und jetzt die schönsten Bilder des Olympia-Tages."

Wären die Beiden 1936 schon beim ZDF gewesen, wäre ihre Moderation wahrscheinlich ähnlich verlaufen: Kerner (setzt ernstes Pseudo-Journalisten-Gesicht auf): "Wir zeigen Ihnen kurz eine MAZ aus einem KZ. Auch diese unschönen Bilder gehören leider zu Olympia und wir wollten Sie Ihnen nicht vorenthalten." TV-Tussi: "Und jetzt die schönsten Bilder des Olympia-Tages. Da ist sogar ein Neger dabei, der Gold im Sprint geholt hat." 

Dagegen ist Beckmann ja fast ein ernstzunehmender Journalist. Wie man es übrigens auch machen kann, zeigt die SZ mit ihrem Olypia-Teil, wo die Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen, gesellschaftliche und politische Aspekte der Spiele einen großen Raum einnimmt, Holger Gertz über die Wirkung der algerischen Beachvolleyballerinnen auf die Emanzipation in deren Heimat schreiben darf, wo sich an prominenter Stelle Berichte über verschleppte Dissidenten oder die Propagandamaschinerie der chinesischen Nachrichtenagentur finden. 

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Gerd Ruge

Ich hab's tatsächlich geschafft, ein Gerd Ruge-Zitat in einem Vorstellungsgespräch unterzubringen, und zwar zu meiner eigenen Charakterisierung. Hoffentlich halten die mich jetzt nicht für größenwahnsinnig.
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Dienstag, August 12, 2008

Trödelmarktfund der Woche: Jim Jarmuschs "Down by Law"

Auf VHS. Als Teil einer Jim Jarmusch-Box von 2001 (dem Versand) von Anfang der 90er. "Permanent Vacation" und "Stranger than Paradise" hätte man auch noch kaufen können, aber ersteren finde ich sehr langweilig und zweiteren hab ich schon auf VHS hier rumstehen. Allerdings sind die 2001-Kassetten sehr schön einheitlich gestaltet und hätten im Regal nebeneinander sicher gut ausgesehen. Aber ich bin halt nicht so der Sammler, der sich Filme nur kauft, um sie im Regal stehen zu haben.

"Down by Law" ist auch der Film, mit dem ich die am weitesten auseinanderliegenden Rezeptionserlebnisse hatte. In verständlicheren Worten: Als ich den Film 1994 oder so das erste Mal in der Videothek auslieh, sagte er mir gar nichts; ich fand ihn weder witzig noch interessant noch sonst irgendwas und dachte nur: "Wie kann man sowas gut finden?" Knapp zehn Jahre später habe ich ihn in der gleichen Videothek noch mal ausgeliehen - und fand ihn großartig. So deutlich habe ich noch nie gemerkt, dass man sich tatsächlich weiterentwickelt.

Die frühen Jarmusch-Filme sind eigentlich purer Punk, aber ohne dass Punkmusik oder Leute, die man vom Äußeren her als Punks bezeichnen würde, in ihnen vorkommen (die These ist jetzt übrigens nicht von mir, stimmt aber trotzdem). Aber die ganze Attitüde (Jarmuschs und die der Hauptfiguren) ist Punk. Dieses Treibenlassen, in den Tag hinein leben, ohne zu wissen, was man eigentlich im Leben erreichen will. "Down by Law" hat laut Booklet eine Million Dollar gekostet, vier Mal so viel wie der Vorgänger "StP". Das merkt man ihm aber nicht an. Es gibt keine Action, kein Spektakel, noch nicht einmal Farbe, keine Handlung, die irgendwo hinführen würde. Und zum Glück auch keine Synchro, denn um die Stimmung zu verstehen, muss man Tom Waits einfach auf Englisch brummeln hören, und der Witz des Films rührt sowieso zu 90 Prozent von Roberto Benignis radebrechendem Italienglisch her. Nicht zufällig besetzte Jarmusch seine frühen Filme oft mit Musikern statt mit Berufsschauspielern. Tom Waits und John Lurie stellen hier keine Charaktere da, sonders eher Rollenbilder, den DJ und den Zuhälter, beides Männer, die sich für harte Kerle halten, die wissen, wie der Hase läuft. Aber eigentlich haben sie keinen Plan, sind mehr Getriebene als rational Entscheidende, von den Frauen kritisiert oder gleich auf die Straße gesetzt, von anderen Gaunern übers Ohr gehauen, von den Bullen unschuldig eingesperrt.

Im Knast treffen sie auf Roberto ("Call me Bob. Roberto, Bob - the same." ), den kleinen, naiven Italiener, der nicht mal richtig Englisch kann, den sie nicht ganz ernst nehmen. Aber Bob hat ein richtiges Verbrechen begangen, hat einen Verfolger mit einer Billiardkugel erschlagen. Und Bob weiß auch - aus einem amerikanischen Film - wie man aus dem Knast entkommt. Was in jedem Hollywood-Film der Höhepunkt gewesen wäre, die Flucht selbst, zeigt uns Jarmusch nicht. Stattdessen irren die Drei eine halbe Stunde durch die Sümpfe von New Orleans, auf der Flucht vor den Hunden und landen schließlich vor einer einsamen Imbissbude, wo Bob wie im Märchen sein Glück findet. Ausgerechnet Bob! Die beiden anderen ziehen weiter und trennen sich an der nächsten Kreuzung. Keiner weiß, wohin sein Weg ihn führen wird. Sind diese Beiden durch die gemeinsamen Erlebnisse klüger geworden? Man hat nicht den Eindruck. Sie sind die gleichen Schwachköpfe geblieben, das Leben dreht sich im Kreis. "Down by Law" ist ein Roadmovie (eher ein Rivermovie), aber die Bewegung ist rein äußerlich.

Stilistisch ist der Film brilliant. Die Schwarz-Weiß-Bilder von New Orleans und den Sumpflandschaften (von Robby Müller, der auch viel mit Wenders gedreht hat) wirken wie Gemälde, die Jazzmusik von John Lurie und die Songs von Tom Waits passen perfekt zur Stimmung. Der Film ist absolut zeitlos, nichts deutet daraufhin, dass die Handlung in den 80ern spielt, es könnten genauso gut die 50er oder die 2000er sein. Die Leute fahren alte Straßenschlitten, der Knast wirkt eher wie in einem Film aus den 20er Jahren, trostlos und mit kahlen Wänden. Die Figuren von Lurie und Waits sind eh völlig aus der Zeit gefallen. Allein ihre Berufe sind schon altmodisch (Radio-DJ!), ihr Habitus könnte auch aus dem 19.Jahrhundert sein, sie tragen komische Hüte und Chucks (zur Gefängnisuniform!). Sie sind Rebellen, aber "without a cause". Ein fast antithetischer 80er Jahre-Film. Filme in den 80ern waren normalerweise grell, bunt, laut, schnell, übertrieben. "Down by Law" ist grau, leise, langsam, zurückgenommen, voller Understatement. Die meisten 80er Jahre-Filmerfolge sind heute vergessen (wer guckt schon noch "Diva" oder "Subway"?), "Down by Law" wird man sich auch in 20 Jahren noch angucken können.  

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Montag, August 11, 2008

Markus Peichl und TEMPO: Ein genialischer Blattmacher schlägt zu

Regelmäßige Leser dieses Blogs wird wohl nicht überraschen, dass TEMPO meine absolute Lieblingszeitschrift war und in der Erinnerung immer noch ist. Als ich die Zeitschrift im Juni 1990 entdeckte, war deren Gründer Markus Peichl allerdings schon seit einem halben Jahr gefeuert. Den Namen hörte ich dann auch zum ersten Mal erst in Zusammenhang mit der Ankündigung, dass es Ende 2006 eine einmalige Jubiläumsausgabe geben sollte, die dieser selbst verantworten sollte. Alleine das war ja schon ein genialer Schachzug: Seinen ehemaligen Verleger zu überreden, eine Jubiläumsausgabe einer Zeitschrift zu machen, die schon seit zehn Jahren eingestellt war, und das dann auch noch von dem ehemaligen Chefredakteuer, den der Verleger schon sechs Jahre vor Ende der Zeitschrift gefeuert hatte, weil er nie die Erscheinungstermine einhielt. So ein Unterfangen dürfte relativ einmalig in der Pressegeschichte sein.

Zufällig bin ich gestern auf zwei sehr interessante Artikel zum Thema TEMPO gestoßen: Die Internetseite retromedia blickt noch einmal auf die wechselhafte Geschichte der Zeitschrift zurück. Dabei erfährt man u.a. etwas über die Entstehungsgeschichte: Der Jahreszeiten-Verlag wollte eigentlich eine deutsche Ausgabe des österreichischen WIENER machen, konnte sich aber nicht mit dessen Verleger einigen. Stattdessen warb man Peichl und einen Kollegen bei den Österreichern ab und ließ sie eine ähnliche Zeitschrift entwickeln: eben TEMPO. (Den deutschen WIENER machte dann im gleichen Jahr der Bauer Verlag, dieser wurde somit zur direkten Konkurrenz für TEMPO.)

Einen Rückblick auf die frühen Jahre in der TEMPO-Redaktion aus der Innenperspektive bietet ein Artikel von Bettina Röhl, den sie 2004 für DUMMY geschrieben und zwei Jahre später in ihr Blog gestellt hat - inklusive der Scans eines Interviews mit Peichl und einer Umfrage bei ehemaligen TEMPO-Autoren, wie sie sich an die Zeit damals erinnern. Es scheinen wirklich wilde Jahre gewesen zu sein: ein Haufen junger Wilder, die jeden Tag sich selbst und die Zeitschrift neu erfinden wollten. Es gab einen inoffiziellen Wettkampf, wer am längsten in der Redaktion blieb und am Morgen als erster wieder da war, Augenringe wurden wie Trophäen getragen. Und an der Spitze des organisierten Wahnsinns der Workaholic und genialische Blattmacher Peichl, der tagelang an jedem Artikel rumredigierte und manche gleich komplett neu schrieb, mit dem man kämpfen musste, damit er die Texte endlich für die Produktion freigab. Deshalb hielt er auch kaum einen Erscheinungstermin ein, was ihn schließlich den Job kostete. (Ein netter Insider-Gag war dann, dass auch die Jubiläumsausgabe 2006 mehrere Male verschoben wurde.) Auch Hunter S. Thompson schrieb für TEMPO, konnte aber nur unter Drogen arbeiten und musste von einer extra aus Deutschland angereisten Redakteurin gehätschelt werden. Those were the days...

Richtig genial fand ich TEMPO nur bis Ende 1991, danach kaufte ich es nur noch sporadisch. Unter dem letzten Chefredakteur verkam es ein wenig zu einer BRAVO für junge Erwachsene, mit bunteren Themen, mehr Sex und kürzeren, oberflächlicheren Texten. Trotzdem fanden sich auch in der Endphase noch hervorragende Texte, da Autoren wie Tom Kummer, Christian Kracht, Peter Glaser etc. ja immer noch dabei waren. Die großen Zeiten waren aber sicher schon vorbei, und nach immer weiter sinkenden Auflagen und Anzeigenerlösen wurde TEMPO 1996 eingestellt. Eine vergleichbare Zeitschrift sollte es nie wieder geben. Sicher war TEMPO ein typisches Kind der 80er; dass ein solches Konzept heute nicht mehr funktionieren würde, finde ich aber nicht, zumal ich auch die einmalige Comebacknummer fantastisch fand. Die ehemaligen Autoren sind inzwischen bekannte Schriftsteller (Maxim Biller, Glaser, Kracht), Ressortleiter bekannter Print-Medien (Claudius Seidl, FAS; Andrian Kreye, SZ usw.) oder stellvertretende BILD-Chefs geworden. Helge Timmerberg ging danach zur BUNTEn, verlegte sein Büro nach Marrakesch, schrieb dort einen Tag in der Woche People-Meldungen, mit denen er so gut verdiente, dass er den Rest der Woche faulenzen konnte. Und Markus Peichl ist jetzt Herausgeber von LIEBLING, dem man noch etwas von der Genialität des Blattmachers anmerkt.    

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Sonntag, August 10, 2008

Idol des Tages

Gerd Ruge. (Weil er mit 80 Jahren noch besseren TV-Jounalismus macht als die 98% Pfeifen, die sonst so über unsere Bildschirme huschen.)
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Paralleluniversum Presseclub

Thema heute: Ärger mit dem Ex - Wie fertig ist die SPD?, oder so ähnlich. Mit dem Ex war Clement gemeint, um den ging es dann aber nur am Rande. Stattdessen 45 Minuten neoliberale Rhetorik à la "Hartz IV war super für die Arbeitslosen, weil dadurch super viele neue Arbeitsplätze geschaffen wurden" und Krokodilstränen en masse, weil man doch auch als CDU-Anhänger ganz doll bedauern müsse, dass es der anderen Volkspartei so schlecht geht. Was das Ganze mit ausgewogenem Journalismus zu tun hatte, müsste mir mal jemand erklären. Bei solch einem parteipolitischen Thema (im wahrsten Sinne des Wortes) müsste man ja eigentlich zwei eher konservative Journalisten einladen und zwei, die eher SPD- oder Linken-nah sind. Denkt man so als Unbeteilligter. Stattdessen lädt man sich zwei konservative Journalisten ein (Helmut Markwort vom Focus und Ulrich Reitz, Ex- Rheinische Post-, jetzt WAZ-Chefred.), eine Frau vom Cicero, der nun auch nicht besonders links ist, und eine von der "Zeit", die aber auch nichts Positives über die SPD zu sagen hat.

Leider konnte ich die Stimmen der beiden Damen im Radio nicht auseinanderhalten, aber mir wäre nicht aufgefallen, dass irgendwer der vier Teilnehmer auch nur ein Argument gebracht hätte, das irgendwie als links eingestuft werden könnte. Stattdessen trauerten alle dem Clement hinterher. Markwort meinte wenig überraschend, solche Leute hätte er gerne mehr in der SPD. Daraufhin meinte eine der Damen, auch ihr sei Clement sympathisch. Sympathisch! Ein Attribut, das ich auf Clement bezogen bisher noch nicht einmal von seinen Verteidigern gehört habe. Auf der anderen Seite wurde der andere große SPD-Dissident Oskar Lafontaine mal wieder permanent als Verräter und politischer Irrläufer charakterisiert, die Linke als Gefahr fürs Land, Frau Ypsilanti als Wahlbetrügerin und potentielle Amokläuferin ohne Verantwortungsbewusstsein usw. Also alles Beschreibungen, die man schon zur Genüge gehört hat, nur nicht in so geballter Form und ohne jegliche Widerrede. Für letztere hätte ja auch irgendein Journalist in der Runde sitzen müssen, der nicht diesem neoliberalen Mainstream zuneigt.

Der Gipfel war aber die Antwort auf die erste Höreranmerkung im anschließenden "Nachgefragt". Da wies ein ehemaliges überzeugtes SPD-Mitglied, das wegen Hartz IV zur Linken übergetreten ist, darauf hin, dass enttäuschte Sozialdemokraten wie er doch den Großteil der Linken-Mitglieder im Westen ausmachen würden und fragte, ob die Diskussionsteilnehmer das denn überhaupt wüssten. Daraufhin Ulrich Reitz: Man müsse sich die Frage stellen, ob all diese Leute wegen Hartz IV aus der SPD ausgetreten seien oder nicht nur deshalb, weil die Parteiführung es versäumt hätte, ihren Mitgliedern zu vermitteln, dass Hartz IV ein ur-sozialdemokratisches Projekt sei. Als Beispiel für eine positive sozialdemokratische Einstellung nannte er dann noch die Forderung dieses wirren SPD-Ministers, man solle sich lieber einen wärmeren Pullover anziehen, statt einen höheren Heizkostenzuschuss zu verlangen. Ein wahrer Sozialdemokrat würde nämlich nicht fragen, wie er mehr Geld vom Staat bekommen könne, sondern wie er sich selbst helfen könne. Bei so viel Zynismus fällt mir dann nichts mehr ein. Außer der Frage, warum man für so einen einseitigen Propagandamüll wie diese "Diskussions"runde eigentlich Rundfunkgebühren bezahlen soll. 

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Samstag, August 09, 2008

Herr Hase liest: Greil Marcus: "Lipstick Traces", S. 333-Schluss

Im letzten Kapitel seines Buches zeichnet Marcus die Geschichte der L.I. und ihrer Nachfolgegruppe, der S.I., von 1953 bis 1968 nach. Im Gegensatz zu den Lettristen, die völlig ohne Wirkung geblieben sind, hatte die S.I. entscheidenden Einfluss auf die Entstehung der Studentenbewegung im Mai 68 in Paris. Was man nicht unbedingt vermutet hätte, wenn man ihre eher obskuren Anfänge betrachtet:

"Die 1957 erstmals in Erscheinung tretende Situationistische Internationale wurde vage als eine paneuropäische Vereinigung größenwahnsinniger Ästheten und fanatischer Spinner wahrgenommen, von den Linken verachtet und von allen übrigen ignoriert." 

1966 gewann eine Gruppe von fünf S.I.-Fans die Wahlen zur Studentenvertretung der Straßburger Universität und nutzte die Haushaltsmittel von 500.000 Dollar hauptsächlich, um eine Broschüre namens "Über das Elend im Studentenmillieu" in einer Auflage von 10.000 Stück zu drucken und zu verteilen, in der sie alles verhöhnte, worauf die Gesellschaft aufgebaut war: Arbeit, Kirche, Familie, Wissenschaft, Universität, moderne Kultur etc. An der Uni führte diese zu Tumulten. Nach sechs Wochen griff ein Gericht ein und enthob die gewählte Studentenvertretung ihres Amtes. Begründung: "Diese Studenten weisen jede Moral und Zurückhaltung von sich und zögern nicht, zum Diebstahl aufzurufen, zur Zerstörung der Wissenschaft, zur Abschaffung der Arbeit, zur totalen Subversion und einer unumkehrbaren proletarischen Revolution, deren einziges Ziel in 'hemmungslosem Vergnügen' besteht." Was für ein Programm!

Marcus zufolge bildeten sich in den Folgejahren an Unis in ganz Frankreich Gruppen, die sich auf die Situationisten beriefen. Diese bildeten schließlich die Keimzellen des Mai 68. Nicht nur die Unis, sondern auch die bestreikten und besetzten Fabriken und die Straßen zwischen ihnen wurden zu Orten des Diskurses, eines neuen, gemeinschaftlichen Lebens. Schon nach wenigen Tagen konnten sich die Aktivisten nicht mehr vorstellen, noch vor Kurzem ein entfremdetes Leben geführt und dieses als ganz normal angesehen zu haben. Für einen kurzen Moment in der Geschichte sah es so aus, als könnten diese Nonkonformisten tatsächlich die Gesellschaft verändern. Genauso schnell zerschlug sich die Bewegung und die Beteiligten führten wieder das Leben, das sie vor der Revolte geführt hatten. "Es war ein Wendepunkt in der Geschichte, bei der die Geschichte es ablehnte, sich zu wenden."

Was Marcus über die Stimmung an den Unis im Pariser Mai 68 schreibt und über die in Berkely 1964, als er selbst Teil des Free Speech Movement war, kommt auch mir aus eigener Erafhrung sehr bekannt vor: Auch beim Studentenstreik im Wintersemester 1997/98 hatte man als Beteiligter für ein paar Wochen das Gefühl, die Uni könne ein ganz anderer Platz der Begegnung, des Diskurses, des Austausches Gleichgesinnter sein, ein Ort wirklicher gedanklicher Freiheit, ganz anders als der Ort, der die Uni normalerweise ist. Auch damals ging die Bewegung genauso schnell vorbei wie sie gekommen war und hinterließ keine Spuren. Der Unterschied zu 68 ist natürlich, dass letzteres nicht auf die Unis in einem Land beschränkt blieb, sondern zum einen eine internationale, wenn nicht gar weltweite Bewegung war, und zum anderen nicht auf die Hochschulen beschränkt, sondern zumindest in Frankreich sich auch auf die Arbeiter ausweitete. Insofern ist mir mehr oder weniger unverständlich, wie diese Bewegung so schnell wieder zerfallen konnte.

Was an den heute fast vergessenen Gruppen der L.I. und der S.I. fasziniert und zugleich verwundert, ist die Gewissheit dieser Gruppen, die jeweils nur aus ein Paar Dutzend Mitgliedern bestanden, durch nichts Anderes als das Verfassen von avantgardistischen Zeitschriften und das ziellose Herumstreifen durch eine Stadt die Welt verändern zu können. Manche ihrer Mitglieder wurden verrückt, andere bürgerlich und viele trauerten noch Jahrzehnte später den alten Zeiten nach, in denen sie glaubten, die Avantgarde einer kommenden Gesellschaft zu sein.
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Was mir bei der Eröffnungsfeier aufgefallen ist

- die Olympia-Hymne klingt wie die "Internationale"

- Jaques Rogge wirkte wie ein Politbüromitglied, das gerade bei der übrigen Parteiführung in Ungnade gefallen ist, wie bei der letzten Rede, bevor er dann auf alten Fotos wegretuschiert wird

- während über dem Stadion die Smogwolke hing, sprach der Chef des chinesischen Organisationskommitees von den "grünen Spielen"

- beim Einmarsch der Nationen wurden wieder alle Klischees erfüllt: für die beste Partystimmung sorgten Brasillianer und Spanier, dafür hatten die afrikanischen Teams die lustigsten Kostüme

- warum um alles in der Welt hat die ARD Sandra Maischberger als Kommentatorin verpflichtet? Wahrscheinlich um etwas Fachkundiges zur politischen Dimension dieses Spektakels beizusteuern. Das ging leider völlig in die Hose. Fazit: Maischberger ist eine gute bis sehr gute Interviewerin, aber eine grottenschlechte Live-Kommentatorin. 

Noch ein schönes Zitat aus der SZ von gestern: "Zhang Yimou [Regisseur der Eröffnungsfeier, der ansonsten in letzter Zeit propagandistische Kostümspektakel dreht] ist die chinesische Leni Riefenstahl." 

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Mittwoch, August 06, 2008

Halleluja!

Anfang der Woche habe ich übrigens nach vier Monaten meinen Bewilligungsbescheid von der ARGE bekommen. Zufälligerweise trug dieser exakt das Datum des Tages, an dem mein Anwalt per Fax einen Eilantrag beim Sozialgericht gestellt hatte. Daraufhin rief dann wohl gleich die ARGE beim Gericht an, um mitzuteilen, man sei gerade dabei, den Bescheid zu verschicken. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...
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Kundenverarsche des Monats: der VRR und seine Preispolitik

Wer auf mittleren Entfernungen unterwegs ist, fährt günstiger, wer besonders weit reist, zahlt entsprechend mehr.

So der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr auf seiner HP über die zum 1. August geänderten Tarifzonen. Mit diesem halben Versprechen wirbt der VRR auch auf Plakaten. Mit der Realität scheint mir das nichts zu tun zu haben. Tatsächlich muss man für eine Fahrt von Düsseldorf nach Wuppertal-Barmen oder nach Essen jetzt statt der bisher gültigen Preisstufe B ein Ticket der Preisstufe C kaufen. Ein Viererticket der Stufe B kostete bisher 13, 40 Euro, für die neue Preisstufe C muss man 30, 70 Euro berappeln. Eine Preissteigerung von unglaublichen 129 Prozent! Würde es eine derartige Preissteigerung beim Benzin geben, bräche in Deutschland wahrscheinlich die Revolution aus.

Und was hat das mit dem o.g. Werbeversprechen zu tun? Die Entfernung beträgt nach Wuppertal-Ost ungefähr 30-35 Kilometer, die nach Essen maximal 50. Also genau das, was ich als "mittlere Entfernung" bezeichnen würde, was der normale Bahnfahrer halt so zurücklegt, um zur Arbeit zu kommen oder sich mal mit Freunden zu treffen, die in einer Nachbarstadt wohnen. Da kann ich nur froh sein, dass alle Wuppertaler, die halbwegs bei Verstand sind, sowieso früher oder später nach Elberfeld ziehen, also in den westlichen Teil der Stadt. Einen Freund in einem östlichen Stadtteil zu besuchen, könnte ich mir nämlich schlicht und einfach nicht mehr leisten. 

Welche Fahrt wohin denn nun billiger geworden sein soll, wie in dem Werbespruch versprochen, konnte ich auf der VRR-Seite bisher nicht herausfinden. Vielleicht hat von euch jemand mehr Glück. Wie mit so einer Preispolitik der Individualverkehr eingedämmt werden soll, ist mir völlig rätselhaft. Bei diesen Preisen kann ich jeden verstehen, der lieber sein Auto nimmt. Ich hab übrigens noch nirgendwo in den Medien irgendetwas über diese Preisänderungen gelesen oder gehört. Unsere Regionalpresse beschäftigt sich lieber mit brennenden Themen wie dem, ob man zukünftig in einer Kneipe mit 71 Quadratmetern rauchen darf oder nicht.

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Dienstag, August 05, 2008

Lesetipp: Facebook, Harvard-Nerds und andere Arschlöcher

Im neuen Rolling Stone findet sich ein lesenswerter längerer Artikel namens "Der Kampf um Facebook". Der gut recherchierte Artikel informiert nicht nur über diverse Rechtsstreite, denen sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wegen Plagiatsvorwürfen ehemaliger Harvard-Kommillitonen ausgesetzt sieht, sondern zeichnet auch sonst ein eher abschreckendes Bild dieser ganzen Web 2.0-Start up-Unternehmer. Entsprechend dem Klischee scheint es sich dabei überwiegend um asoziale Nerds zu handeln, die den ganzen Tag in ihren Wohnheimzimmern rumsaßen, keine Freunde hatten, sich nur von Fast Food ernährten und ihren Kommillitonen, mit denen sie zusammen an ihren Welteroberungsplänen arbeiteten, das Messer in den Rücken stießen, sobald sich die Gelegenheit dazu bot.

Zuckerberg selbst wirkt ja auf den Fotos noch halbwegs normal, auch wenn er in dem Artikel als zweiter Bill Gates beschrieben wird, der seine Idee (und den Quellcode seiner Website) mehr oder weniger von ehemaligen Auftraggebern geklaut hat (natürlich auch Harvard-Studenten wie er). Aber die ganzen anderen Spacken, die an diesem Elite-Institut sonst noch so rumhingen und am next big thing werkelten. Am besten gefallen mir "die Brüder Winklevoss", offensichtlich eineiige Zwillinge, "groß, muskulös, blond und gut aussehend, ruderten in der College-Mannschaft und nahmen an internationalen Rennen teil." Was man halt so macht, wenn man den College-Abschluss schon qua Papas Geldbeutel in der Tasche hat und es nicht mehr wirklich nötig hat zu arbeiten, um zur Oberschicht zu gehören. Beruf des Vaters dann auch: "wohlhabender Finanzberater". Genau die Sorte Typen, die man nie kennen lernen wollte.

Einer der Typen, bei denen Zuckerberg seine Idee geklaut haben soll, war ein gewisser Aaron Greenspan. Dieser lehnte ab, Zuckerberg bei seinem Projekt zu helfen. Begründung: "Er wirkte nicht wie ein Profi. Ich kann das beurteilen, ich hatte schon mit 15 meine eigene Firma." Nee, is klar, wer von uns hatte das nicht. Gegen diese ganzen Spacken wirkt die Charakterisierung Zuckerbergs echt schon wieder sympathisch: Er kam in Pyjama und Badelatschen zu einem Gespräch mit Finanzinvestoren und hackte den Uni-Computer, um eine Website zu erstellen, auf der er Fotos von Kommillitonen Fotos von Tieren gegenüberstellte. Die User konnten dann abstimmen, wer besser aussehe. Daraufhin wäre er fast von der Uni geflogen. Motiv der Aktion: Die Frauen wollten nichts von ihm wissen. Bei Bill Gates war das glaub ich ähnlich, aber der war nicht halb so kreativ. Auch Zuckerbergs Ziel, bevor Facebook an den Start ging, gefällt mir: "Ich will das neue MTV werden." Das ist ihm ja dann auch gelungen... 

Nach Lektüre dieses Artikels fragt man sich noch mehr als vorher, warum diese sozialen Netzwerke eigentlich so unglaublichen Erfolg haben, scheint es sich doch wirklich nur um die Spielereien einiger verzogener, unreifer Oberschichtskids zu handeln, die von ihren viel beschäftigten Eltern keinerlei soziale Werte oder auch nur so etwas wie rudimentäre Umgangsformen vermittelt bekommen haben, und weil sie eh keine Freunde hatten, aber immer den neuesten PC, nichts anderes können als zu programmieren. 

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Montag, August 04, 2008

Leonard Cohen

"Ein guter Anti-Drogen-Song muss dem Zuhörer auch ein Gefühl von der Wirkung der Droge vermitteln. Insofern wäre 'Heroin' ein guter Anti-Drogen-Song. Ich weiß aber nicht, ob man danach nicht eher das Bedürfnis hat, los zu gehen und sich Heroin zu besorgen."

(Klaus Walter gestern sinngemäß in seiner sehr empfehlenswerten Sendung über Andy Warhol auf Byte FM (Wdh. morgen, 13 - 16 Uhr))

I found a silver needle, put it in my arm, it did me some good, did me some harm 

(Leonard Cohen, The Butcher) 

Ich hole gerade ein wenig die frühen Alben von Leonard Cohen nach. Bisher kannte ich nur sein Debütalbum (grandios) und "I'm your man" aus den 80ern (höchst mittelmäßig, mit fürchterlichen 80s-Arrangements). Cohen gehört zu den Künstlern, die ich eigentlich ziemlich großartig finde, aber mit denen ich mich trotzdem nie so richtig beschäftigt habe. Obwohl sein Songwriting oft an Ausnahmekünstler wie Dylan oder Elvis Costello heranreicht. Aber man kann halt nicht ein Dutzend Lieblingssänger haben, man muss sich schon auf drei oder vier beschränken. Anyway, sowohl "Songs from a room" als auch "Songs of love and hate" sind großartig, ersteres vielleicht noch ein wenig besser als letzteres.

Durch die Texte von "Songs from a room" ziehen sich drei große Themenkomplexe: Frauen, Krieg und Religion. Die Liebeslieder von Cohen sind fast immer bewegend, "The Partisan" und "The Old Revolution" sind auch toll, bei den Liedern mit religiösem Bezug zweifel ich immer ein bisschen, was er mir damit eigentlich sagen will. Wobei sich die biblischen Anspielungen durch sein Gesamtwerk zu ziehen scheinen, jedenfalls nach dem zu urteilen, was ich jetzt so von ihm kenne. Das fängt schon bei "Suzanne" auf seinem ersten Album an ("Jesus was a sailor when he walked upon the water..." ). Auf "Songs from a room" sind die Bezüge überdeutlich. Ein Lied über seinen (?) Vater heißt "Story of Isaac", in "The Butcher" geht es u.a. um einen Mann, der ein Lamm schlachtet, und dem Erzähler sagt, dass dieser sein einziger Sohn wäre. Die Texte von Cohen sind immer sehr kryptisch; man spürt immer seine Herkunft von der Poesie. Statt einer Aussage erzeugen sie immer eher ein unbestimmtes Gefühl.

Darüber hinaus inszeniert sich Cohen in seinen Texten gerne als Frauenheld und Mischung aus Macho und Frauenversteher. Textzeilen wie "Sometimes I need you naked, sometimes I need you wild, I need you to carry my child in, I need you to kill a child" gehen ja eigentlich gar nicht. Aber verbunden mit diesem südamerikanischen Aussehen und dem Hundeblick würde ich wahrscheinlich auch auf diese Masche hereinfallen ;-).

Das Markanteste an Cohen ist sicherlich seine Stimme; er ist einer der ganz wenigen Sänger, den man immer sofort erkennt, wenn man einen seiner Songs irgendwo im Radio oder in einem Film hört, auch wenn man den Song nicht kannte. Ging mir z.B. bei Neil Jordans "The Good Thief" so. Als Songschreiber kann er aber auch einiges (nicht nur, was die Texte angeht). Obwohl er zum Reinhard Mey-Syndrom neigt, d.h. viele seiner Lieder hören sich einfach sehr ähnlich an. Öfter mal variiert er die Melodie von "Suzanne" bei anderen Songs. Gut, muss auch nicht das Schlechteste sein, zumal das nicht nur sein bekanntester, sondern vermutlich auch sein bester Song ist. Fazit: Cohen hat gute Chancen, in meinen persönlichen Pop-Olymp aufzusteigen.

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Sonntag, August 03, 2008

Herr Hase liest: Greil Marcus: "Lipstick Traces", S. 237-332

Nach dem mäßig interessanten Kapitel über den Dadaismus gewinnt Marcus' Buch tatsächlich an Fahrt und wird auch verständlicher - vielleicht liegt letzteres aber auch nur an meiner Tagesverfassung. Auf jeden Fall werden seine Thesen immer steiler. Zunächst stellt er eine Verbindung her zwischen einer heute völlig unbekannten schwarzen Rockband der 40er Jahre - seiner Meinung nach die erste Rock'n'Roll-Band überhaupt -, den scheinbar sinnlosen Morden einiger Psychopathen in den 40er und 50er Jahren und den Lettristen in den 50ern. Die Gemeinsamkeit dieser drei Gruppen sei ihr Wille zum Nihilismus gewesen, die Mörder (heute würde man wahrscheinlich von Amokläufern sprechen) seien auf ihre Art James Deans gewesen und somit Vorläufer und Wiedergänger nihilistischer Jugendbewegungen wie den Lettristen oder auch den Punks. Puh, das nenne ich mal eine steile These. Die Stilisierung von Mördern zu Helden der Jugendkultur finde ich etwas bedenklich, aber wenn's dem Unterhaltungswert des Buches dient...

Nebenbei erfahren wir noch etwas über den Prototypen des Reggae-Anhängers (auch er ein mehrfacher Mörder) und dass Catherine Deneuves 1984er Werbespot für eine Body Lotion keine Produktwerbung, sondern "die Verdinglichung eines Marktes...und einer Idee" gewesen sei: "Um jung zu sein ... , mußte man alt sein."

Die Lettristen scheinen auch die Erfinder der Jugendkultur gewesen zu sein, indem sie Jugend als etwas definierten, was nicht vom Alter abhänge: "Unabhängig von seinem Alter werden wir jeden Menschen jung nennen,der noch nicht mit seiner Funktion eins geworden ist, der handelt und sich anstrengt, um in das Betätigungsfeld zu gelangen, nach dem er sich aus ganzem Herzen sehnt, der für ein nach Situationen zu beurteilendes Leben kämpft und für eine Arbeit, die sich von der für ihn festgelegten unterscheidet... Die Jungen, die nichts zu verlieren haben, sind der Angriff - sie sind in der Tat das Abenteuer. Die Jugend soll nicht länger als Ware dienen, bloß um zum Konsumenten ihres eigenen Elans zu werden." (Isidore Isou, "Unser Programm", 1950) Danach kam die Popkultur und mit ihr die Vermarktung jeder gegenkulturellen Bewegung; heute trägt jeder unpolitische Oberschüler ein Che-T-Shirt und Bankkaufleute hören Punk-Platten...

Die Steilheit der Thesen flacht nicht ab, denn im folgenden Kapitel lernen wir nicht nur den wirren Lebenslauf eines der lettristischen Aktionisten kennen, der dadurch berühmt-berüchtigt wurde, dass er, als Mönch verkleidet, den Ostergottedienst in Notre-Dame störte und von der Kanzel verkündete, Gott sei tot, sondern erfahren auch noch einiges über die Jahrhunderte andauernde Geschichte des Ketzertums, insbesondere über die "Brüder des freien Geistes", die die Kirche zerstören wollten, und glaubten, jeder könne selbst zu Gott werden. Um Marcus' Logik zu folgen, waren diese Ketzer eigentlich die ersten Punks.

Im folgenden Kapitel geht es hauptsächlich um die Avantgardefilme der Lettristen, die für diverse Skandale in Cannes und anderswo sorgten, darunter ein Film, der kein einziges Bild enthält, lediglich zwischen einer weißen und einer schwarzen Leinwand wechselt. Und ich dachte immer, "Der Andalusische Hund" sei anstrengend.

Auch wenn mir das ständige Vor- und Zurückspringen in der Geschichte, um mehrere Jahre, Jahrzehnte oder im Extremfall auch mal Jahrhunderte, weiterhin nervt, muss ich sagen, inzwischen hat er mich, der Marcus.

Wird fortgesetzt.
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Das deutsche Jobwunder und das Ende des Rechtsstaates

Zwei sehr pointierte Artikel zum florierenden deutschen Arbeitsmarkt. Einem anderen Blog konnte ich entnehmen, was ich merkwürdigerweise noch in keiner Zeitung, Radio- oder TV-Sendung vernommen hatte: die geplante Kürzung der Prozesskostenhilfe um 25 Prozent. Die deutschen Medien füllen ihre Seiten und Sendezeiten halt lieber mit Scheindebatten wie der um das Rauchverbot. Währenddessen wird klammheimlich der deutsche Rechtsstaat zu Grabe getragen. Oder ist die Definition desselben, dass jeder, der über ausreichende finanzielle Mittel verfügt, vor unabhängigen Gerichten gegen behördliche Entscheidungen vorgehen kann? Besonders perfide wird das Ganze, wenn es wirklich hauptsächlich darum geht, die Welle der Sozialgerichtsprozesse im Zusammenhang mit dem SGB II einzudämmen. Die Betroffenen klagen ja schließlich nicht deshalb, weil sie Querulanten sind, die nichts Besseres mit ihrer Zeit anzufangen wissen - im Gegensatz zu einer Vielzahl der Zivilprozesse -, sondern weil ihnen fundamentale, um nicht zu sagen existenzielle Rechte von den Sozialbehörden vorenthalten werden. Sollte diese Kürzung in Kraft treten, sind viele der Betroffenen dann halt nicht mehr nur mittel-, sondern auch noch rechtlos. Der Pöbel hat sich gefälligst den Entscheidungen der Obrigkeit zu beugen, und wenn diese nicht beliebt, überhaupt zu entscheiden, muss er halt betteln gehen oder Flaschen sammeln. Insofern scheint mir die Einführung des Dosenpfandes eine ebenso wirksame Maßnahme der Sozialgesetzgebung zu sein wie die Hartz IV-"Reform".

Nachdem ich diesen Blog-Artikel gelesen hatte, habe ich mir erstmals die Frage gestellt, ob das Leben in der DDR nicht doch das Erstrebenswertere war. Gewissensfrage: Wo lebt es sich besser, in einem offensichtlichen Unrechtsstaat, der seinen Bürgern fast alle formalen Freiheiten wie Meinungs-, Reise-, politische Freiheit etc. vorenthält, in dem aber jeder unter menschenwürdigen ökonomischen Bedingungen leben kann und ansonsten in Ruhe gelassen wird, sofern er politisch nicht aneckt, oder in einem formalen Rechtsstaat, in dem weite Teile der Bevölkerung von der Teilhabe am erwirtschafteten Ertrag der Volkswirtschaft weitestgehend ausgeschlossen werden, stattdessen mit einem staatlichen Almosen abgespeist werden, dafür auch noch permanent ein schlechtes Gewissen eingeredet bekommen, und letztendlich auch noch ihren Möglichkeiten beraubt werden, ihr ohnehin schon sehr eingeschränktes Recht auf soziale Unterstützung auch durchsetzen zu können? 

Was mir auch noch durch den Kopf ging: Ich sehne mir manchmal die Helmut Kohl-Regierung zurück. Da konnte man wenigstens noch klare Feindbilder haben und hatte noch die Hoffnung, es könne sich irgend etwas zum Positiven verändern, wenn die Opposition die Wahl gewinnen würde. Spätestens seit Schröders Hartz-Reformen glaubt das wohl niemand mehr. Die wären unter Kohl übrigens absolut undurchsetzbar gewesen. Die SPD und die Gewerkschaften wären dagegen Sturm gelaufen, die CDU hätte sämtliche Landtagswahlen verloren und Kohl hätte vermutlich zurückrudern müssen. Etwas Besseres als Schröder, Clement und Peter Hartz konnte den deutschen Kapitalisten gar nicht passieren.
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Samstag, August 02, 2008

Abgefahren

Bei Holger Kleins "Nightline" kann man echt was lernen. Z.B. wo man im Internet avantgardistische Tondokumente findet. Wenn ihr mal wirklich abgefahrene Sachen hören wollt, schaut euch mal die Seite von UbuWeb an. Da gibt es u.a. ein großes Archiv mit MP3s von allen möglichen Avantgardekünstlern, von Henry Miller über die Beatniks der 50er Jahre wie Jack Kerouac, William S. Borroughs und Allen Ginsberg bis zu John Lennon und Yoko Ono oder Klaus Kinski. Manches davon ist sehr witzig (z.B. Ausschnitte aus Kinskis berühmten "Jesus"-Auftritt, wo er anfing, das Publikum in unflätigster Weise zu beschimpfen plus die genau so witzigen Reaktionen einzelner Zuschauer), anderes ist mehr oder weniger unhörbar (John Lennons siebenminütiges Hörspiel, dass hauptsächlich aus Geräuschen besteht, die sein Mittelwellenradio von sich gibt, während er am Sendersuchknopf dreht). Und die ganzen Dadaisten, Lettristen und Situationisten finden sich hier natürlich auch. Überwiegend sehr anstrengende Kost. Empfehlenswert ist auch der Podcast, in dem in 15 Minuten ein avantgardistisches Multimedia-Magazin der 60er Jahre vorgestellt wird. Wer will, kann sich auf der HP auch Filme von Alexander Kluge angucken oder eine 30minütige Doku über Henry Miller beim Essen in einem Café ;-).

Wer es etwas weniger avantgardistisch mag, sollte auf der Nightline-Seite mal nach dem Link zum Mitschnitt eines Tom Waits-Konzertes in Georgia suchen. Über zwei Stunden Gebrumme und Geknurre at its best.

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Freitag, August 01, 2008

Blühende Landschaften

Wir sind auf dem Weg zur Vollbeschäftigung. Wenn man einschlägig bekannten Politikern glauben will, z.B. Edwin Huber und Olaf Scholz. Nur noch knapp über drei Millionen Arbeitslose, hunderttausende offener Stellen, die Wirtschaft floriert, der Arbeitsmarkt boomt, Milch und Trauben wachsen bald an allen Bäumen!

Der offiziellen Arbeitslosenstatistik vertraue ich ungefähr so viel wie den Beteuerungen von McDonald's, wie gesund ihre Speisen doch sind. Im "heute-journal" konnte man gestern erfahren: Neben den offiziell Arbeitslosen gibt es in Deutschland noch eine halbe Million Ein Euro-Jobber, etwa ebenso viele über 58-Jährige, die wegen mangelnder Aussicht auf einen Arbeitsplatz gar nicht erst in der Statistik auftauchen (was für eine unfassbare Realitätsverleugnung: Wer keine Chance mehr hat, eine Arbeit zu finden, kann qua Definition halt gar nicht arbeitslos sein!), und noch mal gut 400.000, die in irgendwelchen Weiterbildungsmaßnahmen überwiegend ihre Zeit vertrödeln. Macht zusammen mehr als 4,5 Millionen Menschen, die man eigentlich als arbeitslos bezeichnen müsste. Da sind jetzt noch nicht die ganzen Mini-Jobber dabei, die eigentlich gerne Vollzeit arbeiten würden, oder die Hausfrauen, die sich wegen mangelnder Ansprüche auf Leistungen gar nicht erst beim Arbeitsamt melden, obwohl sie auf Jobsuche sind. Uns wo kommt eigentlich die Zahl von sieben Millionen Hatz IV-Empfängern her? Sind das alles alte Ommis, die eh nicht mehr arbeiten können, oder kinderreiche Familien? Oder nicht doch überwiegend Leute, die entweder gar keine Arbeit haben oder eine so schlecht bezahlte, dass sie davon ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können?

"Junge Menschen, die gut ausgebildet seien, würden immer gesucht", wird Düsseldorfs Arbeitsagentur-Chef heute in der NRZ zitiert. Darüber kann ich jetzt aus eigener Erfahrung nicht mal mehr lachen. Glauben diese ganzen Spitzenbeamten und -politiker ihren Blödsinn eigentlich noch selbst? 

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Clement, die SPD und die Krokodilstränen linksliberaler Zeitungen

Jetzt hat die SPD-Schiedskommission die erste richtige Entscheidung getroffen, die ein wichtiges Gremium dieser Partei seit langem überhaupt getroffen hat, und schon weinen sämtliche Tageszeitungen, die sich selbst für irgendwie SPD-nah halten, dem armen Wolle Clement hinterher, der doch sooo ungerecht behandelt worden sei. Die Partei habe sich mit dem Rauswurf ihres verdienten ehemaligen Spitzengenossen einen Bärendienst erwiesen und sei dadurch für weite Bevölkerungsschichten (aka "Die Neue Mitte" ) unwählbar geworden. Eine Volkspartei müsse ihre verschiedenen Flügel integrieren, statt Mitglieder mit abweichender Meinung herauszuwerfen etc. etc.

Dabei basiert die Entscheidung des Schiedsgerichts auf einer ganz einfachen Handlung Clements, die so eindeutig als parteischädigendes Verhalten zu werten ist, dass hierüber eigentlich jede Diskussion überflüssig ist. Muss sich eine Partei von ihren prominenten Mitgliedern alles gefallen lassen? Wenn Norbert Blüm oder Heiner Geißler vor der nächsten Bundestagswahl einen Zeitungsartikel schreiben würden, in der sie Angela Merkel wegen ihrer neoliberalen Politik für unwählbar erklärten, würde die CDU sich das doch auch nicht in Seelenruhe ansehen. Es ist nicht die SPD, die Clement aus ihren Reihen rausgedrängt hat, sondern Clement selbst, der sich mit seinem Artikel außerhalb jeder innerparteilichen Solidarität gestellt hat. Warum er dann eigentlich immer noch so an seiner Mitgliedschaft hängt, ist mir völlig unverständlich, wahrscheinlich reine Nostalgie - oder Selbstbetrug. Oswald Metzger hatte wenigstens noch die intellektuelle Einsichtsfähigkeit zu erkennen, dass er mit seinen politischen Einstellungen bei den Grünen nichts mehr verloren hatte. 

Und wieso schadet der Rauswurf Clements jetzt angeblich der SPD? Es ist doch vielmehr dieser, der "seiner" Partei in den vergangenen 10 Jahren mehr geschadet haben dürfte, als Angela Merkel und Oskar Lafontaine zusammen. Was für grandiose Entscheidungen dieser Mann in seiner aktiven Zeit doch getroffen hat. Ich erinnere nur daran, dass er als NRW-Ministerpräsident die Ämter des Innen- und des Justizministers zusammen legen wollte. Mit dem Zusammenlegen hatte er es ja sowieso (siehe Hartz IV). Erst hat er die SPD in NRW um die Macht gebracht; nachdem ihn in Berlin keiner mehr haben wollte, ist er zur Stromlobby gewechselt und dann hetzt er auch noch gegen die hessische Spitzenkandidatin "seiner" Partei. Auch wenn es bei dem Beschluss der Schiedskommission gar nicht um Rache und Abrechnung ging, wie uns die SZ heute Glauben machen will: Der Mann hatte in dieser Partei schon lange nichts mehr verloren. Möge sein alter Freund Florian Gerster ihm bald folgen.

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