Sonntag, März 08, 2009

Kampf dem Indie-Spießertum: Die schillernde Welt von Tamla-Motown

Ich muss gestehen, dass sich in meiner Plattensammlung so gut wie keine schwarzen Interpreten finden, von Jugendsünden wie Michael Jacksons "Bad" und Bobby McFerrin sowie einigen Jazz-CDs mal abgesehen. Das liegt weniger daran, dass ich mit Musikrichtungen wie Soul oder Blues nichts anfangen kann. Vielmehr geht es mir damit ähnlich wie mit Jazz: Vieles, was ich zufällig höre, im Radio, in Filmen oder auf Samplern, finde ich großartig, kenne mich aber einfach zu wenig damit aus, um zu wissen, welche Platten ich mir kaufen sollte.

Nun hat mich die großartige Story über 50 Jahre Motown im letzten "Rolling Stone" doch inspiriert, mich mal auf die Suche nach Motown-Künstlern zu machen. Für sowas ist natürlich Last.FM gut. Auf dem Trödelmarkt habe ich dann vorhin zwei LPs erstanden: eine von der wunderbaren Gladys Knight & The Pips und einen Sampler mit dem Titel "Tamla-Motown is hot, hot, hot Volume 2", der sich schon alleine wegen des Covers gelohnt hätte. Darauf finden sich dann Songs einiger der bekanntesten Gruppen und Sänger des Labels: die Four Tops, die Temptations, die Jackson 5, Marvin Gaye, Stevie Wonder - und immer wieder Diana Ross und ihre Supremes, in wechselnden Besetzungen. Insgesamt ein lohnenswertes Album.

Fast durchgehend phänomenal finde ich aber Gladys Knight, von der ich bis letzte Woche nur zwei Lieder kannte: ihren James Bond-Titelsong "License to kill" und ihren wohl größten Hit "Midnight Train to Georgia". Aber die Frau kann im Grunde singen, was sie will. Mit DER Stimme wird fast jeder Song outstanding. Interessant finde ich auch, dass bei dieser Gruppe die Frau im Vordergrund steht und drei Männer (ein Bruder und zwei ihrer Cousins) den Background-Chor geben. Damals wie heute eher ungewöhnlich. "Midnight Train..." ist für mich ein Beispiel eines perfekten Arrangements (abgesehen davon, dass der Song einfach toll ist): das Zusammenspiel von Lead Vocals und Background-Gruppe - besser geht's nicht. Ein Lied, das einem sofort den Tag versüßt. Siehe Video oben (Das US-Fernsehen hatte schon 1974 aufwändige Split-Screens! Man beachte auch die Tanzschritte der Pips im Hintergrund - unglaublich).

geschrieben von herrhase ( Medien ) :: Kommentare (0) :: Permalink :: Trackbacks (0)