Donnerstag, September 10, 2009

Der schlechteste Kanzlerkandidat seit 25 Jahren

Das ist Frank-Walter "FW" Steinmeier. Mindestens. (Rau war glaube ich 1983? Also seit 27 Jahren.) Wer sich am Dienstag durch die "ZDF-Wahlarena" mit FW gequählt hat, konnte den Eindruck gewinnen, der Mann sei irgendwie im falschen Film gelandet. Abgesehen davon, dass er schwitzte wie ein Bär unter der Höhensonne und sich während der Fragen aus dem Publikum teilweise Luft zupustete, erfüllte er in geradezu paradigmatischer Weise das Klischee des Politikers, der nie auf eine gestellte Frage antwortet. Stattdessen schrammten seine Antworten immer mehr oder weniger haarscharf an den Fragen der Zuschauer vorbei. Beispiel: "Was wird die SPD dafür tun, dass es mehr und bessere Bildung in Deutschland gibt?" - "Also, die Konkurrenz von der CDU sagt ja überhaupt nicht, wie sie bessere Bildung finanzieren will. Die versprechen was und sagen dann nicht, wie sie das bezahlen wollen. Das finde ich unanständig." Und was will die SPD tun? Das wusste man hinterher immer noch nicht.

Anderes Beispiel: Ein Zuschauer schildert, dass er viele Bekannte hat, die Vollzeit arbeiten, aber trotzdem Hartz IV beantragen müssen, weil sie von ihrem Lohn nicht leben können. Frage: "Wann wird sich Arbeit in Deutschland wieder lohnen?" Statt dass der Mann nun antwortet, die SPD wolle deswegen einen Mindestlohn einführen (angeblich will sie das ja), stammelt er herum: "Erstens bedeutet Arbeit zu haben ja einen Arbeitsplatz..." (aha, und was nützt einem der, wenn er die Miete nicht einbringt?), "zweitens ein Einkommen" (das unter dem Hartz IV-Satz liegt), "und drittens ja auch, dass sie ihre Ansprüche fürs Alter dadurch sichern." (Wie hoch fällt wohl die Rente aus, wenn man nicht mal von seinem Erwerbseinkommen leben kann?) Kurzum: Die Antwort des Kandidaten lautet eigentlich: "Im Grunde lohnt sich Arbeit für viele nicht und ich kann ihnen da auch nicht helfen, aber Arbeit stellt ja schon einen Wert an sich da." Irgendwie zynisch.

Vollends lächerlich macht sich der Mann, wenn er dann noch glaubhaft versichern will, er hätte eine Chance, tatsächlich bald Kanzler zu werden. Und zwar ohne Hilfe der Linken. Frage: "Mit wem wollen Sie denn koalieren, wo es ja zu einer Mehrheit allein mit den Grünen offensichtlich nicht reichen wird?" - "Ich kämpfe für eine Mehrheit der SPD. Da es zu einer absoluten Mehrheit wahrscheinlich nicht ganz reichen wird..." (die Bemerkung sollte wohl witzig sein, wirkte aber nur verzweifelt bemüht), "... kann ich mir vorstellen, nein, strebe ich sogar an, eine Koalition mit den Grünen." Klingt überzeugt. Und das ist die Antwort auf die Frage des Zuschauers, die ja schon beinhaltete, dass das alleine nicht reichen wird?

Auffällig war nicht nur, dass FW meistens erst einmal zehn Sekunden schwieg, bevor er überhaupt mit einer Antwort begann - unangenehm war vor allem sein Beamtendeutsch. "Ich komme auch aus einem Familienhintergrund, nein, aus einer Familie ohne akademischen Hintergrund." Schröder hätte einfach gesagt: "Bei uns in der Familie hatte auch niemand studiert." Bei FW heißt das "Familienhintergrund" oder "-zusammenhang". Der Mann müsste erst mal lernen, wie ein normaler Mensch zu sprechen, und nicht wie jemand, der seit 20 Jahren nur noch die Welt der Gremien und Hinterzimmergespräche kennt.

Fast schon das Schlimmste an seiner Kandidatur ist, dass er nicht einmal den Eindruck erweckt, wirklich Kanzler werden zu wollen. Dazu fehlt ihm auch jede politische Vision. Die hatten Schröder und Merkel zwar auch nicht, bei denen war und ist aber zumindest der Wille zur eigenen Machtausübung deutlich erkennbar. Steinmeier wirkt hingegen wie ein Parteisoldat, der den Job des Kanzlerkandidaten übernommen hat, weil es irgendwer halt machen muss, der sich im Grunde in seiner Rolle als ewiger zweiter Mann aber ganz wohl fühlt - und der selbst nicht weiß, was er im Kanzleramt denn nun eigentlich besser oder zumindest anders machen sollte als Frau Merkel.

Als Oskar Lafontaine 1990 als Kanzlerkandidat 33 Prozent für die SPD holte, galt das als neuer Tiefpunkt in der jüngeren Parteigeschichte. Mit FW Steinmeier wird die ehemalige Volkspartei froh sein, wenn es für 23 Prozent reicht. Und FW kann dann wieder das machen, was er am besten kann: diplomatisch herum schwadronieren - in weiteren vier Jahren als Außenminister in der großen Koalition.

geschrieben von herrhase ( Journalismus, Politik ) :: Kommentare (0) :: Permalink :: Trackbacks (0)

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